“Gesindel”-Zitat: Diese AfD-Leugnung ging gewaltig nach hinten los

| Social Media | 22. Oktober 2019

Wir stellen unsere Artikel und Faktenchecks kostenlos für alle zur Verfügung.
Hilf uns dabei, dass das so bleiben kann.


16.190

Halten uns AfD-Politiker für doof?

Haltet euch fest (no pun intended), denn das wird eine wilde Geschichte rund um “Gesindel”. Ihr habt ja inzwischen sicherlich von der Seite “Wir werden sie jagen” gehört. Zur Auffrischung: Eine Aktion von “Hooligans Gegen Satzbau”, die die menschenverachtenden und rassistischen Zitate von AfD-PolitikerInnen sammeln und aufzeigen soll. Die Zitate sind im AfD-Stil in Form von Grafiken gesammelt. Wir haben hier genaueres darüber berichtet:

„Wir werden sie jagen“: Die AfD will nicht, dass du diese AfD-Zitate verbreitest

Besondere Aufmerksamkeit erreichte dieses Zitat des AfD-Politikers und früherem Vizechefredakteur der BILD, Fest, der Gastarbeiter als “Gesindel” bezeichnete. Daran ist unter anderem auch dieser Tweet verantwortlich, der das Zitat gesondert verbreitete und Fest als “niederträchtigen Rassisten” bezeichnet:

Auch viele weitere verurteilten die Aussage:



Fest versucht vergeblich, sich herauszureden

Nein, das ist natürlich kein aktuelles Zitat. “Wir werden sie jagen” sammelte alle Zitate aus den letzten Jahren – das betreffende Zitat stammt aus dem Jahr 2017. Und wurde seinerzeit bereits heftig kritisiert. Offenbar war es jedoch gut, es wieder in Erinnerung zu rufen, wenn sich viele nicht mehr erinnerten. Das ist das Problem: Die vielen rassistischen Aussagen verblassen mit der Zeit und die AfD möchte dann so tun, als sei sie eine normale, demokratische Partei. Die Strategie der Selbstverharmlosung. Fest versuchte sich damals schon damit herauszureden, dass sein “Gesindel”-Kommentar irgendwie ein “Witz” gewesen sei. Was ihm natürlich keiner abkaufte. Heute versuchte er es erneut in einem Tweet:

Screenshot

Er bezeichnet die “Kachel” als “Fake” und das Zitat als “aus dem Zusammenhang gerissen”. “Fake” ist sie nicht, sie ist nur keine offizielle AfD Grafik. Wie auch Christian Schicha, ein Professor für Medienethik, bestätigt, sind das keine Fake News, da keine Falschinformationen verbreitet werden. Und “Gesindel” “aus dem Zusammenhang gerissen”? Da schoss der “niederträchtige Rassist” ein gehöriges Eigentor. Denn schauen wir uns einmal “den Zusammenhang” genauer an – und auch warum es kein “Witz” gewesen ist. Auf seiner eigenen Website (!) steht noch heute über “Gruppen von arabischen, türkischen oder afrikanischen Jugendlichen”:

Link

Toller “Witz”, Herr Fest. Wo hat man zu lachen? Der AfD-Politiker hat Recht: Im Kontext wirkt das Zitat wirklich anders. Es ist noch rassistischer. In den Sätzen zuvor hat er sie als “ohne soziale Intelligenz” bezeichnet und als “primitiv und bösartig”. Glückwunsch, anstatt irgendetwas zu relativieren, hat er es geschafft, alles noch schlimmer zu machen.

Und er setzt noch mehr Rassismus oben drauf

Also hat er zuerst versucht, es als “Fake” zu bezeichnen, was es nicht ist und auf den Kontext zu verweisen, der es noch rassistischer macht. Und danach? Wir haben extra den Tweet vorhin etwas abgeschnitten. Hier ist der Rest:

Screenshot

Jep. Er hat einfach eiskalt nachgelegt. Und Gastarbeiter als “Ehrenmörder, Clankriminelle, Antisemiten und Folterer” bezeichnet. Und nochmal Gesindel. Auf den Vorwurf, ein “niederträchtiger Rassist” zu sein, reagierte Fest damit, dass er einfach noch viel mehr Belege lieferte, dass er den Satz genau so gesagt und gemeint hat. Und genau so rassistisch ist wie man ihm vorwirft. Bliebe noch die Frage, in welchem Kontext dieses Zitat nicht rassistisch gewesen sein sollte.

So verzweifelt versuchen übrigens AfD-Fans die Aussagen ihrer PolitikerInnen zu rechtfertigen:

So verzweifelt versuchen AfD-Fans, diese AfD-Zitate zu rechtfertigen

Artikelbild: Mark Nazh, shutterstock / Wir werden sie jagen

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter