AfD nicht rechtsextrem genug: Will Attila Hildmann eine Partei gründen?

| Der Aufklärer | 7. Juli 2020

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Verschwörungslügner Hildmann will rechtsextreme Partei gründen?

Mal äußert sich Attila Hildmann ziemlich rechtsextrem, mal distanziert er sich von Nazis. Will er nun eine rechtsextreme Partei gründen? Wer soll der Partei eines solchen Opportunisten folgen, der mal das eine und mal das andere sagt? Aber der Reihe nach.

Will Hildmann eine rechtsextreme Partei gründen?

Mehrere Postings von Attila Hildmann deuten darauf hin, dass er vor hat, eine Partei zu gründen. Hier die Posts, die Attila Hildmann am 1. Juli in seine Telegram Gruppe gestellt hat. Darin wird per Umfrage gesagt, dass Attila Hildmann rechter als die AfD sein soll.

Screenshots Telegram Gruppe Attila Hildmann

Bei einer Umfrage, welche Partei man wählen soll, gab er die Option „Attila Hildmann Partei“ selbst vor. Hildmann selbst scheint sich rechts von der AfD positionieren zu wollen, die ihm nicht „deutsch-national“ genug sei. Also noch rechtsextremer als die AfD? Die AfD, die in großen Teilen bereits als rechtsextrem vom Verfassungsschutz beobachtet wird?

Wenn du die #AfD für zu wenig "Deutsch-National" empfindest, dann bist du kurz vor der NSDAP Neugründung!https://twitter.com/KleineMaulwurf/status/1278442293914144768

Gepostet von Gegen die Alternative für Deutschland am Mittwoch, 1. Juli 2020

Auch im Mai zeigte Hildmann in seinem Telegram Kanal bereits, dass er Ambitionen hat, in die Politik gehen zu wollen. Er behauptete, ins Kanzleramt zu wollen:

Screenshots Telegram Gruppe Attila Hildmann

Wir berichteten bereits darüber, dass Attila Hildmann inzwischen für seine rechtsextremen Beiträge vom Staatsschutz geprüft wird:

Jetzt prüft der Staatsschutz: Wie rechtsextrem ist Attila Hildmann?

Woher kommt der Rechtsextremismus?

Offensichtlich versucht Hildmann sich mit seiner Kommunikation auf Telegramm der rechtsextremen Szene anzunähern und so neue Anhänger*innen zu rekrutieren. Vor ein paar Wochen noch wollte er laut eigener Aussage aber noch nichts mit Nazis zu tun haben. Von einer seiner ersten Demos vor dem Bundestag gibt es ein Video, in welchem Hildmann sagt, sein Onkel wäre in der Wehrmacht gewesen. Ein geschnittenes Video dieser Aussage kursierte und ließ ihn in einem rechten Licht erscheinen.

Den Videoausschnitt teilten wir seinerzeit in einem Artikel. Hildmann schickte uns daraufhin dazu eine Nachricht auf Instagram. Darin bat er uns, das Video herauszunehmen. Und er sagte uns wörtlich: „… und bin definitiv gegen Faschismus.“ Weil wir damals ebenfalls der Meinung waren, dass das Video unfair geschnitten gewesen ist, entfernten wir das Video aus Fairness-Gründen aus dem Artikel.

Es folgten weitere Distanzierungen  von Hildmann:

  1. „Ich distanziere mich von Faschismus und rechter Gesinnung“ (8. Mai)
  2.  „Möchte nochmal deutlich machen, dass ich mich von Leuten wie Xavier und rechter Propaganda ABSOLUT UND DEUTLICH distanziere!“ [sic] (30. April)
  3.  „Ich distanziere mich von volksverhetzenden Inhalten, aber nehme mir das Recht heraus Zusammenhänge aufzuzeigen!“ [sic] (6. Mai)
  4. „Ich distanziere mich von allen rechten Gruppen oder Demagogen und stehe für GEWALTFREIEN Widerstand mit DEMOKRATISCHEN MITTELN.“ [sic] (2. Mai)

Nochmal zum mitschreiben: Hildmann distanzierte sich bis vor kurzem gegen Rechts. Nun ist ihm die AfD plötzlich nicht „deutsch-national“ genug und er posiert vor der Reichsflagge, teilt antisemitische Märchen und versucht bei Nazis um Anerkennung zu buhlen. Wie passt das zusammen?

Lösung: Umsatz

Durch seine verschwörungsmideologischen Beiträge und volksverhetzenden Aussagen wandten sich nicht nur viele Fans ab, sondern auch viele Händler und Unternehmen. Für seine Verschwörungslügen erhielt Hildmann nur noch Applaus aus der „alternativen“ Szene – und von Nazis. Von allen vernünftigen Menschen wurde er heftig kritisiert und verlassen. Ab einem „point of no return“ machte es für ihn ideologisch den größten Sinn, tiefer in die faktenfreie Filterblase der „alternativen Medien“ einzutauchen. Dass darin früher oder später eine rechtsextreme Gehirnwäsche erfolgt haben wir bereits im April hier beschrieben:

Corona-Querfront: Einige deiner Freunde könnten demnächst Nazis werden

Ein weiterer, wichtiger Faktor: Er muss den Umsatz seiner Firma wieder ankurbeln, weswegen er sich als rechter Widerstandkämpfer inszeniert, um Produkte zu verkaufen. Wegen seiner teils antisemitischen Verschwörungserzählungen ist er bei fast allen Läden ausgelistet worden, wir haben hier berichtet. Sein Geschäft befindet sich also unter Druck:

 

Tegut beendet jetzt auch Zusammenarbeit mit Hildmann – Fehlt nur noch Amazon

Einfach von seinem Geschäftsmodell musste er sich an Rechtsextreme anpassen, die seine letzte Möglichkeit für Profit darstellen. Da sie die letzten sind, die ihn noch unterstützen und dessen Verschwörungsmärchen gutheißen.

Fazit: Hildmann ist rechtsextrem geworden für den Umsatz

Letzten Endes hat er seine Ideologie und sein Postingverhalten an die rechtsextreme Filterblase angepasst, der er jetzt fest angehört. Dazu wirft er auch Distanzierungen gegen Faschismus und Rechts über Bord, die er noch vor zwei Monaten geäußert hatte. Für Profit und Aufmerksamkeit scheint Hildmann mit seiner Ideologie sehr flexibel zu sein. Was man dann von einer „Hildmann Partei“ erwarten könnte, darf jede*r selbst entscheiden.

Die Regierung und die Medien manipulieren euch? Nein. Es sind Verschwörungsideologen wie Hildmann, die euch manipulieren, damit ihr sein Geschäft am Leben hält.

Mehr zum Thema: 

Teile diese Anleitung, um zu verbreiten, wie man Aluhüte wie Hildmann & Co anzeigt

Artikelbild: Screenshots telegram

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