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Gruppe 764: Das gesamte Neonazi-Terrornetzwerk hinter der Grooming-Gruppe

von  | Analyse | 24. Juli 2025 |  72 min

Fazit

Was sich im Schatten von Parlamenten, Chatgruppen und alten Burgen zusammenbraut, ist längst keine Ansammlung versprengter Einzeltäter mehr. Es ist ein vernetztes, tief ideologisiertes Terrorökosystem der extremen Rechten, das von der Mitte der Gesellschaft bis hin zur rituellen Gewalt reicht – und zwar mit klaren Linien, gemeinsamen Codes und funktionierender Struktur. Im Zentrum steht ein Dreiklang: AfD, sächsischer Separatismus und rechtsterroristische Netzwerke wie die Atomwaffen Division (AWD), Order of Nine Angles (O9A) und 764.

Die AfD spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie liefert mit ihren Narrativen vom „großen Austausch“, von „Remigration“, vom „entarteten Westen“ die ideologischen Versatzstücke, die in den Untergrund weiterverarbeitet werden. Ihre Parlamentsreden sind die radikale Vorlage für die Chatgruppen, ihre Rednerinnen und Redner die Stichwortgeber für die apokalyptische Rechte. Es ist kein Zufall, dass Rechtsterroristen wie Brenton Tarrant (Christchurch-Attentäter) nicht nur die identitäre Ideologie offen zitieren, sondern auch direkt mit AfD-nahen Akteuren wie Martin Sellner in Verbindung standen.

Aus dieser symbolischen Brandstiftung wächst auf der Straße eine gefährliche operative Kraft: die Freien Sachsen, Reichsbürger, „sächsische Separatisten“, die den Schulterschluss zwischen völkischem Protest, verschwörungsideologischer Esoterik und gewaltbereiten Neonazis organisieren. Von dort führen direkte Pfade zu militanten Gruppen wie Knockout 51, die nicht nur demonstrieren, sondern mit Messern und Stahlruten zuschlagen – wie in Eisenach oder Leipzig.

Doch all das ist nur die Oberfläche. Im Untergrund arbeiten Netzwerke wie die Atomwaffen Division Deutschland (AWDD), direkt verbunden mit der US-amerikanischen Terrororganisation AWD. Diese Gruppen rekrutieren über Telegram und Discord, vernetzen sich über Plattformen wie „Iron March“, verbreiten „Siege“-Literatur, planen Anschläge, bauen Waffenlager. Ihre Mitglieder – wie Leon R., Anführer von Knockout 51 – sind zugleich in Kampfsportgruppen, Neonazi-Clubs, und Online-Zellen aktiv. Sie trainieren für den Tag X. Und sie haben ihn ideologisch bereits vorweggenommen.

Das ideologische Rückgrat dieser Bewegung aber ist noch radikaler: Die Order of Nine Angles (O9A) – eine neonazistische, okkult-satanistische Sekte, die Ritualmorde, Kinderschändung und das gezielte „Brechen moralischer Schranken“ propagiert. Sie hat die internationale AWD-Bewegung mit ihren Schriften unterwandert, wurde über Ableger wie Temple ov Blood zentraler Ideengeber für die radikalste Form des Akzelerationismus – also das gezielte Herbeiführen des gesellschaftlichen Zusammenbruchs durch Mord, Terror, Chaos.

Und dann ist da noch 764 – ein globales Netzwerk, das noch erschreckender ist: Junge Männer, oft minderjährig, mit nihilistischer Gewaltverherrlichung, die über „Sextortion“, Suizidmanipulation und Gewaltmeme andere Kinder und Jugendliche in den Tod treiben. 764 ist ein digitales Echo von AWD und O9A – ohne Ideologie, aber mit derselben grausamen Logik: Zerstörung ist Sinn. Grausamkeit ist Ziel. Menschlichkeit ist Schwäche.

All diese Gruppen sind verbunden – personell, ideologisch, durch Propaganda, Ästhetik, Symbole. Einzelne Akteure wie „V00rm“ zeigen, wie fließend der Übergang ist: Öffentlich Mitglied der Identitären Bewegung, in Wirklichkeit Administrator neonazistischer Terrorgruppen. Leon R. organisiert Kampfsporttrainings für KO51 – und produziert gleichzeitig AWD-Propaganda-Videos. Sellner posiert als Metapolitiker – und kassiert Spenden von einem Massenmörder. Alles ist verknüpft. Und es funktioniert.

Und was tut der Staat?

Hier eine Razzia. Dort ein Prozess. Ein paar Verurteilungen – und ansonsten? Abwarten. Verharmlosen. Beobachten. Man spricht von „kriminellen Vereinigungen“, wenn längst von terroristischen Organisationen gesprochen werden müsste. Man beobachtet Telegram, aber nicht die Wurzeln. Man schützt die Meinungsfreiheit – auch für Neonazis, die mit dieser Freiheit ihre nächste Zielperson ausspähen.

Deshalb ist es höchste Zeit, dass die Bundesregierung nicht nur reagiert, sondern präventiv zerschlägt, was da wächst. Das heißt:

  • ein Verbot aller rechtsterroristischen Netzwerke – AWD, O9A, 764 eingeschlossen
  • ein Verbot der Identitären Bewegung und aller Subgruppen, austrocknung der Finanzen
  • ein Verbot des AfD-Vorfelds
  • das Erkennen und Ahnden der Verbindungen zur AfD – mit dem Ziel der Verfassungswidrigkeit
  • die Entwaffnung rechtsextremer Netzwerke
  • eine konsequente digitale Aufklärungsoffensive, um Kinder und Jugendliche aus der toxischen Radikalisierungsblase zu holen
  • eine massive Stärkung antifaschistischer Zivilgesellschaft, die seit Jahren die Arbeit macht, die der Staat ignoriert

Denn wer jetzt noch abwartet, macht sich mitschuldig.
Die Gewalt ist real. Die Strukturen sind bekannt. Die Gefahr ist da.
Und der nächste Terroranschlag wird nicht aus dem Nichts kommen –
sondern aus einem Netzwerk, das längst aktiv ist.

Artikelbild: Georg Wendt/dpa; gegen die Alternative für Deutschland

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