Reitschuster bedauert: Zu wenig schwere Corona-Verläufe für Pharma-Experimente

| Aktuelles | 21. Oktober 2021

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Reitschuster – Pharmalobbyist?

Ja, der Desinformations- und Pandemie-Leugner-Blog Reitschuster bedauert wirklich, dass wir (dank der Impfungen) zur Zeit so wenige schwere Verläufe haben und man deshalb nicht Medikamente gegen Covid-19 testen kann.

Wir denken uns das nicht aus, das hat Autor Wallasch für Reitschuster.de wirklich so aufgeschrieben, und Pandemie-Leugner:innen teilen das auch noch. Offenbar sind viele Pandemie-Leugner:innen plötzlich große Fans von “Big-Pharma”, wenn es nicht um vergleichsweise günstige Impfstoffe, sondern um teure Medikamente gegen Corona geht. Eine Dosis Impfstoff kostet 20$ oder weniger, die wirkungsvollsten Covid-19 Medikamente gibt es aktuell für 1000$ aufwärts (Quelle, Quelle, Quelle).

Es geht hier konkret um das experimentelle Covid-Antikörper-Medikament von Corat Technologies. Doch weil es in Deutschland vor allem aufgrund der Impfkampagne zu wenige schwere Verläufe gibt, müssen die Studien anders als geplant „verstärkt in Ländern mit geringerer Impfquote und dadurch einer größeren Anzahl schwer erkrankter Covid-19-Patienten rekrutieren – etwa in der Ukraine, in Russland und in Vietnam.“ (Quelle).

Das sie es explizit auf Länder mit niedriger Impfquote abgesehen haben, um ihre Pharmaka zu testen, verschweigt Wallasch/Reitschuster aus irgendeinem Grund.

Reitschuster.de bedauert zu wenig schwere Verläufe

Der ganze Text auf Reitschuster.de liest sich wie ein PR-Schreiben für die Entwicklung (und Förderung mit Steuergeldern) von teuren Covid-19 Medikamenten. Er stellt es so dar, dass man mit guten Medikamente ja keine Impfung mehr bräuchte. Der logische Umkehrschluss, den der Text verschweigt: Ohne Impfung bräuchte man viel mehr Medikamente, was große Gewinne für Pharmakonzerne verspricht.

Im ganzen Text kann man dem Autor das Bedauern anmerken, dass das experimentelle Medikament nicht schneller an mehr Proband:innen getestet werden konnte. Über mögliche Nebenwirkungen oder Spätfolgen liest man im ganzen Text gar nichts, obwohl der Blog ständig gern über jedes noch so unseriöse Gerücht über vermeintliche Impf-Nebenwirkungen berichtet. Und ganz am Ende lässt der Text dann die Maske fallen:

„Ganz gleich aber, wo das neue Medikament nun hergestellt wird und welches am Ende am wirkungsvollsten ist, für die Zulassungsphase braucht es zwingend Probanden, die schwer erkrankt sind. Und nach der Zulassung erst recht, sonst wäre die Entwicklung ja vollkommen sinnlos gewesen.“

Man kann den Text wie folgt zusammenfassen: Der Autor möchte, dass es mehr (teure) Medikamente gegen Covid-19 gibt, damit weniger Menschen sich mit dem günstigeren Impfstoff impfen lassen. Und dafür wäre es wünschenswert, wenn mehr Menschen schwer an Covid-19 erkranken.

Auch die Versicherungsbranche würde unter Umständen von vielen Ungeimpften profitieren. Sie fordert bereits höhere Tarife für Ungeimpfte:

„Wenn jemand wegen Corona auf der Intensivstation landet, ist das deutlich teurer als eine Impfung. Schon jetzt dürfen Krankenkassen beim Tarif zwischen Rauchern und Nicht-Rauchern unterscheiden.“ (Quelle).

Mit Fake News PR für die Pharma?

Reitschuster.de schreckt auch vor Täuschung nicht zurück, um Werbung für das Pharmaunternehmen zu machen. So behauptet er, dass (sonst) keine Medikamente gegen Covid-19 entwickelt wurden. Das stimmt nicht, so gibt es bereits Antikörper-Medikamente von Regeneron und Ely Lilly, die bei früher Gabe das Risiko auf schweren Verlauf enorm senken. Sie sind aber wie gesagt extrem teuer. Spahn hat bereits für mehrere hundert Millionen Euro Dosen der Medikamente geordert (Quelle). Die meisten davon gehen wohl an Ungeimpfte.

Der Blog verschweigt auch, wie Antikörper Medikamente wirken und hergestellt werden. Bei der Herstellung kommt die ach so böse „Gentechnik“ zum Einsatz, um künstliche Antikörper herzustellen. Da vertraue ich doch lieber den natürlichen Antikörpern, die mein Immunsystem nach einer Impfung herstellt. Außerdem muss ein Antikörper-Medikament recht früh im Verlauf gegeben werden, wenn noch gar nicht klar ist, ob es sich um einen schweren Verlauf handelt. Dadurch muss man das Medikament dann vielen Menschen geben – und die Pharmaindustrie profitiert. Viel günstiger wäre es, wenn einfach alle Menschen sich die billige, wirksame und sichere Impfung besorgen, um dann von ihrem eigenen Immunsystem geschützt zu werden. Und nicht auf künstliche Antikörper angewiesen zu sein.

Grundsätzlich ist die Entwicklung von Medikamenten zusätzlich zur Impfung ja nichts schlechtes. In den seltenen Fällen von schweren Verläufen bei Geimpften können dann durch Medikamente noch das verbleibende Restrisiko gesenkt werden. Besonders immungeschwächten, bei denen die Impfung nicht gut wirkt, können solche Antikörper das Leben retten.

Reitschuster.de verschweigt auch viele Informationen über Totimpfstoffe

Er tut so, als hätte man bisher nur genbasierte (mRNA) Impfstoffe entwickelt. Das ist falsch, so wollte das französische Unternehmen Sanofi ursprünglich einen Totimpfstoff entwickeln, dieser hatte aber enorme Rückschläge (Quelle). Es gibt auch Totimpfstoffe von chinesischen Firmen, diese sind aber nicht ganz so wirksam wie die mRNA Impfstoffe (Quelle). Das ist eben auch der Vorteil der mRNA-Technologie: Diese Impfstoffe lassen sich leichter entwickeln und sind wirksamer (Quelle).

Auch Pandemrix, der Impfstoff gegen Schweinegrippe, der Narkolepsie in seltenen Fällen ausgelöst hat, war ein Totimpfstoff (Quelle). Also die Impfung, die einige Impfgegner:innen als Gegenargument zu den Corona-Impfungen anbringen. Besonders häufig kritisieren Impfgegner:innen die Adjuvanzien (Zusatzstoffe wie Aluminium), die Totimpfstoffen zugesetzt werden müssen, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen. Solche Zusatzstoffe sind in mRNA Impfstoffen gar nicht nötig.

Gutachterin für Impfstoffe klärt auf: Warum keine „Langzeitdaten“ kein Problem sind

Fazit

Reitschuster.de scheint als Blog besonders gern auf Technologien zu setzen, die Pharmafirmen große Gewinne ermöglichen. Im Gegensatz zu Impfungen. Und wo sie – wie bei Totimpfstoffen – nur geringe Forschungskosten haben. Dafür bedauert der Blog sogar, dass es zu wenig schwere Verläufe gibt, um die experimentellen Pharmazeutika an deutschen Bürger:innen zu testen. Und er verschweigt wichtige Informationen, um seinen Leser:innen tatsächlich kostengünstigeren und wirksameren Schutz vorzuenthalten. Nämlich einfach eine Impfung. Natürlich ist es Quatsch, wenn jemand deshalb ernsthaft unterstellte, man habe den Fake-News-Blog dafür bezahlt; das ist jedoch umgekehrt eine beliebte Technik in Verschwörungskreisen. Vielmehr zeigt es die absurden Positionen, die Pandemie-Leugner:innen machen, um ihr falsches Weltbild voller Fake News kohärent zu halten.

Zum Thema:

Der große Reitschuster-Faktencheck: Warum der Blog reitschuster.de keine seriöse Seite ist

Artikelbild: pixabay.com, CC0 / Screenshot

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