Umfrage: Maaßen für 45 % der CDU-Anhänger in seinem Wahlkreis nicht wählbar

| Bericht | 18. Juni 2021

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Fast die Hälfte der eigenen Anhängerschaft im Wahlkreis will Maaßen nicht

Die damalige Meldung von der Bundestagskandidatur des ehemaligen Verfassungsschutzchefs Maaßen sorgte für Empörung im ganzen Land. Und selbst stark in der CDU. Dennoch tritt Maaßen im Thüringer Wahlkreis Suhl für den Bundestag als Direktkandidat an. Beim Volksverpetzer berichteten wir oftmals über Hans-Georg Maaßen, und wo dieser ideologisch eingeordnet werden kann. Er teilt regelmäßig rechtsextreme und antisemitische Inhalte:

Faktencheck Neubauer: Maaßen teilt wirklich antisemitische & rechtsextreme Inhalte

Er teilt und glaubt offenkundig an Verschwörungsmythen wie den „Great Reset“:

Die Zerstörung des „Great Reset“-Verschwörungsmythos – Was wirklich dahinter steckt

Und generell scheint er mit seinem Treiben Applaus von ganz rechts erhalten zu wollen:

Maaßen: Die rechtsradikale Strategie hinter dem wirren Baerbock-Tweet

Als kleine Erinnerungsstütze, wieso er damals vom Amt des Verfassungsschutz-Chefs abdanken musste. Zu den damaligen Hetzjagden auf Ausländer in Chemnitz sagte er (Quelle):

„Diese »Hetzjagden« hatten nach Erkenntnissen der lokalen Polizei, der Staatsanwaltschaft, der Lokalpresse, des Ministerpräsidenten des Landes und meiner Mitarbeiter nicht stattgefunden. Sie waren frei erfunden.“

Dieser rechte Mythos war offensichtlich unwahr (mehr dazu). Und beim Regierungspartner der SPD sprach er gar von „linksradikalen Kräften“ (Quelle):

„Die Medien sowie grüne und linke Politiker, die sich durch mich bei ihrer Falschberichterstattung ertappt fühlten, forderten daraufhin meine Entlassung. Aus meiner Sicht war dies für linksradikale Kräfte in der SPD, die von vorneherein dagegen waren, eine Koalition mit der CDU/CSU einzugehen, der willkommene Anlass, um einen Bruch dieser Regierungskoalition zu provozieren.“

Campact-Umfrage zum Direktmandat: SPD-Mann vorn

Maaßen ist damals offensichtlich nicht zu halten gewesen. In den Jahren seit damals nutzte er seine Prominenz als Multiplikator rechtsradikaler Fake News und Narrative (mehr dazu). Und nun versucht er über das Direktmandat in den Bundestag einzuziehen. Nicht für die AfD, sondern für die CDU. Die Bürgerbewegung Campact e.V. hat hierzu eine Analyse bei Forsa in Auftrag gegeben, die zu sehr interessanten Ergebnissen kommt, die zeigen sollten, dass sich das Fischen am rechten Rand für die CDU nicht lohnt (sie kann hier abgerufen werden):

Hinweis: Die verwendeten Daten beruhen auf einer Umfrage von Forsa, an der 1.002 Wahlberechtigte zwischen dem 25. bis 31. Mai 2021 teilnahmen. Die Erhebung wurde vom 25. bis 31. Mai 2021 mithilfe computergestützter Telefoninterviews und des repräsentativen Onlinebefragungspanels forsa.omninet durchgeführt. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind (mit möglichen Fehlertoleranzen) repräsentativ für die Gesamtheit der Wahlberechtigten im Wahlkreis 196 ab 18 Jahren.

Umfrage: Maaßen für 45 Prozent der Unions-Anhänger aktuell nicht wählbar

Fangen wir mit der Bekanntheit der Kandidaten an, hier schreibt Forsa in deren Analyse (Hervorhebungen durch uns):

„Das Profil von Hans-Georg Maaßen, dem Kandidaten der CDU, ist insgesamt das schwächste: Zwar hält etwas mehr als die Hälfte (55 %) der Wahlberechtigten, die ihn kennen, Maaßen für kompetent, deutlich weniger als die Hälfte (37 %) hält ihn allerdings für vertrauenswürdig bzw. traut ihm zu, die Interessen der Region in Berlin gut vertreten zu können (34 %). Nur 8 Prozent sind der Meinung, er sei in der Region verankert.

Im Hinblick auf alle abgefragten Eigenschaften wird der SPD-Kandidat Frank Ullrich insgesamt am positivsten wahrgenommen: 92 Prozent Wahlberechtigten, die ihn kennen, geben an, dass er vertrauenswürdig ist, 81 Prozent, dass er kompetent ist, 80 Prozent, dass er die Interessen der Region gut in Berlin vertreten kann und 93 Prozent, dass er in der Region verankert ist.“

Zwar ist Maaßen bekannter als der Kandidat Frank Ulrich von der SPD, doch Frank Ulrich schneidet hier schon deutlich beliebter als Maaßen ab. Könnten die befragten Wähler:innen sich heute schon entscheiden, wer in den Bundestag ziehen soll, sähe das Ganze wie folgt aus:

„Könnten die Wahlberechtigten im Wahlkreis 196 ihre Erststimme schon jetzt abgeben, würden sich 22 Prozent für Frank Ullrich, 20 Prozent für Hans-Georg Maaßen, 16 Prozent für Sandro Witt (Linke), 11 Prozent für Jürgen Treutler (AfD) und 7 Prozent für Gerald Ullrich (FDP) entscheiden.“

SPD-Kandidat Frank Ullrich vorn

Bei einer derzeitigen Stichwahl würde sich als der SPD Kandidat durchsetzen. Vernichtend ist diese Analyse der Wahlumfrage für die Kandidatur von Maaßen:

„Den größten Rückhalt bei den eigenen Anhängern haben Frank Ullrich (für den sich 77 Prozent der SPD-Anhänger entscheiden würden) und Sandro Witt (für den sich 66 Prozent der Anhänger der Linken entscheiden würden). Der Rückhalt von Hans-Georg Maaßen bei den CDU-Anhängern ist mit 55 Prozent deutlich geringer als der Rückhalt von Ullrich und Witt bei deren Anhängern.

Auch von den Anhängern der AfD würde sich derzeit nur die Hälfte (53 %) für Treutler entscheiden. Relativ viele AfD-Anhänger (30 %) würden anstelle des eigenen Kandidaten derzeit eher Maaßen wählen. Von den Anhängern der Grünen, die sich erst nach Ende der Umfrage für ihre Kandidatin entschieden haben, würden sich – solange es keine Grünen-Direktkandidatin gab – mehr für Witt (40 %) als für Ullrich (24 %) entscheiden.

Noch geringer als bei den der CDU verbliebenen Anhängern ist der Rückhalt von Maaßen bei den Wählern, die bei der letzten Bundestagswahl 2017 der CDU ihre Stimme gegeben hatten: Nur 29 Prozent der 2017er CDU-Wähler würden sich derzeit für Maaßen entscheiden.“

45 % der CDU Anhänger:innen im Wahlkreis Suhl würden sich nicht für Maaßen entscheiden. 71 % der Wähler:innen, die noch 2017 CDU wählten, wollen nicht Maaßen wählen. Ein vernichtendes Urteil.

Zu den Ergebnissen äußert sich aus Felix Kolb, Geschäftsführer von Campact e.V.:

„Die Umfrageergebnisse zeigen klar, dass die Union mit Rechtspopulismus zwar bei AfD-Anhängern punktet, die Wählerinnen und Wähler demokratischer Parteien inklusive der eigenen CDU-Klientel aber verschreckt. Wer die AfD bekämpfen will, hat nur mit Abgrenzung Erfolg.“

Bündnis gegen Maaßen

Aufgrund dieser Ergebnisse wird von Campact e.V. vorgeschlagen, einen gemeinsamen Kandidaten gegen Maaßen aufzustellen (Quelle). Dazu Chris Methmann von Campact:

„Zuerst würden wir eigentlich die Union in der Verantwortung sehen, dass sie diesen Kandidaten zurückzieht, weil er eben die Demokratie zersetzt. Ich glaube, dass die das nicht mehr können und nicht mehr wollen. Deswegen ist es jetzt leider auf Seiten der, ich sage mal progressiven Parteien, SPD, Linke und Grüne, diesen Fehler zu beheben, den die CDU da begangen hat, so jemanden aufzustellen und sich auf einen Gegenkandidaten zu einigen, der entsprechend verhindern kann, dass Hans-Georg Maaßen für die CDU in den Bundestag einzieht.“

Die Linke hat bisher signalisiert, ihre Kandidatur nicht zurückziehen zu wollen, der Zeitpunkt für solche Diskussionen sei noch zu verfrüht. Die progressiven Parteien stehen aber im Austausch miteinander, was die Idee eines gemeinsamen Kandidaten betrifft, um die Wahl des auch in der CDU sehr umstrittenen Maaßen zu verhindern.

Artikelbild: photocosmos1

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