Als Liberaler gegen die Maskenpflicht argumentieren – ohne zu schwindeln

| Corona-Fake | 30. Mai 2022

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Wie man Als Liberaler gegen die Maskenpflicht argumentiert – ohne zu schwindeln

Hintergrund: Karl Lauterbach hat vorgeschlagen, im Herbst bei stark steigenden Zahlen wieder eine Maskenpflicht einzuführen (Quelle). Auch Lothar Wieler vom RKI und Weltärztechef Montgommery schlagen wieder vor, sich schon jetzt auf den Herbst vorzubereiten (Quelle, Quelle). Befürchtet werden unter anderem eine erneute Ausbreitung der tödlicheren Delta Variante (Quelle).

Marco Buschmann (FDP) spricht sich aktuell gegen Pläne für eine mögliche Maskenpflicht aus (Quelle). Das ist erstmal nachvollziehbar, denn Liberale setzen traditionell darauf, dass Menschen selbst gute Entscheidungen treffen, auch ohne dass der Staat es vorschreibt. Doch seine Argumentation passt dazu nicht. Er suggeriert nämlich in mehreren Tweets (Quelle, Quelle), dass er nicht von der Wirksamkeit einer Maskenpflicht überzeugt ist – stattdessen will er, für einen Liberalen sehr untypisch, auf Analysen eines staatlich kontrollierten Gremiums warten.

Dabei sollte jeder wissen, der sich länger als fünf Minuten mit dem Thema befasst, dass Masken die Übertragungswahrscheinlichkeit enorm reduzieren. Das sieht auch ein Mitglied des Gremiums so (Quelle). Dafür braucht es keine weiteren Analysen, das ist längst erwiesen. Buschmann unterläuft, wie wir hier zeigen, mit seiner Argumentation den liberalen Gedanken. Er könnte sich gegen eine Maskenpflicht aussprechen, aber nur, wenn er gleichzeitig betont, dass sie wirken, um eine mündige, freie Entscheidung zu ermöglichen.

Masken wirken – das steht nicht mehr zur Debatte

Eine der ersten Studien zur Maskenpflicht aus Deutschland machte sich zunutze, dass einige Gebiete die Maskenpflicht schon früher einführten. So konnte schon 2020 nachgewiesen werden, dass die Masken die Infektionen effektiv eindämmen (Studie). Auch eine Kanadische Studie kam zum gleichen Ergebnis, auch hier waren in einigen Bezirken eine Maskenpflicht eingeführt und in anderen nicht (Studie). Diese Studie liefert noch einen wichtigen Datenpunkt: In Gebieten mit Maskenpflicht trugen 30% mehr Menschen Maske, als in Gebieten ohne. Es tragen also auch ohne Pflicht bereits viele Menschen Maske, trotzdem war ein starker Unterschied in den Infektionen messbar. Wir berichteten:

Sorry Maskengegner: Studien belegen: Masken reduzierten Neuinfektionen deutlich in Deutschland

Auch Studien aus den USA (Studie, Studie, Studie, Studie, Studie) oder eine weltweite Studie zeigen die Wirksamkeit von Masken. Auch an Schulen zeigt sich eine deutlich verlangsamte Übertragung durch die Maskenpflicht.

Studie: Maskenfreie Schulen steigern Infektionszahlen – Ohne Maske 3,5-faches Risiko

Und das ist eben auch ein wichtiger Punkt: Masken schaden kaum jemand. Sie kosten fast nichts, haben keine nennenswerten gesundheitlichen Auswirkungen und – wie gesagt – sie wirken. Querdenker und andere hatten in der Pandemie mehrfach frei erfundene Lügen verbreitet. So seien Kinder am Tragen von Masken gestorben, doch die Fälle waren jeweils frei erfunden:

Starb an angeborener Krankheit: Maskengegner missbrauchen totes Kind aus Portugal

Perfide: Warum Masken-Gegner plötzlich lauter tote Kinder erfinden

Auch dieser Fail ging viral, ein Mann wollte aufgrund seines Asthma Sprays keine Maske tragen – doch der Polizist (mit Maske) wies darauf hin, dass er selbst trotz Asthma null Probleme beim Maskentragen hatte:

Mann weigert sich wegen Asthma, Maske zu tragen – Polizist zückt eigenes Spray

Querdenker Lügen-Studien, die angeblich zeigen sollten, dass Masken gefährlich sind, wurden von den entsprechenden Journals als wissenschaftlicher Unfug einkassiert:

Umstrittene Masken-Studie zurückgezogen: Die Peinlichkeiten des Journals

Fakt ist: Es gibt keine Zweifel an der Wirksamkeit von Masken gegen eine Übertragung von SARS-CoV-2. Fun Fact: Masken helfen auch gegen Influenza – das wusste man schon vor der Pandemie (Studie).

Liberalismus: Vertrauen in das Individuum

Die eigentliche Hoffnung und der revolutionäre Gedanke im Liberalismus ist doch eigentlich: Der Staat sollte und muss die Menschen nicht wie eine „Nanny“ vor allem Übel bewahren, sondern es führt tatsächlich zu einer besseren Gesellschaft, wenn wir alle eigene Entscheidungen treffen MÜSSEN. Und uns nicht Vater Staat alles vorschreibt. Das führt dazu, dass wir mündige Bürger:innen bekommen, eine kritische Zivilgesellschaft, die sich anstrengt, im Bewusstsein, dass der Staat nicht alles übernimmt.

Eine wichtige Voraussetzung für autonome Entscheidungen sind die Verfügbarkeit von zuverlässigen Informationen. Nur grundlegend gebildete und informierte Bürger:innen sind in der Lage, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Wer für Freiheit argumentiert und gegen Gebote, muss sich gleichzeitig auch für gute Aufklärung einsetzen.

Staat sollte vielleicht nicht Müll erzählen?

Marco Buschmann, unser Justizminister (also „der Staat“), tut hier der liberalen Idee einen Bärendienst, indem er irreführende Informationen verbreitet. Er suggeriert, dass Informationen darüber, dass Masken wirken, gar nicht vorliegen würden. Die Bürger:innen werden also nicht in die Lage versetzt, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Sondern offenbar bewusst (er muss es doch besser wissen!) mit Falschmeldungen in die Irre geführt. Buschmann entscheidet sich hier für die schlechteste mögliche Argumentation aus Sicht der liberalen Idee.

So geht es besser

Würde Buschmann an die liberale Idee wirklich glauben, sollte er argumentieren, dass die meisten Menschen mittlerweile nach mehreren Jahren Pandemie über viel Wissen verfügen. Und deshalb freiwillig in ausreichend großer Zahl Maske tragen würden, sollte die Lage das erfordern. Dass wir den Bürger:innen Deutschlands soweit vertrauen können, dass die meisten sich nicht gegenseitig anstecken und ins Krankenhaus bringen wollen. Das erfordert eine klare Kommunikation.

Buschmann könnte die Studien und Analysen, die bereits vorliegen, nutzen, um sein Argument zu stützen. Deutlich klar machen, wie gut Masken wirken, um Menschen zu ermuntern, sie weiter zu tragen. Oder er könnte die Bürger ermuntern selbst zu recherchieren und dem wissenschaftlichen Prozess zu folgen. Aber stattdessen suggeriert er, dass wir auf das staatliche Gremium warten sollen, welches die Pandemie Maßnahmen in Deutschland validieren soll (aber in der Kritik steht). Faktisch stellt hier also ein vorgeblich liberaler ein staatliches (!) Gremium als einzige Instanz von Wissen dar, und ermuntert Bürger:innen in Unwissenheit vor der Wirksamkeit der Masken zu verharren. Was für ein Bärendienst für die liberale Idee!

Artikelbild: shutterstock.com LightField Studios / Screenshots

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