Das Neonazistisches Terrornetzwerk 764
White Tiger“ – Cybergrooming, Mord und rechtsextremer Terror im digitalen Zeitalter
Der Fall „White Tiger“ erschüttert – nicht nur wegen der unfassbaren Brutalität, mit der ein junger Mann Minderjährige manipulierte, missbrauchte und in den Tod trieb. Er erschüttert auch, weil er ein Schlaglicht auf eine neue Form des Rechtsextremismus wirft: einen, der sich nicht in Springerstiefeln auf der Straße zeigt, sondern in anonymen Foren, in perfiden Chatgruppen, in toxischen Online-Kulturen. Der Täter war kein Einzeltäter. Er war Teil eines internationalen Netzwerks, das unter dem Kürzel „764“ firmiert – ein digital organisiertes, dezentral agierendes Kollektiv aus Neonazis, Satanisten und Nihilisten.
"White Tiger" äußerte sich auch rechtsextrem
Chatprotokolle aus einem rechtsextremen Telegram-Kanal, die dem NDR vorliegen, geben Einblick in das Weltbild von "White Tiger". Dort schrieb er 2021, Iraner seien Arier. Hitler habe sie "willkommen geheißen". Er selbst sei "weißer als einige Deutsche". Auch antisemitisch äußerte er sich in dem englisch-sprachigen Chat. Er selbst sei nicht mehr gläubig, wünsche sich aber Muslim zu sein - dann könne er "die Juden ausrotten".
Was „764“ von klassischen rechtsextremen Strukturen unterscheidet, ist die Verschmelzung von Ideologie mit digitaler Gewaltfantasie. Die Gruppe verherrlicht Tod, Missbrauch und Zerstörung als Ausdruck einer menschenverachtenden Weltanschauung. Ihre ideologischen Wurzeln liegen tief im Boden des neonazistischen Terrorismus – mit Bezügen zur „Order of Nine Angles“, einer weltweit als extremistisch eingestuften Organisation, die offen zum Mord und zum Kollaps westlicher Demokratien aufruft.
„White Tiger“, so zeigen Ermittlungen, war nicht nur ein Mitläufer, sondern ein zentraler Akteur. Seine sadistischen Taten dienten nicht bloß persönlicher Lust oder Macht – sie waren Teil eines ideologisch motivierten, systematischen Vorgehens: Schwache und Verletzliche sollten gebrochen, entmenschlicht, vernichtet werden. Es ging nicht nur um Kontrolle – es ging um Terror.
Der Täter war ein Rechtsextremist
Diese Recherche verfolgt das Ziel, die ideologischen Strukturen hinter den Taten offenzulegen. Sie benennt klar: Der Täter war ein Rechtsextremist. Nicht, weil er ein Wahlplakat aufgehängt oder Parolen gegrölt hätte – sondern weil er gezielt nach der Logik eines faschistischen Vernichtungswillens handelte.
Wer den Fall „White Tiger“ nur als Perversion eines Einzeltäters betrachtet, verkennt die Dimension: Es geht um ein Netzwerk, eine Ideologie, eine reale Bedrohung. Diese Bedrohung ist nicht abstrakt. Sie ist digital, sie ist global – und sie ist brandgefährlich.
Falls Sie den Fall nicht kennen:
Vermutlich haben Sie es in den letzten Wochen lesen dürfen, ein 20-jähriger Mann aus Hamburg wurde im Juni 2025 festgenommen – und was anfangs wie ein Einzelfall digitaler Gewalt wirkte, entpuppte sich schnell als etwas viel Düstereres: Der Mann, der unter dem Pseudonym „White Tiger“ agierte, war nicht nur ein Einzeltäter, sondern führendes Mitglied der internationalen Terror-Community „764“ – einem globalen, neonazistisch-satanistischen Netzwerk, das im Untergrund sozialer Medien sein Unwesen treibt.
Laut NDR und WELT hat der Hamburger Täter in über 120 Fällen Kinder und Jugendliche zu Selbstverletzung, sexuellen Handlungen und sogar zum Selbstmord angestiftet. In mindestens einem Fall, so die Washington Post, kam es zum Suizid eines 13-jährigen Jungen aus den USA – live verfolgt von „White Tiger“ und seinen Online-Fans.
Was hinter diesen abscheulichen Taten steckt, ist ein digitales Terrornetzwerk namens „764“ – ein Ableger bzw. ein eng verbundener Arm der „Order of Nine Angles“ (O9A), einer weltweit beobachteten, rechtsextrem-satanistischen Organisation, die bereits mehrfach mit Mord, Kindesmissbrauch und Terroranschlägen in Verbindung gebracht wurde.
Die britische Sky News hat in einem Spezialbericht enthüllt, dass es sich bei 764 um eine Online-Community mit über 16.000 aktiven Accounts handelt, die ihre Mitglieder mit einem perversen Belohnungssystem für möglichst extreme Taten motiviert: Wer Gewaltvideos postet, Kinder manipuliert oder Opfer live leiden lässt, steigt im internen Rangsystem auf.
Die internationalen Strafverfolgungsbehörden, darunter das FBI und die kanadische RCMP, betrachten „764“ längst als eine terroristische Bedrohung auf Augenhöhe mit jihadistischen Netzwerken.
250 Verfahren in 55 Städten
Das FBI leitet über 250 Verfahren in 55 Städten, wie Sky News und AP News berichten. Auch in Europa sind ähnliche Fälle bekannt: Verhaftungen in Schweden, Großbritannien, Griechenland, Brasilien und Italien belegen, dass „764“ längst ein internationales Netzwerk der digital organisierten Folter ist.
Laut The Times UK und der Watchdog-Organisation Hope Not Hate wächst der Einfluss dieser Szene vor allem unter jungen Menschen, die über Telegram, Discord und geheime Darknet-Foren in diese sadistische Ideologie hineingezogen werden – oft durch psychologische Manipulation, Versprechungen von Macht oder der Androhung von Gewalt gegen ihre Familien.
Was also zunächst wie ein Fall aus Hamburg aussieht, ist in Wahrheit ein Fenster in eine neue Form des digitalen Faschismus: Eine Welt, in der Kindesmissbrauch, Morde, Terrorästhetik und Satanismus Hand in Hand gehen – und in der junge Männer wie „White Tiger“ nicht nur Täter, sondern Teil einer strukturierten, international vernetzten Bewegung sind.
Struktur und Subgruppen: Eine dezentrale Terrormatrix
764 ist keine klassische Organisation mit Hierarchie – sondern ein loser Schwarm aus Subgruppen, Chatkanälen und Ablegern. Einige prominente Namen:
- CVLT (Vorgängerstruktur)
- Harm Nation, Sew3r, Kaskar, Leak Society, Slit Town, No Lives Matter
- NMK, 8884, 545, 404, 303, SR1, H3ll, 2992, XVN
Diese Gruppen agieren teils unabhängig, nutzen aber gleiche Methoden und ideologische Grundlage. Oft sammeln sie Material über CSAM (Child Sexual Abuse Material), Tiertötungen, Gewaltverherrlichung und Suizidanimation.
Rekrutierungsmethoden: Games, Discord, Telegram
764 rekrutiert gezielt über Spieleplattformen wie Minecraft, Roblox und Kommunikationsdienste wie Discord oder Telegram. Die bevorzugten Opfer:
- Minderjährige mit psychischen Problemen
- LGBTQ+-Jugendliche
- Kinder mit Suizidgedanken oder Isolationserfahrungen
- rassifizierte oder diskriminierte Jugendliche
In Discord-Servern und Telegram-Kanälen wurden Täterrollen romantisiert, Videos von Morden oder Suiziden geteilt und als Beweis für „Stärke" gefeiert. Die Plattform Telegram wurde insbesondere für geschlossene Gruppen genutzt, in denen nicht nur extremistische Propaganda, sondern auch CSAM verbreitet wurde. Die Namen dieser Gruppen wurden aus Ermittlungsgründen bisher weitgehend geheim gehalten, doch laut FBI und BKA seien Dutzende solcher Kanäle aktiv gewesen.
Internationale Verbindungen: Netzwerk des Todes
764 ist kein isoliertes Konstrukt. Es existieren klare Vernetzungen zu:
- Atomwaffendivision (AWD): US-basierter rechtsterroristischer Zellverband mit Ablegern in Deutschland, bekannt für Anschlagspläne und Mordfantasien.
- Temple ov Blood: Okkulte US-Splittergruppe, fordert reale Opfer und propagiert Gewalt als sakrales Ritual.
- Maniac Murder Cult (MMC): Ukrainischer Neonazikult, bekannt durch Obdachlosenmorde. Kooperation mit 764 belegt.
Verbindungen nach Deutschland: Toxische Keimzellen in Hamburg und Verbindungen nach Sachsen
764 ist auch in Deutschland aktiv:
- 2022: Ein Jugendlicher, der in Rumänien seine Stieffamilie ermordete, soll laut Recherchen Kontakt zu deutschen 764-nahen Gruppen gehabt haben.
- 2024: Ein 20-Jähriger aus Hamburg wurde verhaftet. Er hatte über Telegram Tötungsvideos verbreitet und war mutmaßlich in 764-nahen Gruppen aktiv. Er agierte unter dem Pseudonym „White Tiger". Er soll einen 13-jährigen Jungen aus den USA zur Live-Selbsttötung gezwungen haben.
- Sächsische Separatisten und rechte Prepper-Foren zeigen ideologische und stilistische Überlappungen mit O9A/764.












