So verzweifelt versuchen Putins Auftragslügner Krementschuk zu leugnen

| Faktencheck | 28. Juni 2022

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Pro-Kreml Lügenaccounts wollen Krementschuk leugnen

Was wir bisher wissen: Bei einem russischen Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum in Krementschuk sind mindestens 13 Menschen getötet worden. Mehr als 40 wurden verletzt, sagt der Gouverneur des Gebiets. Selenskyj behauptet, mehr als tausend Menschen hätten sich in dem Einkaufszentrum aufgehalten. Diese Behauptung, ebenso wie die Anzahl der Todesopfer konnte bisher jedoch nicht unabhängig verifiziert werden. Aktuell sind aber Reporter von mehreren unabhängigen Organisationen vor Ort, um alles zu verifizieren, so Reuters zum Beispiel. Die Ukraine wirft Russland vor, damit ein „Kriegsverbrechen“ begangen zu haben. Krementschuk liegt etwa 250 Kilometer im Südosten der Hauptstadt Kiew. In der Nähe des Einkaufszentrums befinden sich Industrieanlagen, der Raketenbeschuss löste einen Brand aus (Quelle). So sieht das Einkaufszentrum nach dem Raketenangriff aus:

Efrem Lukatsky/AP/dpa

Internationale Journalist:innen sind ebenfalls vor Ort und können die Zerstörung und den Brand dokumentieren. Bald dürften wir unabhängig verifizierte Fakten haben.

Putins Propagandisten suchen verzweifelt nach Fakes, um den Anschlag zu leugnen

Auch wenn die genauen Umstände zum jetzigen Zeitpunkt recht unklar sind, auch ob das Einkaufszentrum, das auf der Rückseite getroffen wurde, das Ziel der Rakete war oder ein Ziel dahinter, das verfehlt wurde. Tatsächlich hat das russische Verteidigungsministerium den Beschuss zwischenzeitlich sogar zugegeben (Quelle). (Nachdem sie wie immer es zunächst reflexartig geleugnet haben und wie immer gelogen haben, es sei ein false flag Angriff gewesen). Allerdings behauptet das Regime, ein Lager mit „westlicher Munition“ ins Visier genommen zu haben und „sekundäre Explosionen“ haben den Brand im Einkaufszentrum in Krementschuk ausgelöst. Dafür gibt es keinerlei Belege, später mehr.

Pro-Russische Desinformations-Accounts versuchen dennoch verzweifelt, so viele Fakes und Verwirrung zu verbreiten, um die russische Schuld am Angriff zu leugnen, wie möglich ist. Es ist eine klassische Strategie: Die oft bezahlten Pro-Kreml-Accounts suchen irgendwelche Details, die sie in Frage stellen können oder behaupten ohne Belege irgendetwas, um Zweifel an der Darstellung der Gegenseite zu erzeugen. Ziel ist nicht, die Wahrheit zu verbreiten, sondern nur Unsicherheit zu erzeugen. Zweifeln reicht. Hier erstmal ein vorläufiger Faktencheck:

Das Einkaufszentrum war offen – Fake aufgeflogen

Auch wenn die Angaben jetzt nach dem Anschlag natürlich nicht mehr korrekt sind, kann sich jede:r selbst auf Google Maps überzeugen, das die Geschäfte im Einkaufszentrum in Krementschuk bis zum Angriff geöffnet waren. Hier ein Interview mit einem verletzten Augenzeugen, der zum Zeitpunkt des Angriffs dort einkaufen war. Eines der Einzelhandelsgeschäfte aus dem Shopping-Zentrum beklagt auf Facebook verwundete (Quelle). Es zirkuliert auch ein Bild eines Einkaufszettels wenige Stunden vor dem Angriff (Quelle). Ein Video von vor dem Anschlag zeigt ebenfalls, dass das Zentrum geöffnet war, wie Recherchen der BBC zeigen (Quelle). Und hier zwei Geschäfte, bei denen Google anzeigt, dass sie geöffnet gewesen wären, wenn der Angriff oder das Feuer sie nicht zerstört hätte.

Warum das relevant ist? Nun, weil ein Laden innerhalb des Einkaufszentrum offenbar laut Google (und diese Angabe kann natürlich auch veraltet sein) „dauerhaft geschlossen“ sei. Die Pro-Kreml-Propagandistin in nachweisliche Lügnerin Alina Lipp hat diese Information aus dem Kontext gerissen, um ihre Gefolgschaft zu manipulieren, dass keine Personen im Einkaufszentrum hätten sein können. Auch das russische Verteidigungsministerium behauptet, das Einkaufszentrum sei nicht in Benutzung gewesen.

Wie wir bereits gesehen haben – und wie sich jede:r selbst überzeugen kann – sind alle anderen Geschäfte laut Google jedoch immer noch geöffnet. Natürlich jetzt nicht mehr, aber daran sieht man auch, dass die Angaben bei Google nun mal keine zuverlässigen Angaben sind. Ziel der bezahlten Propagandistin ist natürlich, Zweifel zu streuen. Hin zu kommt natürlich, dass das Einkaufszentrum nicht durchgängig als „dauerhaft geschlossen“ angezeigt wird. An der Kreml-Lügerei stimmt einfach nichts.

1000 Zivilisten, von denen Selenskyj sprach, sind dadurch zwar nicht belegt, aber eine Google-Angabe belegt nicht, dass es geschlossen war. Auf unabhängige Verifikation muss man von den Journalist:innen vor Ort warten. Dass Zivilist:innen vor Ort waren und während des Angriffs shoppten, wurde von unabhängigen Journalist:innen jedoch belegt. Hier Interviews:

Weitere Suggestivfragen, die der eigenen russischen propaganda widerspricht

Russische Propaganda widerspricht sich ständig selbst, denn den russischen Aggressoren ist die Wahrheit nachweislich völlig egal, der ganze Krieg wird schließlich mit Lügen gerechtfertigt. Während gestern zunächst wie erwähnt wieder behauptet wurde, Krementschuk sei „false flag“ gewesen, wird jetzt der Angriff zugegeben.

Den im Sinne des Kremls lügenden Telegram-Kanälen ist das dennoch egal, so wird weiter versucht, mit wenig überzeugenden Argumenten und aus dem Kontext gerissenen Bildern und Videos zu leugnen, dass es kein Raketenangriff der Russen gewesen sei. So im Lügenkanal von Alina Lipp:

Ein Video, auf dem man nichts erkennen und nichts hören kann, soll irgendwie beweisen, dass es gar keinen Angriff gab? Kreml-Propagandisten halten uns wohl für extrem naiv. Sie zeigen nicht-zerstörte Einrichtung im Inneren des Shopping-Centers. Doch diese Darstellung WIDERLEGT die anderen russischen Lügen. So wäre das Einkaufzentrum doch kaum voll mit Lebensmitteln, wenn es geschlossen wäre, oder? So dumm verkaufen euch die Kreml-Lügner. Glaubt das irgendwer? Einen Angriff, den das russische Verteidigungsministerium übrigens bereits zugegeben hat. Hier werden russische Lügen verbreitet, nachdem man die eigene Geschichte inzwischen schon wieder geändert hat.

Außerdem: Wenn dort wirklich ein Munitionsdepot gewesen wäre, hätte es weitere Explosionen durch die brennende Munition gegeben. Dem widerspricht ja gerade das Video von den teilweise noch intakten Inneneinrichtungen. So sieht es übrigens aus, wenn wirklich ein Munitionsdepot getroffen wird – auf der russischen Seite:

Vieles ist unklar, außer: Pro-Kreml-Accounts lügen ohne Belege vor sich hin, wie immer

In Folge eines russischen Raketenangriffs wurde ein Einkaufszentrum in Krementschuk getroffen und ist dann abgebrannt. Ein Einkaufszentrum, in welchem Zivilist:innen einkaufen waren. Ein Angriff, den offizielle russische Quellen inzwischen plötzlich zugeben, nachdem sie zuvor darüber wie immer gelogen haben. Das Einkaufszentrum war offen. Weitere Details sind noch unklar, die Angaben zu Opfern müssen noch unabhängig verifiziert werden. Ein Angriff auf zivile Ziele wäre aber durchaus ein weiteres Kriegsverbrechen von russischer Seite.

Butscha: Leichen wurden direkt nach der Befreiung gefunden – Faktencheck

Klar ist auch, dass Putins Auftragslügner und notorische Desinformationsaccounts wie „Neues aus Russland“ einfach nur jede Lüge und jeden Fake teilen, um Zweifel zu streuen und den Angriff und die Opfer zu leugnen, selbst wenn es der (sich ständig wandelnden) offiziellen russischen Position widerspricht. Diese Accounts sind dazu da, Putins Kriegsverbrechen und Morde zu rechtfertigen und zu relativieren. Dazu wird Zweifel und Ausreden und Lügen gestreut. Man sollte ihnen kein einziges Wort glauben, sie wissen offensichtlich selbst nicht, wovon sie sprechen. Und es ist nicht das erste mal.

Wir haben schon viele Lügen und Widersprüche der Propagandistin aufgedeckt:

Alina Lipp: Der größte deutsche Pro-Putin-Propaganda-Kanal auf Telegram

Artikelbild: Efrem Lukatsky/AP/dpa

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