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Gruppe 764: Das gesamte Neonazi-Terrornetzwerk hinter der Grooming-Gruppe

von  | Analyse | 24. Juli 2025 |  72 min

Verbindungen nach Deutschland: Sächsische Separatisten / AWD Netzwerke

Die Verbindungen zwischen der AfD und rechtsextremen Netzwerken in Deutschland, insbesondere in Sachsen, werfen ein beunruhigendes Licht auf die militante Radikalisierung innerhalb der Partei und ihrer Unterstützerkreise.

Ermittlungen und geleakte Dokumente legen offen, wie eng Mitglieder der Partei mit rechtsterroristischen Gruppierungen wie den sogenannten „Sächsischen Separatisten“ (SS) vernetzt sind.

Diese Gruppierung plante laut Verfassungsschutz nicht weniger als eine bewaffnete Revolte, einschließlich der gewaltsamen „Eroberung“ von Gebieten in Sachsen und darüber hinaus.

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Dabei zeigten sich ideologische Überschneidungen mit der AfD, etwa durch fremdenfeindliche Rhetorik und die Verherrlichung von Gewalt.

Dieser Teil der Recherche beleuchtet die Aktivitäten und Pläne einer rechtsextremen Gruppierung, die als "Sächsische Separatisten" bekannt wurde und deren Mitglieder einen gewaltsamen Umsturz in Sachsen und gezielte Aktionen gegen Minderheiten vorbereiteten.

Durch die Unterstützung internationaler Sicherheitsbehörden wie dem FBI konnten wesentliche Informationen zusammengetragen werden, die das Vorgehen und die Gefährdungspotenziale dieser Gruppe aufzeigen.

Die folgenden Ausführungen zielen darauf ab, ein tieferes Verständnis der ideologischen Motive, der Strategien und der Vernetzungen solcher Gruppierungen zu schaffen, um die Bedrohungslage und mögliche Gegenmaßnahmen besser einschätzen zu können.

Wehrsport und Tag X

Der ehemalige Flugplatz Brandis-Waldpolenz, etwa zwölf Kilometer östlich von Leipzig, zieht aufgrund seiner verlassenen Hangars, Bunker und Kasernen gelegentlich Wanderer und Hobbyhistoriker an, die diesen „Lost Place“ erkunden.

In jüngerer Zeit jedoch entdeckten auch rechtsextreme Kreise die Ruinen als idealen Rückzugsort für ihre Aktivitäten. Nach Ermittlungen der Bundesanwaltschaft nutzten mehrere Männer das Gelände im Sommer, um dort den Häuserkampf zu trainieren.

Einige Mitglieder der Gruppe sollen in Polen und Tschechien auch Schießübungen mit scharfen Waffen durchgeführt haben.

Ein sichergestelltes Video zeigt den mutmaßlichen Kopf der Gruppierung, Jörg Schimanek, dabei, wie er mit einem AR-15-Gewehr feuert. Diese Aufnahmen und weiteren Beweismaterialien führten am zur Festnahme des 24-jährigen Jörg Schimanek nahe der deutsch-polnischen Grenze in Zgorzelec. Zeitgleich wurden sieben weitere Männer im Alter von 21 bis 25 Jahren verhaftet.

Wer sind die sächsischen Separatisten?

Der Generalbundesanwalt sieht Jörg Schimanek, als Anführer der Gruppe. Obwohl seine Heimatstadt Brandis im Landkreis Leipzig liegt, wurde Schimanek in der polnischen Stadt Zgorzelec festgenommen.

Noch im Jahr 2020 sprach er in einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung über seine Ausbildung bei der Firma „Sachsen-Obst“.

Junge Alternative, Treffen mit Höcke, Aufbau der Terrorgruppe

Damals erwähnte er, dass er ursprünglich nach dem Abitur zur Bundeswehr wollte. Spätestens im Jahr 2022 fand Schimanek jedoch Anschluss bei der „Jungen Alternative“ (JA).

Am 21. Mai des Jahres wurde er zusammen mit anderen mutmaßlichen Mitgliedern der inzwischen aufgelösten Gruppierung in Grimma beim Besuch von Björn Höcke abgelichtet.

In seiner aktuellen Lage wird Schimanek von Martin Kohlmann, einem Chemnitzer Rechtsanwalt mit Verbindungen zur Neonazi-Szene und Vorsitzenden der „Freien Sachsen“, vertreten. Kohlmann äußerte sich am Tag der Festnahme auf seinem Telegram-Kanal. Dort schrieb er, dass er einem Mandanten helfen werde, der angeblich „aus dem Görlitzer Teil östlich der Neiße“ „verschleppt“ worden sei.

Jörg Schimanek auch bekannt als Hunter M. Waffenkäufe, Waffentraining, Panzerplatten für Schusswesten, direkte Kontakte zu AWD

Jörg Schimanek, der sich in den Chats unter dem Pseudonym „Hunter M.“ ausgibt, spielt eine zentrale Rolle im Aufbau und der Koordination eines rechtsextremen Netzwerks, das sowohl ideologische als auch logistische Aktivitäten verfolgt. Als Anführer der „Sächsischen Separatisten“ (SS) arbeitete er unermüdlich daran, diese Gruppe zu einer lokalen Zelle in einem internationalen Neonazi-Netzwerk zu entwickeln. Seine Verbindungen erstrecken sich von Österreich bis in die Ukraine und die USA, was ihn zu einer Schlüsselfigur in der globalen rechtsextremen Szene macht.

Waffen, Waffentraining, Panzerplatten für Schusswesten

In den Chatprotokollen (liegen vor) wird deutlich, dass Schimanek gezielt militärische Ausrüstung organisiert und vertreibt. Er bietet ballistische Schutzplatten aus Österreich an, die in der Lage sind, Schüsse von 5.56 NATO- und 7.62x51-mm-Munition abzuwehren. Dabei zeigt er sich als pragmatischer Händler, der bereit ist, die Platten auch in größere Mengen zu liefern, und nennt unter anderem den Versand von fünf Kilogramm Platten von Österreich in die Ukraine. In den Chats betont er, dass er die Ausrüstung privat und nur an Personen verkauft, die er kennt, was auf eine bewusst abgeschottete und konspirative Vorgehensweise hindeutet.

Seine Kontakte gehen über Europa hinaus. Er pflegt eine Freundschaft mit dem US-Neonazi Drew Lawrence B., der der „Vorherrschaft Division“ angehören soll. Beide trafen sich im Dezember 2022 in Deutschland, und B. postete später ein Foto von sich auf dem Flugplatz in Brandis, wo er den Hitlergruß zeigte.

Diese Verbindung unterstreicht Schimaneks Bestreben, die „Sächsischen Separatisten“ als Teil eines größeren internationalen Netzwerks zu positionieren. In einer weiteren Chatgruppe vernetzte sich Schimanek zudem mit dem kroatischen Neonazi Noah L., einem ehemaligen Mitglied der „Feuerkriegs Division“, die eng mit der berüchtigten „Atomwaffen Division“ verknüpft ist.

Internationale Netzwerke: USA, England und Ukraine

Dieser Teil der Recherche beleuchtet die internationalen Verbindungen der „Sächsischen Separatisten“ und zeigt auf, wie tief die rechtsextreme Szene in ein globales Netzwerk eingebunden ist, das sich über Europa und die USA erstreckt.

Ein zentraler Akteur in diesen Verbindungen ist Drew Lawrence B., ein US-amerikanischer Neonazi und Mitglied der rechtsextremen „Vorherrschaft-Division“.

Diese Gruppierung, bekannt für ihre rassistische und antisemitische Ideologie, agiert als Teil eines internationalen Netzwerks, das enge Verbindungen zu Organisationen wie der „Atomwaffen Division“ und der „Feuerkriegs Division“ pflegt. Drew Lawrence B. spielte eine wichtige Rolle in der Unterstützung der „Sächsischen Separatisten“ und reiste mehrfach nach Deutschland, um die Gruppe zu treffen und strategisch zu unterstützen.

Im Dezember 2022 kam es zu einem Treffen zwischen Drew Lawrence B. und dem Anführer der „Sächsischen Separatisten“, Jörg Schimanek, auf einem verlassenen Militärgelände in Sachsen.

Bundestag als Anschlagsziel ausgespäht

Fotos aus dieser Zeit zeigen Drew Lawrence B. beim Hitlergruß, ein klarer Hinweis auf seine ideologische Ausrichtung und seine Identifikation mit nationalsozialistischer Propaganda. Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit, um sich in rechtsextremen Kreisen in Sachsen zu vernetzen. Besonders brisant: In mehreren Chatgruppen prahlte er damit, Sicherheitslücken am Berliner Bundestag erkundet zu haben, und behauptete, die Rückseite des Gebäudes sei „beinahe unbewacht“.

Ebenso engagierte sich Drew Lawrence B. auch auf internationaler Ebene, wie seine mutmaßliche Teilnahme am Krieg in der Ukraine zeigt. Unter dem Rufnamen „Titanic“ soll er dort im Jahr 2023 auf einer der Kriegsseiten aktiv gewesen sein.

Rechtsterroristen und Anschlagspläne als Bindeglied

Die engen Verbindungen zwischen deutschen und internationalen rechtsextremen Netzwerken unterstreichen die globale Dimension dieser Bedrohung. Die „Sächsischen Separatisten“ versuchten, sich als lokale Zelle in einem global agierenden Netzwerk zu etablieren, wobei Akteure wie Drew Lawrence B. als Bindeglieder fungierten.

Seine Reisen, ideologische Ausrichtung und militärische Aktivitäten zeigen, wie eng diese Netzwerke verknüpft sind und wie gefährlich sie für die politische Stabilität und öffentliche Sicherheit werden können.

Entstehung und Ziele der „Sächsischen Separatisten“

Die Gruppierung formierte sich offenbar Anfang der 2020er Jahre in Sachsen und umfasste schätzungsweise 15 bis 20 Mitglieder​. Ihren Namen leiteten sie daraus ab, dass sie im Falle eines erwarteten Kollaps der staatlichen Ordnung separat ein eigenes Herrschaftsgebiet in Sachsen errichten wollten​. Laut Bundesanwaltschaft bereitete sich die Zelle konspirativ auf diesen „Tag X“ vor, um dann einen nationalsozialistischen Staat zu etablieren​. Ideologisch orientierte man sich an dem neonazistischen Akzelerationismus: In internen Chats forderte der Anführer etwa, Deutschland müsse „vollständig ins Chaos stürzen“, bevor „etwas Normales“ wieder entstehen könne​. In diesem Zusammenhang fantasierte er von einem „weißen Dschihad“, also einem gewalttätigen „Heiligen Krieg“ zur Rettung der „weißen Rasse“​.

Die Gruppe nutzte für ihre Radikalisierung und Planung vor allem die Plattform Telegram und war Teil des dortigen rechtsextremen Netzwerks („Terrorgram“)​. Über diese digitale Vernetzung ergaben sich Kontakte zu Gleichgesinnten im In- und Ausland, während man parallel auch Offline-Aktivitäten durchführte, z.B. paramilitärische Übungen in Sachsen​.

Finanzierungsquellen und -methoden

Trotz ihres relativ kleinen Kreises verfügten die „Sächsischen Separatisten“ über bemerkenswerte finanzielle Mittel und Beschaffungswege. Ihre Finanzierungsquellen lassen sich in legale Zuwendungen, illegale Geschäfte und Szenenetzwerk-Hilfe unterteilen:

Private Geldgeber aus der Szene: Ein prominentes Beispiel ist der ehemalige Berliner CDU-Finanzsenator Peter Kurth, der der Gruppe (nach eigener Aussage unwissentlich) einen Kredit von 100.000 € zukommen ließ​. Kurth bestätigte, im Januar 2024 einem Bekannten (Kevin R.) und zwei „seiner Kollegen“ dieses Darlehen für ein Immobilienprojekt gegeben zu haben. Mit dem Geld kaufte die Gruppe ein dreistöckiges Haus im sächsischen Grimma, das laut Ermittlern als rechtsextremer Szenetreff und Rekrutierungsort dienen sollte​. Kurth bestreitet, von der terroristischen Zielsetzung gewusst zu haben, und bezeichnete die Enthüllung als „So ein Mist“​.

Bemerkenswert ist, dass Kurth bereits zuvor als Geldgeber in der rechtsextremen Szene auffiel: Zwischen 2019 und 2022 überwies er insgesamt rund 240.000 € an Firmen der Identitären Bewegung, um deren Immobilienprojekte in Ostdeutschland und ein Zentrum in Österreich mitzufinanzieren. Diese Verflechtung illustriert, wie Personen aus dem bürgerlichen Lager als Finanziers für rechtsextreme Netzwerke auftreten und so auch radikalere Gruppen indirekt stärken.

Einnahmen durch illegale Aktivitäten: Die Separatisten hatten konkrete Pläne, sich durch Waffen- und Militärausrüstungs-Handel zu finanzieren​. Anführer Jörg S. war aktiv in den Verkauf von Waffenteilen und Ausrüstung involviert.

Er nutzte z.B. Online-Kleinanzeigenportale und den Telegram-Kanal „Völkischer Flohmarkt“ (einen szenebekannten Marktplatz) zum Anbieten von Gegenständen​. Konkret verkaufte oder vermittelte er u.a. Schalldämpfer, Magazine für Sturmgewehre und schusssichere Westen​.

Der Wert allein der gehandelten Schutzwesten wird auf etwa 50.000 € geschätzt​. Einen Schalldämpfer verkaufte Jörg S. an den genannten Österreicher Alfred K., der als Sprengstoffexperte fungierte​. Auch organisierte Alfred K. für die Gruppe einen Beschusstest von ballistischen Platten russischer Herkunft, vermutlich um die Qualität von beschaffter Schutzausrüstung zu prüfen​.

Die Einnahmen aus diesen Waffendeals flossen mutmaßlich in den Ausbau der Gruppenausstattung und die Finanzierung ihrer Vorhaben. Darüber hinaus horteten die Mitglieder Wertgegenstände: Bei Razzien fanden Ermittler größere Mengen Edelmetall – u.a. 400 Silbermünzen und zwei Goldbarren – versteckt in Objekten der Beschuldigten. Dies deutet darauf hin, dass die Gruppe Bargeld in krisensichere Sachwerte umwandelte, um ihre Mittel zu verschleiern oder für einen Zusammenbruch des Systems zu sichern.

FinanzierungswegBeschreibung & BeispieleQuellen-Nachweis
Private Geldgeber (Spenden/Darlehen)Unterstützung durch Sympathisanten aus Politik und Szene. Beispielsweise 100.000 € Kredit von Peter Kurth zur Finanzierung eines Neonazi-Treffs in Grimma​ Kurth finanzierte zuvor auch identitäre Projekte in sechsstelliger Höhe.„Kurth […] einen Kredit in Höhe von 100.000 Euro […] Haus für einen Szenetreff gekauft“​. Kurth zuvor ~240.000 € an Identitäre überwiesen.
Illegale Geschäfte (Waffenhandel)Vertrieb von Waffen, Munition und Militärausrüstung zur Geldbeschaffung. Anführer Jörg S. verkaufte u.a. Schalldämpfer, Sturmgewehr-Magazine und Schutzwesten über Online-Plattformen; Wert der verkauften Westen ~50.000 €​. Einnahmen dienten der Gruppenfinanzierung.„durch den Handel mit Militärausrüstung und NS-Devotionalien zu finanzieren“; Jörg S. verkaufte Schalldämpfer, Magazine, Westen (Wert ~50.000 €)​.
Handel mit NS-DevotionalienVerkauf von nationalsozialistischen Memorabilia (Uniformteile, Orden, Propagandamaterial) über szenenahe Kanäle wie den Telegram-Channel „Völkischer Flohmarkt“. Diente als zusätzliche Einnahmequelle und zur Ausstattung von Sympathisanten.„Jörg S. war […] involviert, wobei er Plattformen wie […] ‘Völkischer Flohmarkt’ nutzte“​ (Handel mit NS-Devotionalien als Finanzierungsquelle).
Unterstützung durch Netzwerke (Sachleistungen)Materielle Hilfe von rechtsextremen Netzwerken im In- und Ausland. Beispielsweise stellte die österr. Familie Schimanek ein Safehouse und ein Waffenlager (30 kg Munition, Ausrüstung) bereit​. Szenekontakte vermittelten zudem Ausrüstungstests (Alfred K. testete ballistische Platten)​.Forsthaus […] sollte als Stützpunkt dienen. Dort wurde ein großes Waffenlager ausgehoben […] 30 kg Munition […] sowie […] Ausrüstungsgegenstände […]“​.
Legale Einkünfte der MitgliederNutzung eigener Gehälter/Vergütungen zur Beschaffung von Ausrüstung. Einige Mitglieder hatten Einkommen (z.B. aus Bundeswehr, kommunalen Ämtern) und investierten dies in Fahrzeuge, Kommunikationstechnik, Reisen (etwa Treffen in Wien) oder kauften legal Waffen/Munition (durch Jagdschein, Reservistenstatus) für die Gruppenzwecke.Ein Mitglied (AfD-Politiker, Jäger) besaß legal Waffen – bei Festnahme mit Langwaffe gestellt​. Bundeswehrsoldaten erhielten Ausbildung und ggf. Ausrüstung, bevor sie entlassen wurden. (Indirekte Finanzierung durch Know-how und legale Ausstattung)

Die Terrorzelle mit Kontakten zu AWD und Order of Nine Angles

Über soziale Medien – vor allem Telegram – suchte Schimanek alias „Hunter M.“ gezielt Anschluss an die globale Neonazi-Szene. Er vernetzte sich mit rechtsextremen Extremisten aus dem Ausland und zeigte dabei besonderes Interesse an Gruppierungen wie der Atomwaffen Division und der Order of Nine Angles.

Interne Chat-Protokolle, die Ermittler sicherstellen konnten, deuten darauf hin, dass Schimanek in geschlossenen Kanälen der AWD kommunizierte und sich dort bis März 2023 als “Hunter M.” betätigte.

In diesen Chats soll es um Waffenkäufe, Sprengstoff und die Vorbereitung eines „weißen Dschihad“ (so die Welt am Sonntag) gegangen sein.

Ein bekannt gewordenes Video zeigt Schimanek sogar beim Training mit einem AR-15-Sturmgewehr – ob diese Aufnahmen in Deutschland oder im Ausland entstanden, ist unklar, da der Erwerb einer solchen Waffe hier illegal wäre. Die „Sächsischen Separatisten“ standen offenbar auch im Austausch mit anderen militanten Neonazi-Zirkeln im In- und Ausland, möglicherweise einschließlich 764-bezogener Chats (Andeutungen in sozialen Netzwerken verweisen zumindest auf 764- und O9A-Bezüge in den Chatlogs).

Ideologisch verfolgte die Gruppe um Schimanek eine klassische rechtsterroristische Akzelerationismus-Strategie: Man wollte auf den Tag X warten – oder diesen durch Provokationen beschleunigen – um dann mit vorbereiteten Waffen und Strukturen einen neuen Nazi-Staat zu erzwingen.

Verbindungen und Überschneidungen mit der AfD

Die Alternative für Deutschland ist zwar primär eine parlamentarische Partei, doch Teile von ihr stehen ideologisch der rechtsextremistischen Szene nahe. Der oben beschriebene Fall in Sachsen – drei involvierte AfD-Mitglieder in einer mutmaßlichen Terrorzelle – verdeutlicht diese personellen Verflechtungen.

In der Vergangenheit gab es mehrfach Überschneidungen zwischen AfD-Personal und militanten Netzwerken. So waren AfD-Leute in den Chatgruppen des Prepper-Netzwerks “Nordkreuz” aktiv, das Todeslisten von politischen Gegnern führte und Waffen sowie Munition für den Tag X hortete.

Auch bei der im April 2022 ausgehobenen Gruppe Knockout 51 (militante Neonazi-Kampfsporttruppe in Thüringen) sollen AfD-nahestehende Personen im Umfeld gewesen sein, was der Partei wiederholt den Vorwurf einbrachte, sie biete geistige Brandstifter für rechtsterroristische Bestrebungen. Besonders gravierend wirkte jedoch der jüngste Vorfall in Sachsen: Hier waren Funktionsträger der AfD direkt an Umsturzplänen beteiligt.

Das hat die Diskussion um den demokratiefeindlichen Charakter der Partei neu angefacht.

Der deutsche Verfassungsschutz beobachtet die AfD schon seit einigen Jahren und hat seine Einschätzung jüngst verschärft. Im Mai 2025 stufte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) die gesamte AfD offiziell als “gesichert rechtsextremistische” Partei ein.

Damit gilt die AfD nun als erwiesenermaßen verfassungsfeindlich – zuvor war sie lediglich ein „Verdachtsfall“. Diese Hochstufung erlaubt den Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel (Observationen, Telefonüberwachung, V-Leute) gegen die Partei.

In der Begründung führte das BfV an, die AfD vertrete ein ethnisch-völkisches Volksverständnis, das mit dem Grundgesetz unvereinbar sei, und schüre systematisch Hass gegen Migranten und Muslime.

.Zwar betont die AfD-Spitze, sie lehne Gewalt ab und habe mit Terrorgruppen nichts zu tun. Doch interne Chatprotokolle und Reden von Funktionären zeichnen oft ein anderes Bild – beispielsweise wurde bekannt, dass führende AfD-Mitglieder in Sachsen in internen Runden vom „Dschihad gegen die Ungläubigen“ schwärmten, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen als „weißer Dschihad“ gegen die multikulturelle Gesellschaft.

Solche Rhetorik legt nahe, dass einige in der Partei durchaus apokalyptisch-revolutionäre Fantasien hegen, wie sie auch Akzelerationisten à la AWD propagieren. Die Beteiligung von AfD-Leuten an den „Sächsischen Separatisten“ hat die Rufe nach einer Verbotsprüfung der AfD lauter werden lassen.

Politiker etablierter Parteien argumentieren, spätestens mit diesem Vorfall sei klar, dass die AfD ein Sammelbecken nicht nur für Rechtsextremisten, sondern sogar für potenzielle Terroristen sei. Ein Parteiverbotsverfahren ist jedoch juristisch sehr anspruchsvoll und bisher nicht eingeleitet. Gleichwohl dürfte die neue Extremismus-Einstufung des BfV eine wichtige Voraussetzung dafür schaffen, ein Verbot vor dem Bundesverfassungsgericht überhaupt in Betracht ziehen zu können.

Bis dahin setzt der Staat vor allem auf Beobachtung und Abschreckung: Die Enttarnung der afdinternen Neonazi-Netzwerke (wie z.B. die Chats um „Hunter M.“ alias Jörg Schimanek) ist ein klares Signal, dass solche Umtriebe im Verborgenen nicht unentdeckt bleiben. Die AfD versucht ihrerseits Schadensbegrenzung, indem sie die beschuldigten Mitglieder ausschließt und sich offiziell von Gewalt distanziert. Dennoch bleibt die inhaltliche Nähe mancher AfD-Strömungen zum Rechtsterrorismus bestehen – etwa wenn führende Köpfe der Partei von “Widerstand” und “Umsturz” fabulieren oder mit völkischen Kampfbegriffen agitieren.

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