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BILD zeigt mehrfach jahrealte Videos bei Berichten über Putins Invasion

von | Feb 26, 2022 | Aktuelles, Faktencheck, Medien, Ukraine

BILD nutzt versehentlich veraltetes Bildmaterial, muss sich korrigieren

Als gäbe es nicht genug schlimmes Bildmaterial bei der Invasion der Ukraine durch Putin, bediente sich die BILD Zeitung bei altem Bildmaterial, um zu berichten. Gleich mehrere aktuelle Beispiele legen das dar. Die für BILD typisch schlampige und fehlerhafte Berichterstattung liefert jetzt – und ausnahmsweise versehentlich – eine Steilvorlage u.a. für rechtsextreme Gruppen, um Putins Angriff und gezielte Desinformation zu relativieren. Auch russische Staatspropagandamedien schlachten das natürlich sofort aus:

Die Beispiele werden hergenommen, um zu unterstellen, „westliche Medien“ würden genau so manipulieren wie Putins Propagandamedien.

Putins nützliche Idioten: Querdenker, AfD & Co. verharmlosen Krieg in der Ukraine

BILD hat die fehlerhaft gezeigten Videoausschnitte immerhin inzwischen öffentlich korrigiert.

1) BILD TV zeigt Explosion aus Tianjin aus 2015:

Fangen wir mit dem dreistesten an. Russland bombardiert die Ukraine und BILD zeigt dazu diese Aufnahmen:

Die hier gezeigt Aufnahmen stammen jedoch aus China, Tianjin aus dem Jahr 2015. Ein:e Nutzer:in auf Twitter hat die beiden Aufnahmen gegenübergestellt:

Der Fakt, dass die Ukraine unter russischen Raketenbeschuss steht, scheint der BILD nicht zu reichen, man muss auch sensationslüstern die „passenden“ Bilder dazu liefern, selbst wenn diese aus einem völlig anderem Jahr und Land stammen.

2) Irreführend: Gebäude schon seit Monaten zerstört

Das andere Beispiel ist weniger falsch wie die anderen Beispiele, jedoch dennoch etwas irreführend: Hier zeigt BILD Reporter Paul Ronzheimer kaputte Gebäude in Donezk.

Gerade das Gebäude, welches er zeigt, ist jedoch schon seit längerem in diesem Zustand, durchaus wegen den seit Jahren anhaltenden Bürgerkrieg, jedoch nicht wegen den aktuellen Kampfhandlungen.

Screenshot aus der Süddeutschen

3) BILD zeigt Fallschirmspringer-Video von 2016

Und auch dieses Video hier zeigt wie schlampig BILD beim Kampf um die „besten“ Bilder recherchiert: Sie zeigen dramatische Bilder von Fallschirmspringern.

In Wahrheit stammen die Bilder aus einem Facebook-Video aus dem Jahr 2016.

4) „Augenzeugin“, die gar nicht aus Kjiv zugschaltet war

Wie Medieninsider berichtet, waren das nicht alle Fehler der BILD in diesem Kontext. BILD lässt in letzter Zeit ununterbrochen Expert:innen oder Zivilist:innen zu Wort kommen. Medieninsider schreibt:

„Eine von ihnen war eine Lehrerin aus Kiew.Bild schaltete sie am Donnerstag und Freitag mehrere Male ins Studio. Die Frau hatte darüber berichtet, was in ihrer Heimat vor sich gehe und wie sich die Menschen versuchten, vor der Invasion und dem Krieg zu retten.“

Doch: Anders als behauptet, sei die Frau nicht aus Kjiw zuschaltet, sondern aus Deutschland. BILD soll davon gewusst haben. Hier zum ganzen Bericht (Paywall).

BILD entschuldigt sich für (einige) Fehler

Auf Twitter hat BILD ihre fehlerhaften Videos öffentlich korrigiert, auch wenn sie es herunterspielen und es mit „einige Sekunden“ verharmlosen, dabei liefen diese durchaus länger und öfter.

Während die Berichterstattung der BILD bei Putins Angriff auf die Ukraine immerhin nicht sonst wie besonders in der Corona-Pandemie grundlegend darauf aufgebaut ist, durch Täuschung irreführende Narrative zu verbreiten, Feindbilder wie Drosten oder Lauterbach mit Lügen und Falschdarstellungen zu schaden und Desinformation zu verbreiten, so heißt das offenbar auch nicht, dass man plötzlich sauber recherchiert. Auch bei Putins Angriff gilt bei BILD wohl weiterhin, dass sensationelle Bilder wichtiger sind als saubere Recherche. Und leider wieder, und diesmal unabsichtlich, liefert BILD damit Desinformationsmedien Steilvorlagen für deren Propaganda.

Zum Thema:

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Änderungshinweis: Punkt Nummer 4 wurde nachträglich ergänzt. Artikelbild: Screenshots

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