So hasserfüllt hetzen Rechte in geheimen Gruppen gegen Andersdenkende

Social Media

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#niewieder

Wir leben wohl in einer Zeit, die so sehr von der Doppelmoral geprägt ist, wie keine zuvor. Zumindest konnten wir das früher nicht auf den ersten Blick erkennen. Facebook macht es aber möglich, die fortschreitende Polarisierung zu beobachten. Und wir befinden uns in einem Kreislauf, der eigentlich nicht enden kann, wenn wir, die Demokraten, es nicht verhindern.

Einsatz Prominenter für Seenotrettung

In den letzten Wochen solidarisierten sich viele Künstler*innen und auch Bands mit den NGOs der Seenotrettung. Aktuelle Beispiele sind Herbert Grönemeyer, Tocotronic, Marteria, Jasmin Tabatabai, Die Toten Hosen, Jan Böhmermann, Die Höchste Eisenbahn oder auch Bastian Pastewka. Sie alle mahnen zu mehr Menschlichkeit.

Sie alle appellieren an den gesunden Menschenverstand, an den Anstand und an die Vernunft. Menschen, die sich auf dem Meer in Seenot befinden, müssen gerettet werden! Absaufen lassen ist keine Option. Es geht um die Sekunde, in der sich Menschen in Not befinden. Alles, was sich davor und danach abspielt ist Sache der Institutionen, der Staaten, der Regierungen. Der Weltgemeinschaft, falls es die noch gibt.



Rechte hassen Menschen, die aufrufen, Menschenleben zu retten?

Aber in dieser Sekunde, in der Menschen auf einem wackeligen Boot über ein riesiges Meer gondeln und dabei in Gefahr geraten zu kentern, ist ihnen zu helfen. Das tun NGOs wie die SOS Mediterrane. Die Neuen Rechten bezeichnen die NGOs als „Schlepper“. Sie sagen, sie würden dazu anspornen, loszufahren, weil sie ja da sind.

Die Neuen Rechten würden gerne ein Experiment durchführen: NGOs bzw. Seenotrettung einstellen und gucken, wie lange es dauert, bis sich keiner mehr auf den Weg macht. In der Zwischenzeit? Keine Ahnung. Weiß keiner. Ist ja keiner mehr da, um die Toten zu zählen. Oder aber die Identitären fahren mal gucken. (Hier der persönliche Bericht, wie es wirklich aussieht)

Screenshot Facebook.com

Nun sammeln die oben genannten Prominenten Spenden für die NGOs, für die Menschlichkeit. In rechten, geheimen Gruppen in Facebook, die lustige Namen wie „Die Patrioten“ tragen, wird nun zum Beispiel aufgerufen, bei Pastewka „Kotzemogies“ (?!) und „Gifs ;)“ zu verteilen. Pastewka wäre der neue „Systemling“, und man ruft #Spendethirn. Er brauche Aufmerksamkeit, er solle sein Geld, das er von Deutschen eingenommen hat, spenden und vor Ort helfen, er sei ein „Importeur“, usw. Das ist nur ein Bruchteil von dem, was in solchen Gruppen passiert.

Hetze gegen Andersdenkende

In der einen Sekunde rufen sie dort danach, CDs der Künstler nicht mehr zu kaufen, gar zu verbrennen. Sie feiern den Aufruf eines Berliner AfD-Politikers, Schlecky Silberstein und sein Team zu verfolgen, sie veröffentlichen das Foto eines ZDF-Kameramannes, um ihn zur Jagd freizugeben, posten Memes und Fake-Bilder über Politiker*innen (z.B. Claudia Roth) mit schlimmen Behauptungen. Die AfD Hamburg hat ein Melde-Portal eingerichtet: Lehrer*innen, die in Verdacht stehen, ihre Schüler*innen „links zu indoktrinieren“ sollen gemeldet werden. Die AfD hilft dann weiter und gibt Tipps. Na dann!

Screenshot Facebook.com

In der nächsten Sekunde wüten sie in diesen Gruppen, wenn der Schauspieler Frank Kessler auf einer eine AfD-Demo in Rostock gesehen wird. Der wiederum kämpft um seinen guten Ruf und erklärt sich. (http://www.maz-online.de/Nachrichten/Panorama/Schauspieler-Frank-Kessler-kaempft-um-seinen-Ruf) Er sieht sich ebenso einem Shitstorm ausgesetzt. Das ist selbstverständlich nicht in Ordnung, denn niemand kennt die tatsächliche Motivation und überdies muss es andere Mittel geben, politisch zu kritisieren, gerade, weil niemand die Opferrolle so gut beherrscht wie die AfD und ihre Anhänger.

Zurück zur Doppelmoral und zu diesem Kreislauf:

Diejenigen, die in der Wahl der Mittel zu persönlichen Attacken greifen, um politische Gegner einzuschüchtern, werden keinen Erfolg haben. Einer Aktion folgt die Reaktion. Eine Provokation lebt nur von der Reaktion. Es geht also immer weiter, der Strudel, in den sich eine Gesellschaft begibt, zieht vieles mit sich: Vertrauen in die Medien, die Politik, den Arbeitskollegen, den Nachbarn, den Onkel, die Mutter, den Bruder, die Schwester.

Ich hoffe, wir sind schlau genug, um diesen Kreislauf zu durchbrechen. Indem wir nicht die Mittel derer verwenden, die wir kritisieren. Unsere Aufgabe ist es vielmehr, solche Vorgänge aufzuzeigen, zu benennen, darauf hinweisen. Und wenn Künstler in ihrer Freiheit eingeschränkt werden oder wegen ihrer Meinung diffamiert und beleidigt werden, dann sollte die Zivilgesellschaft aufhorchen. Denn gerade die Künstler waren und sind es, die Finger in Wunden legen und damit natürlich als erstes mundtot gemacht wurden (und werden).

#niewieder!

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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