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AfD-Blamage: Ihre Fake-„Blackout“-Karte ist ein Totalausfall

von | Nov 4, 2022 | AfD, Aktuelles, Analyse

Die rechtsextreme AfD lebt von Panik und Weltuntergangsstimmung. Es gilt die alte AfD-Weisheit, die dem ehemaligen AfD-Presssprecher Christian Lüth mal aus Versehen rausgerutscht ist: Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD. Natürlich gibt es aktuell reale Krisen. Die Energiepreise sind nach wie vor hoch, die Inflation macht vielen Menschen zu schaffen. Aber die Gasspeicher sind gut gefüllt, die Versorgungssicherheit ist gewährleistet, nichts deutet aktuell auf einen Energienotstand im Winter hin. Trotzdem meint die AfD, gerade hiermit Angst schüren zu müssen. Im Notfall erfindet sie einfach das Horrorszenario, wäre nicht das erste Mal. Sie malt eigenhändig den Teufel an die Wand, vor dem sie dann schreiend wegrennt. Der neuste Streich: Der Blackout.

Das Wort klingt gefährlich. Spätestens seit dem gleichnamigen Roman von Marc Elsberg, der 2012 erschien und in einem fiktionalen Katastrophenszenario die Folgen eines großflächigen und anhaltenden Stromausfalls erzählt, hat sich die Angst davor in den Köpfen von für Horrorerzählungen allfälligen Gesellschaftsgruppen festgesetzt. Aber was ist dran am Horrorszenario Blackout, das die AfD mit einer Fake-Karte belegen möchte? Well, nicht so viel… es gab halt bisher noch gar keinen bei uns.

Wie funktionieren unsere Stromnetze – und wie nicht?

Stromnetze sind komplexe Systeme. Damit Leitungen nicht überlastet werden, müssen Stromerzeugung und Stromverbrauch im Gleichgewicht bleiben. Dies gelingt, in dem Kraftwerke kurzfristig zu- oder abgeschaltet werden. Je größer die zusammenhängenden Stromnetzwerke, desto besser können Schwankungen ausgeglichen werden. Mehr Infos dazu, wie Stromnetzwerke funktionieren, findet ihr etwa in diesem Beitrag bei MDR Wissen.

Einen kleinen, einige Minuten anhaltenden Stromausfall haben die meisten von uns schon erlebt. Dazu kommt es immer wieder, etwa, wenn Stromkabel durch Bauarbeiten beschädigt werden. In der Regel kann die Stromversorgung durch Umschaltungen schnell wieder hergestellt werden. 

Was tun, wenn’s hakt? 

Aber natürlich kann es auch mal zu größeren Störungen kommen. Der sogenannte Lastabwurf ist eine kontrollierte Maßnahme, mit der in einer Krisensituation eine Überlastung der Stromnetzwerke verhindert werden soll. Dafür nehmen die Netzbetreiber kontrolliert und für kurze Zeiträume bestimme Stromkunden vom Netz. Das Ziel dabei ist es, eine Überlastung der Stromnetze und damit einen unkontrollierten Stromausfall zu vermeiden. Seit 2005 kam es in Deutschland zweimal zu solchen ungeplanten Lastabwürfen. Das ergibt sich aus einer aus der Antwort auf eine kleine Anfrage der AfD von 2019, in der die Fragesteller nahegelegt hatten, dass durch den Ausbau erneuerbarer Energien die Zahl der Lastabwürfe steigen würde. Die Antwort der Bundesregierung: 

“Die Versorgungssicherheit ist sehr hoch in Deutschland. Daran hat auch der ambitionierte Zubau der Erneuerbaren Energien in Deutschland nichts geändert. Das zeigt sich auch daran, dass es seit 2005 nur zwei Fälle von ungeplanten Abwürfen von Lasten gab. Die Wirtschaft kann sich damit darauf verlassen, dass sie sicher mit Strom versorgt wird.”

Kann also keiner sagen, die Profi-Lügner der AfD hätten nichts davon gewusst.

Horrorszenario Blackout

Der Lastabwurf ist also der Notfallmechanismus, der greift, um einen großflächigen Stromausfall zu verhindern. Was ist dann der Blackout, von dem AfD momentan so gerne redet? 

Unter Blackout versteht man einen großflächigen und länger anhaltenden Stromausfall, bei dem die Netzbetreiber die Kontrolle über die Stromversorgung verlieren. Ein solcher Katastrophenfall würde weite Teile Kontinentaleuropas betreffen, weil die Stromnetze verbunden sind. Der Blackout ist also quasi erstmal nur ein Szenario – das größtanzunehmende Katastrophenszenario für das Stromnetz, sozusagen.

Wie groß ist die Gefahr eines Blackouts?

Die Gefahr eines Blackouts kann natürlich nie gleich null sein. Aber sie ist eben extrem gering, weil es zahlreiche Mechanismen gibt, die diese Situation verhindern. Als mögliche Auslöser werden gezielte Angriffe und verheerende Umweltkatastrophen gehandelt.

Die Sicherheit des Stromnetzes wird regelmäßig überprüft. Wegen der großen Dürre diesen Sommer, des Niedrigwasser in den Flüssen, des aktuellen Ausfalls rund der Hälfte der französischen Atomkraftwerke und der wegen des Kriegs in der Ukraine angespannten Energiemarktes hat das Bundesministerium für Klima und Wirtschaft für diesen Winter eine Sonderanalyse in Auftrag gegeben. 

Das Ergebnis: Im Extremszenario, das von einem extrem unwahrscheinlichen, gleichzeitigen und massiven Ausfall zahlreicher Kraftwerke ausgeht, könnte es in Deutschland stundenweise zu Versorgungsengpässen kommen. Die Rede ist hier auch beim Extremszenario von wenigen Stunden im Jahr. Also nix mit tagelang anhaltendem Chaos, Plündereien und einem kompletten Zusammenbruch des Gesundheitssystems.

Zahlreiche Maßnahmen, wie etwa die Verlängerung der Nutzung von drei Kernkraftwerken bis März 2023, wurden bereits ergriffen, um die Gefahr eines solchen Szenarios weiter zu verringern. 

AfD macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt

Die AfD scheint sich aber für diese Fakten nicht zu interessieren. Stattdessen malt sie einfach den Teufel an die Wand, um dann schreiend davor warnen zu können und die zu verteufeln, die sich nicht vor dem Bild gruseln. Und sie ist wieder mal beim Faken erwischt worden.

Auf einer Website namens Blackoutmelder werden Menschen dazu aufgerufen, lokale Stromausfälle zu melden. Und daran ist natürlich alles falsch, was nur geht:

  1. Lokale Stromausfälle sind keine Blackouts. Sie können durch lokale Störungen vorkommen und dauern oft nur wenige Minuten. Einen Stromausfall Blackout zu nennen, ist ungefähr so, als ob du einen kleinen Schnupfen als eine Lungenentzündung bezeichnest.
  1. Auf der Seite der AfD kann jeder ohne jede Überprüfung Stromausfälle melden. Sie sagt also rein garnix aus. Ihr könnt euch denken, dass einige Internetnutzer sich damit ein kleines Späßchen erlaubten. Wir haben weiter unten buchstäblich mehrere Belege, wo Leute aufzeigen, wie einfach sie Fake-„Blackouts“ eintragen haben.
  1. Die Seite ist extrem schlecht konfiguriert und war zwischenzeitlich nicht mehr aufrufbar. Blackout beim Blackoutmelder, sozusagen

„Blackout“-melder macht sich zum Gespött

Zahlreiche Menschen machten sich anscheinend ein Späßchen mit der Seite, bevor diese wegen schlechter Konfigurierung kaum mehr aufrufbar war. Ein Nutzer meldete etwa einen Stromausfall bei den Fischen in der Nordsee:

Ein anderer meldete gleich 30 Stromausfälle auf einmal: 

Auch die Tatsache, dass der „Blackout“-melder nach kurzer Zeit nicht mehr aufrufbar war, führt zu Belustigung:

Die Hackerin Nella bekommt schon fast ein bisschen Mitleid beim Anblick der Seiten-Konfigurationen und hilft mit einem Tipp:

Das beste Mittel gegen Stromausfälle? KLIMASCHUTZ

Die größte Gefahr für eine Störung des Stromnetzes sind übrigens Unwetter und unvorhergesehen starke Schneefälle. Die Dürre im Sommer stellt nach wie vor eine Belastung für die Stromnetze dar, weil durch die niedrigen Flussstände weniger Kohle transportiert werden konnte und Kernkraftwerke vor allen in Frankreich wegen zu wenig Kühlwasserkapazitäten vom Netz gehen mussten. Wie die meisten von uns mittlerweile mitbekommen haben, steigen extreme Wetterereignisse und Dürreperioden in Folge des Klimawandels. 

Liebe AfD, wenn ihr also wirklich effektiv etwas gegen die (sehr sehr geringe) Gefahr eines Blackouts tun wollt: Setzt euch doch einfach mal für KLIMASCHUTZ ein! Achne, darüber lügt ihr ja auch…

Artikelbild: Screenshots