Fake! Das ist kein NZZ-Artikel über Baerbock, sondern ein Leser-Kommentar!

| Wahlkampf | 13. August 2021

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Fake-NZZ-Artikel im Umlauf

Hunterte Nutzer:innen teilen ein Sharepic mit einem vermeintlichen NZZ-Artikel, der sich negativ über die grüne Kanzlerkandidatin Baerbock äußert. Die Überschrift suggeriert, hierbei handele es sich um einen redaktionellen Inhalt, doch das ist falsch. Es ist lediglich ein belangloser Nutzer-Kommentar unter einem NZZ-Artikel.

Netz voller Hass und Lügen gegen Baerbock

Es werden zur Zeit enorm viele Fake News und Lügen über Baerbock und die Grünen verbreitet, besonders aus dem extrem rechten Spektrum. Besonders die Kommentarspalten sind voller ekelerregender Hetze, Lügen und purem Hass und Gewaltvorstellungen zeigt beispielsweise die Kommentarspalte auf Facebook zu einem Zusammenschnitt von einer Rede von Baerbock, welche Anfeindungen gegen sie ausgeteilt werden. Dort wurde u. a. Folgendes kommentiert: „leck mich am arsch du dumme sau“ – „Dummes Dreckstück“ oder „Sowas gehört verbrannt….“. Erschreckend, mit welcher Leichtigkeit Menschen andere derart widerlich beleidigen können.

Ein Beispiel dafür ist ein gefälschtes Nacktfoto, das zur Zeit in den sozialen Medien verbreitet wird. Es wird behauptet, dass Annalena Baerbock auf dem Foto zu sehen sei mit der Bemerkung „Sie war jung und brauchte das Geld“ (Quelle).

Doch eine Bilder-Rückwärtssuche (und ein wenig genaues Hinschauen) hat wenig überraschend ergeben, dass es sich bei der Frau auf dem Bild offensichtlich nicht um Annalena Baerbock handelt (Quelle). Hier wird besonders klar, dass es sich um genderspezifische Desinformation handelt. Denn gab es in der Vergangenheit je ein Fake-Nacktfoto von einem männlichen Bundeskanzlerkandidaten oder Politiker, um ihn zu diskreditieren?

AUCH AFD BETEILIGT SICH AN DEN ANTISEMITISCHEN VERSCHWÖRUNGSMYTHEN

An diese Verschwörungsmythen heftet sich auch die AfD und spinnt diese sogar weiter. Martin Sichert, Vorsitzender der Nürnberger AfD, teilte einen Artikel des Internet-Portals epochtimes.de, das bekannt dafür ist, Desinformationen zu verbreiten, und kommentierte diesen mit allerlei Verschwörungsideen. Geteilt wurde dieser Facebook-Post bereits über tausend Mal. Er schreibt unter anderem darüber, dass Soros eine von ihm dirigierte Ökodiktatur „aufdoktrinieren“ wolle, und schlussfolgert aus der Teilnehmerschaft von Annalena Baerbock beim „Young Global- Leader“-Programm seit 2020, dass sich Soros einen weitreichenden Einfluss bis vielleicht ins Kanzleramt sichern wolle. Er schreibt: „Wer im September grün wählt, wählt Soros und Co.“

Hintergrund: Die Teilnehmer:innen des „Young Global-Leader“-Programms werden über das Weltwirtschaftsforum gewählt (Quelle), das von Soros Management Fund finanziell unterstützt wird (Quelle). Auf diese Art und Weise versucht die AfD offenbar, eine bestimmte Wählergruppe anzuziehen und deren abstruse Gedankenwelt zu bedienen.

ANNALENA BAERBOCK UND DER „GREAT RESET“

Kommen wir zu einem weiteren Verschwörungsmythos, der für die Diskreditierung von Annalena Baerbock bemüht wird. Derzeit teilen die bekannten Desinformationsverbreiter auf Telegram ein Video, in dem ein weiterer Verschwörungsmythos über Annalena Baerbock gesponnen wird. Auf dem Titelbild zu sehen: Klaus Schwab und Annalena Baerbock, der Titel: „Diener des Great Reset“, im Untertitel heißt es: „Kanzlerin Baerbock: Great Reset-Marionette wird installiert“.

Auch hier wird Baerbock wieder als „fremdbestimmte“ Figur dargestellt, die für Strippenzieher im Hintergrund agiert. Die „Great Reset“-Agenda ist nichts Neues in dieser Szene. Beschrieben wird diese beispielsweise durch den Sprecher des Videos als die gewollte Errichtung eines digitalen ökologischen Überwachungsstaates, der global sein, keine Grenzen kennen und zentral kontrolliert werden soll. Für die Errichtung des Systems seien globale Themen notwendig wie etwa eine globale Pandemie oder die Klimakrise. Mastermind hinter der „Great Reset“-Agenda soll Gründer Klaus Schwab sein. Also ein Klassiker unter den Verschwörungserzählungen – die Menschheit soll kontrolliert und überwacht werden.

FREI ERFUNDENE ZITATE, UM BAERBOCK ZU SCHADEN

Auch versuchen Grünen-Gegner:innen, statt mit echten Kritikpunkten, mit frei erfundenen Zitaten zu schaden. Eines der völlig frei erfundenen Zitate geht um die Witwenrente:

„Witwenrente“-Zitat ist ebenfalls frei erfunden: Schmutzkampagne gegen Baerbock setzt sich fort

Ein Älteres geht um ein vermeintliches „Ende der Haustierhaltung“, das sie auch niemals gesagt oder gefordert hat.

Gezielte Schmutzkampagne gegen Baerbock: Zitat über Haustierhaltung frei erfunden

Aktuell wird auch eine Hetz-Plakatkampagne in ganz Deutschland teuer betrieben, welches aus dem Umfeld der Unterstützer:innen der rechtsextremen AfD stammt.

Rechte Anti-Grünen-Hetz-Plakate: Selbe Hintermänner wie die der AfD?

Fake-NZZ-ARtikel nur einer von tausenden negativen Kommentaren aus dem Netz

Dass das Sharepic kein redaktioneller NZZ-Artikel ist, sieht man auch daran, dass es nicht dem Layout und der Schriftart der schweizer Zeitung entspricht. Die dpa hat bereits herausgefunden, dass der Kommentar zwar wirklich unter einem NZZ-Artikel verfasst wurde, aber jedoch lediglich ein Leser-Kommentar ist. Der NZZ-Artikel befasst sich wirklich mit Baerbock und Kritik an ihr, aber ohne die abschätzige und herablassende Wortwahl, die nichts mit journalistischen Standards zu tun hat (Quelle).

Der AFP schrieb ein Sprecher der NZZ:  “Ich kann Ihnen bestätigen, dass es sich hierbei nicht um einen redaktionellen Inhalt handelt – sondern um einen externen Leserkommentar.” (Quelle). Es gibt genug hasserfüllte, strafbare, gelogene und auch “nur” negative Kommentare über die Grünen und Frau Baerbock. Offenbar versucht man jetzt einige dieser Kommentare durch das Simulieren journalistischer Herkunft aufzuwerten und zu rechtfertigen.

Zum Thema:

INSM-Schmutz-Kampagne gegen Baerbock: Faktenferne Industrie-Lobby-Propaganda

Autor:innen: Thomas Laschyk, Verena R. Artikelbild: Screenshot

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