Gewalt & Terror – So terrorisieren uns Querdenker – auch ohne ihre Infektionen

| Kommentar | 29. November 2021

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Aktuelle Beispiele des Querdenken-Terrors

Terror, Anschläge und Gewalt von Maskenverweigerer:innen, Querdenker:innen und Nazis in der Corona-Pandemie sind schrecklicher Alltag geworden. Die Deutschen leben nicht nur in Sorge vor dem Virus, dass auch für geimpfte Risikogruppen noch eine Gefahr darstellt. Sondern auch vor den extremistischen Verschwörungsideolog:innen, die wahnhaft denken, sie lebten in einer Diktatur und deshalb vor Gewalt und sogar Mord nicht zurückschrecken. Nicht nur ist diese radikalisierte, größtenteils ungeimpfte Meute hauptverantwortlich für die Ausbreitung der vierten Welle – und damit für die (überproportional mit Ungeimpften) überfüllten Intensivstationen (mehr dazu). Laut aktuellen Berechnungen sind im Schnitt für 8-9 von 10 Infektionen Ungeimpfte verantwortlich (Quelle).

Aufgeheizt durch Hetze und Lügen auf Telegram, Youtube und Facebook terrorisiert diese selbstherrliche und verantwortungslose Meute auch ihre Mitmenschen im Alltag. Sei es durch verbale Gewalt beim Verweigern und Brechen der Corona-Regeln oder „echte“, physische Gewalt. Mindestens ein junger Mann hat schon sein Leben verloren, weil er einen verschwörungsaffinen Menschen aufforderte, die Maske zu tragen – der Angestellte einer Tankstelle in Idar-Oberstein.

Querdenker-Terror: Pandemie-Leugner feiern & relativieren widerwärtig Mord

Anschläge, Gewalt, Terror – Die Liste

In Deutschland gab es bereits mehrfach Bombendrohungen gegen Gesundheitsämter (Quelle). Es gab viele Fälle, in denen Impfzentren z.B. in Hamburg von Pandemie-Leugner:innen mit Gewalt bedroht wurden. Die Polizei dort beschlagnahmte bedrohliche Plakate bei den Tätern, welche eine Anleitung zur Sprengung des Impfzentrums und einen Virologen mit Pistole am Kopf zeigen (Quelle). Im Oktober 2020 wurde ein Sprengsatz vor der Leibnitz-Gemeinschaft gezündet. In der Woche zuvor gab es einen Brandanschlag auf das RKI. Wir haben darüber berichtet:

„Querdenker“-Terror: Sprengsatz in Berlin vor Leibniz Forschungseinrichtung gezündet

Wer auch immer die Täter:innen waren, in den Gruppen der „Querdenker“ wurde der Anschlag auf jeden Fall gefeiert:

Terrorklatscher: Maskenhasser bejubeln den Brandanschlag auf das RKI

Auch Angriffe auf Journalist:innen waren ebenfalls nicht unüblich auf den Querdenken-Demos:

Leipziger wehrten sich gegen Querdenker, Polizei versagte – auch beim Schutz unserer Reporterin

Der Vorstandssprecher der NRO „Reporter ohne Grenzen“, Michael Rediske, verkündete sogar, dass aufgrund der vielen Übergriffe im Rahmen von Corona-Demonstrationen die Lage der Pressefreiheit in Deutschland von „gut“ auf nur noch „zufriedenstellend“ herabgestuft werden musste (Quelle).

Der Angriff auf die Pressefreiheit kommt vor allem von rechts & von Querdenkern

Außerdem verübten mutmaßliche Querdenker:innen Anfang des Jahres einen Anschlag auf eine ICE-Strecke bei Schweinfurt (Quelle). Doch auch wenn man sich nur aktuelle Fälle ansieht, sieht man, wie schlimm es um den Terror durch Verschwörungsideolog:innen aus dem Umfeld der Rechtsextremist:innen und von „Querdenken“ steht. In den USA beispielsweise kam es vermehrt zu Gewalt gegen Flugbegleiter:innen größtenteils wegen Maskenverweigerer:innen. Man traut sich deshalb nicht mehr, auf die Maskenpflicht hinzuweisen (Quelle).

Attacken im Laufe des Jahres

Immer wieder weigern sich Personen, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen; vielfach kommt es zu Attacken von Maskenverweigerer:innen in Bussen, Zügen oder an Bahnhöfen. Aber auch in Einkaufszentren, Geschäften und sogar Arztpraxen. Im Februar attackiert ein Maskenverweigerer einen Mann in Sindelfingen (Quelle). Im März Attacke auf Busfahrer in Fürstenfeldbruck (Quelle). In Delmenhorst hat ein 30-Jähriger einen Brandanschlag auf das Rathaus verübt (Quelle). Im April Attacke auf schwangere Mitarbeiterin in einer Berliner Bäckerei (Quelle) und eine Attacke auf die Bundespolizei im Zug nach Nürnberg (Quelle).

Im Mai: Attacke auf Stadt-Mitarbeiterin in Hildesheim (Quelle). Attacke auf Bahn-Mitarbeiter in Braunschweig (Quelle). Gewalttätiger Maskenverweigerer in Köln im Juli (Quelle), auch im August in Erlangen (Quelle). Maskenverweigerer attackiert Bahnmitarbeiter in Dortmund im September (Quelle). Im Oktober wird wieder eine Tankstellen-Mitarbeiterin bedroht (Quelle), ein Busfahrer in Hamburg attackiert (Quelle) und in einem Bus in Berlin randaliert (Quelle). Manche Blogs haben noch viel mehr Fälle gesammelt (Mehr dazu).

Ein alltäglicher Terror, in welchem der gesellschaftliche Aufschrei völlig ausbleibt. Weiterer, aktueller Terror:

Ein Maskenverweigerer hat in einem Discounter in Lütjenburg (Kreis Plön) Verkäuferinnen brutal zusammengeschlagen

Zwei Corona-Schnelltestzentren im Kreis Borken in Brand gesetzt

„Zwei Corona-Schnelltestzentren wurden am frühen Sonntagmorgen (21.11.) mutmaßlich in Brand gesetzt. Da ein politischer Hintergrund nicht auszuschließen ist, hat der Staatsschutz der Polizei Münster die Ermittlungen übernommen.“ (Quelle).

Maskengegner schießt in Hamburg Türsteher mit Gaspistole ins Gesicht

Impfgegner schlägt Arzt in Braunschweig

„Ein 52-jähriger Mann hat am Dienstag an einem mobilen Impfzentrum in Braunschweig den Arzt Phillip K. attackiert und geschlagen. Die Polizei konnte den Angreifer festnehmen.“ (Quelle).

Dresden: mobiles Impfteam mit Feuerwerkskörper angegriffen

Brandanschlag auf Gesundheitsamt Altenkirchen

Auf das Gesundheitsamt in Altenkirchen im Westerwald ist vermutlich ein Brandanschlag verübt worden. Wer es war, ist bisher nicht bekannt. (Quelle).

Querdenker-Versammlung „Miteinander reden, gemeinsam Wege finden“ greift Polizei an weil man keine Masken tragen wollte und randaliert

Eine Querdenken-Demo wurde wegen Verstoß gegen das Maskengebot aufgelöst. Beim Feststellen der Personalien wehrte sich eine Rednerin, es kam zu Gewalt gegen die Beamt:innen und ihren Bus, vier Einsatzfahrzeuge wurden beschädigt. „Neben mehreren Vergehen und Ordnungswidrigkeiten gegen das Versammlungsgesetz wurden Ermittlungen wegen Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Gefangenenbefreiung und Landfriedensbruch aufgenommen.“ (Quelle).

Tätlicher Angriff in Zug: „Sie gehören ebenfalls abgeknallt“

„Eine Frau wird von einer anderen Reisenden in Bad Kreuznach verbal und körperlich attackiert. Die Täterin zieht dabei einen schockierenden Vergleich zur Bluttat in Idar-Oberstein.“ (Quelle)

Arzt wurde bedroht & als „Mörder“ beschimpft

FAZIT: Wie lange bevor wir die Querdenken-Terror-Serie erkennen?

Frust wird nicht immer zielgerichtet abgeladen, die Wut über etwas kann Menschen treffen, die gar nicht ursächlich für die Situation der handelnden Person sind, wie auch in Idar-Oberstein. Thomas Bliesener ist Diplom-Psychologe am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen, aus einem haz-Interview zu „Bahnschubsern“, im Übrigen eine totale Verharmlosung von Mord(versuch)en, zitieren wir:

Normalerweise gibt es eine natürliche Hemmschwelle, jemandem so etwas anzutun. Was muss passieren, dass diese überschritten wird?

Die Täter sind in einem anderen Modus. Das kennen wir auch bei Körperverletzungen, in denen Waffen involviert sind. Die natürlichen Hemmungen sind außer Kraft gesetzt, der Täter ist in einem psychischen Ausnahmezustand. Er kann sich massiv bedroht fühlen und deshalb agieren oder die Tat geschieht affektiv, etwa durch einen Streit mit dem Partner oder durch andere Belastungen. Es müssen bestimmte Mechanismen auftreten. Das kann auch eine Gruppendynamik.

Diese Taten werden bisher nicht systematisch erfasst, wir wissen nicht, wie oft es zu Gewalt und Attacken kommt, wenn sich Maßnahmengegner:innen, Impfgegner:innen oder Querdenker:innen angeheizt durch Desinformation und Hetze an ihren Mitmenschen vergehen. Das BKA hat inzwischen aufgehört, ein Lagebild zu erstellen, obwohl die Attacken und die Gewalt mit Pandemie-Bezug weitergehen. Auch kreuzen Polizist:innen vielfach die politische Gesinnung als „nicht zuzuordnen“ ein, weil in den Behörden kein Bewusstsein für das Problem besteht.

Wir müssen gegen Querdenken-Terror aufstehen

Auch Täter:innen, die zuvor nicht politisch oder extremistisch in Erscheinung getreten sind, sind durch Hetze und Fake News aus dem Netz radikalisiert worden, das macht ihren Hass und ihre Gewalt nicht unpolitisch. In den Behörden gibt es dafür bisher viel zu wenig Sensibilität. Der Verfassungsschutz beobachtet immerhin seit einigen Monaten die „Querdenken“-Szene, die eng verbündet ist mit der rechtsextremen Szene. Wir können nicht warten, bis die Behörden in zwei Jahren nach der Pandemie plötzlich feststellen, dass sich aus einem Teil der Bevölkerung eine neue, extremistische und gewalttätige Bewegung gebildet hat.

Die Angriffe finden jetzt statt. Der Terror findet jetzt statt. Wir müssen jetzt nicht nur gegen die Pandemie kämpfen, sondern auch gegen eine aufgehetzte, radikale, ungeimpfte Minderheit, die nicht nur aktiv und bewusst das Infektionsgeschehen aktiv antreibt, sondern auch unsere Bemühungen aktiv bekämpft. Und das inmitten einer gelähmten Regierung, die den Zahlen tatenlos und ängstlich zuguckt. Wir sind noch nicht laut genug.

Regierung: Mehr Angst vor Querdenken-Terror als vor vielen Corona-Toten?

Artikelbild: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

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