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Die Wasserstoff-Lüge: Wie Dich die Fossil-Industrie abzocken will

von | Jun 15, 2023 | Faktencheck

So sollst du dazu gebracht werden, der Gasindustrie den Abschied zu vergolden

Das ist die große Angst von den weltweit größten Investoren in Fossile Energien wie KKR (denen übrigens große Teile des Verlags von „BILD“ und „WELT“ gehören): Über 1 Billion Euro (Ja, tausend Milliarden) ihres Besitzes wird bald wertlos sein. Besitz wie Anlagen, Raffinerien, Infrastruktur und so weiter. Denn bald brauchen wir keine Pipelines oder andere fossile Infrastruktur mehr, weil wir die allermeisten Dinge einfach mit Erneuerbaren regeln. Strom direkt vom Dach, mit dem du auch gleich direkt und viel effizienter Heizen kannst, zum Beispiel. Diese Investoren wollen diese „Stranded Assets“ – gestrandete Anlagen – so lange wie möglich als „doch irgendwie nützlich“ anpreisen, um ihre angesichts der unaufhaltsamen erneuerbaren Transformation völlig überzogenen Unternehmensbewertungen aufrechtzuerhalten. Oder direkt gesagt: Sie wollen so lange wie möglich noch so viel Geld wie möglich damit verdienen.

Fossil-Konzerne fahren massiv Rekordgewinne ein

Das läuft bisher auch super. Während Öl- und Gaspreise (+36,7 %), Strompreise (+6,4 %) und wegen Inflation (7,2 %) auch die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel (22,3 %) steigen, dein Reallohn aber im Vergleich dazu sinkt (-4 %), geht es den Fossilkonzernen prächtig. 

Der Ölkonzern Exxon berichtet Rekordgewinne von 56 Milliarden Dollar 2022. Auch Ölriese BP verzeichnete 2022 so viel Gewinn wie noch nie von knapp 26 Milliarden Euro und schüttete 14 Milliarden Dollar an seine Anteilseigner aus. Auch Chevron macht den höchsten Gewinn seiner Geschichte von 35,5 Milliarden Dollar. Der deutsche Konzern RWE verzeichnet Rekordgewinne und verdoppelt seinen Konzernüberschuss dank hoher Strompreise.

Shell hat seinen Gewinn 2022 verdoppelt. Vattenfall hat seinen Umsatz um fast zwei Drittel erhöht. Die fünf größten Ölfirmen weltweit verzeichneten Rekordgewinne und machten einen aufsummierten Profit von über 200 Milliarden Dollar. Dax-Konzerne zahlten Rekord-Dividenden von 55 Milliarden Euro und werden die Auszahlungen 2023 noch mal auf 75 Milliarden Euro steigern.

Shell hat jetzt sogar seine Pläne ganz fallen gelassen, die Ölproduktion zu drosseln. Dafür werden die Gewinnausschüttungen erhöht. Sie wollen so lange wie möglich noch Rekordgewinne abkassieren. Und wer dafür bezahlen soll? Du alleine.

Und sie wollen weiter von dir abkassieren

Sobald hingegen genug Menschen aber klar wird, dass diese „Besitztümer“ vollkommen wertlos sind und sie niemand mehr braucht, verlieren diese Investoren alles. Deshalb gibt es jetzt die „Wasserstoff-Masche“. Dabei wird so getan, als müsste man zum Beispiel das Gasnetz noch jahrelang weiter nutzen. Das ist eine der Ausreden, mit der das neue Heizungsgesetz zum Beispiel so gut wie nutzlos gemacht wurde. Es wird den Leuten eingeredet, dass sie ihre Gasheizungen vielleicht später einfach mit Wasserstoff bedienen könnten. Das ist jedoch ein Trick, um dich abzuzocken, aber dazu kommen wir gleich noch.

Die Wasserstoff-Masche dient den fossilen Investoren aber auch noch in anderer Weise: Viele aktuell noch fossilen Unternehmen wollen in Zukunft mit Wasserstoff produzieren. Der Umstieg wird allerdings sehr teuer. Also denkt sich der findige Investor: Wieso lässt man ihn nicht von Verbrauchern und dem Staat finanzieren, indem man den Leuten einredet, dass der extrem teure Wasserstoff doch super zum Heizen genutzt werden könnte irgendwann? Das macht natürlich nur Sinn mit massiven Zuschüssen von unserem Steuergeld. Praktisch für den Investor. Richtig schlimm für alle Steuerzahler. Also für dich und mich.

Genau das sehen wir jetzt. 

Von den Briten lernen

Im Vereinigten Königreich spielt sich diese Debatte aktuell auch ab. Hier sollen dem Gasnetz 20 % Wasserstoff beigemischt werden, um den Wasserstoff-Hochlauf auf Kosten der Verbraucher zu finanzieren. Viele Gruppen hatten gegen den Plan rebelliert, da er die Heizkosten drastisch steigern würde, und der Wasserstoff anderswo eher gebraucht würde. Solche Beimischungen sind klimatechnisch weitgehend wirkungslos, da nur sehr niedrige Beimischungen von den meisten Boilern vertragen werden. 

Allerdings hat Wasserstoff pro Volumen einen viel niedrigeren Brennwert als Gas. 10 % Beimischung führt somit nur zu einer CO₂-Reduktion von 1 %. Richtig gelesen. Es bringt fast gar nichts.

Offenbar hat der entsprechende Minister das auch eingesehen. Er meint jetzt, es sei  „unwahrscheinlich“, dass Wasserstoff eine Rolle bei der Gebäudeheizung spielt.

Auch in Deutschland sind die meisten Gasheizungen „nur“ Wasserstoff-ready für eine (fast nutzlose) Beimischung. Das bedeutet, dass das Gasnetz so lange noch das alte Gas transportieren muss, bis auch die letzte dieser Thermen vom Netz genommen wurde. Und dank der Ampel wird das noch sehr lange dauern und länger als wir es uns leisten können. Das bringt weder dir was finanziell, noch unseren Klimaschutzzielen.

Wissenschaftlicher Konsens gegen Wasserstoff

In der Wissenschaft ist der Konsens zum Einsatz von Wasserstoff zum Heizen überwältigend negativ. Das ist praktisch, denn damit könnt ihr jeden Politiker, der sich positiv über Wasserstoff im Gebäudebereich äußert, korrekt als kompletten Lobbyisten-Sprachrohr und anti-wissenschaftlich bezeichnen und solltet ihn, wenn möglich, umgehend abwählen. 

Hier nämlich die Fakten:

  • Diese Meta-Studie hat sich 32 Studien angesehen. Keine (!) davon geht von einer größeren Rolle von Wasserstoff bei der Gebäudeheizung aus. Doch das ist nicht alles.
  • Das Fraunhofer-Institut geht davon aus, dass Wasserstoff in nur 1-2 % der Gebäude zum Einsatz kommen wird. In einer anderen Studie findet das Institut, dass selbst bei niedrigen Wasserstoff-Preisen der Einsatz im Gebäude praktisch bei null liegen wird. 
  • Diese Nature-Studie geht von weniger als 1 % Wasserstoff-Nutzung beim Heizen aus. Die Unternehmensberatung Deloitte geht ebenfalls von weniger als 1 % Wasserstoff-Nutzung beim Heizen aus. 
  • Auch die europäische Akademie der Wissenschaften geht nur von einem minimalen Anteil von Wasserstoff aus, höchstens lokal dort, wo er durch die Industrie ebenfalls verbraucht wird. Die Studie gibt ebenfalls an, dass Heizen mit Wärmepumpe bis zu 6-mal effizienter (und entsprechend eben billiger) wäre. Obwohl das Heizen mit Wärmepumpe mehr Investitionen erfordert, ist es im Gesamtsystem sogar mit schlechten Wärmepumpen 2-3 mal billiger als grüner Wasserstoff. Die jährlichen Kosten liegen bei Wasserstoff laut einer anderen Studie 4-mal höher als bei Wärmepumpen.

Das heißt: Wer sich jetzt eine Gasheizung holt, in Erwartung, sie irgendwann auf Wasserstoff umzustellen, wird in nur wenigen Jahren entdecken, in welche Kostenfalle er gelockt wurde. Dann muss er sie teuer sowieso ersetzen, was er gleich heute hätte machen können. Vergiss nicht, wer dir jetzt gerade etwas anderes einredet! Und vergesst nicht: Medien wie „BILD“ und „WELT“ gehören dem Axel-Springer-Verlag, der zum Teil im Besitz eines der größten Fossilinvestoren der Welt ist.

Klar, wir können jetzt so weiter machen, und noch viel mehr Studien und Experten auflisten, man liest immer wieder von den mickrigen 1 % Wasserstoff in Gebäuden. Weil er halt so unfassbar teuer ist. Aber ich denke, die Fakten sollten klar sein.

Wasserstoff wird immer teurer sein als Wärmepumpen

Es kommt alles bei dieser Frage zusammen: Was kann ich mit einer Kilowattstunde erneuerbarem Strom machen? Entweder ich stelle damit Wasserstoff her und verbrenne den. Oder ich betreibe damit direkt eine Wärmepumpe, die dann die Umgebungswärme ins Haus transportiert. Und hier wird die Wärmepumpe, egal wie schlecht das Haus gedämmt ist, immer die Nase vorn haben. Das ist eine physikalische Zwangsläufigkeit. Sie nutzt Umgebungswärme als zusätzliche Energiequelle und kann daher aus einer Kilowattstunde Strom 3-4 Kilowattstunden Heizenergie bereitstellen. Ja, wirklich.

Bei der Erzeugung, Lagerung und Transport von Wasserstoff wird im Gegensatz dazu immer Energie verloren gehen. Also für eine Kilowattstunde Strom bekommt man zwangsläufig weniger als eine Kilowattstunde zurück. 

Daher wird die Wärmepumpe immer effizienter sein. Und damit auch billiger. Du kriegst viel, viel mehr raus als aus der Gasheizung.

Anhänger von Wasserstoff argumentieren, dass dieser ja bei Zeiten hoher erneuerbarer Erzeugung produziert werden kann. Allerdings können auch Wärmepumpen ihren Verbrauch über den Tag hinweg an die Produktion anpassen. Längerfristig gespeicherter Wasserstoff ließe sich viel effektiver in KWK-Kraftwerken nutzen, wo er neben Fernwärme auch Strom für den Betrieb von Wärmepumpen erzeugen kann. Richtig gehört: Wir können aus Wasserstoff am meisten Energie herausholen, wenn wir damit Strom erzeugen und damit Wärmepumpen betreiben. Damit können Dunkelflauten ausgeglichen werden. Also: Wasserstoff ist schon sinnvoll. Aber nicht für Deine Heizung zu Hause. Das wird dir aber gerade eingeredet. 

Lass dich von der Wasserstoff-Masche nicht verarschen

Dein (Lokal-)Politiker labert von Wasserstoff in deiner Heizung? Wähl ihn schleunigst ab. Die Ampel behauptet, du kannst dir ruhig noch eine Gasheizung holen, weil es ganz bestimmt bald Wasserstoff gibt, vertrau mir? Das hat bestimmt nichts mit den Klimawandelleugnern und Fossil-Lobbyisten in der FDP zu tun, die mit jeder Menge Lügen das Heizungsgesetz sabotiert haben. Dein Heizungsbauer will dir irgendwas mit Wasserstoff andrehen? Bewerte ihn schlecht, warne alle deine Freunde und Nachbarn vor ihm und dann nimm einen anderen. Auch er will vermutlich nur abkassieren, damit er dir in wenigen Jahren den neuen Wiederausbau abrechnen kann.

Du musst uns das alles nicht glauben, wir haben überall alles belegt und jede Menge Studien verlinkt. Überzeug dich selbst. Und teile diesen Artikel oder auch nur die Argumente und Quellen mit deinen Freunden und deiner Familie. Hinter den fossilen Lügen stecken Milliarden und sie erreichen Millionen. Leiste deinen Beitrag, um dagegen mit den Fakten und der Wahrheit anzukommen und hilf uns, dem etwas entgegenzusetzen. Und den Menschen zu helfen, eine Kostenfalle zu vermeiden. Und das Klima zu retten.

Wasserstoff im Gebäudebereich ist eine einzige große Lüge, um die Taschen einiger weniger fossiler Investoren zu füllen, denen unser aller Leben und unser Planet völlig egal sind. Du sollst blechen, während Shell & Co. in Milliardengewinnen schwimmen. Es ist ein gigantischer Billionen-Schwindel. Mach was Besseres aus Deinem Geld und hilf lieber mit, unseren Planeten für Deine Nachkommen zu erhalten. Oder investiere zumindest smart und spar Dir Geld.

Artikelbild: canva.com