Politik dechiffriert Teil 3: Das Narrativ der “Klima-Sekte” widerlegt

| 13. Oktober 2019

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Nein, es gibt keine “Klima-Sekte”

Bündnis 90/Die Grünen, Fridays For Future, Greta Thunberg – sie alle setzen sich für mehr Klimaschutz ein. Dafür schlägt ihnen aus Politik und Gesellschaft oft Anerkennung entgegen. Aber leider (von einer schreienden Minderheit) auch Hass, Häme und Hetze. Neben eher plumpen Anfeindungen gegen Einzelne oder FakeNews über Greta Thunberg gibt es aber auch einen ganz allgemeinen, weit verbreiteten Kampfbegriff: Die „Klima-Sekte“.

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Der Begriff ist sehr praktisch, da man sich nicht mit Details oder gar Fakten auseinandersetzen muss. Jeder, der irgendwelche Veränderungen fordert, welche einem selbst aus Ignoranz, Selbstgefälligkeit oder einfach Faulheit nicht passen, kann in diesen Topf gesteckt werden.

Horst Seehofer setzt sich in seinen letzten Jahren als aktiver Politiker auf einmal für Umwelt- und Klimaschutz ein? Anhänger der „Klima-Sekte“! Das Klimakabinett beschließt ein (völlig unzureichendes) Paket zum Klimaschutz? Da sind sie wohl von der „Klima-Sekte“ infiltriert. Greta Thunberg, Renate Künast, Luisa Neubauer, Robert Habeck, Claudia Roth – alle Mitglieder der „Klima-Sekte“.

Doch was genau steckt eigentlich hinter dem Begriff?



„Klima-Sekte“ als Religion

Dieser Zusammenhang ist offensichtlich. Mit der Bezeichnung „Klima-Sekte“ werden alle Demonstranten, Politiker und allgemein alle Menschen, die sich für mehr Klimaschutz einsetzen als Anhänger einer Religion stigmatisiert.

Das Problem dabei liegt auf der Hand: Eine „Religion“ kann man sich aussuchen. Damit kann man sich also, aus Sicht der Nutzer dieses Begriffs, aussuchen, ob man Klimaschutz will oder nicht. Und das Ganze kann als „Meinung“ verkauft werden, die man nicht teilen muss. „Du bist der Meinung, wir brauchen mehr Klimaschutz? Okay, aber da bin ich anderer Meinung“. So in etwa. Wissenschaftliche Fakten als politische „Meinung“ darzustellen kann aber nicht gut ausgehen. Das ist in etwa so, als würde man Trinkwasserkontrollen abschaffen, nur weil jemand der „Meinung“ ist, Schadstoffe wie Quecksilber wären eigentlich gar keine Schadstoffe.

Ein weiteres Problem ist die Immunität, die man sich damit holt. Da in Deutschland Religionsfreiheit herrscht, darf niemand für seine Religion diskriminiert werden. Gleichzeitig dürfen dann aber auch „Nicht-Anhänger der Klima-Sekte“ für ihre Haltung bestraft werden. Indem sie also Klimaschutz als persönliche Einstellungs- und Glaubensfrage darstellen, drängen sie indirekt die Debatte auch aus der Politik heraus. Es würde ja schließlich auch niemand im Bundestag über die „anderen Religionen“ diskutieren – warum also über die „Klima-Sekte“?

Doch das war noch nicht alles. Denn wenn man nur diesen Effekt erreichen wöllte, könnte man auch vom „Klima-Glauben“ oder der „Klimareligion“ sprechen. Warum also eine „Klima-Sekte“?

„Klima-Sekte“ als Kampfbegriff

Abgesehen davon, dass „Sekte“ im Gegensatz zu „Glaube“ und „Religion“ negativ konnotiert ist, geht es hier vor allem um die konkrete Implikation des Begriffs „Sekte“.

Eine Sekte ist nämlich in der öffentlichen Wahrnehmung eine Gruppe verblendeter Menschen, die in „unserem“ Leben keinen Halt finden und sich deswegen an die Sekte klammern. Dabei nehmen sie nicht wahr, wie sie manipuliert werden und würden alles tun, nur um diesen Glauben nicht aufgeben zu müssen. Gleichzeitig stehen an der Spitze einer Sekte wenige Führer (manchmal sogar nur eine Einzelperson), die die Naivität und Verzweiflung der Menschen missbrauchen. Sei es aus ideologischer Überzeugung oder für den finanziellen Vorteil.

Genau dieses Narrativ soll mit der Verwendung von „Klima-Sekte“ auf die Klimabewegung übertragen werden. Fridays For Future und andere Umwelt- und Klimademonstranten sind die naiven und verzweifelten Menschen. Das sind die, die auf eine herablassend-hämische Art „bedauert“ werden. Dazu gehört übrigens oft auch Greta Thunberg. Viele Rechte heucheln „Mitleid“ vor, da sie angeblich von Eliten missbraucht würde. Ihr Asperger-Syndrom wird dabei als „Schwäche“ ausgelegt, die sie so ausnutzbar machen.

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Es wird also so dargestellt, als würde jeder Klimademonstrant dies aus Naivität und Unwissenheit tun. „Sie können ja nichts dafür, dass sie manipuliert werden“ – so oder so ähnlich hört man es ja manchmal. Schöner Nebeneffekt dieser Darstellung: Man fühlt sich selbst moralisch und geistig überlegen. Darum auch der Hang zur Selbstgefälligkeit bei Rechten in puncto Klimadebatte.

Die Rolle der „Führer“ dieser Sekte nehmen hingegen oftmals ominöse Mächte im Hintergrund ein. Gretas Eltern spielen oft eine Rolle, dazu irgendwelche Lobbyverbände der Regierungen und der Industrie. Je nach Weltbild können aber auch „Die Juden“ dahinter stecken. So wird gern eine angeblich Verbindung zwischen Greta Thunberg und George Soros gezogen. Wir haben sie in diesem Artikel widerlegt:

Antisemitischer Fake: KEIN Foto von Greta Thunberg mit George Soros!

Fazit

„Klima-Sekte“ ist ein hasserfüllter Kampfbegriff, der gerne von rechten Verschwörern genutzt wird. Damit versuchen sie eine moralische und geistige Überlegenheit zu erzeugen. Und gleichzeitig Panik vor einer „Sekte in den Parlamenten“ zu machen. Bei dieser Darstellung entstehen automatisch Assoziationen zu fast schon faschistisch anmutenden Hierarchien, von einem eingeimpften Weltbild.

Es ist ein relativ plumper Weg, die Klimabewegung zu diskreditieren. Und dennoch ist er erfolgreich. Denn er erlaubt all den Ewiggestrigen, Internethelden und „Kritikern“, sich in ihrer eigenen Bubble aufzuhalten, an Selbstgerechtigkeit zu ergötzen und auch noch all ihren Frust an der „lächerlichen“ Klimabewegung herauszulassen. Alle „Klimaskeptiker“ machen sich damit kritikimmun. Denn jede Kritik an ihnen komme ja aus der „Klima-Sekte“. Und ist deswegen angeblich sowieso ideologisch beeinflusst. Eine Opfer-Täter-Umkehr im großen Stil.

Doch in Wahrheit sind sie es, die alle Symptome einer Sekte zeigen: Sie leugnen die Realität, arbeiten sich an immer den gleichen Dogmen ab und wiederholen die Lügen einer kleinen Gruppe an gut bezahlten Lobbyisten, die systematisch versuchen, den absoluten wissenschaftlichen Konsens von über 99% über den menschengemachten Klimawandel zu leugnen. Damit ihr euch nicht in sinnlosen Diskussionen über „Klimawandel Ja/Nein“ aufreiben müsst, haben wir außerdem schon  einige Faktenchecks zu diesem Thema geschrieben, siehe hier:

Faktencheck: Keine 500 Wissenschaftler haben den Klimanotstand widerlegt

Artikelbild: ESB Professional, shutterstock.com

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