Thüringen: Wie soll man Überzeugungstäter noch erreichen?

| 28. Oktober 2019

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Der Morgen danach

Viel ist passiert in den letzten Tagen, Wochen und Monaten – eine Menge Politik auf allen Ebenen, ein Wahlkampf vor Ort in Thüringen, in den Medien, aus der Vogelperspektive und bis tief unter der Gürtellinie.

Die Welt ist aktuell geprägt von Klimademonstrationen, von Attentaten und Amokläufen, von Morddrohungen, von Trennungsdramen rund um den Brexit und skrupelloser Weltpolitik. Weltpolitik, die wir vor weniger als 10 Jahren noch glatt für Satire gehalten hätten. Nun war es für Thüringen so weit, hier nach 5 Jahren rot-rot-grün den Standort zu bestimmen und zu sehen, wie es weitergeht.



Die große Frage durfte sein, wo die Wähler den Schwerpunkt setzen?

Setzen sie auf das aufstrebende Thüringen oder stimmen sie in den AfD Blues der Nachbarbundesländer ein? Eine Standortbestimmung für Ramelow und Höcke.

Für den Faschisten Höcke durfte seine Wahlheimat zeigen, in wie weit sein völkischer Flügel weiterfliegt oder sich langsam schon auf einen Absturz vorbereiten kann, weil auch die AfD-Wähler erkennen, dass sich die AfD nicht wirklich um sie oder ihre sozialen Belange schert.

Warum keiner den Linksruck im Osten bemerkt hat – und den Niedergang der AfD

Diese Belange, die die selbsternannten Abgehängten so in der aktuellen Politik vermissen und stattdessen hoffen, sie bei Blaubraun zu finden. Jetzt haben wir das vorläufige amtliche Endergebnis und wir haben eine ganz klare Antwort: Fast jeder vierte Wähler fühlt sich genau dort wohl, wo es menschenfeindlich wird.

Grafiken via MDR

Schauen wir, was die Zukunft nach dieser Schlüsselwahl (mit über 60% Wahlbeteiligung) noch so bringen wird und erst recht, wer mit wem in den nächsten Tagen ernsthaft koalieren möchte.

Es wird sehr sehr bunt werden

In meinen Augen ist dies halt immer noch viel besser als tiefbraun. Das ist das, was ich als positiv mitnehme. Wenn ich noch mehr positives suche, ist es, dass die AfD ihren Zenit erreicht hat und es immer noch genug Menschen gibt, die demokratisch denken.

Schöner macht diese Erkenntnis die blaubraunen Zahlen allerdings gerade nicht. Hier zeigt sich für mich einfach nur, dass die AfD-Wähler auch in Thüringen nicht an Programmen oder Lösungen außerhalb des Stammtisches interessiert sind. Sie stehen voll hinter einem Faschisten und seinen faschistoiden Machtfantasien. Die Zeiten des „Protestwählens“ sind lange vorbei, hier reden wir von (rechtsradikaler) Überzeugung.

“Wir werden sie jagen”: Die AfD will nicht, dass du diese AfD-Zitate verbreitest

Wie soll man diese Überzeugungstäter noch erreichen?

Es wird schwer – sehr schwer – und die Welt wird nicht weniger verrückt als vor dieser Wahl. Wir alle müssen lernen. Schluss mit der Blauäugigkeit, Schluss mit der Angst, Schluss mit den Grauzonen und dem Rumgeeiere. In einer Welt, in der vieles nur wahrgenommen wird und Erfolg hat, wenn es klar adressiert ist.

Liebe Politiker, feiert euch für keinen Prozentpunkt, den ihr der AfD eventuell noch voraus seid – oder den ihr ihnen abnehmen konntet. Es ist blanke Statistik. Und ob jetzt jeder vierte, fünfte oder sechste Wähler faschistisch wählt, ist eigentlich egal, es löst das generelle Problem nicht, dass jede einzelne dieser Stimmen undemokratisch für Nazis und deren Ideologie steht.

Wir schaffen das, wir sind mehr

Jeder einzelne von uns sollte sich außerdem noch einmal vor den Spiegel stellen und überlegen, was er noch mehr tun kann, um dieses wunderbare Land nicht den Faschisten rund um Höcke zu überlassen, der, wie wir ja gestern von Alexander Gauland lernten, eigentlich ja nur die gute “Mitte” der Partei ist. Die Alarmglocken sollten spätestens nach Thüringen schrillen, immer deutlicher, immer lauter, setzt bitte Scheuklappen ab. Zeigt klare Kante, zeigt Zivilcourage – mehr denn je, es wird eine wichtige Zeit in den nächsten Jahren, auch wenn es rein statistisch nur noch bergab gehen kann mit der AfD.

Mit Rechten leben: Die Zeit der “großen Erfolge” der AfD ist schon lange vorbei

„Wir schaffen das“ ist eines der meist diskutiertesten Zitate, aber es passt auch hier. „Nichts ist unmöglich“ würde ich gerne ergänzen. Kopf aus dem Sand, Augen auf und nicht verstecken! Denn WIR sind immer noch mehr – und das müssen wir jetzt zeigen, wenn es zählt.

Artikelbild: knipsdesign, shutterstock.com

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