Pro-Russische Propaganda gaukelt euch Fake-Bürgermeisterin von Melitopol vor

| Ukraine | 1. Juni 2022

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Alina Lipp “vergisst” zu erwähnen: Echter Bürgermeister von Melitopol wurde Entführt

Es gibt eine neue Pro-Putin-Lüge, mit der man dich manipulieren will. Es geht um den Bürgermeister der ukrainischen Stadt Melitopol. Ja, DEN Bürgermeister, nicht eine „Bürgermeisterin“, wie Pro-Kreml-Medien euch verkaufen wollen. Verbreitet wird diese neue Lüge von. Alina Lipp. Lipp ist der größte deutschsprachige Pro-Putin-Lügen Kanal, den es zur Zeit auf Telegram gibt. Praktisch alles, was dort behauptet oder unterstellt wird, ist frei erfunden, und dazu gedacht, euch abzulenken und zu verwirren, damit Putins Mörderbanden ungestört weiter in der Ukraine töten und vergewaltigen können. Wir berichteten über den Propaganda-Kanal:

Alina Lipp: Der größte deutsche Pro-Putin-Propaganda-Kanal auf Telegram

Wie sie es vor sich selbst rechtfertigen kann, offenbar auf solch widerwärtige Weise an brutalen Kriegsverbrechen propagandistisch mitzuwirken, ist uns noch nicht ganz klar. Nun ist sie erneut beim Lügen erwischt worden.

Echter Bürgermeister von Melitopol ist von Russen entführt worden

Zuerst die Fakten: Der echte Bürgermeister von Melitopol wurde 2020 demokratisch ins Amt gewählt und nach Einnahme der Stadt durch russische Truppen von diesen entführt (Quelle). Durch einen Gefangenenaustausch kam er im April wieder frei (Quelle). Danach reiste er nach Europa, um dort Menschen davon zu überzeugen, der Ukraine zu helfen (Quelle).

Die russischen Besatzer setzten sodann die prorussische Abgeordnete Halyna Daniltschenko als Statthalterin ein – ohne nervige Dinge wie demokratische Wahlen versteht sich (Quelle). Die verbliebenen Einwohner:innen von Melitopol leisten zivilen Widerstand gegen die Besatzer, wie dieser Artikel von BBC beschreibt (Quelle).

Diese russische Marionette behauptet jetzt verschiedene Dinge, dazu kommen wir gleich, die natürlich ganz im Sinne der russischen Propaganda sind. Alina Lipp nutzt jetzt ein Video der illegitimen, ungewählten Statthalterin und überträgt deren Behauptungen ungefiltert, ohne zu erwähnen, dass es sich gar nicht um die demokratisch gewählte Bürgermeisterin der Stadt handelt. Lipp oder die illegitime Statthalterin legen auch keinerlei Beweise für die entsprechenden Behauptungen vor. Vorab: Die Organisation Bellingcat sammelt Belege für Kriegsverbrechen auf allen Seiten und deren Monitoring zeigt bisher keine Evidenz für einen Beschuss von Wohnhäusern in Melitopol (Quelle). Laut russischen Angaben gab es im März einen Beschuss von Melitopol, der allerdings laut deren eigenen Angaben (!) abgefangen werden konnte (Quelle) – und wie immer sollte man unbelegte Aussagen russischer Offizieller sehr sehr skeptisch begegnen.

Die unbelegte Behauptung der russisch kontrollierten Statthalterin ist aber genau das: Ukrainische Truppen hätten Melitopol angeblich beschossen.

Es gab laut Berichten einen Anschlag mit einer Autobombe, die einen Pro-Russischen Administrator zum Ziel hatte (Quelle). Wenige Tage zuvor hatte ein Anschlag bereits mehreren russischen Offizieren das Leben gekostet (Quelle). Beide Anschläge sind aber kein „Beschuss“ und hängen wohl mit der immer stärker werdenden Widerstandsbewegung der lokalen Bevölkerung zusammen und stehen nicht in Verbindung mit “schweren Waffen” aus dem Westen.

Keine Belege für Behauptungen

Wie bereits erwähnt, gibt es aktuell keine Belege für Beschuss von Melitopol, dies wäre ja auch relativ einfach zu beschaffen (zb. Bilder), doch die russische Propaganda beschränkt sich wie so oft in diesem Krieg auf simple Aussagen, ohne Belege vorzulegen, die man überprüfen könnte. Die Front verläuft fast 100 km nördlich von Melitopol (Quelle). Schwere Waffen spielten bei den aktuellen Anschlägen gegen russische Besatzer keine Rolle.

Außerdem ist die Quelle der Behauptung nicht der legitime und demokratisch gewählte Bürgermeister der Stadt, sondern eine Pro-Russische Marionette, die nur zu dem Zweck eingesetzt wurde, Pro-Kreml Propaganda zu verbreiten.

Wir hatten auch bereits voraus gesehen, wie die russische Propaganda Versuche der Ukraine darstellen würde, ihr eigenes Gebiet zurückzuerobern:

Ganz klar Ukrainer sind der Aggressor. /s from Volksverpetzer

Russische Propaganda: Drohen und Leugnen gleichzeitig

Im russischen Staats-TV diskutieren Abgeordneten gerade ernsthaft, dass wohl der Tod und Vertreibung von 2 Millionen Ukrainern nötig sein dürften, um eine “Denazifizierung” zu erreichen.

Gleichzeitig behaupten Pro-Kreml Akteure immer wieder, dass die Ukraine sich selbst bombardieren würde und Putins Mörderbanden dort quasi nur Urlaub machen oder dergleichen, aber nie jemand töten. Sogar das Massaker von Butscha schieben sie mit Lügen der Ukraine in die Schuhe. Doch Satellitenaufnahmen beweisen: Die Ermordeten lagen dort seit der russischen Besatzung:

Butscha: Luft- & Satellitenaufnahmen liefern erdrückende Beweise für das Massaker

Sogar wenn ihre eigenes Flaggschiff versenkt wird, verstrickt sich die russische Propaganda in solche Widersprüche. Einerseits soll es durch einen Unfall und darauf folgendes schlechtes Wetter gesunken sein (es gab zu dem Zeitpunkt strahlenden Sonnenschein), aber andererseits haben die Kreml-Propagandisten dann sofort gefordert, Rache an der Ukraine zu nehmen. Rache – wegen schlechten Wetters? Immer mehr Angehörige der Vermissten von der Moskwa stellen jetzt sehr berechtigte und unangenehme Fragen an das Putin-Regime (mehr dazu).

Das Sinken der Moskwa: Der peinlichste Fake der Russen des ganzen Krieges

Doch die ganze gespielte Opferhaltung der russischen Aggressoren kann man auch umdrehen:

Wovor haben eigentlich alle Angst? 🤷‍♂️ from Volksverpetzer

Fest steht: Der echte, gewählte Bürgermeister von Melitopol wurde von den Russen entführt und musste fliehen. Die undemokratisch von den Russen eingesetzte Statthalterin ist nicht die „Bürgermeisterin“ der ukrainischen Stadt, sondern nur eine Statthalterin des russischen Regimes. Wenig verwunderlich, dass sie dann unbelegte Behauptungen verbreitet, die dem Regime genehm sind, aber nicht von unabhängigen Stellen verifiziert werden können. Wenn man ein wenig fies wäre, könnte man am Ende sagen: Bei diesem Fake sprechen nur zwei russische Marionetten miteinander und das sicher nicht über die Realität.

Autoren: Philip Kreißel, Thomas Laschyk. Artikelbild: Screenshot / lke Wetzig (User:Elya) CC BY-SA 4.0

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