5 Fakten über die Forderungen von FridaysForFuture

Analyse

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#FFFfordert

Nachdem die Umweltbewegung FridaysForFuture unter anderem dafür kritisiert wurde, keine konkreten Forderungen zu haben, nicht zu wissen, wovon sie sprechen (Mehr dazu) oder gar einfach nur die Schule schwänzen zu wollen (Mehr dazu) haben sie gestern einen konkreten Forderungenkatalog vorgestellt, der mit diesen Mythen aufräumt. Ausgearbeitet wurde dieser zusammen mit Wissenschaftlern. Zu den Forderungen kursieren derzeit ein paar Missverständnisse und Gerüchte, weswegen wir hier einige Fakten dazu gesammelt haben und die Forderungen konkret erklären.



1. Was man konkret fordert

Der Katalog der Forderungen der FridaysForFuture (Hier in Gänze einsehbar) beinhaltet das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen. Dazu müssen für Deutschland folgende Dinge erreicht werden:

  • Nettonull 2035 erreichen
  • Kohleausstieg bis 2030
  • 100% erneuerbare Energieversorgung bis 2035

Bis zum Ende diesen Jahres schon sollen folgende Dinge umgesetzt werden:

  • Das Ende der Subventionen für fossile Energieträger
  • 1/4 der Kohlekraft abschalten
  • Eine Steuer auf alle Treibhausgasemissionen. Der Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen muss schnell so hoch werden wie die Kosten, die dadurch uns und zukünftigen Generationen entstehen. Laut Umweltbundesamt sind das 180€ pro Tonne CO2

2. Deutschland hat sich bereits zu diesen Zielen verpflichtet

Diese Forderungen sind eigentlich weder spektakulär, noch revolutionär. Denn Deutschland hat sich bereits 2015 im Pariser Klimaabkommen dazu verpflichtet, dieses Ziel zu erreichen. Doch Deutschland wird die für 2020 gesetzten Klimaziele weit verfehlen und muss sogar eine Strafe zahlen (Quelle). Die Schüler*innen fordern nichts Neues, wenn sie die Bundesregierung dazu verpflichten wollen, die selbsterklärten Ziele zu erreichen.

Auch appellieren die Klimaaktivist*innen an Artikel 20a des Grundgesetzes: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“

Die konkreten Ziele sind ambitionierter als die, welche vom Pariser Abkommen festgelegt worden sind, aber je weiter sich die Verringerung der Emissionen hinzieht, desto drastischer müssen die Maßnahmen auch werden, um die Begrenzung der Erderwärmung noch aufzuhalten. Viel zu lange habe man sinnvolle Maßnahmen verzögert und verwässert. Damit müsse endlich Schluss sein. Es sind aber auch keine Neuigkeiten für die Bundesregierung.

3. Die Forderungen sind wissenschaftlich gesichert & „Zwingend erforderlich“

Die Festlegung der konkreten Ziele wurde in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen erarbeitet. Führende Experten wie der Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin, Volker Quaschning, erklärt, als Wissenschaftler könne er den Forderungen nur zustimmen (Quelle). Diese Maßnahmen seien wirklich notwendig, um die Klimaziele des Pariser Abkommens einzuhalten.

Die Klimaneutralität für 2035 für Deutschland, sowie die Berechnung der Kosten sind „aus wissenschaftlicher Sicht alles berechtigt“ (Quelle). Wenn man diese Forderungen nicht Umsetzen kann oder will, dann müsse man sich wie „Donald Trump vom Klimaschutz verabschieden“ (Quelle). Auch Hans Schipper, Leiter des Süddeutschen Klimabüros am Karlsruher Institut für Technologie, hält die Ziele für ambitioniert, aber „zwingend erforderlich“ (Quelle).

4. Die Schüler müssen und sollen nicht erklären, wie die ziele erreicht werden können

Die Klimabewegung hat explizit nicht erklärt, wie diese Ziele erreicht werden können. Diese Aufgabe wird konkret als Aufgabe der Politik und Politiker*innen benannt. „Wir sind nicht die Experten, nicht die Profis, von denen Christian Lindner spricht“, heißt es auf der Pressekonferenz und nimmt dadurch den Vorwürfen unter anderem Lindners den Wind aus den Segeln. Das sei schließlich die Aufgabe der Bundesregierung und der Politik, die schon seit Jahren dazu Zeit hatte. Sie sehen sich nur als Impulsgeber. Wenn die Bundesregierung andere Wege könne, solle sie diese doch gehen:

5. Nicht auf kosten der Bürger*innen

Ebenfalls ist es erklärtes Ziel der Schüler*innen, die Umsetzung nicht auf Kosten der (ärmeren) Bevölkerung durchzuführen. „Entscheidungen, die zu Lasten ärmerer Regionen und künftiger Generationen getroffen werden, sind inakzeptabel.“ Es sollen diejenigen zur Verantwortung gezogen werden, die auch für den Großteil der Emissionen verantwortlich sind:

„Vorallem in den Sektoren Energieerzeugung, Wohnen und Bauen, Industrie, Transport und Verkehr sowie Landwirtschaft sind enorme Anstrengungen nötig. Das wirtschaftliche Handeln darf nicht weiterhin planetare Grenzen überschreiten.“, heißt es in den Forderungen. Es geht nicht um Verbote oder Kostenerhöhungen. Die Hauptlast muss die Industrie tragen, die seit Jahren Innovationen – auch wegen staatlicher Subventionen – verschlafen hat.

Es ist nicht aufgabe von Schüler*innen, die Menschheit zu retten

Die Ziele sind konkreter als bisherige vage Forderungen an die Politik, sich für das Klima einzusetzen, aber keine unrealistischen detaillierten Positionen. Wer den Aktivist*innen vorwirft, keinen Plan zu haben, wie man das konkret umsetzt, hat das Problem nicht verstanden. Es ist nicht ihre Aufgabe, sondern die der Politik. Das war es schon immer. Wenn die Schüler*innen jetzt auch noch konkrete Gesetze ausarbeiten müssten, würden sie ja noch mehr Unterrichtsstunden verlieren.

Wie Lindner richtig sagte: Das müssen die Profis tun. Die Forderungen der FridaysForFuture sind wissenschaftlich gedeckt und entsprechen den bereits von der Bundesregierung zugesagten Ziele. Ziel der Demonstrationen ist letztlich, den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen, um die selbst gesteckten Ambitionen zu erfüllen. Eine verbindliche Zusage der Regierung, diese oder ähnliche Ziele zu erfüllen, wird auch umgehend ein Ende der Streiks herbeiführen. Letztendlich retten wir nicht den Planeten oder das Klima, denn die brauchen keine Rettung. Wir retten uns selbst und die Zukunft unserer Kinder.

Artikelbild: Screenshot ZDF Heute

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