Faktenchecks: 6 Lügen der Pandemie-Leugner über ihre Berlin-Demo zerlegt

| Corona-Fake | 2. September 2020

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Die Lügen zur Berlin-Demo

Pandemie-Leugner:innen lügen immer: Die Pandemie-Leugner:innen, Rechtsextreme und Verschwörungsideolog:innen, die vergangenen Samstag durch Berlin marschierten sind notorische und verblendete Verbreiter:innen von Lügen, die in ihre Agenda passen. Abgeschlossen in digitalen Echokammern fallen sie regelmäßig auf diverse Fake News über Corona und die Maßnahmen dagegen herein und lassen sich so leicht von Rechtsextremisten und Betrüger:innen instrumentalisieren und radikalisieren. Auch die Berlin-Demo bot ihnen viele Gelegenheiten, Propaganda zu verbreiten, um sich in ihrer Weltanschauung selbst zu bestätigen und weiter zu radikalisieren.

Jeglicher Widerspruch und jegliche Aufklärung wird mit Hass und Ablehnung begegnet, sodass man quasi an alles glauben kann, was man möchte, was zu unzähligen Fake News führt. Diese Menschen glauben jeder noch so unbelegten und unwahrscheinlichen Behauptung, die in ihren Telegram-Gruppen geteilt wird, wenn es ihnen gefällt, wenn es wahr wäre. So wird jedes Gerücht verbreitet, andere Telegram-Chanels, Youtuber:innen oder Blogger:innen erzählen die Lügen weiter und bauen so ein Netzwerk einer echten “Lügenpresse” auf, die Berichterstattung simuliert. Wir haben die wichtigsten Lügen zur Berlin-Demo gesammelt und widerlegt.

1. Die Frau aus diesem Video ist am Leben

Ein kurzer Videoausschnitt von Polizeigewalt auf der Berlin-Demo wird von Pandemie-Leugner:innen geteilt, um eine Märtyrerin zu erfinden. Laut Polizei verzichtete die Frau nach der Festnahme auf die angebotene ärztliche Behandlung. Sie ist jedoch definitiv nicht gestorben, wie behauptet. Mehr dazu:

Fake über Berlin-Demo: Die Frau im Video lebt – Pandemie-Leugner erfinden Tote

2. Diese Schwangere hat ihr Kind nicht verloren

Pandemie-Leugner:innen verbreiten die Lüge, bei ihrer Demo in Berlin hätte eine Schwangere bei einem Polizeieinsatz ihr Kind verloren. Dazu teilen sie ebenfalls einen Videoausschnitt, auf dem man nichts davon sehen kann. Diese frei erfundene Behauptung soll die Bewegung ebenfalls weiter aufhetzen und radikalisieren. Mehr dazu:

Fake: Schwangere hat Kind NICHT verloren – Pandemie-Leugner lügen

3. Es waren nur ca. 40.000 Demonstranten

Wieder verbreiten Pandemie-Leugner:innen erfundene Teilnehmerzahlen von bis zu 10 Mio. Wir machten den Faktencheck mit Berichterstattern vor Ort und Foto-Beweisen. Selbst eine Zahl von 100.000 ist unrealistisch. Die Verschwörungsgläubigen hält das nicht davon ab, jede Zahl zu glauben, die sie möchten. Mehr dazu:

Faktencheck: Nur 40.000 – Pandemie-Leugner lügen wieder über Teilnehmerzahlen

4. Dieser Mann ist auch noch am Leben und war nie bewusstlos

Ein weiteres Foto zeigt einen auf dem Boden liegenden Demonstranten vom Sonntagnachmittag auf dem Großen Stern. In Gruppen der “Corona Rebellen” heißt es, “es wäre nicht klar, ob er überlebt hat”. Das ist natürlich die gleiche faktenfreie Spekulation wie zuvor auch. Nach Informationen vom Tagesspiegel wurde der Mann in einem Krankenwagen der Berliner Feuerwehr behandelt. Er war jedoch nie bewusstlos, auch wenn das auf dem aus dem Kontext gerissenen Fotos so wirken mag.

5. Die Demo war rechtsextrem

Viele Pandemie-Leugner:innen weigern sich anzuerkennen, dass es sich bei den Berlin-Demos um rechtsextreme Veranstaltungen gehandelt habe. Die “Hooligans gegen Satzbau” haben eine Liste zusammengestellt an rechtsextremen Personen, Organisationen, Parteien und diejenigen, die deren Gedankengut nahe stehen und bei den Demonstrationen in Berlin gesehen wurden oder dazu aufgerufen haben.

Eine Auswahl:

“Martin Sellner (IB), Jürgen Elsässer (compact), Nicolai Nehrling („Der Volkslehrer“), Johanne Liesegang („Aufbruch Gold rot schwarz“, Reichsbürgerin), Rüdiger Hoffmann (wegen versuchten Mordes verurteilter Ex-NPDler)
Oliver Flesch (rechtsextremer Blogger), Chris Ares (rechtsextremer Musiker), Emma Stabel (NPD Sachsen), Reimond Hoffmann (AfD), Gerd Walther (Holocaust-Leugner), Simon Kaupert (Ein Prozent), Kevin Gabbe (Rechtsextremer Youtuber), Dominik Rösler (HoGeSa, rechtsextremer Hooligan), André Poggenburg (ADMP), Gunnar Lindemann (AfD), Uwe Meenen (NPD), Gerhard Ittner (Holocaustleugner, rechtsextremer Aktivist), Attila Hildmann, Alexander Robin (NSU), III. Weg, Steeler Jungs, Kameradschaft Deutschland, Udo Voigt (NPD, Ex-Europaabgeordneter).

Alexander Kurth (ehem. NPD, Thügida, „ungetrübt Media“), Gavin Singer (Junge Alternative), Mike Sawallich (Ziehsohn Heise, Kamerad von S. Ernst- mutm. Lübcke Mörder, Kameradschaft Kassel), Ralf Stadler (AfD Bayern), Frank Hansel (AfD), Kameradschaft Magdeburg, Ex- Kameradschaft BASO, Ken fm, Hansjörg Müller (AfD), Alexander Deptolla (Die Rechte Dortmund), Joana Cotar (MdB AfD), Jürgen Braun (MdB AfD), Gerhard Vierfuß (IB-Anwalt, AfD Stadtrat), ,Anselm Lenz (Querfrontler), Björn Höcke (Fraktionsvorsitzender AfD Thüringen), Dr. med. Robby Schlund (MdB AfD), Burschenschaft Deutschland.

Rüdiger Imgart (AfD), Carsten Hütter (stellv. Schatzmeister AfD Bundesverband), Karsten Hilse (MdB AfD, Polizist). Stefan Keuter (MdB AfD), Jens Kestner (MdB AfD), Dirk Spaniel (MdB AfD), Birgit Malsack Winkemann (MdB AfD), Marcus Frohnmaier (MdB AfD), Peter Christian Pascal Boehringer (MdB AfD), Martin Alexander Hess (MdB AfD), Armin-Paul Hampel (MdB AfD), Roland Hartwig (MdB AfD). Steffen Kotré (MdB AfD). Jürgen Braun (MdB AfD), Jens Maier (MdB AfD), Birgit Bessin (MdL Brandenburg AfD). Hugh Bronson (MdB AfD), Ulrich Oehme (MdB AfD), Siegbert Droese (MdB AfD), Dietmar Friedhoff (MdB AfD), Olga Petersen (AfD), Harald Weyel (MdB AfD). Udo Hemmelgarn (MdB AfD).

Paul Podolay (MdB AfD), Udo Hemmelgarn (MdB AfD), Martin Renner (MdB AfD), Corinna Miazga (MdB AfD), Thomas Seitz (MdB AfD), Stephan Protschka (MdB AfD), Prof. Kaufmann (MdL Thüringen AfD), Corinna Herold (MdL Thüringen AfD), Andreas Winhart (MdL AfD Bayern), Martina Jost (AfD), Daniel Roi (MdB AfD), Ulrich Oehme (MdB AfD). Justin Cedric Salka (stellv. Vorsitzender der JA). Mario Müller (ehem. Autonome Nationalisten, IB), Germanitas Othala, „Primus“ André Laaf (rechtsextremer Musiker), „Prototyp“ Kai Naggert (rechtsextremer Musiker).

Huttroper Jungs, Thorsten de Fries (Hamburger Neonazi), Anti Antifa Holland, Bündnis deutscher Patrioten, Robin Schmiemann (Combat 18). Knockout 51 (Rechtsextremer Kampfsport Gruppierung), „Verfassungsgebende Versammlung“ (Reichsbürger Bewegung), Leon Ringl (Atomwaffen Division). Burschenschaft Albia, Burschenschaft Teutonia, René Jahn (Pegida Mitbegründer), Martina Jost (MdL Sachsen, AfD). Steffen Janich (AfD Kreisrat, Polizist), Lennart Schwarzbach (Landesvorsitzender NPD Hamburg), Peter Schreiber (Landesvorsitzende NPD Sachsen). Sebastian Schmidtke (ehem. Vorsitzender NPD Berlin). Michael Brück (stellv. Landesvorsitzender Die Rechte NRW). „Die Deutsche Stimme“. Landvolkbewegung (ehem. NSDAP nahe Gruppe), Heike Themel (AfD), Doris von Sayn-Wittgenstein (ehem. Vorsitzende AfD SH).”

Eine ebenfalls lange Liste haben wir selbst hier angestellt:

So rechtsextrem war Berlin: AfD, NPD, III. Weg, Identitäre, Holocaustleugner, Gewalt

Wie man sieht, ist die Liste rechtsextremer Gruppierungen und Personen lang. Doch auch das Veranstalter-Team macht sich nicht nur schuldig, diese ganzen Gruppierungen zu tolerieren (und sich nur vage von “Extremismus” zu distanzieren), sie scheinen auch mit dieser Szene vernetzt zu sein. Zum Veranstalter-Team zählt z. B. Stephan Bergmann, der sich esoterisch zu inszenieren versucht. Laut Tagesspiegel leitet er via Facebook rassistisches Gedankengut weiter oder empfiehlt entsprechende Beiträge. Er wurde im Gespräch mit einer weiteren rechtsextremen Gruppierung gesehen:

Hintergrund: Die Person wird vom Verfassungsschutz Brandenburg als rechtsextremes Mitglied der “Identitären” aufgelistet:

Laut der JFDA erwähnte der rechtsradikale “Volkslehrer” auch, dass er sich mit dem Veranstalter getroffen haben soll.

Die Verfassungsfeindlichkeit der Veranstalter selbst kann man auch sehr deutlich daran sehen, dass sie ihre Demonstration als “verfassungsgebene Versammlung” betrachten, weil das aktuelle Grundgesetz ein “Besatzungsrecht” sei, womit sie ausdrücken, dass sie das Grundgesetz wohl nicht anerkennen und ersetzen wollen. Ihr erklärtes Ziel sei, eine neue Verfassung auszuarbeiten. Das Grundgesetz solle künftig nicht mehr gelten, es sei lediglich „Besatzungsrecht“ (mehr dazu). Das ist die Bilderbuchdefinition von Verfassungsfeindlichkeit und rechtsextremen Reichsbürgertum.

6. Rechtsextreme riefen zum Sturm auf den Reichstag auf

Unter den Rechtsextremen, die den “Sturm auf den Reichstag” für ihrem Ansehen schädlich ansehen, wird das Gerücht verbreitet, dass wahlweise der Aufruf zum “Sturm” eine false flag Aktion war oder die “Stürmenden” gar keine Rechtsextremen. Dabei haben eindeutig Rechtsextreme dazu aufgerufen:

Unter den “Stürmenden” sind auch bekannte Gesichte gesehen worden, wie ein bekanntes Mitglied der vom Verfassungsschutz überwachten “Jungen Alternative” oder der rechtsradikale “Volkslehrer” (Quelle). “Querdenken” distanzierte sich zwar später von diesem “Sturm”, wie oben erwähnt, gab es wohl aber Kontakte zu Beteiligten.

Eine Frau, die mit in dieser Szene typischen Lügen zum “Sturm” aufgerufen haben soll, war eine Tamara K., die als Heilpraktikerin aus der Eifel von einigen als “false flag” Aktivistin bezeichnet wird. Doch die Äußerlichkeiten sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Frau immer wieder durch das Verbreiten der rechtsextremen Reichsbürger-Ideologie und rechtsextremen Inhalten aufgefallen ist und ebenfalls Teil der rechtsextrem unterwanderten, deutschen “Gelbwesten” war (Quelle).

Auch soll dieser Fake-Screenshot belegen, dass es sich um eine false flag Aktion handeln soll. Der Account soll einem Begleiter von Tamara K. handeln.

Eine kurze Überprüfung des Accounts zeigt jedoch, dass dieser erst nach der Demo erstellt wurde und eindeutig ein Fake- bzw. Satire-Account sein soll.

Auch in rechtsextremen Chatgruppen wurde zuvor bereits zum “Sturm” aufgerufen (Quelle). Also nicht nur haben Rechtsextreme das geplant und dazu aufgerufen, sie waren auch daran beteiligt.

Fazit

Pandemie-Leugner:innen erfinden Gerüchte einfach in ihren Telegram-Gruppen, um ihre Mitstreitenden aufzuhetzen. Und sich einzureden, dass sie irgendetwas mit “Wahrheit” oder “Gerechtigkeit” zu tun hätten. Sie verbreiten alle Gerüchte und Fake-Bilder unkritisch einfach weiter, ohne es zu überprüfen. Diverse Blogs und Youtuber:innen liefern Ausreden und weitere Lügen, um Rechtfertigungen für ihre Lügen zu liefern. Und seriösen Journalismus, der die Lügen aufdeckt, zu diffamieren. Perfide: Wenn ganz viele die gleiche Lüge wiederholen fallen mehr Menschen darauf herein, weil sie nicht glauben können, dass so viele Leute wirklich bewusst lügen oder unkritisch unbestätigte Informationen weitergeben.

In der Querfront-Szene ist genau das aber Alltag. Ironischerweise von genau jenen Leuten, die von “Lügenpresse” schreien und von sich behaupten “kritisch zu denken”. So viel dazu. Pandemie-Leugner:innen brauchen diese Fake-Meldungen, um sich selbst anzuheizen und ihre Bewegung weiter zu radikalisieren und weitere Gewalt zu rechtfertigen. Meldungen aus dieser Bewegung sollten grundsätzlich kritisch angesehen werden, denn irgendetwas ist an den Meldungen meistens gelogen oder weggelassen. In jedem Fall dienen sie nur dazu, eine totalitäre und verfassungsfeindliche Ideologie zu rechtfertigen.

Zum Thema:

Geschichtsnachhilfe: So rechtsradikal ist die schwarz-weiß-rote Reichsflagge

Artikelbild: Screenshots telegram.com

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