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Kriegsverbrechen: Diese Datenbank widerlegt alle, die Putins Lügen noch glauben

von | Mrz 10, 2022 | Aktuelles, Faktencheck, Gastkommentar, Ukraine

Digitale Datenbank visualisiert Putins Kriegsverbrechen

Von Jenny Beck

Im Netz kursieren unzählige Fake News zum Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Von russischen Medien gestreut und unter anderem von Querdenker*innen verbreitet (mehr dazu), soll die Desinformation die Brutalität Putins abschwächen und Kriegsverbrechen verschleiern. Kürzlich behaupteten verschiedene Quellen mithilfe von Fotos von einem ukrainischen Filmset sogar, dass es überhaupt keinen Krieg gebe (Quelle). Putin selbst bedient beharrlich das Narrativ einer „Rettungsmission“ (Quelle). Doch eine digitale Karte des britischen Centre for Information Resilience räumt jeden Zweifel aus: Rettung sieht anders aus. Denn die besagte Datenbank verzeichnet massenhaft zivile Opfer.

Die Entwicklung der Karte – von Truppenbewegungen bis hin zu zivilen Opfern

Seit einem Jahr widmet sich das Londoner Centre for Information Resilience (CIR) dem Kampf gegen Desinformation. Bereits im Januar begann die unabhängige NGO, russische Truppenbewegungen aufzuzeichnen. Seither listet die digitale Karte zudem Bombardierungen, Munition, Schüsse, zivile Opfer, militärische Verluste auf beiden Seiten und Schäden der ukrainischen Infrastruktur.

„Jeder dieser Pins steht für ein Video, das man vielleicht auf Twitter sieht, oder ein Foto. Und es hilft wirklich dabei, die Geschichte dessen zu erzählen, was im Moment in und um die Ukraine herum passiert“, sagt Ermittlungsleiter Benjamin Strick gegenüber The Oberservers (Quelle).

Wie die Datenbank funktioniert

Die digitale Karte ist übersät mit bunten Markierungen.

Viele der grünen Pins gehen auf die Zeit vor der Invasion zurück und befinden sich außerhalb der Ukraine. Sie dokumentieren, wie sich russische Truppen rund um die ukrainisch-russische Grenze positioniert haben und schließlich einmarschiert sind.

Januar und Februar

Und zuletzt Januar, Februar und März

Graue Pins deuten auf Fundstellen von nicht explodierter Munition hin…

… während Markierungen in Orange vergangene Schießereien oder Explosionen demonstrieren.

Ja, es gibt sie – Unmengen ziviler Opfer

An Orten mit rotem Pin wurde die ukrainische Infrastruktur beschädigt oder Zivilist*innen sowie Soldat*innen getötet.

CIR hinterlegt bei jedem Pin das Datum, die Art des Angriffs und die Informationsquelle. Ein Hinweis zum Ausmaß der Gewalt in den visuellen Quellen versucht, Nutzer*innen der digitalen Karte vor mentaler Überforderung zu schützen. So deutet das Violence Level ‚Graphic‘ darauf hin, dass getötete Menschen zu sehen sind.

Doch auch ohne brutale Bilder stimmen die roten Markierungen fassungslos. Denn sie visualisieren ganz deutlich: Es handelt sich nicht um eine „Friedensmission“. Zivilist*innen sterben grauenvoll. Jeder der roten Pins ist einer zu viel.

Digitale Tools machen Updates nahezu in Echtzeit möglich

CIR arbeitet mit öffentlich zugänglicher Information – und wird unterstützt von einer weitreichenden Online-Community aus Satellitenbild-Analyst*innen, Desinformationsspezialist*innen und Journalist*innen (Quelle). Gemeinsam sammeln sie in den sozialen Medien Quellen zur Entwicklung des Angriffskriegs in der Ukraine. Diese verifizieren sie anschließend mithilfe von Geolokalisierung. „Wir betrachten beispielsweise Straßenschilder im Hintergrund, Gebäude, Bäume und dergleichen, um ihnen einen genauen Standort auf Google Maps oder Google Earth zu geben. Damit sind wir in der Lage, den Ort, an dem das Video gefilmt wurde, mit einer Stecknadel genau zu markieren“, so Strick (Quelle).

Fazit: Der russische Angriffskrieg fordert zivile Opfer

Die Karte von CIR schafft einen verlässlichen Überblick inmitten der grassierenden Fake News – und sollte wohl auch Skeptiker*innen bei näherem Hingucken das Unheil der vermeintlichen ‚Friedensmission‘ verdeutlichen. Sie versammelt eine Vielzahl verifizierter Quellen, die ein realistisches Bild des russischen Angriffskriegs zeichnen. „Die Karte ist nicht nur wichtig, um Aufnahmen zu überprüfen, sondern auch, um die Behauptungen der russischen Staatsmedien und des Kremls zu widerlegen“, schließt Strick (Quelle). Der Vorteil: Die Informationen kann jeder selbst nachprüfen. Transparenz und nachvollziehbare Belege – nicht nur Behauptungen.

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Gastautorin: Jenny Beck. Artikelbild: Screenshot

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