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Minus 43 % „fast nichts“?! So belügt euch BILD über Wärmepumpen

von | Apr 27, 2023 | Faktencheck

Das Döpfner-Wahlkampf-Medium und die Fake-News-Schleuder BILD hat wieder zugeschlagen: In ihrem Kampf gegen Wärmepumpen hat das Blatt mal wieder gezeigt, wie dreist man die Fakten verdrehen kann und für naiv man seine Leserschaft hält. 

Ein BILD-Artikel zu Wärmepumpen zeigt auf, dass der Strom für Wärmepumpen nicht komplett klimaneutral ist. Doch selbst der eigens BILD-handverlesene Professor, Mitglied in dem Pro-Atomkraft-Verein Nuklearia, muss im Artikel zugeben, dass Wärmepumpen gegenüber Gasheizungen selbst beim aktuellen Strommix 43 % weniger CO₂ ausstoßen. 

Doch das stört die BILD-Kampagnen-Redaktion überhaupt nicht. Direkt darunter wird behauptet, das sei eine „Hochgradig ineffiziente Maßnahme“! Hä? Stellt euch vor, jemand würde sagen, ihr müsstet 43 % weniger Miete zahlen – würdet ihr sagen, das sei „fast nichts“?

Es wird einfach trotzdem falsch, ganz im Sinne ihres fossilen Großinvestors KKR hinter einer Paywall: „Erschütterndes Ergebnis vom Energie-Experten Habecks Heiz-Hammer ein Klima-Reinfall!“ Wer also selbst nachschauen will, wie viel Wärmepumpen in Wahrheit bringen, muss BILD auch noch bezahlen.

Stell dir vor, du müsstest 43 % weniger Miete zahlen und bild sagt: Bringt ja nichts!

BILD lügt wie gedruckt: „Mit dem aktuellen Strommix bringen die Anlagen nichts. Sie sind womöglich sogar klimaschädlicher als Gas-Heizungen!“ Man kann sich das überhaupt nicht ausdenken, das steht da, während im SELBEN Artikel Zahlen stehen, die das widerlegen. Man macht fast eine Halbierung zuerst zu buchstäblich „nichts“ und macht via „womöglich“ gleich die völlig irrwitzige Spekulation, dass Gasheizungen sogar BESSER sein sollen. Die BILD hält ihre Leser für komplett dumm? Wie lange wollen wir uns so dreist ins Gesicht lügen lassen? Als würde die Sonne scheinen und BILD erzählt dir, du sollst jetzt in Regenschirme investieren, weil es regnet!

Die Agenda ist klar: Die BILD will, dass die Deutschen weiter mit Gas heizen und sich dabei dumm und dämlich zahlen – BILD gehört übrigens zu Döpfners Axel-Springer-Verlag und der gehört in Teilen KKR, einem der weltweit größten Investoren in fossile Anlagen und Pipelines. Wir hätten ja nicht behauptet, dass da „von oben“ Anweisungen kommen, was man zu schreiben hat, aber Millirdär und Axel-Springer-Chef Mathias „Please stärke die FDP“ Döpfner hat ja gezeigt, dass das auch passiert. BILD weiß aber auch so, welche Agenda man skrupellos durchsetzen muss.

Und dass sich dann ein Professor André Thess auch noch vor den Karren spannen lässt, ist dann doch überraschend. Er teilt den Artikel auch noch stolz auf Twitter – und erklärt dabei aber auch, dass das, was die BILD übrigens allen Ernstes eine „Studie“ nennt, eine „Übungsaufgabe aus einer Vorlesung“ war.

Wie hoch sind die Einsparungen wirklich?

Doch es wird noch dramatischer: Laut Bundesverband der Wärmepumpen schaffen durchschnittliche Wärmepumpen 52 Tonnen CO₂-Einsparung über die Lebensdauer. Sie geben leider auf der Website keine genaue Rechnung an, also überprüfen wir es hier kurz: 

Aktuell verursacht der deutsche Strommix ca. 400 g CO₂ / kWh. Hingegen liegt Gas bei 200 g CO₂ / kWh.

Wärmepumpe macht aus 1 kWh Strom 3-4 kWh Heizenergie. So kommt man dann selbst bei einer schlechten Wärmepumpe mit COP von 3 auf aktuell etwa 30-50 % CO₂-Einsparungen, in vielen Häusern wird aber auch locker 3,5 – 5 erreicht. 

Wichtig sind aber die Einsparungen über die Lebensdauer: Die Wärmepumpe wird ja nicht nur 2023 betrieben, sondern noch viele Jahre. Und der Strommix wird ja klimaneutraler werden. Bis 2030 werden Kohlekraftwerke abgeschaltet, bis 2035 ist 100 % Erneuerbare anvisiert (was im Lügen-BILD Artikel natürlich auch verschwiegen wird). Eine Wärmepumpe hat aber eine Lebensdauer von mindestens 20 Jahren. Eine heute eingebaute Wärmepumpe spart also bis 2035 nochmal 50 % CO₂ ein, weil der Anteil der Erneuerbaren kontinuierlich steigt, bis zum Ende ihres Lebens 2045 dann sogar voraussichtlich auf 100 %. Eine Gasheizung braucht 4 Tonnen CO₂ pro Jahr. Wärmepumpen sparen bis 2035 also etwa 30 Tonnen CO₂ und dann die nächsten 10 Jahre nochmal 40 Tonnen CO₂ ein. Offenbar ist sogar die Rechnung des Bundesverbands für Wärmepumpen zu pessimistisch, weil nicht mit einem steigenden Anteil von Erneuerbare Energie gerechnet wird. 

Die Fossil-BILD behauptet auch, dass an einzelnen, sehr kalten Wintertagen die Gasheizung eventuell einen Vorteil haben könnte. Da ist was dran, denn der Verbrauch steigt drastisch an, wenn es extrem kalt wird. Das wird aber ausgeglichen durch einen deutlich höheren Wirkungsgrad bei milderen Temperaturen. Da braucht eine Wärmepumpe kaum noch Strom. Letzten Endes kommt auf den Durchschnitt übers Jahr an. Und da liegt die Wärmepumpe, wie die BILD angibt, aber dreist darüber lügt, klar vorne. 

Zusammenfassend: BILD WIll nicht, dass wir uns Wärmepumpen holst

Legt man schlechte Voraussetzungen und den aktuellen Strommix zugrunde, dann spart die Wärmepumpe immer noch fast die Hälfte der Emissionen einer Gastherme ein. Kommt noch eine Solaranlage dazu, lässt sich sogar fast die Hälfte der Wärmepumpenstrom sehr günstig selbst produzieren.

Aber egal, ob mit oder ohne Solar: Die Wärmepumpe ist so effizient, dass massiv laufende Kosten eingespart werden können – bis zu 62 % bei Solar und Wärmepumpe zusammen. 

Rechnet man hingegen die zunehmend hohen Preise für Gas und fossile Energieträger, den Kohleausstieg bis 2030 und 100 % Erneuerbare bis 2035 in die Rechnung ein, wird klar, dass Wärmepumpen sowohl beim Preis als auch bei den CO₂-Emissionen Gasthermen massiv überlegen sind. Aber natürlich will das KKR-Lügenblatt BILD nicht, dass ihr das erfahrt. 

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