„Das Maß ist voll“: Landesvorsitzende Wery-Sims distanziert sich von Wagenknecht

| Interview | 16. November 2021

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Interview mit Melanie Wery-Sims

Halloween war es wieder so weit. Sahra Wagenknecht, ihres Zeichens Talkshow-Präsenzkönigin der Partei DIE LINKE und bis 2019 Fraktionsvorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, tat das, was sie aktuell so tut, außer im Bundestag zu sitzen. Sie verbreitete Unsicherheit mit Halbwahrheiten über Covid-19 und Impfungen und fühlte sich danach zu Unrecht als Impfgegnerin diffamiert. Es folgten am Monatsanfang ein Grundrauschen und Versuche einer Relativierung. Der letzte Tweet war dann aber endgültig zu viel für die jüngst in den LINKE-Bundesvorstand gewählte Melanie Wery-Sims, Co-Landesvorsitzende Rheinland-Pfalz. Mit Volksverpetzer sprach sie exklusiv über ihre Distanzierung.

QUO VADIS WAGENKNECHT? DIE LINKE IM UMBRUCH

Wagenknecht legte schon Anfang des Monats nach ihrem Talkshow-Auftritt genau in der Gegendarstellung zum Thema noch einmal mit allenfalls gefühlter Wissenschaftlichkeit nach (Quelle). Im Talk bei Anne Will wurde sie sofort live vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach korrigiert, dieses Korrektiv fehlt leider bei ihren schriftlichen Statements. Wir hatten hierüber berichtet:

Zu Risiken & Corona-Nebenwirkungen fragen Sie nicht Sahra Wagenknecht!

Ihre Partei distanzierte sich abermals, ein Parteiausschlussverfahren schwebt im Raum, in rechten Impfgegner- und Pandemieleugnerkreisen rund um die AfD wird sie hingegen wieder hochgelobt. Der Desinformationsblogger Reitschuster aus diesen Kreisen nennt sie in einer Reihe mit dem Welt-Kolumnisten Don Alphonso, über dessen Umtriebe mit rechtsextremen Follower:innen wir auch schon ausführlich berichtet haben.

Warum Tweets von WELT-Autor Don Alphonso immer noch zu Hass & Morddrohungen führen

ZERWÜRFNISSE IM SAARLAND

Auch ihr Mann Oskar Lafontaine bläst gerne thematisch ins gleiche Horn der Impf-Desinformation (Quelle). DIE LINKE sieht sich in diesen Tagen auch im Saarland vor einigen Grundsatzentscheidungen über ihre Zukunft, nachdem die Fraktion sich gesplittet hatte (Quelle). Es könnte jedoch schon die letzte Mini-Fraktion aus 2 Mitgliedern in Saarbrücken sein. Eine Gesetzesänderung ist in Vorbereitung (Quelle).

Als ob die Aufgabe des Neuaufbaus nicht groß genug wäre, legte Wagenknecht Ende vergangener Woche noch einmal nach und tweetete als bekennende Impfkritikerin ein Preprint einer schwedischen Studie quasi als strikten Beweis für eine schlechte Wirksamkeit der aktuellen Corona-Impfstoffe, diesmal waren leider keine Gesundheitsexperten in der Nähe, welche hier sofort erklären oder widersprechen konnten.

Einige Genossinnen und Genossen haben nun genug von ihrem Populismus, parteiinterne Reaktionen auf ihren Tweet sprechen Bände. DIE LINKE unterstütze die aktuelle Impfkampagne und sei strikt auf Wissenschaftskurs, steht es in den offiziellen Beschlüssen. Wagenknecht torpediere hier leichtfertig und unabgestimmt die Politik ihrer eigenen Partei.

WIDERREDE EINER NEUEN GENERATION

Melanie Wery-Sims, Mitglied des Bundesvorstands und frischgebackene Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz, Teil des neuen Führungsduos mit Stefan Glander (Quelle), platzte jetzt nach langer Zeit dann virtuell der Kragen. Sie reagierte auf den letzten Tweet Wagenknechts vom 12. November und erinnert sie eindringlich an den solidarischen Kurs der Partei, ihre gesellschaftliche Verantwortung und die neuesten Beschlüsse zur Pandemiebekämpfung.

Wir hatten kurzfristig exklusiv die Chance, mit ihr über die Ziele der Partei, Wissenschaftsnähe, Verschwörungsmythen und auch noch etwas persönlicher zu sprechen.

INTERVIEW MIT MELANIE WERY-SIMS, LANDESVORSITZENDE DIE LINKE, RHEINLAND PFALZ

Fotograf: Olaf Krostitz

WO LIEGEN DEINE SCHWERPUNKTE?

VVP: Ich steige direkt einmal in die Themen und meine vielen längeren Fragen ein, ich hoffe, du hast ein wenig Zeit mitgebracht. Dein Tandem mit Stefan Glander steht ja für eine neue frische Generation DIE LINKE. Ihr macht nach außen hin einen sehr ge- und entschlossenen Eindruck, wofür steht eure Politik speziell, was sind eure Schwerpunkte? Wie würdest du es beschreiben?

Melanie Wery-Sims: Es freut mich, dass man uns die Ge- und Entschlossenheit ansieht. Stefan und ich kommen beide aus der Kommunalpolitik und hatten immer wieder auf dieser Basis Kontakt zueinander. Wir sind einerseits sehr unterschiedlich und arbeiten dennoch, oder vielleicht genau deshalb, sehr gut zusammen. Und deshalb war es für mich ein absolutes Muss, dass wir den Vorsitz als Team bestreiten.

Bereits einige Monate vor der Landesvorstandswahl haben wir deshalb ein Strategiepapier erarbeitet, das wir im Laufe der Zeit immer wieder angepasst haben. Grund dafür waren viele Treffen mit Genoss:innen aus den verschiedensten Kreisverbänden und Strömungen, in denen wir Ideen austauschten.

Am vergangenen Freitag haben wir uns erneut mit den Kreisverbänden getroffen, um über die Strategie zu sprechen – all die Ideen und Anregungen werden wir nun in unsere Vorstandsklausur miteinfließen lassen. Somit haben wir bereits einen wichtigen Punkt unserer Strategie begonnen: Transparenz und Mitwirken schaffen. Denn wie vielleicht bekannt ist, machte DIE LINKE. Rheinland-Pfalz durch die Zerstrittenheit mehr Schlagzeilen als mit Inhalten; genau das wollen wir ändern.

Da wir aus dem Kommunalen kommen, ist uns reale Politik sehr wichtig. Wir müssen den Menschen zeigen, dass wir vor Ort aktiv sind und sie zu uns kommen können, wenn der Schuh drückt.

Gleichzeitig ist es uns beiden wichtig, immer den Kern der Probleme im Auge zu behalten und deshalb immer und immer wieder die Systemfrage zu stellen. Der Kapitalismus hat uns dahin gebracht, wo wir nun stehen: ganz knapp am Abgrund. Die Uhr tickt und der Klimawandel schreitet stetig voran, während die Parteien noch ernsthaft über einfache Maßnahmen wie ein Tempolimit debattieren

FLÜGELBILDUNGEN INNERHALB DER PARTEI?

VVP: Nun ist auch DIE LINKE eine sehr diverse Partei, eine heterogene Masse. Einige Interessenunterschiede wurden massiv in der Öffentlichkeit ausgetragen und erweckten den Eindruck, dass es in der Partei unüberwindbare Differenzen geben würde, gar Flügelbildungen nach schlechtem Vorbild anderer Parteien. Wie siehst du das? Wird das Thema intern betrachtet oder ist dies eher eine Betrachtung von außen, die für euch keine große Relevanz hat.

Wery-Sims: Ehrliche oder geschönte Antwort? Nein, im Ernst, es ist hier und da wirklich problematisch, dass unser Pluralismus, also das, was uns als Partei ausmacht, in eine negative Richtung abdriftet. Die Kunst ist es, voneinander zu profitieren, zu lernen und Kompromisse zu finden, anstatt sich in Flügelkämpfen zu verlieren. Denn dann sind wir nicht mehr pluralistisch sondern vielstimmig, was zur Folge hat, dass die Bürger:innen nicht mehr wissen, was sie bekommen, wenn sie uns wählen.

Der im Frühjahr gewählte Parteivorstand funktioniert jedoch meines Erachtens wunderbar – man diskutiert hitzig über Inhalte, kann danach aber noch einen Kaffee zusammen trinken.

Auf Landesebene in Rheinland-Pfalz waren die Streitereien in der Vergangenheit nicht inhaltlicher Natur, sondern spielten sich auf persönlicher Ebene ab. Streiten kann sich jeder mal, aber das Ziel des neuen Landesvorstands ist es, eine Debattenkultur zu etablieren und vorzuleben, die respektvoll, barrierefrei und produktiv ist.

KLARE LINIE UND doch irreführende AUSSENDARSTELLUNG

VVP: Im Rahmen der Bundestagswahl 2021 hatten viele außenstehende Beobachter den Eindruck, dass das Flügeltum und eine etwas unklare Strategie auch auf Bundesebene viele Stimmen gekostet hat. Dazu kommen äußerst unterschiedliche Historien und Ausrichtungen in einzelnen Bundesländern. Gibt es hier jetzt Abstimmungen mit den Genoss:innen zu einem gemeinsameren Politikverständnis, einer klareren Linie, insbesondere und auch in der Außenkommunikation?

Wery-Sims: Das unterschiedliche Vorgehen in den verschiedenen Bundesländern hängt natürlich auch von den Ausgangssituationen ab. In Thüringen gestaltet sich die Politik natürlich ganz anders als bei uns in Rheinland-Pfalz, da wir nicht im Landtag vertreten sind, während wir mit Bodo [Ramelow, Anm. d. Red.] in Thüringen sogar den Ministerpräsidenten stellen.

Aber auch hier gilt: Der Gesamttenor muss eigentlich immer der Gleiche sein. Wir haben eine Programmatik, die immer Basis unserer Politik sein sollte. Natürlich haben wir alle hier und da mal Differenzen zu einzelnen Positionen – wenn das der Fall ist, muss man eben auf Parteitagen Anträge einbringen und versuchen, den ein oder anderen Punkt zu verändern. Scheitert dies aber, gilt eben der originäre Text; und als Stimme der Partei vertrete ich dann auch diese Position.

Das klingt nun hart, aber eigentlich sollte dies das normale Partei-Einmaleins sein, sodass die Bürger:innen auch nachvollziehen können, was sie bekommen, wenn sie uns wählen.

„Ich muss mich von einigen Aussagen distanzieren“

VVP: Denke ich an DIE LINKE, denke ich leider sehr oft auch an Sahra Wagenknecht, eine der bekanntesten LINKE-Politiker:innen des Landes. Diese zeichnet damit jedoch ein Bild eurer Partei, das nicht dem entspricht, welches in den Parteibeschlüssen zu sehen ist. Es häufen sich seit Jahren populistische Aussagen ohne wirkliche Substanz oder Quellen, und auch zu Corona und Impfung häuft sich Desinformation, die ins gleiche Horn bläst wie Querdenker:innen und AfD.

Im Januar 2021 legte sie los mit Corona-Maßnahmenkritik auf falscher Datenbasis (Quelle), im April 2021 unterstützte sie massiv die Verbreitung des „Intensivbetten-Fake“, hiermit unsolidarischen Populismus gegen Pflegekräfte (mehr dazu). Braucht es solche Projekte, um für einen Neustart der Partei wachzurütteln?  Welcher Kurs soll das sein? Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie nach Vorbild von Frauke Petry in der AFD Stimmen für eine Zukunft in einer eigenen Partei sammelt, ein egoistischer Plan B sozusagen. Wie ist deine persönliche Meinung zu Aktivitäten, die der eigenen Partei und deren Programmen schaden können?

Wery-Sims: Ich hatte mich in der Vergangenheit bewusst nie öffentlich zu den Streitigkeiten innerhalb meiner Partei geäußert, da ich es nicht für zielführend erachte, öffentlich Kämpfe auszufechten. Mittlerweile bin ich aber an einem Punkt angekommen, an dem mir mein Gewissen sagt, dass ich mich von einigen Aussagen distanzieren muss. Der Parteivorstand, der übrigens bereits einen Generationenwechsel vorgenommen hat, als er neu gewählt wurde, hat zum Thema Corona Anfang des Monats ein Papier veröffentlicht, das mehrheitlich beschlossen wurde und oben schon erwähnt wurde.

„Wir stehen für eine solidarische und wissenschaftsbasierte Corona-Politik!“

Wery-Sims: Ein Ausschnitt daraus: „Deswegen ruft DIE LINKE gegen die Fakenews von Rechten und Coronaleugnern mit Nachdruck zu Impfungen auf und streitet dafür, dass endlich alle Menschen weltweit geimpft werden können. Sie schützt nachweislich und ist ein Ausdruck von Solidarität und Verantwortung füreinander. Zugleich dürfen die Kosten für verantwortliches Verhalten und den Infektionsschutz nicht Einzelnen auferlegt werden.“

Wir stehen für eine solidarische und wissenschaftsbasierte Corona-Politik! Die Politiker:innen, die etwas anderes behaupten, sprechen nicht für die Partei – egal, ob es bekannte Gesichter sind oder nicht: Es sind Einzelmeinungen. Und nebenbei erwähnt: Das Gerede von Milieus und „Lifestyle-Linken“ wird uns genauso wenig helfen wie das gegeneinander Ausspielen von Themen. Natürlich müssen wir uns um die Bedürfnisse der Arbeiter:innen kümmern, aber wer denkt, dass es darunter keine queeren oder von Sexismus betroffenen Menschen gibt, hat das wirkliche Problem einfach nicht verstanden.

„Wenn wir der Wissenschaft nicht mehr vertrauen, können wir, ehrlich gesagt, einpacken“

VVP: Du setzt dich also unter anderen massiv dafür ein, dass die LINKE gemäß ursprünglicher Ausrichtung zu einem strikten Wissenschaftskurs zurückkehrt. Aus meiner Sicht ein wichtiger Weg. Habt ihr Expert:innengremien, in denen ihr beispielsweise alle wichtigen aktuellen Corona-Themen parat habt und haben alle Genoss:innen niederschwelligen Zugriff darauf?

Wery-Sims: Wenn wir der Wissenschaft nicht mehr vertrauen, können wir, ehrlich gesagt, einpacken. Ich habe in den vergangenen 20 Monaten auf etlichen (Gegen)Demos die Reden der Coronaleugner hören müssen und bin immer wieder schockiert darüber, wie leichtsinnig man die Erkenntnisse der Wissenschaft infrage stellt. Natürlich müssen wir alle kritisch bleiben und Dinge hinterfragen, aber mittlerweile hat es Auswüchse angenommen, die unser gesellschaftliches Miteinander schwer beeinflussen.

Wie kann es sein, dass man mehr Angst hat vor den Stoffen, die in der Corona-Impfung sind, als vor den Medikamenten, die man bekommt, wenn man durch Covid auf der Intensivstation liegt? Wie kann es sein, dass man eher einem Mikrobiologen glaubt, der nicht zu den Coronaviren und den damit verbundenen epidemiologischen Themen geforscht hat, als etlichen Wissenschaftlern, die dies von früh bis spät tun?

„DIE LINKE steht auf dem Boden der Wissenschaft und wirbt deshalb für die Corona-Impfung.“

Wery-Sims: Wir haben bereits einige Arbeitsgruppen innerhalb des Parteivorstands gegründet und werden diese AGs mit Mitgliedern der Bundestagsfraktion komplettieren. Um ehrlich zu sein, ist all das durch das schockierende Bundestagswahlergebnis ins Stocken geraten, da wir uns nun komplett neu aufstellen müssen – nicht nur strategisch sondern auch bei den ganz bürokratischen Fragen. Denn Fakt ist, dass nicht nur die Fraktion kleiner ist, sondern dass uns auch viel Geld fehlt und noch schlimmer: das wir uns bereits von vielen Mitarbeiter:innen verabschieden mussten. Das war ein derber Niederschlag, den es nun aufzuarbeiten gilt.

Neben den Arbeitsgruppen zapfen wir natürlich das Wissen unserer Partei nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung an und laden regelmäßig externe Expert:innen in unsere PV-Sitzungen ein. Ohne unsere Basis wäre Parteiarbeit nicht möglich und deshalb ist es uns sehr wichtig, dass alle Inhalte breit gestreut werden. Dazu gibt es regelmäßige Newsletter, Infos auf der Homepage und den sozialen Medien und natürlich sind unsere Sitzungen der Partei für Mitglieder immer öffentlich.

Und noch persönlich: Wie verknüpfst du Familie und Politik?

VVP: Aktivismus gegen Faschismus und für moderne feministische Themen sind ja ebenfalls wichtige Punkte, die ich fest mit dir und deinen, in Social Media gut sichtbaren, extrem langen Arbeitstagen verknüpfen würde. Ich musste gerade auch kurz an diese unsäglichen Diskussionen denken, wie Frauen in Führungspositionen das schaffen können. Auch du hast eine große Familie, ihr seid nach deinen Aussagen ein eingespieltes Team. Wie viele Stunden hat dein Tag? Gibt es einen regulären Tagesablauf? Gönnst du dir auch mal ganz bewusste Auszeiten? Wenn ja, wie?

Wery-Sims: Es freut mich sehr, dass Du diese Themen mit mir verbindest, da sie mir sehr am Herzen liegen. Gerade in Zeiten der Pandemie sind faschistische Brandherde entstanden, die von der Regierung komplett unterschätzt wurden – bis es zum Sturm auf den Bundestag kam. Gerade in den ländlichen Regionen konnten Faschisten fast ungebremst ihre Hetze verbreiten. Ich danke allen Antifaschist:innen dafür, dass sie teils mehrere Tage die Woche auf Gegendemos standen bzw. stehen und das Schlimmste bisher verhindert haben. Durch die AfD in den Parlamenten wird aber eins klar: Am Punkt „Wehret den Anfängen“ sind wir leider schon vorbei.

Queere Politik und Feminismus sind Themen, die mir unheimlich wichtig sind; auch dadurch, dass ich selbst aus eigenen Erfahrungen schöpfen kann bzw. muss. Oft wurde mir bereits gesagt, dass ich nicht so viel Persönliches von mir preisgeben soll, da dies unprofessionell sei, aber ich sehe dies anders. Natürlich muss das jede:r für sich selbst entscheiden, aber ich kann für mich sagen, dass ich authentisch bleiben möchte, egal in welcher Position ich bin.

Denn wie jeder andere Mensch auch, trage ich ein Päckchen vor mir her, das mich hier und da vielleicht ausbremst (ich sag nur „Trigger“), aber in den meisten anderen Situationen mein Antrieb ist. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn der Mann handgreiflich wird und die Polizei ihn trotz gerichtlichen Hausverbots wieder ins gemeinsame Haus lässt.

„ Ich weiß, wie es sich anfühlt, aufs Äußere reduziert zu werden oder als Männerhasserin abgestempelt zu werden“

Wery-Sims: Und ich weiß aus der Vergangenheit, wie es sich anfühlt, wenn man alleinerziehend ist, aber kein Geld vom Staat bekommt, da der Noch-Mann so viel verdient. Ich weiß, wie es sich anfühlt, aufs Äußere reduziert zu werden oder als Männerhasserin abgestempelt zu werden. Und das werde ich weiterhin nach außen tragen, da es mich zur besseren Kämpferin für diejenigen macht, die keine Kraft mehr zum Kämpfen haben. Das klingt nun vielleicht dramatisch… Naja, leider ist es das auch.

Mein Tag hat zu wenige Stunden, das ist mal klar 😉 Aber gleichzeitig brauche ich den Stress und hasse Langeweile. Wenn mir mal alles über den Kopf wächst, dann singe ich. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass das Multitasking,z. B.. Anträge zu schreiben, während die Kinder mir alle erklären, wer nun warum den Streit begonnen hat, zeitweise sehr anstrengend sein kann. Aber ich habe eine wunderbare Familie und die besten Freund:innen überhaupt, die mich immer unterstützen. Der seelische Support ist Gold wert.

Mein Tagesablauf muss sich momentan neu einpendeln, da ich mich noch in die Rolle der Vorsitzenden hineindenken muss. Bis vor Kurzem war ich selbst Angestellte des Landesverbands, plötzlich bin ich selbst Chefin, das macht mein Kopf noch nicht so ganz mit. Aber ich sehe auch das als großen Vorteil: Ich weiß, was die Genossen in unserer Landesgeschäftsstelle alles leisten und habe großen Respekt davor.

Zudem sind wir auch dort bereits ein eingespieltes Team, da sind die Hierarchien eigentlich ganz egal. Politik muss meiner Meinung nach auch Spaß machen, was unter uns schon immer der Fall war und daran hat sich glücklicherweise nun nach dem Wechsel auch nichts verändert. Die Auszeiten habe ich täglich mit meinen Kids, beim Backen, Basteln und Rumalbern. Und hier und da mache ich dann noch Cosplay. In eine andere Welt einzutauchen kann sehr erhellend sein.

VVP: Danke für das Interview!

Artikelbild: Olaf Krostitz

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