Der Schaden ist angerichtet: Querdenken ist jetzt in der Mitte der Gesellschaft

| Schwer verpetzt | 25. April 2021

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„Ich bin ja kein Querdenker, aber …“

Es wurde viel diskutiert und gestritten die letzten Tage nach der Katastrophe, die die Aktion #AllesDichtMachen war. Allein darüber, ob sie eine „Katastrophe“ war. Nach zwei Artikeln dazu wurden wir auch extrem beschimpft, beleidigt und bedroht, was inzwischen leider auch Alltag ist. Warum die Kampagne problematisch war, fasse ich (nicht so kurz) zusammen, Tweets sind dafür herrlich ungeeignet, ich sehe es ja selbst ein. Aber ein zentraler Kritikpunkt von allen Seiten ist stets, dass nicht „differenziert“ werde.

Ein eigentlich müßiger Vorwurf, denn die Natur von Social Media und die immer weiter sinkenden Aufmerksamkeitsspannen (von uns allen) lassen das einfach nicht zu. Kaum jemand, der uns beleidigt und beschimpft hat, hat unsere Artikel gelesen. Sonst hätte ich nicht dutzendfach Vorwürfe von Dingen gesehen, die ich nie gesagt habe. Aber das ist schon bisschen das Kernproblem, aber gleich mehr dazu. Sorry, aber das wird jetzt etwas länger dauern, denn wir nehmen uns heute zu selten die Zeit, mal in Ruhe ins Detail zu gehen.

In meinem Artikel von Freitag habe ich versucht, knapp das zentrale Argument zusammenzufassen, das letztlich in der Diskussion irgendwie gar keine Rolle mehr spielte. Aber hier noch mal: Die in großen Teilen völlig ahnungslosen und naiven Schauspieler:innen gaben zu, dass sie nicht begriffen haben, was sie da eigentlich tun. Oder für wen. Viele löschten ihre Videos, distanzierten sich, entschuldigten sich. Richy Müller sagte zum Beispiel: „Ich war blauäugig“ (Quelle, Quelle). Denn sie haben gesehen, wie die „Satire“ wirkt: In meinem letzten Artikel habe ich bereits versucht zu erklären und zu belegen, wie die Kampagne von Rechtsextremist:innen, Querdenker:innen und anderen gefeiert und bejubelt wird. Hier:

Völliger Reinfall: Warum #allesdichtmachen so von Nazis & Querdenkern gefeiert wird

„Applaus von den falschen Leuten“ ist kein Gegenargument, richtig. Aber das ist nicht mein Argument

Mein Argument hat zwar an dieser Stelle nicht aufgehört, aber für den allgemeinen Diskurs hätte es genau so gut sein können. Zigfach habe ich mir von Leuten anhören müssen, dass Dinge nicht falsch werden, nur wenn sie von den falschen Leuten applaudiert werden. Ja, das habe ich mehrfach selbst geschrieben, aber Artikel lesen ist nicht mehr chic, man argumentiert heute nur noch gegen Strohmänner, ist einfacher. Das Problem, wie ich es im Artikel oben ausführlich erklärt habe, ist, dass Satire, die auf falschen Tatsachen beruht, nicht zu unterscheiden ist von Hetze von Extremist:innen. Ich fasse es noch mal kurz zusammen:

Satire ist eine Stilform, die ganz verkürzt gesagt durch Übertreibung Kritik üben will. Das heißt zwei Dinge: Dass die dahinterstehende Kritik ernst gemeint ist UND man zwar nicht das Endprodukt für echt hält (weil absichtlich übertrieben), dafür aber die Grundhaltung dahinter. Durch die Überspitzung sollen innere Widersprüche deutlich werden. Genau darum funktioniert Satire eigentlich nur bei Mächtigen, denn sie deckt automatisch Machtstrukturen auf und deren Dynamiken, und fungiert als Gesellschaftskritik durch Dekonstruktion. Zur Abwechslung zu vielen anderen Dingen, die wir auf diesem Blog überprüfen, muss ich mich da nicht auf eine:n bestimmte:n Expert:in beziehen, da habe ich selbst wissenschaftlich geschrieben.

Nun, was bedeutet das für #Allesdichtmachen? Erneut nur zusammengefasst heißt das, dass Liefers und die anderen zwar nicht ernst meinen, dass wir in einer „Meinungsdiktatur“ leben, in der eine „Lügenpresse“ „gleichgeschaltet“ ist, es aber für eine fundamental richtige Kritik halten, dass die Presse nicht unabhängig (genug) sei, einseitig berichte, zu wenig Kritik zugelassen werde. Liefers zum Beispiel hat bei seinen halbherzigen Distanzierungen von rechts und Querdenken darauf gepocht, dass er ja doch irgendwie Recht habe. Und lieferte gleich einen DDR-Vergleich hinterher (Quelle), um zu untermauern, wie schwach die Distanzierung ist.

Satire mit falschen Argumenten ist ununterscheidbar von Propaganda

Ich sagte bereits mehrfach in Tweets und in meinem Artikel, dass das Problem nicht ist, dass Liefers & Co. Querdenker:innen oder Rechtsradikale seien. Das Problem ist, dass sie es NICHT sind. Und trotzdem im Grunde die gleichen Dinge sagen. Denn wie ich in vorangegangenen Texten z. B. zu Dieter Nuhr analysiert habe, haben die Methoden von Satire, angewendet auf falsche und undifferenzierte Annahmen, den Effekt, genau zu klingen wie Fake News und Propaganda von Rechtsextremist:innen und Querdenker:innen. Denn was solche Extremist:innen zu Extremist:innen macht, ist die Kombination von falschen Grundannahmen bzw. Problemanalysen mit überzogener Übertreibung.

Was wir als Anti-Fake-News-Blog ja tagtäglich dekonstruieren, sind zweierlei Dinge: Falsche Tatsachenbehauptungen UND falsche Narrative. Fake News funktionieren immer in dieser Kombination, das haben wir in vielen Faktenchecks erklärt. Es ist genau so Fake News, wenn jemand behauptet, ein zweijähriges Kind sei an einer Impfung gestorben, was erfunden ist (mehr dazu), wie das dahinterstehende Narrativ, dass Impfungen zu vielen Toten führen würden. Ersteres ist einfach eine falsche Tatsachenbehauptung, zweiteres ist schlussendlich subjektiv, erzeugt aber einen falschen Eindruck. Was ich meine, ist Berichterstattung über dutzende Fälle, in denen Menschen zeitlich zufällig nach einer Impfung verstorben sind zum Beispiel. Das ist richtig, aber heißt nicht, dass Impfungen Schuld daran sind. Das war nämlich meistens nicht der Fall.

Denn man kann sehr gut Leute täuschen, ohne eine einzige falsche Tatsachenbehauptung aufzustellen. Das sind falsche Narrative, die man nicht unterschätzen darf, im Gegenteil, die sind es, die Rechtsextremismus stark machen. Und an die können auch „normale” Leute glauben. Und hier kommen wir zurück zu #AllesDichtMachen und zum Beispiel zu Liefers. Natürlich meint er die „Satire” nicht ernst, das wirft ihm auch kaum jemand vor. Aber er meint die dahinterstehende Kritik ernst. Und deswegen kriegt er Applaus von rechts und quer. Deswegen ist die Kritik daran richtig. Und erlaubt.

Wo ist denn die Diktatur? Die „gleichgeschaltete“ Presse?

#AllesDichtMachen klang 1:1 wie die Desinformation der Querdenker:innen, weil sie mit den gleichen Methoden zum gleichen Schluss kam, wenn auch hier ironisch gemeint. Man nimmt falsche Annahmen – dass Kritik an Maßnahmen medial nicht stattfinden würde – und übertreibt sie hin zur „Diktatur“, „DDR“ und „Lügenpresse“. Das ist ein bekannter logischer Fehlschluss: Das Dammbruchargument. Man übertreibt das Gegenargument und behauptet, das sei die logische Konsequenz davon. Die Querdenker:innen haben auch mal nur mit Übertreibung als Stilmittel/Fehlschluss-Argument angefangen, aber abgeschottet in ihren Echokammern haben sie irgendwann angefangen, das teilweise echt zu glauben. So funktioniert eben Radikalisierung. Deswegen ist Übertreibung (auch für einen vermeintlich guten Zweck) problematisch.

Und die eigentliche Grunddebatte müsste heißen: Gibt es wirklich keine Kritik an den Maßnahmen in den Medien? Theoretisch müsste man das diskutieren. Aber das ist doch schon der größte Blödsinn. Die Berichterstattung in den „Mainstreammedien“ zum Beispiel zur Bundesnotbremse – und der Kontext ist ja für #AllesDichtMachen relevant – reichte doch offensichtlich von „verfassungswidrig“ bis hin zu „geht nicht weit genug“. Was wollt ihr denn mehr?

Oder Kritik an den Maßnahmen – ein weiterer zentraler Aspekt der eigentlichen Diskussion

Werden die nicht gefühlt von allen Seiten kritisiert? Manche fordern Lockerungen, manchen gehen sie nicht weit genug, für manche sind sie handwerklich schlecht gemacht, manchen nicht konsequent genug. Auch wir bei Volksverpetzer kritisieren Maßnahmen regelmäßig. Sofern man nicht fundamental in Frage stellt, dass Maßnahmen wirken und nötig sind – wozu man buchstäblich Lügen glauben muss und ein:e Querdenker:in sein, aber seien wir ehrlich: auch dann noch – findet man seine Meinung in einer demokratischen Partei und einem „Mainstreammedien“ vertreten.

Also wo liegt das Problem? Dass man mit seiner Meinung nicht den Diskurs bestimmt? Dass man nicht die Mehrheit ist? Buhu. Wenn man die Animositäten ganz genau zurückverfolgt, landet man letztlich immer nur bei: gekränktes Bauchgefühl. Entweder derjenige hat halt subjektiv für seinen Geschmack zu wenig Repräsentation seiner Einstellung gesehen, ärgert sich, weil nicht alle seiner Meinung sind oder sitzt irgendwelchen Falschinformationen auf oder ist schlicht uninformiert. Das ist alles. Damit wird wohlstandsverwahrlostes „Diktatur“-Gerufe letztlich gerechtfertigt.

Diskursverschiebung – Tonfallkritik als Ablenkung

Aber so tief kommen wir gar nicht mehr in die Diskussion, von keiner Seite. Dafür hat keiner Zeit. Dafür reichen 280 Zeichen nicht aus. Und dafür sind wir nach über einem Jahr Pandemie wohl auch zu entnervt. Tauchen wir mal wieder etwas auf. Die Vorstellung, dass „die Medien“ zu undifferenziert seien oder dass keine Debatten stattfinden würden, ist einfach fundamental Blödsinn. Hier kommen die falschen Narrative ins Spiel. Den Schaden, den #AllesDichtMachen angerichtet hat, ist weniger, dass sie mit ihren dämlichen Übertreibungen genau so klangen wie Querdenker:innen, auch wenn sie das taten. Sondern dass man jetzt so tut, als ob die Debatte darüber stattfindet, ob sie die dahinterstehenden Narrative hätten sagen dürfen.

Und ich verstehe vollkommen, dass bei diesen vielen Diskursebenen keiner mehr durchblickt. Und sie keiner mehr ansprechen kann, weil Differenzierung tot ist im Anschreiwettbewerb Internet. Aber nach der Kritik an #AllesDichtMachen, die selten ruhig und differenziert war – sein konnte – hat sich der Diskurs verschoben. Ich habe mit meinem ersten Artikel dazu versucht, das alles darzulegen. Dass diese Prominenten jetzt Narrative von Querdenker:innen und Rechtsextremist:innen sagbar gemacht haben. Dass viele Leute jetzt sagen: „Ich bin ja kein Querdenker, aber …“.

Mir hat man hundertfach vorgeworfen, mit meiner Kritik an der Aktion habe ich nur die „Nazi-Keule“ geschwungen, habe nicht differenziert, würde ich anderen die Meinung verbieten wollen. Und das alles sind Schein-Diskussionen. Das sind Reflexe, die bequem davon ablenken können, dass man sich nicht inhaltlich mit der Sache auseinandersetzen muss. Und ich gebe durchaus zu, dass „meine“ Seite der Debatte auch keine Glanzleistungen geliefert hat. Diskurs ist tot, wie ich sagte. Da haben einige durchaus die „Nazi-Keule“ geschwungen oder Boykottaufrufe etc. gemacht. Die ich persönlich für falsch halte, die aber eben auch kein Beleg dafür ist, dass wir in einer „Meinungsdiktatur“ leben.

Kritik an Kritik

Das Problem ist jetzt, dass sich die Diskussion kein bisschen darum dreht, ob die dahinterstehende Kritik an #AllesDichtMachen gerechtfertigt ist. Sondern ob es die Kritik daran ist. So viele Kommentare unter unseren Tweets und Artikeln lauteten sinngemäß „Ich finde die Aktion auch doof, aber das dürfen die ja doch sagen, es gibt ja Meinungsfreiheit“. Und das ist der vielleicht sinnloseste „Debattenbeitrag“. Denn er verschiebt die ganze Diskussion. Er relativiert jeden Schaden, den eine Aussage anrichten kann, und stellt Kritik fundamental in Frage. Ja, schön, Kerstin, ich weiß, dass die das sagen dürfen. Ich darf sie auch kritisieren, oder nicht? Sind wir jetzt schlauer als vorher?

Nein, im Gegenteil. Damit bedient man schon wieder rechte Narrative, und zwar genau die, wegen denen ich die Aktion kritisiert habe. Denn damit unterstellt man uns implizit, dass wir mit unserer Kritik irgendjemandem verbieten wollen, diese Dinge zu sagen. Und ich meine, ja ich kritisiere etwas, weil ich mir gewünscht hätte, der andere hätte es nicht (so) gesagt, ja. Aber ich will es ihm deswegen nicht verbieten. Wenn man das jetzt genau so weiterdenkt, würde diese Einstellung ein KRITIKVERBOT fordern. Aber dann beschuldigen wir uns alle nur gegenseitig, uns unsere Meinung verbieten zu wollen. Toll.

Es ist aber gleichzeitig genau das Narrativ der rechten Selbstinszenierung in ihrer Opferhaltung. Es ist eine gut analysierte Methode von extremen Rechten, von ihren diskriminierenden und falschen Positionen abzulenken, in dem sie als Ablenkung darauf pochen, dass sie sie haben dürfen, und gleichzeitig ihren Kritiker:innen unterstellen, dass diese die „wahren Faschist:innen“ seien, weil sie ihre Grundrechte angreifen. Dabei ist das eine Scheindebatte, eine Ablenkung. Eine Inszenierung, die davon ablenken soll, ob man so eine Position vertreten sollte, nicht ob man darf. Und viele Leute kopieren das instinktiv.

Querdenken in die Mitte der Gesellschaft

Viele Leute, die, wie ich vermute, in gewisser Weise mit der Grundaussage der Querdenker:innen („Maßnahmen doof“) sympathisieren, verteidigen #AllesDichtMachen jetzt auf dieser Basis, weil es bequemer ist, als sich mit dem eigentlichen Kern der Debatte auseinanderzusetzen. Damit, ob Medien wirklich einseitig berichten, ob Maßnahmen wirklich sinnvoll sind, oder welche. Damit man sich nicht mit eigenen gefestigten Überzeugungen auseinandersetzen muss. Und es gibt genug Leute und Argumente von „unserer“ Seite, die es sehr leicht machen, auf andere zu zeigen und ironischerweise diese Überzeugungen zu vertiefen.

Man verteidigt die „Satire“, weil man irgendwo auch das Gefühl hat, man dürfe nicht sagen, dass man Maßnahmen für unsinnig hält. Dass die Kampagne kritisiert wird, sieht man als Beleg dafür, dass man so etwas nicht mehr sagen dürfe … ohne dafür kritisiert zu werden. Dass man dann selbst kritisiert wird, auch. Und letztlich sieht man die Grundannahme bestätigt. Und letztlich ist damit „quer denken“ einfach in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Kritiker:innen machen es oft auch zu leicht: Da pöbelt man emotional, wirft wirklich mit „Nazi-Keulen“ um sich, weil man es leid ist, ständig die gleichen dummen Ausreden zu hören. Da fordert man Boykott und Jobverlust, eben weil man hofft, dass diese Leute nicht damit durchkommen, solches Gedankengut normal zu machen. Und spielt genau den Bösen, den die Gegenseite sehen will.

Und es hilft auch nicht, wenn man nichts dergleichen macht; man wird in einen Topf geworfen, weil die „Seiten“ und „ihre Argumente“ feststehen. Wir als Volksverpetzer sind auch unwiederbringlich gebrandmarkt, egal wie differenziert wir versuchen, die Lage zu analysieren. Was wir auch manchmal nicht tun, in 280 Zeichen ist man nicht differenziert. Und wer wird jetzt schon diesen Text hier lesen, der nicht schon ohnehin meiner Meinung ist? Wer wütend wird, sobald er unseren Namen liest, der pöbelt uns einmal an unter dem Artikel, und zieht weiter. Am Ende bleibt aber stehen: In Nebenschauplätzen und Scheindiskussionen beleidigt man sich gegenseitig, während alle sich nur weiter in ihrer Weltanschauung bestätigt sehen.

Quo vadis Deutschland?

Ich hatte vor dem #AllesDichtMachen-Debakel einen Beitrag schreiben wollen, in dem ich mich beklagen wollte, dass ich das Gefühl habe, die deutsche Regierung habe die Eindämmung des Virus völlig aufgegeben. Dass man nur versucht, mit immer noch drakonischeren Einschränkungen des Privatlebens und Impfungen knapp unter der Überbelastung der Intensivbetten bis zum Ende der Pandemie durchzuhalten, nur um ja nicht die Betriebe zu machen zu müssen. Dass man lieber Pflegekräfte verheizt, anstatt #NoCovid für paar Wochen durchzusetzen, weil die großen Lobbys das nicht möchten.

Aber das funktioniert, eben weil „die Medien“ nicht gleichgeschaltet sind. Weil die Leute verständlicherweise müde und genervt sind. Und wenn man keine Maßnahmen mehr möchte, dann kann man sich einfach einreden, dass die eh sinnlos sind. Super, so einfach ging das! Dann liest man eben die Medien, die einem das buchstäblich verkaufen. Und dann ist Kritik daran doch nur die „linke Cancel Culture“, wie angenehm. Und irgendwo gibt es dann ja doch eine Diktatur. Vielleicht marschiere ich mal mit den Querdenker:innen mit, die haben ja irgendwo doch Recht. Und die paar Reichsflaggen heißen ja noch gar nichts. Oh, jetzt werde ich zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt. Blöde Meinungsdiktatur …

Im Kern eine Gefahr für die Demokratie

Das Problem ist nicht, dass die Aktion #AllesDichtMachen von Querdenker:innen und Rechtsextremist:innen Applaus bekommt. Sie bekommt Applaus, weil sie ein Problem ist. Dass man diese Meinungen äußern darf, heißt nicht, dass man sie äußern sollte. Dass sie (vielleicht undifferenziert) kritisiert wird, heißt nicht, dass sie Recht haben. Es ist gut, dass sich viele distanzieren und angeblich nicht gewusst haben wollen, wer sie da vor den Karren spannte – einige der Initiatoren scheinen durchaus zu Recht das Label „Querdenker“ verdient zu haben (mehr dazu, mehr dazu).

Aber der Schaden ist angerichtet. Weniger die Aktion, aber die chaotische und undifferenzierte Debatte, die darauf folgte, hat „quer denken“ in die Mitte der Gesellschaft getragen. Hat die Narrative mit prominenten Gesichtern relativiert, validiert. Und weg geschoben von einer inhaltlichen Ebene, hin zu typisch rechtem Gejammer von „Meinungsfreiheit“. Darum übrigens die „Nazi-Keule“, auch wenn sie meistens zu plump angewendet wird. Denn mit der Aktion haben Pseudowissenschaft und rechte Verschwörungsmythen mehr Platz bekommen. In der „Mitte“ der Gesellschaft. Wenn Meinung mehr wiegt als Fakten. Und das ist wirklich gefährlich für unsere Demokratie.

Zum Thema:

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Artikelbild: Screenshot

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