Querdenker-Anwalt teilt aus Versehen Studie, die belegt, dass PCR-Tests sehr genau sind

| Corona-Fake | 30. November 2020

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PCR-Tests in Wuhan – 0.001% falsch positiv?

Pandemie-Leugner Anwalt Füllmich möchte uns verklagen, weil wir unter anderem widerlegt haben, dass Pandemie-Leugner Wodarg bei den PCR-Tests eine relativ hohe falsch-positiv Rate von 1% sieht.

Klage! Sie machen ernst: Fuellmich will sich wohl vor Gericht gegen uns blamieren

Nun hat ein Pandemie-Leugner-Anwalts-Kollege von Füllmich aber auf Telegram eine Studie gepostet, die aus Versehen Wodargs Behauptung ebenfalls komplett entkräftet. RA Ralf Ludwig postete diese Nature-Studie über PCR-Tests in Wuhan (eigentlich möchte er damit etwas anderes belegen, dazu gleich mehr). Der Post von Ludwig wurde völlig unkritisch von seinen naiven Follower:innen dutzendfach auf Telegram repostet und bekam fast 200.000 Views.

Was wirklich in der Studie steht

In der Studie wird beschrieben, wie in der Stadt von Wuhan fast 10 Millionen Einwohner:innen nach dem harten Lockdown komplett mit PCR durchgetestet wurden, und dort nur noch 300 Positive gefunden wurden. Ich sage das nochmal: 300 Tests bei mehreren Millionen Tests waren positiv. Also selbst wenn man annimmt, dass diese 300 *alle* falsch positiv wären, macht das eine Falsch-Positiv-Rate von gerade mal unter 0.01% für die verwendeten PCR-Tests.

Tatsächlich muss man sogar davon ausgehen, dass die meisten dieser Fälle “echt positive” waren. Aus folgenden zwei Gründen, die in der Studie genannt werden:

  • “We found that asymptomatic positive rates in different districts of Wuhan were correlated with the prevalence of previously confirmed cases.”

(“Wir fanden heraus, dass asymptomatische Positivraten in verschiedenen Distrikten von Wuhan mit der Prävalenz zuvor bestätigter Fälle korrelierten.”)

  • “Serological antibody testing in the current study found that at least 63% of asymptomatic positive cases were actually infected with SARS-CoV-2 virus.”

(“Serologische Antikörpertests in der aktuellen Studie ergaben, dass mindestens 63% der asymptomatischen positiven Fälle tatsächlich mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert waren.”)

23% der Samples wurden gepoolt und dann einzeln getestet. Dort sind falsch-positive Ergebnisse nochmal sehr sehr viel unwahrscheinlicher als beim einzelnen Testen. Denn jeder positive Fall wird doppelt bestätigt, einmal im Pool und dann nochmal im einzelnen Testen. Die Falsch-Positiv-Raten der beiden Schritte müsste man also multiplizieren, also das sinkt dann faktisch auf null.

1 falsch-positiver Test auf 100 000 Tests

Wichtiger für uns sind allerdings die nicht-gepoolten Samples, weil das auch der Testpraxis in Deutschland entspricht. 77% der Samples wurden nicht gepoolt, sondern direkt einzeln getestet, hier war die Positivrate auch ein wenig höher als unter den gepoolten nämlich 0.321 vs. 0.243 pro 10 000 Tests. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen könnten Falsch Positive unter den einzeln Getesteten sein, also etwa 0.1 falsch-positive Tests auf 10 000 Tests, oder auch 1 falsch-positiver Test auf 100 000 Tests.

Geht man aber von Wodargs Behauptung von 1% falsch-positiven Tests aus, würde man erwarten, dass unter 100 000 den Tests etwa 1000 Tests (falsch-)positiv wären.

Das hieße, dass in Wuhan die Falsch-Positiv-Rate 1000-mal (!) niedriger wäre, als von Wodarg behauptet.

Das ist eine eher ungenaue Rechnung, die lediglich eine ungefähre Größenordnung angibt. Es könnte zum Beispiel sein, dass die Studie vor allem in bestimmten Regionen gepoolt wurde und dies das Ergebnis verzerrt. Sie passt aber recht gut dazu, dass die Studie in nur 63% der Fälle Antikörper gefunden hat – also eine Infektion vorgelegen hat.

Der Wert deckt sich in dieser Größenordnung auch mit Resultaten aus Neuseeland, wo unter 65 000 Tests an 26 konsekutiven Tagen kein einziger positiv war. Auch in Deutschland gibt es viele Beispiele, wo unter über jeweils zehntausend Tests praktisch keiner positiv war, was auch hierzulande für eine Spezifität von zumindest etwa 99,99% spricht ( mehr dazu , z.B.: Quelle , Quelle , Quelle , Quelle ). Hätte Wodarg Recht, müsste dort immer etwa einer von 100 Tests positiv sein. Er hat aber unserer Ansicht und Analyse nach nicht Recht. Pandemie-Leugner Ludwig widerlegt hier also versehentlich Pandemie-Leugner Wodarg. Und merkt es nicht mal.

RA Ludwig von Studie maximal verwirrt

Man muss die Studie schon auch kritisch sehen, denn Ziel der Studie war ja vor allem, dass die chinesische Regierung ihre Einwohner:innen überzeugen wollte, dass die Maßnahmen erfolgreich waren. Also da kann man bei einer Diktatur wie China natürlich nicht alles blind glauben und muss das kritisch hinterfragen.

Trotzdem teilt RA Ludwig die Studie voller Inbrunst und behauptet, dass sie belegen würde, dass man den Lockdown “sofort beenden” muss. Er begründet nicht so wirklich, wie er darauf kommt, aber ich denke mal, es liegt daran, dass er schreibt: “es gab keine Hinweise darauf, dass die identifizierten asymptomatischen positiven Fälle infektiös waren”.

Ich vermute mal, dass er hier präsymptomatisch und asymptomatisch verwechselt, die auch manchmal (aber hier eben nicht) unter dem Begriff “asymptomatisch” zusammengefasst werden. Als präsymptomatisch bezeichnet man Menschen, die infiziert sind, aber noch keine Symptome zeigen, und später dann Symptome entwickeln. Asymptomatisch Infizierte hingegen zeigen nie Symptome. Man geht aktuell davon aus, dass Präsymptomatische maßgebliche Treiber des Infektionsgeschehens sind, Asymptomatische scheinen daran nicht so sehr beteiligt zu sein (mehr dazu).

Deswegen tragen wir auch Masken: Es kann eben sein, dass wir bereits infiziert und auch infektiös sind, aber erst “morgen” oder so Symptome zeigen. Wenn wir Symptome zeigen ist es schon zu spät und wir haben schon Leute angesteckt. Daran gibt es keinen Zweifel, das wurde schon oft nachgewiesen (Quelle , Quelle)

Ludwig liest die Studie nicht, die er teilt?

Es war tatsächlich so, dass die Studie unter den Kontakten der 300 positiven, aber asymptomatischen Fälle niemanden mehr gefunden hat, der ebenfalls positiv war. Das suggeriert, dass asymptomatische Patient:innen das Virus nicht besonders oft weitergeben, wenn auch da andere Ursachen in Betracht gezogen werden könnten (z.B. Quelle). Es sagt aber gar nichts über die Ansteckung durch Präsymptomatische aus. Ralf Ludwig zieht hier also einen unzulässigen Schluss (wenn ich sein Geschwurbel richtig verstanden haben sollte LOL).

So sehen das auch die Autor:innen der Studie, die Ludwig offenbar nur geteilt, aber nicht gelesen hat. Oder nicht verstanden. In der Studie steht nämlich auch:

“Dennoch ist es noch zu früh, um selbstgefällig zu sein, da es asymptomatische positive Fälle und eine hohe Anfälligkeit der Bewohner von Wuhan gibt. Die Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens zur Prävention und Kontrolle der COVID-19-Epidemie, einschließlich des Tragens von Masken, die eine sichere soziale Distanzierung in Wuhan gewährleisten, sollten beibehalten werden. Insbesondere anfällige Bevölkerungsgruppen mit geschwächter Immunität oder Komorbiditäten oder beidem sollten weiterhin angemessen abgeschirmt werden.”

Und das empfehlen die bei einer Inzidenz auf 100.000 Einwohner:innen von 3 (!) – also das Gegenteil von dem, was Ludwig da sagt.

Fazit

Man sieht mal wieder: Corona-Leugner-Schwurbler:innen folgt keiner konsistenten Logik. Sie lesen höchstens mal die Überschriften von Studien und teilen blind alles, was so klingt, als könnte es ihr Dogma bestätigen. Diese sektenartige Bewegung ist so von ihren Überzeugungen gefangen, dass sie sogar dann blind Content ihrer “Anführer:innen” teilen, wenn der komplett dem widerspricht, was sie bisher geglaubt haben. Sie sind mental und kognitiv anscheinend gar nicht mehr in der Lage, ihr eigenes Weltbild zu hinterfragen. Und merken nicht einmal mehr, wenn sie sich so blamieren.

Zum Thema:

Das Querdenker-“Quatschjura” zum Infektionsschutzgesetz juristisch beleuchtet

Artikelbild: shutterstock.com / Screenshot telegram

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