Rechter Fail: Sorry, Poggenburg, aber „Schweineohren“ stammen aus Algerien…

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Schwein gehabt!

Rechtsextreme sehen überall die böse Islamisierung. Vegane Gummibärchen? Islamisierung. Ein „Lichtermarkt“ in Elmshorn, der seit 2007 so heißt? Islamisierung. Milka nennt ihre Schokohasen seit 1973  „Schmunzelhase“? Islamisierung. 250 Neugeborene in Berlin heißen „Mohammed“ oder so ähnlich? Islamisierung. Notre Dame brennt? Irgendwie auchein Symbol für Islamisierung. Halle an der Saale hat seit dem 14. Jahrhundert einen Halbmond in ihrem Stadtwappen? Ihr wisst schon.

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Es ist einfach ein Elend, wie jedes noch so zusammenhanglose Beispiel in dieses Schwachsinns-Narrativ gepresst wird. Aber hey, wenn sie auf Süßigkeiten und einen unzusammenhängenden Unfall in einer Kirche in Frankreich zeigen müssen, um ihren Hass auf Muslime zu rechtfertigen, muss es wohl verdammt wenig echte Anzeichen für die Ausbreitung des Islam in Deutschland geben. Aber jegliches Fehlen von Logik hat inhaltsleere rechtsextreme Politik natürlich niemals abgehalten.

Und so bleiben sie auch mal wieder beim Gebäck. Wenn sie sich nicht gerade darüber aufregen, dass die Blätterteig-Herzen von ALDI schon immer so hießen und nie anders (weil .. ihr erratet es: Islamisierung), nehmen sie gerne die auch als „Schweineohren“ bekannten Süßigkeiten als „symbolische Ablehnung von Ramadan & Islamisierung“. So Ex-AfD-Mann Poggenburg auf Twitter:

Screenshot twitter.com



Ah, leckeres Gebäck aus algerien!

Wegen „Schwein“ im Namen, versteht ihr? Weil Muslime kei… oh gott ist das dumm. Obwohl kein bisschen Schwein enthalten ist. Die Dinger sind oft sogar vegan. Muslime essen auch Schweineohren. Schweineohren sind halal. Muslime fahren auch nach Schweinfurt, wie eine Twitter-Userin bestätigt:

Kaum zu glauben, aber wahr. Es ist also eine nicht einmal ansatzweise sinnvolle, inhaltsleere islamophobe Geste. Was machen Rechtsextreme wohl, wenn sie erfahren, dass sie in anderen Ländern und nicht einmal überall in Deutschland „Schweineohren“ genannt werden? In Frankreich heißen sie „palmiers“ (Palme). WEIL FRANKREICH EBEN WEITER ISLAMISIERT IST. Offensichtlich.

Da kommen diese Blätterteigherzen auch her. Genauer genommen kommen sie aus einer französischen Kolonie... aus Algerien. „Schweineohren“ sind also „Nafri-Gebäck“, lieber Piggen… äh Poggenburg. Die Backtechnik, Gebäck mit dünnen Glasurschichten zu bedecken, kommt auch aus… dem Nahen Osten! (Genau wie Blätterteig an sich) Soweit ist es schon mit der Islamisierung, selbst unsere Rechtsextremen machen Werbung für islamisiertes Gebäck. Was kommt als nächstes? Ist das Trinken von Kaffee dann ein Statement für Islamisierung? Es ist einfach nur sinnlos.

Oder man erkennt an, dass aussagenlose rechtsextreme Symbolpolitik sinnbefreit ist, und historisch und in sich eine weit vernetzte Welt missachtet, in der nichts schwarz und weiß ist und wir alle nur Menschen.  Und in der Kultur – auch Gebäck – wirklich nicht als derartiges politisches Statement taugt.

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Artikelbild: Red Moccasin, shutterstock.com, Screenshot twitter.com

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