Corona-Tote aus Portugal verifiziert! Wieder dreiste Lügen über Gerichtsbeschluss

| Corona-Fake | 2. Juli 2021

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So dreist verarscht euch Reitschuster – wie immer

Die offiziellen Corona-Todesfälle in Portugal sind alle verifiziert, zum Stand vom 18. April waren es insgesamt 16.945 Todesfälle durch Covid-19 (Quelle). Woher kommt also die Lüge der „Querdenker:innen“ und Verschwörungsideolog:innen von „nur 0,9 %“? Na, die beziehen sich auf einen Gerichtsbeschluss aus Portugal vom 18. April, den sie bewusst falsch darstellen, um ihre Anhängerschaft zu verarschen. Inzwischen ist die Fake-Meldung über den Gerichtsbeschluss auch in der deutschen „Querdenken“-Welt angekommen, dank des wohl reichweitenstärksten Desinformationsverbreiters Reitschuster, der wieder mal zeigt, wie er schamlos seine Leserschaft täuscht. Dessen Manipulationsmethoden haben wir bereits zigfach aufgedeckt:

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In dem konkreten Fall täuscht er nicht anders: Er titelt den Fake, dass ein Gericht in Portugal erklärt habe, dass nur 0,9 % der Covid-Toten verifiziert seien. Das stimmt nicht. Und das sagen nicht nur wir, das gibt Reitschuster sogar weiter unten, versteckt hinter einigen Paragrafen seines typischen Aluhut-Geraunes, auch selbst zu. So macht er es sehr oft: Eine Falschmeldung, von der er ganz genau weiß, dass es eine Falschmeldung ist, packt er in den Titel, nur um gegen Ende des Textes zuzugeben, dass es gar nicht stimmt. Das gibt ihm die Möglichkeit, sich herauszureden, wenn er immer wieder widerlegt wird. Er ist jedoch für die meisten offensichtlich nichts weiter als ein Scharlatan.

Die Fakten: Die anderen sind auch gerichtsmedizinisch bestätigt

Erklären wir zuerst die Fakten, damit offensichtlich wird, wie Reitschuster hier manipuliert. Im Kontext eines Gerichtsbeschlusses in Portugal wurde erklärt, dass im Zeitraum zwischen 2020 und April 2021 von Ärzt:innen, die für das Justizministerium arbeiten, 152 Totenscheine ausgestellt wurden, auf denen Corona als Todesursache vermerkt war. Ganz wichtig – und was diejenigen, die euch damit verarschen wollen, in der Regel verschweigen: Das sind halt nicht alle Ärzt:innen, die Corona-Todesfälle bestätigt haben. Die portugiesischen Behörden haben bestätigt, dass es sich dabei nur um den „kleinsten Teil“ handelt (Quelle).

„Die überwiegende Mehrheit der Sterbeurkunden, die von der DGS [Directorate-General of Health, ein Äquivalent zum RKI, Anm. d. Red.] ausgestellt und anschließend kodifiziert werden, werden von Ärzten ausgestellt, die mit dem Gesundheitsministerium in Verbindung stehen“, wird klargestellt. Sie sagen sogar explizit, dass es keine Diskrepanz zu den offiziellen Corona-Todeszahlen gibt. „Am selben Tag, dem 18.04.2021“, heißt es in der gleichen Antwort weiter, „wurden in Portugal insgesamt 16.945 Todesfälle durch Covid-19 festgestellt.“ (Quelle).

Warum wurden (nur) 152 (das sind die 0,9 %) vom Justizministerium überprüft? In der Regel werden diese Ärzt:innen bei Verdacht auf eine Straftat eingesetzt, um rechtsmedizinische Autopsien als Unterstützung für Ermittlungen durchzuführen. Dabei kam es in 1,5 Jahren auch zu 152 Fällen, wo man Corona als Todesursache feststellte. Das ist alles. Und das steht auch im betreffenden Gerichtsbeschluss drin, die offiziellen Informationen der Behörden über die Pandemie offenzulegen. Die des Justizministeriums war eine davon. Und diese kleine Tatsache wird jetzt aus dem Kontext gerissen, um Fake News zu basteln.

Der typische Reitschuster-Trick

Es ist also klar, dass hinter der Meldung rein gar nichts steckt. Die anderen Todesfälle aus Portugal sind auch verifiziert, es ist also sinnlos, über einen aus dem Kontext gerissenen Bericht von 152 Totenscheinen zu sprechen. Es sei denn, man verdient sein Geld damit, die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen, wie Reitschuster & Co. es tun. Reitschuster gibt weiter unten in seinem Fake-News-Artikel sogar zu, dass die 0,9 % nicht alle verifizierten Toten sein müssen, ganz anders als sein eigener Titel suggeriert. Er redet sich damit raus, dass er hier nur das Gericht und portugiesische Fake-News-Verbreiter:innen zitiere. Er erwähnt auch eine ältere Fake News eines anderen Gerichtsurteils, verschweigt aber wieder mal, was wirklich dahinter steckt, weil er nicht an der Wahrheit interessiert ist, sondern nur, seinen Leser:innen einen bewusst falschen Eindruck zu verkaufen:

Faktencheck: Wie dich Pandemie-Leugner über das PCR-Test-Urteil aus Portugal belügen

Er weist sogar extra darauf hin, dass im Gerichtsbeschluss ausdrücklich erwähnt wird, dass seine eigene Überschrift nicht stimmen kann: „Der Gerichtsbeschluss besagt nicht, dass nicht auch andere Todesfälle gerichtsmedizinisch bestätigbar gewesen wären.“ und „Das ist aber nur der kleinste Teil der Ärzte, die seit Beginn der Pandemie die Todesfälle durch Covid-19 bestätigen.“ Doch anstatt das zu tun, was ein seriöser Journalist tun würde, nachzuprüfen, ob die anderen 99,1 % denn verifiziert sind, schreibt Reitschuster lediglich, in seiner „Interpretation“ „nicht klar“, ob die anderen verifiziert wurden. Merkt ihr, wie dreist euch dieser Mann etwas vorgaukeln will?

Das ist die Desinformations-Methode Reitschuster:

Einen bewusst irreführenden Satz in den Titel schreiben, selbstherrlich Verschwörungsmythen verbreiten, heucheln, dass man die Falschmeldungen, von denen man ganz genau weiß, dass sie nicht stimmen, berichten muss, weil es sonst die anderen nicht tun würden (Ja, weil sie falsch sind) und dann am Rande zugeben, dass das alles heiße Luft ist. Er bringt also ohne Kennzeichnung eine Meldung, von der er weiß, dass sie so nicht stimmt, und verzichtet darauf, Recherche zu betreiben, weil er genau weiß, dass diese ihn widerlegen würde. Wenn er etwas nicht weiß, muss er es auch nicht erwähnen, oder? Reitschuster denkt, das würde ihn davon absolvieren, dreist seine Leserschaft zu täuschen, die wohl selten seine ganzen Artikel lesen und die im Text versteckten Relativierungen und Richtigstellungen seiner eigenen Fake News regelmäßig überlesen.

Zum Spaß haben wir selbst einen Satire-Artikel gebastelt, der exakt so arbeitet wie Reitschuster, überzeugt euch selbst:

Böser Verdacht: Reitschuster heimlich von Russland finanziert?

Bleibt kritisch, glaubt keinen professionellen Blendern

Nein, es wurden nicht nur 0,9 % aller Covid-Toten in Portugal verifiziert. Ja, die Aufzeichnungen des DGS zeigen, dass es bis Mai dieses Jahres 152 Covid-Todesbescheinigungen gab, die von eignen Ärzt:innen ausgestellt wurden. Aber anders als in verschiedenen Publikationen wie die Fake-News-Plattform Reitschuster dargestellt, beweisen diese Zahlen nicht, dass die bisher bekannten offiziellen Zahlen – mit mehr als 17.000 Todesfällen durch Covid-19 in Portugal seit Beginn der Pandemie – ein Schwindel sind. Der professionelle Fake-Verbreiter Reitschuster weiß das auch, dennoch tut er für die Gunst seiner Leserschaft so, als ob es ein „Indiz“ sei für die erlogenen Narrative, mit denen er sein Geld verdient.

Zum Thema:

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Korrekturhinweis: Die genaue Rolle des DGS ausgebessert. Artikelbild: shutterstock.com

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