Fake: Schwangere hat Kind NICHT verloren – Pandemie-Leugner lügen

| Corona-Fake | 1. September 2020

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Nächste Lüge der Pandemie-Leugner

Eine Schwangere soll ihr Kind verloren haben? Pandemie-Leugner:innen lügen immer: Die Pandemie-Leugner:innen, Rechtsextreme und Verschwörungsideolog:innen, die vergangenen Samstag durch Berlin marschierten sind notorische und verblendete Verbreiter:innen von Lügen, die in ihre Agenda passen. Abgeschlossen in digitalen Echokammern fallen sie regelmäßig auf diverse Fake News über Corona und die Maßnahmen dagegen herein und lassen sich so leicht von Rechtsextremisten und Betrüger:innen instrumentalisieren und radikalisieren.

Jeglicher Widerspruch und jegliche Aufklärung wird mit Hass und Ablehnung begegnet, sodass man quasi an alles glauben kann, was man möchte, was zu unzähligen Fake News führt. Selbst zu vergleichsweise belanglosen Lügen wie über die Teilnehmerzahlen der Berlin-Demo.

Faktencheck: Nur 40.000 – Pandemie-Leugner lügen wieder über Teilnehmerzahlen

Lüge: Schwangere Frau soll Kind verloren haben

Eine weitere, bewusst in die Welt gesetzte Lüge ist, dass nach einem Polizeieinsatz eine schwangere Frau ins Krankenhaus eingeliefert worden sei und ihr Kind verloren haben soll. In einem kurzen Videoausschnitt, in dem der Kontext nicht ersichtlich ist, wird sie von einem Polizisten auf den Boden gedrückt. Man hört Rufe wie „Lasst sie los! Sie ist schwanger! Ihr könnt ihr doch nicht auf den Bauch drücken!“. Dass das Kind der Schwangeren verstorben sei, wurde hier ohne Beleg behauptet:

Die bewusst in die Welt gesetzte Lüge verbreitete sich daraufhin rasend schnell im faktenfreien Netzwerk der Pandemie-Leugner und Rechtsextremen, ebenso wie der andere Fake, dass eine 60-jährige Frau bei einem anderen Polizeieinsatz getötet worden sei. Die Lüge wurde von der selben Person erfunden. Mehr dazu:

Fake über Berlin-Demo: Die Frau im Video lebt – Pandemie-Leugner erfinden Tote

Es gibt jedoch keine bestätigte Meldung zu diesem Vorfall.

Die Polizei erklärt auch in einer öffentlichen Stellungnahme, dass die Schwangere unverletzt blieb:

“In einem weiteren Video, dass im Internet eingestellt worden ist, wurde die Festnahme einer schwangeren Frau aufgenommen. Auch diese Festnahme ereignete sich im Bereich des Großen Sterns in Tiergarten. Einsatzkräfte gaben an, dass die 42-Jährige gegen 13.45 Uhr versucht hatte, eine Absperrung zu durchbrechen. Sie soll im weiteren Verlauf einen Beamten geschlagen und angespuckt haben. Einsatzkräfte brachten die Frau zu Boden und nahmen sie fest. Sanitäter eines Rettungswagens stellten keine Verletzungen fest.

Einen Transport in ein Krankenhaus lehnte die Schwangere ab. Sie sieht nun ebenfalls Strafermittlungsverfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte durch einen tätlichen Angriff und Körperverletzung entgegen. Anders als in den sozialen Medien behauptet wird, gibt es keine Anhaltspunkte für eine Gesundheitsbeeinträchtigung der Mutter und des ungeborenen Kindes.”

FAzit

Pandemie-Leugner:innen erfinden solche Gerüchte einfach in ihren Telegram-Gruppen, um ihre Mitstreitenden aufzuhetzen. Und diese haben das Gerücht unkritisch einfach weiterverbreitet, ohne es zu überprüfen. Diverse Blogs und Youtuber haben das immer noch unbestätigte Gerücht über das verstorbene, ungeborene Kind einfach weiterverbreitet. Perfide: Wenn ganz viele die gleiche Lüge wiederholen fallen mehr Menschen darauf herein, weil sie nicht glauben können, dass so viele Leute wirklich bewusst lügen oder unkritisch unbestätigte Informationen weitergeben. In der Querfront-Szene ist genau das aber Alltag. Ironischerweise von genau jenen Leuten, die von “Lügenpresse” schreien und von sich behaupten “kritisch zu denken”. So viel dazu.

Pandemie-Leugner:innen brauchen diese Fake-Meldungen, um sich selbst anzuheizen und ihre Bewegung weiter zu radikalisieren und weitere Gewalt zu rechtfertigen.

So verbreitete sich die Meldung

Der Politikwissenschaftler Josef Holnburger hat in einem Twitter-Thread dokumentiert, woher die beiden erfundenen Meldungen kamen und wie sie sich verbreitet haben.

Zum Thema:

So rechtsextrem war Berlin: AfD, NPD, III. Weg, Identitäre, Holocaustleugner, Gewalt

Artikelbild: Screenshot youtube.com

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