Warum Tweets von WELT-Autor Don Alphonso immer noch zu Hass & Morddrohungen führen

| Kommentar | 3. Februar 2021

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Wenn der WELT-Autor Don Alphonso twittert, führt das immer noch regelmäßig zu Morddrohungen und Hasskampagnen. Wir analysieren die neusten Diskussionen rund ums Thema und erneuern unsere Twitter-Daten-Analyse von letztem Jahr, die erneut zeigt warum das so ist: Don Alphonsos Twitter-Blase ist immer noch voll mit Rechtsradikalen. Er weigert sich nach wie vor, diese zu blocken.

Mit rechtem Mob und Morddrohungen für die Pressefreiheit?

Derzeit wird eine Diskussion geführt, ob Betroffene von systemischer Diskriminierung aus ihrer Diskriminierung ein “Geschäftsmodell” machen “dürfen”. Beziehungsweise wird diese Position im (pseudo?)liberalen und konservativen Spektrum in letzter Zeit gelegentlich vertreten. Anlass war aktuell ein Kommentar von Fatina Keilani im Tagesspiegel, die den “Kampf gegen Rassismus” als “Geschäftsmodell” bezeichnet hatte. Dass der Vorwurf problematisch ist, haben diejenigen, die als Beispiele dafür herhalten sollten, bereits ausführlich widerlegt. Hasnain Kazim („Ex-Journalist und Buchautor“) hat im Tagesspiegel selbst das paradoxe Argument, dass die eigene Diskriminierung einem Privilegien verschaffen würde, mit dem Hinweis widerlegt, dass es schließlich auch “professionelle Rassisten” gibt, wie die AfD.

In der Berliner Zeitung, die sich auf einen Facebook-Post von Stephan Anpalagan („Talkshow-Dauergast“ ) bezieht, wird festgestellt, dass rechte Rhetorik alleinig auf dieser Opferhaltung und Rollenumkehr basiert. Und dass Antirassismus-“Arbeit” für engagierte Menschen eben oft eine “Geldverbrennungsmaschine” ist und der beste Weg “Hass, Hetze, Beleidigungen, Todeswünsche[n] und Morddrohungen” zu erhalten. “Vor dem Hintergrund all dessen nun den Kampf gegen Rassismus als lohnendes privates Geschäftsmodell zu bezeichnen, ist mindestens absurd, wenn nicht sogar offen bösartig”, schreibt Anpalagan.

Und stellt fest, wie viel Geld und Aufmerksamkeit Keilani und der Tagesspiegel wohl mit ihrem Artikel “verdient” haben. Transparenz-Hinweis: Stephan veröffentlichte gelegentlich Texte bei Volksverpetzer – übrigens ehrenamtlich. Wessen Texte wir ebenfalls (unentgeltlich) veröffentlicht haben, ist die Autorin Jasmina Kuhnke („twitternde Vierfachmutter“), die die “unterkomplexe Verknüpfung von Boshaftigkeiten, ohne Kenntnis antirassistischer Arbeit und rassismuskritischer Ideen” kritisierte.

Wenn Schwarz-Sein zum Makel gemacht wird

Natürlich mischt sich “Don Alphonso” ein

Selbstverständlich hatte auch unser Bekannter Rainer Meyer aka Don Alphonso etwas zu dieser Angelegenheit zu sagen und demonstrierte so eindrucksvoll, dass eben die Täter-Opfer-Umkehr in der Rassismusdebatte tatsächlich ein Geschäftsmodell ist. Meyer machte aus der Kritik an einem Artikel im Tagesspiegel einen “Anschlag auf die Pressefreiheit” (sic). Zur Erinnerung: Don Alphonso kritisiert regelmäßig Journalist:innen und Aktivist:innen (und auch den Tagesspiegel), worauf das oft genug in Shitstorms eines rechtsextremen Mobs ausartet, mitsamt Morddrohungen. Ebenfalls entspannt ist er bekanntermaßen, wenn es um die Verdrehung von Tatsachen geht. Und dass Menschen seinetwegen mitunter ihre Accounts löschen oder gar umziehen mussten, sieht er auch nicht so eng.

Nur ein paar Tage später schafft er es sogar, einen solchen Fall völlig ironiefrei zu erwähnen, nämlich in “Die Erben des Panoramagates”, wo er erneut die Falschaussage wiederholte, die ARD habe mit “ein paar Likes” einen “rechten Verdachtsfall in der Bundeswehr konstruiert”. Ein “rechter Verdachtsfall”, den der Betroffene übrigens eingesehen und wofür er sich entschuldigt hat. Dass es sich um eine bewusste Verdrehung und Relativierung von Tatsachen handelt, muss Meyer bewusst sein. Wir haben das alles bereits ausführlich widerlegt:

Pseudo-“PanoramaGate”: Lügen, Ablenkungen & rechtsextreme Gewaltdrohungen

Stimmungsgeber für einen rechtsextremen Mob

Im Zuge von “Panoramagate” hat Don Alphonso, wohl auch um vom Skandal abzulenken, die Extremismusexpertin Natascha Strobl einem rechtsextremen Shitstorm ausgeliefert. Wohlgemerkt resultierte das ganze sogar in Bedrohungen ihrer Kinder und Spott über ihren verstorbenen Vater. Ausführlich haben wir bei Volksverpetzer auch noch eine ganze Recherche veröffentlicht, die die ganzen Relativierungen von Meyer und der WELT als genau das entlarvt hat.

Die Fakten & rechtsextremen Hintergründe, von denen “PanoramaGate” ablenken soll

Die einzige Reaktion von Ulf Poschardt, Chef der WELT, auf unsere Darstellungen, die die Inszenierungen entlarven, war übrigens die hier:

Wer bedroht die Presse- und Meinungsfreiheit wirklich?

Wir hatten vor etwas mehr als einem Jahr bereits eine Analyse zu Don Alphonsos Twitter-Follower:innen durchgeführt. Wir wollten wissen, warum gerade seine Tweets oft so heftige rechte Hasskampagnen nach sich ziehen. Diese Analyse ergab, dass ein gewichtiger Teil von Don Alphonsos “Twitterbubble” aus Sympathisanten der vom Verfassungsschutz beobachteten, rechtsextremen Gruppe “Die Identitären” bestand. Wir schlugen ihm damals vor, dass er sehr einfach Hasskampagnen durch seine Tweets verhindern könnte, indem er diese Rechtsradikalen unter seinen Follower:innen blockt. Immerhin hatte er auch uns anlasslos geblockt und uns als “Mitwirkende im Scharfmachergeschäft” bezeichnet. Meyer hatte also klar kommuniziert, dass er genau aufpasst, wer ihm folgt. Warum also rechtsextremen Hass-Accounts?

Offener Brief von Volksverpetzer an Don Alphonso

Nun wollten wir überprüfen, ob sich da etwas getan hat.

Die Analyse lässt sich nicht 1:1 wiederholen, denn viele Accounts der Identitären, inklusive der Hauptaccount, wurden von Twitter zum Glück gelöscht (40% der Accounts von der letzten Analyse sind weg). Wir haben also statt mit Identitären einen Abgleich mit Accounts durchgeführt, die “Ein Prozent”, ein rechtsextremer Kampagnenverein, und Björn Höcke (AfD) retweeten. Beide Akteure stehen auf der Liste vom Verfassungsschutz ziemlich weit oben. Es dürfte also kein Zweifel bestehen, dass es sich hier um Rechtsextreme handelt, auch wenn das Ergebnis natürlich nicht unmittelbar vergleichbar ist.

Wir schauen uns dabei immer nur Original-Retweets einer Person an, also keine Retweets von Retweets oder ähnliches. Wir schauen auch nur auf Retweets, nicht auf Zitate/Quotes, also wenn jemand einen Tweet “retweetet”, um ihn dann zu kritisieren, ist er nicht dabei. Damit sollten wir also relativ sicher Fans erwischen. Das ist das Ergebnis:

  • 47% der Retweets von Donalphonsos Tweets stammen von Accounts, die vorher “Ein Prozent” retweetet haben.
  • 36% der Retweets von Donalphonsos Tweets stammen von Accounts, die vorher Höcke retweetet haben.
  • 51% der Retweets von Donalphonsos Tweets stammen von Accounts, die vorher Höcke und/oder “Ein Prozent” retweetet haben.

Mindestens die Hälfte der Retweets von Donalphonsos Tweets stammen von Accounts, die so rechtsradikal sind, dass sie vom Verfassungsschutz beobachtete Accounts retweeten

Das erklärt, warum Don Alphonsos Tweets nach wie vor oft zu Hassstürmen und Morddrohungen führen. Wir sehen also: Seit unserem letzten Artikel hat sich da wenig getan. Wir haben Don Alphonso vor einem Jahr freundlich und höflich aufgezeigt, warum seine Tweets für verschiedene Personen solche drastischen Konsequenzen haben. Doch offenbar war Don Alphonso das völlig gleichgültig.

Man kann natürlich argumentieren: Er kann ja nichts für seine Follower:innen. Das stimmte allerdings nur, bis wir nun schon zum zweiten Mal nachweisen konnten, dass diese Follower:innen in großen Teilen rechtsradikal sind und “Opfer” von Don Alphonsos Twitter-Hobby Morddrohungen bekommen. Don Alphonso hat es eben doch in der Hand, wen er blockt, und wen nicht. Uns hat er geblockt wie auch viele unserer Autor:innen. Warum weigert er sich, das gleiche Werkzeug unter Nazi-Follower:innen anzuwenden? Er hatte jetzt über ein Jahr Zeit darüber nachzudenken, wie wichtig ihm der Applaus in Form von Retweets von “Nazis” ist.

Anschlag auf die Pressefreiheit durch die kryptische Wut der rechten Twitter-Blase

Dass Frau Keilani sicherlich unschöne Beleidigungen als Reaktion auf ihren Artikel erhalten hat, tut mir aufrichtig leid. Im Internet beleidigt zu werden ist aber nicht das Ende der Pressefreiheit. Das ist keine “Cancel Culture”. Aber wenn Don Alphonso twittert oder schreibt, werden seine Opfer nicht nur beleidigt. Dort haben Medienschaffende Angst, ihn zu kritisieren, weil er juristisch droht und sogar sensible Daten einer Politikerin weiterverbreitet haben soll. Da folgten Anrufe beim Arbeitgeber und Doxxing der Adresse. Die Kolumnistin Sibel Schick musste umziehen, ihre neue Adresse wurde aber wieder veröffentlicht.

Das betraf den Bundestagsmitarbeiter Ssaman Mardi, der ein dutzend Morddrohungen erhalten hat, nachdem Don Alphonso ihn erwähnt hat (Quelle). Das betraf den Autor und Filmemacher Mario Sixtus, den Journalisten Robert Wagner, wie zuvor erwähnt die Extremismusforscherin Natascha Strobl, das betrifft den Journalisten Sebastian Pertsch und die Politikerin Anne Helm. Und natürlich auch diejenigen, die angeblich mit Antirassismus ein Geschäft machen, wie Kazim oder Kuhnke. Und viele andere, besonders Aktivist:innen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, keine große Fanbase haben und von deren Schicksal niemand erfahren hat. Das sind besonders PoC und (feministische/linke/grüne) Frauen.

Fazit

Rainer Meyer schreibt zwei Kolumnen für die WELT und wenn er jemanden an den Pranger stellt, folgen Morddrohungen, Shitstorms, Adressen werden geleakt, die Betroffenen müssen sich löschen oder umziehen. Kritik an einem Tagesspiegel-Kommentar sei allerdings ein “Anschlag auf die Pressefreiheit”. Außer dass Don Alphonso selbst neurechte Kampfbegriffe und Feindbilder verwendet (wie der antisemitische Verschwörungsmythos “Kulturmarxismus”), liegt das sicherlich zum großen Teil daran, dass ein nicht unwesentlicher Teil seiner Gefolgschaft aus Rechtsextremen besteht. Doch weder er noch sein Chefredakteur Ulf Poschardt sehen darin ein Problem.

Autoren: Thomas Laschyk, Philip Kreißel. Artikelbild: Screenshot

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