Profitframing: Wie mit diesem Bullshit-Argument von Rezos Inhalten abgelenkt wird

Kolumne Schwer verpetzt

image_print

Scheinargument zur Ablenkung

Ja, ich möchte noch einmal über Rezo reden. Sein Video wurde schon auf den Stand der Wissenschaft überprüft (Mehr dazu), die CDU hat zuerst unsachlich darauf reagiert (Mehr dazu), später dann zwar sachlicher, aber immer noch lückenhaft und nichtssagend (Mehr dazu) und die SPD erfrischend ehrlich und demütig (Mehr dazu). Und langsam könnte man meinen, alles sei gesagt. Aber immer noch werden verschiedene Narrative verbreitet, die den Zweck haben, Rezo zu diskreditieren.

Und ich habe eigentlich nicht wirklich Interesse daran, Rezo in Schutz zu nehmen. Sein Video hat durchaus Schwächen, überspitzt und verkürzt hier und da einige Dinge. Ich weiß nicht, was er für ein Mensch ist, ich kannte ihn vorher nicht und auch habe ich nicht vor, jetzt Video von ihm wie „Wenn SCHULFÄCHER Rapper wären“ anzusehen. Aber wenn anscheinend von einigen politischen Lagern mit aller Macht versucht wird, seine durchaus sehr legitimen Kritikpunkte mit Bullshit-Argumenten wegzuwischen, dann will ich das nicht so stehen lassen.



Rezo verdient geld mit seinen videos!

Das vielleicht schlechteste Argument, das am prominentesten von der FAZ gepusht wurde, sieht so aus:

Screenshot twitter.com

Die FAZ hat gleich mehrere Artikel dazu veröffentlicht, wie „Rezo, der Geschäftsmann“ oder „Eine Reichweite, von der mancher Sender nur träumen kann“. Und in rechten, konservativen und liberalen Kreisen kursieren verschiedenste Behauptungen, die sich alle darauf herunterbrechen lassen: Rezo wollte nur Geld mit seinem Video verdienen. Und wenn man es so formuliert, erweckt es den Eindruck, wenn einer Geld damit verdient, macht es seine Aussagen weniger richtig, wichtig oder wert.

Das ist völliger Unsinn. Das ist faktisch und logisch falsch. Und darüber hinaus auch pure Heuchelei. Denn beide dieser Artikel stecken hinter einer Paywall. Die FAZ will buchstäblich, dass du ihr Geld dafür gibst, dass sie dir sagt, dass Rezo nur finanzielle Interessen hat. Die FAZ, eine kommerzielle Zeitung, die Geld mit ihren Artikel verdient, will dir buchstäblich verkaufen, dass das ein sinnvolles Argument sei.

Es geht nicht darum, dass Doppelmoral ein Argument widerlegt, dazu komme ich gleich noch. Sondern darum, dass das einfach eine nahezu sinnlose Aussage ist, deren ganzer Sinn darin liegt, Rezo negativ darzustellen. Und das kann man wunderschön umdrehen: Die FAZ will wie ein seriöses Meinungsmedium wirken, verfolgt aber finanzielle Interessen. Welche Absichten Zeitungen wie sie haben und wieso das bei ihrer Reichweite problematisch ist, lest hier mit VolksverpetzerPlus:

Rezo hat sein Video nicht monetarisiert

Dass jemand Geld mit etwas verdient, heißt nicht, dass das seine Meinung weniger wert macht, ich hoffe, das wäre geklärt. Hey, inzwischen über 200 Personen geben uns regelmäßig dafür Geld, dass wir solche Beiträge wie den hier machen, das Argument kann man überall heranziehen. Und hinzu kommt noch, dass Rezo sein Video gar nicht monetarisiert hat. Er hätte zu seinem Rant Werbung schalten können und bei inzwischen über 11 Millionen Aufrufen wäre da auch sicher ein bisschen was zusammen gekommen. Hat er aber nicht. Das macht die Darstellung ein wenig kaputt, oder?

Den Hinweis habe ich in Kommentaren ein paar Mal gelesen und darauf wurde erwidert: Ja, aber er hat eine Menge neue Abonnenten dazu gewonnen, er ist auf einen Schlag einer der bekanntesten deutschen Youtuber geworden und hat jetzt durch die Bank mehr Reichweite und Views. Und das stimmt natürlich, aber davon darauf zu schließen, dass das die ganze Zeit seine Absicht war, ist ein logischer Fehlschluss. In der Logik nennt man das „a dicto simpliciter ad dictum secundum quid„.

Und da ich damit fertig bin, damit anzugeben, dass ich einmal ein Logik-Seminar belegt habe: Das heißt, dass von einer Ausnahme auf die Regel verallgemeinert wird. Man könnte es auch als den Unfall-Fehlschluss bezeichnen. Niemand, auch nicht Rezo konnte wissen, dass sein Video viral wird – und beliebt. Es hätte auch ein massiver Shitstorm folgen können und er hätte seine Viewer verlieren können. Es hätte ein Flopp sein können. Nicht jedes Video gegen die CDU wird viral, die meisten werden es sogar nicht. Wer weiß, das hat zuvor keiner gewusst. Wenn du sagst, dass das Stechen mit einem Messer ein Verbrechen ist, wäre auch ein Messer-Unfall gleichermaßen ein Unfall.

Video-macher machen Videos, wer hätte es gedacht?

Und ja, Überraschung: Natürlich hatte Rezo gehofft, dass sein Video von vielen angesehen wird. Genau so, wie die FAZ hofft, das viele Leute ihre Artikel lesen. Und ich hoffe, dass viele Leute diesen Artikel lesen. Und es ihnen am besten noch gefällt. Ein Youtuber macht Youtube-Videos, damit sie erfolgreich werden. Niemand macht ein Video mit der Absicht, dass es nicht erfolgreich wird. Außer vielleicht die CDU mit ihrem Amthor-Video.

Rezo verdient Geld mit seinem Youtube-Kanal, ja und? Er macht professionell Video, ist das die Neuigkeit? Manchmal wollen Leute für ihre Arbeit auch bezahlt werden, wer hätte das gedacht. Oder wollt ihr mir sagen, dass Rezo mit dem Video „Wenn SCHULFÄCHER Rapper wären“ auch nur auf Klicks und Reichweite aus war? Skandalös.

Halten wir fest: Hier wird durch negatives Framing, durch logische Fehlschlüsse und eine Bullshit-Argumentation der Versuch durchgeführt, Rezo schlecht zu reden. Und sagt über Rezo, was ihr wollt. Kritisiert ihn den ganzen Tag, wenn ihr das möchtet. Von mir aus. Es gibt sicher mehr als genug zu sagen. Aber dann macht das doch bitte mit Fakten und echten Argumenten. Oder habt ihr etwa ein finanzielles Interesse daran??

Artikelbild: Screenshot youtube.com, Screenshot twitter.com

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter

Kommentare sind geschlossen, abertrackbacks und Pingbacks sind offen.