AfD-„Kamerad“? Beschuldigter der Mordpläne gegen Kretschmer ist AfD-Aktivist

| Bericht | 16. Dezember 2021

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Mordpläne gegen Kretschmer: Verbindungen zur AfD

Nach einem Enthüllungsberichts von ZDFFrontal kam heraus: Eine Dresdner „Querdenker“-Zelle hat einen Anschlag auf den sächsischen Ministerpräsidenten Kretschmer geplant. Jetzt wurden Razzien bei sechs Tatverdächtigen durchgeführt. Die Polizei findet bei den Wohnungsdurchsuchungen Waffen und Waffenteile. Und die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts auf „staatsgefährdende Gewalttat“ (Quelle). Mehrere der Tatverdächtigen kommen aus dem rechtsextremen Milieu: Und sind aus dem Pegida-Umfeld bekannt oder standen auch schon vor Gericht (Quelle). Einer wurde auf Demos der rechtsextremen Splitterpartei „Freie Sachsen“ unter dem Chemnitzer Neonazi Martin Kohlmann gesehen. Ein anderer, Jürgen S., ist bekannter Pegida-Aktivist – und eng vernetzt mit der AfD und für die rechtsextreme Partei aktiv.

Mordpläne gegen Kretschmer

Unter dem Decknamen „Hans“ infiltriert das Recherche-Team von ZDF die Telegram-Gruppe „Dresden Offline Vernetzung“ und liest über Wochen Chats mit und hat Zugang zu Sprachnachrichten. Die über 100 Mitglieder der Gruppe radikalisieren sich fortlaufend, der Anführer der Gruppe „Daniel“ gibt an, sich bereits Waffen besorgt zu haben, andere steigen darauf hin, dass sie das ebenfalls tun werden. Bei einem Treffen im Wald mit dem harten Kern der Gruppe soll dann besprochen worden sein, einen Anschlag auf den sächsischen Ministerpräsidenten Kretschmer durchzuführen. Am Tag nach dem Treffen im Wald fallen im Gruppenchat Sätze wie:

„…den Ministerpräsidenten absägen. Muss man sich dann halt entscheiden, ob man bereit ist für ein solches Opfer.“

Ein anderer darauf:

„Man müsste eigentlich bei dem Typen einmarschieren, den Typen da rausziehen, irgendwo aufhängen, dann den nächsten und so weiter.“

Das Rechercheteam vom ZDF führt ein Rechercheprotokoll während ihrer Zeit in der Telegram-Gruppe. Es sind krasse Gewaltfantasien. Bei den Ermittlungen und Razzien wird mehr über die Mitglieder der Grupp bekannt und Presseberichte zeigen: Nicht nur ist die Gruppe aus dem „Querdenken“-Umfeld, sondern teilweise ebenso in der Neonazi-Szene – mitsamt Verbindungen zur AfD.

Ein Beschuldigter ist „Kamerad“ von AfD-Abgeordneten

Einer der Beschuldigten, Jürgen S., ist wie andere auch aus dem rechtsextremen Pegida-Umfeld bekannt.

Wie Recherchen von Volksverpetzer und anderen Aktivist:innen und Journalist:innen zeigen, ist Jürgen S. regelmäßig bei der AfD Dresden aktiv und nimmt regelmäßig an politischen Aktionen teil. Auf diesen Foto sind gleich zwei der Verdächtigen der Gruppe gemeinsam mit einem AfD-Stadtrat zu sehen.

Auf diesem von der AfD geposteten Video sieht man auch Jürgen S.

Auch der Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Harlaß ist auf Fotos mit Jürgen S. abgebildet, den er als „Patriot“ und „Kameraden“ bezeichnen soll.

Schon wieder gibt es direkte Verbindungen zu Mord(plänen), diesmal gegen Ministerpräsident Kretschmer und der selbst rechtsextremen AfD, sowie der rechtsextremen Szene. Extrem ausführlich haben wir das hier dokumentiert, auch mit den Verbindungen in die Neonazi-Szene selbst:

Die AfD will nicht, dass ihr diese Fakten über ihre Netzwerke & Geldgeber teilt

 

Lübcke, Idar-Oberstein, Königs-Wusterhausen: Überall AfD

Es ist kein Einzelfall. Der Mörder des Tankstellenangestellten aus Idar-Oberstein war laut seines Twitter-Profils Anhänger der AfD (Quelle). Der Impfgegner aus Koenigs Wusterhausen, der vergangene Woche seine Frau und drei Kinder im Wahn umgebracht hat, sei Förderer der AfD (Quelle).

Weil er Fake News glaubte? Vater soll sich & Familie getötet haben – Königs Wusterhausen

Auch der Mörder des CDU-Politikers Walter Lübcke war Aktivist der AfD (Quelle).

Ein AfD-Aktivist ist also der mutmaßliche Lübcke-Mörder – Wo ist der Aufschrei?

 

Auch die anderen, rechtsextremen Terroranschläge wie Hanau spiegeln die Narrative und den Hass der rechtsextremen Partei wieder. Auch daran trägt die AfD eine Mitschuld. Es handelt sich hier um eine neue Art von Kausalität: Den stochastischen Terrorismus (Quelle). Heißt: Diese Attentäter werden nicht mehr durch Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zum Terroristen, sondern Hetzreden und Hassprediger sind online Millionen Menschen zugänglich und sorgen dafür, dass regelmäßig dafür anfälligen Menschen die Sicherungen durchbrennen und sie als “Lone Wolfs” Terrorakte begehen.

Rechtsextrem & Rassistisch: Die zehn schlimmsten Zitate des Terroristen von Hanau

Doch es gibt mehr als genug Fälle, in denen nicht nur eine ideologische Verbindung, sondern auch eine persönliche besteht, wie jetzt in dem aktuellen Fall der Mordpläne gegen Ministerpräsident Kretschmer. Angeheizt durch die Lügen, Hetze und Verschwörungsnarrative der AfD ist es genau das neonazistische Umfeld der AfD, aus der heraus der rechtsextreme Terror unser Land heimsucht. Die AfD ist der parlamentarische Arm des Rechtsterrorismus. Und von der Querdenken-Szene inzwischen kaum mehr zu trennen. Sie teilen sich die Lügen, den Hass und die Radikalisierung.

Gewalt & Terror – So terrorisieren uns Querdenker – auch ohne ihre Infektionen

Terrorzelle AfD?

Die AfD sorgt nicht nur für Tod und Leid durch stochastischen Terrorismus. Immerhin zeigen interne AfD-Chats, sogar von angeblich „gemäßigten“ Landesverbänden der AfD, was für eine extremistische und terroristische Einstellungen in der Partei herrschen. Ein Chat der AfD Bayern spricht von „Bürgerkrieg“ oder: „Ohne Umsturz und Revolution erreichen wir hier keinen Kurswechsel mehr.“ (Quelle). Nein, die AfD schadet unser aller Sicherheit und Gesundheit nachweislich auch dadurch, dass sie sich die Panikmache über Impfungen zu eigen gemacht hat.

Ungeimpfter AfD-Politiker Walter stirbt an Covid – seine Kollegen hetzen weiter gegen Impfung

Inzwischen sollte es auch Ministerpräsidenten wie Kretschmer, jetzt wo er selbst Ziel des AfD-nahen Terrors werden sollte, klar werden, dass eine jahrelange Verharmlosung dieser Partei und des Rechtsterrorismus falsch war. Auch sollte den Behörden klar werden, dass endlich etwas gegen die extremistische Szene der Querdenker und Neonazis aus dem AfD-Umfeld unternommen werden muss – und nicht erst, wenn Journalist:innen diese Pläne aufdecken.

Artikelbild: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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