Ich trage seit 25 Jahren ständig problemlos eine Maske – stellt euch nicht so an!

| 1. Mai 2020

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Mein Leben mit der Maske!

Ganz verwundert nehme ich die Diskussionen über das Tragen der Mund-Nasen-Masken zur Kenntnis, denn ich trage schon seit fast 25 Jahren regelmäßig und über längere Zeiträume hinweg eine Schutzmaske, FFP2 ohne Filter.

Warum? Ich bin Tierärztin und wenn ich operiere, dann trage ich z.B. eine Maske. Und das nicht nur zu Coronazeiten, sondern immer, weil ich so meine Patient*innen vor Infektionen schütze, während ich operiere. Nun lese ich Sachen, wie:

Der Mundschutz sei gefährlich, man bekomme nicht genügend Sauerstoff, das CO2 sammele sich und durch die Feuchtigkeit in den Lungen und man sei dadurch besonders gefährdet und so weiter (unser Faktencheck dazu). Und dann denke ich an meine letzte längere OP: Ich hatte vier Stunden lang nonstop die Maske auf. Nee, ist klar, wenn ich vier Stunden operiere zieht mich alle zwei Stunden jemand aus dem OP und reanimiert mich! Lustiger Gedanke!

Nein, ich trage meine Maske, ohne jegliche Folgen, berate gerade oft meine Kund*innen, wie sie ihre aufsetzen können, ohne dass die Brille beschlägt und wundere mich weiter über diverse Horrorgeschichten über das Maskentragen. Klar, eine Maske ist ungewohnt. Und bevor man sich daran gewöhnt hat ist sie auch erstmal unbequem. Sie scheint einen zuerst einzuschränken, tut sie aber nicht wirklich, man muss sich nur einfach daran gewöhnen. Aber das Gleiche gilt ja auch erstmal für Hörgeräte, Brillen und andere Sachen, die man im Gesicht hat.

Ihr müsst euch einfach erstmal dran gewöhnen

Mein Tipp ist es, sich an die Maske zu gewöhnen, indem man sie da mal trägt, wo man nicht muss, aber sich echte Vorteile ergeben. Beispielsweise fahre ich voll gerne mit der Maske Rad, weil gerade jetzt im Frühling die Insekten nicht in meinen Mund fliegen und ich mit meinem Heuschnupfen dann tatsächlich etwas freier atmen kann. Und es trainiert die körperliche Anstrengung. Und wenn mich meine Kund*innen sehen, wie ich mit Maske auf dem Gesicht angeradelt komme, bin ich auch gleich mal ein gutes Vorbild.

Ich verstehe die Beklemmungen unter der Maske, denn am Anfang ging es mir auch so. Also eine kleine Geschichte aus meinem Nähkästchen: Es trug sich ca. 1998/99 an der Tierärztlichen Hochschule Hannover zu und ich, kleine Tiermedizinstudentin, durfte bei einer echt coolen OP an einem Lamababy teilnehmen. In der Kleintierklinik und unter ganz sterilen Umständen (wie üblich). Also raus aus den Stallklamotten, rein in die sterile Wickelmode: Hose und Kasack, Bleischürze (weil wir während der OP röntgen mussten), sterile OP-Wickelkittel, OP-Haube, Handschuhe und der verflixte Mundschutz noch obendrauf und dann ab in den OP.

Und dann lag ich ganz fachgerecht vor dem OP-Tisch auf dem Boden, weil mir schlecht wurde. Ich sah meine chirurgische Karriere an mir vorüberziehen. Also die, die noch nicht mal begonnen hatte. Aber operieren ist cool und macht mir Spaß, aber es geht ja nicht ohne Mundschutz! Also habe ich mit Mundschutz Hausputz gemacht, gekocht und vieles anderes getan. (Nicht in der Öffentlichkeit, denn das war vor Corona und ich wollte nicht ganz so auffallen).

Mein Mundschutz und ich sind gute Freunde

Es hat geklappt und mein Mundschutz und ich sind jetzt gute Freunde. Zumindest jeweils für eine kurze Zeit, denn normalerweise sind die eben nur Einwegartikel. Nun habe ich meine Arbeitsmasken (FFP2 ohne Filter) und eine Alltagsmaske, die weniger medizinisch aussieht, aber ebenso ihnen Zweck erfüllt. Sicher nicht so gut wie meine guten FFP2, aber dafür wiederverwendbar. Und meine „guten“ Masken brauche ich für meine Arbeit, denn die sind leider noch immer knapp.

Die Alltagsmasken müssen aber auch nicht unbedingt solchen medizinischen Kriterien entsprechen, denn sie sind nur eine ERGÄNZUNG zu den schon bestehenden Hygiene- und Abstandsregeln. Denn selbst meine gute FFP2 schützt mich nicht wirklich vor Viren. Ich finde die Maskenpflicht trotzdem gut, weil sie die Ansteckung schwerer macht als ohne – wenn man sich an die Abstandsregeln hält. Die Maske ist für mich auch ein bisschen Solidarität, weil man etwas für andere und nicht für sich tut.

Ein wenig ein Zeichen, dass wir alle in einem Boot sitzen und nicht alleine sind, trotz sozialem Abstand. Rein optisch sind da auch echt coole Modelle dabei. Wir sitzen alle in dieser Pandemie und werden es aushalten. Nun muss ich aber auch zugeben, dass mir diese Regeln alle nicht fremd sind und logisch erscheinen, denn das ist nicht meine erste Pandemie. Gut, bei meinen Pandemien sehen die Maßnahmen dann doch etwas drastischer aus, da werden die Kontaktpersonen (Tiere) gekeult, was nicht so nett ist. Meine Pandemien heißen Geflügelgrippe oder Afrikanische Schweinepest, aber eins haben alle gemeinsam: Sie gehen vorüber, ganz sicher.



Artikelbild: Anke M.

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