Corona-Demo: AfD, NPD, III. Weg, Antisemiten, Holocaustleugner, Neonazi-Kameradschaften

| Aktuelles | 9. August 2020

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Alle Rechtsextreme auf der Corona-Demo

Über die Corona-Demo vom ersten August wurde viel diskutiert. Vornehmlich, warum die Fantasie-Teilnehmerzahlen der Pandemie-Leugner*innen nicht stimmen können und warum sie trotzdem so sehr auf diesen beharren. Mehr dazu:

Eingeständnis von Organisator von Corona-Demo in Berlin: Nur 17.000 Teilnehmer

Doch viel wichtiger ist eine andere Frage: Nicht, wie viele Pandemie-Leugner sind gekommen sondern *welche*. Achtung, das wird ein langer Artikel. Einige werden beim Lesen vielleicht denken: „Meine Güte ist das viel!“ Aber es ist nicht einmal ein Drittel dessen, was dort am 1.8. aus rechtsextremen Strukturen in Berlin aufmarschiert ist.

Welche vermeintliche Friedensbewegung steht unwidersprochen neben Neonazis, deren geistige Vorbilder millionenfach einen industriellen Massenmord durchgeführt haben? Welche Friedensbewegung marschiert unwidersprochen zusammen mit der AfD, der NPD, dem III. Weg, Antisemit*innen, Holocaustleugner*innen und Neonazi-Kameradschaften zum Thema „Freiheit“ auf?

Man kämpft nicht mit Faschist*innen und Neonazis für die Freiheit. Das ist ein innerer Widerspruch, denn am Ende bestimmen diese Leute, was Freiheit sein soll. Leute, deren Ideologie zwangsläufig auf Ausgrenzung, Diskriminierung, Deportationen und schlimmeres hinaus läuft. Vergessen wir für einen Moment die völlige Realitätsferne hinter der gesamten Bewegung, die Fake News und die Verschwörungsmythen, die hinter der Pandemie-Leugnung stecken. Mit solchen Menschen will man „friedlich“ demonstrieren?

Wer in Berlin mitlief, kann nicht sagen, er hätte von nichts gewusst

„Wir bekennen uns zum politischen Guerillakrieg (…) Wir verzichten auf Parteien und Wahlen und den ganzen Demokrötenmist“, fordert Karl Polacek, FAP und Mentor von Thorsten Heise (NPD) 2008

Zumindest kann man im Fall der Idiocracy-Demonstration am 1.8. jetzt schon sagen, wer dort mitmarschiert ist, kann nicht sagen, von nichts gewusst zu haben. Schon wieder wolenl „die“ Deutschen nichts gesehen, nichts gehört und nichts gewusst haben? Nazis, wo? Da – und wir zeigen sie euch.

Rechtsextreme Parteien auf der Demonstration

Im Vorfeld haben einzelne MdB und MdL der AfD zur Veranstaltung aufgerufen. Genauso wie andere Gruppierungen, unter anderem auch die NPD, die Identitären und andere rechtsextreme Organisationen. Beworben wurde dies auch durch Magazine wie etwa dem teilweise vom Verfassungsschutz beobachteten Compact Magazin, welches bekanntlich auch vor Ort gewesen ist.

Die AfD

Hier der Aufruf des MdB Hansjörg Müller.

Der Bericht zur Teilnahme des MdB Hansjörg Müller hier in der Übersicht:

Auch das Mitglied des Bundestages Karsten Hilse war auf der Demonstration in Berlin zugegen.

Auch Jonas Dünzel von der AfD war selbstverständlich vor Ort.

Ebeno Carolin Matthie von der AfD war auf der Demonstration zugegen.

Unwidersprochen konnte auch der AfD Landesverband Thüringen / Eichsfeld auf der Demonstration am Samstag, den 01.08.2020 mitmarschieren.

Landesverband Thüringen der AfD / Bild – Democ Video vom 01.08.2020

Mehr muss man über die vermeintliche Israelsolidarität der AfD, hier Brandenburg, im übrigen nicht wissen. Wer mit Leuten marschiert, die an eine jüdische Weltverschwörung glauben, steht auf Seiten von Antisemiten

Auch die AfD Kyffhäuser-Sömmerda-Weimar war fast geschlossen vor Ort.

Screenshot von Seiten der AfD Kyffhäuser

Es waren nicht nur ganze AfD Verbände vor Ort, sondern eben auch AfD-nahe Personen.

Auch Heinrich Fiechtner, ehemals AfD, war vor Ort.

Lars Günther MdL der AfD in Brandenburg

Auch das MdL des brandenburgischen Parlaments Lars Günther war natürlich bei der Demonstration am 01.08.2020 zugegen. Günther ist seit März auf vielen Querfront-Veranstaltungen anzutreffem, so auch vor der Volksbühne:

AfD-Abgeordnete vor der Volksbühne: „Mit dem außerparlamentarischen Protest kennt Christoph Berndt sich aus. In Cottbus hatte er seit der Flüchtlingskrise mit seinem fremdenfeindlichen Verein „Zukunft Heimat“ drei Jahre lang Tausende von Menschen und im Zusammenschluss mit dem rechtsextremen „Flügel“ der AfD die politische Stimmung in der gesamten Lausitz gedreht. Bis die AfD dort zur stärksten Partei wurde, und er schließlich selbst hinter AfD-Landeschef Andreas Kalbitz, dem mächtigen Anführer des „Flügels“, in den Landtag einzog.

Spätestens seit diesem 1. Mai setzen Kalbitz, Berndt und zahlreiche andere AfD-Mitglieder aus dem rechtsextremen Parteinetzwerk ganz auf die Corona-Krise, im Verbund mit zahlreichen anderen Akteuren der Neuen Rechten.Dass sich der „Flügel“ unter dem Druck des Verfassungsschutzes, der ihn zum Beobachtungsobjekt erklärt hatte, erst am Vortag offiziell aufgelöst hatte, ist in diesem Zusammenhang eine Randnotiz. Während Kalbitz und Berndt am 1. Mai durch Cottbus zogen, („Demokratie statt Corona-Wahn“) und auch am heutigen Dienstag wieder als “Zukunft Heimat“ dort einen „Weckruf für Bürgerrechte“ initiieren, kamen die übrigen Abgeordneten aus Kalbitz’ Truppe zur Inszenierung vor der Volksbühne.“

MdL Lars Günther AfD / Bild – Democ Video vom 01.08.2020

Das MdL des brandenburgischen Landtags, Günther, ist in der Verschwörungsszene kein Unbekannter, sein „politischer Start“ wurde schon in diversen Artikeln dargelegt. Außerdem ist er auch einer der Erstunterzeichner der „Erfurter Resolution“ der AfD und politisch im vom Verfassungsschutz überwachten AfD-Flügel tätig.

„Am 11. Januar 2016 war Günther in Potsdam bei einer Demonstration des lokalen Pegida-Ablegers Pogida. Im Verlauf des Jahres beteiligte er sich an rechten Demonstrationen in und um Berlin, das Spektrum reichte von AfD- über „Wir für Deutschland“- bis zu „Merkel muss weg“-Demonstrationen. Ab November 2016 organisierte er zusammen mit Franz Josef Wiese (MdL Brandenburg für die AfD) aus Seelow die „Merkel-muss-weg-Mittwochsmahnwachen“. In typischer AfD-Rhetorik wurde hier gegen Merkel agitiert, prominente Gäste waren Björn Höcke und Alexander Gauland.
Beide gehören der Plattform „Der Flügel“ in der AfD an. Ohne Günthers Organisationserfahrung und ‑leistung in Sachen Anmeldung und Co., sowie sein Netzwerk zahlreicher Kontakte hätten die wöchentlichen Mahnwachen wohl nicht stattfinden können. Bei den Veranstaltungen waren auch Identitäre wie Robert Timm anwesend. Dass er zu diesen gute Kontakte haben muss, zeigte sich auch bei der „Blockade“ der CDU-Zentrale durch die Identitäre Bewegung (IB). Trotz konspirativer Organisation war Günther gleich von Anfang an vor Ort, vermutlich um die Aktion zu dokumentieren.“
Lars Günther Arm in Arm mit Jürgen Elsässer | Quelle: Facebook

Lars Günther

Schon 2019 hat Inforiot dazu eine längere Abhandlung veröffentlicht, aus der wir hier kurz zitieren werden:

„Lars Günther taucht das erste Mal wahrnehmbar 2014 im Zuge der sogenannten Friedensmahnwachen in Berlin auf. Günther war bereits bei den ersten Mahnwachen dabei und fing schnell selbst an aktiv zu werden, bspw. durch das Verteilen von Flyern. Unter den verschiedensten rechten und verschwörungstheoretischen RednerInnen war auch der rechte Publizist Jürgen Elsässer.
Elsässer war jedoch einigen „MahnwächterInnen“ zu rechts, daraufhin gründete er den „Arbeitskreis Berlin“ (AK Berlin). Diese wollte laut eigener Aussage die Bewegung vervielfältigen, war jedoch eine klare rechte Abspaltung. Dort wurde Günther nun aktiv und meldete im April 2014 seine erste Demo in diesem Kontext an. Die anfängliche Querfrontmanier jenseits von rechts und links ließ er schnell hinter sich.
Da Elsässer als häufiger Gast seine Positionen vertrat, wundert es kaum, dass Günther sich immer weiter nach rechts verortete. Im Juli 2014 hielten Elsässer und er gemeinsam auf einer von Günther organisierten Demonstration auf dem Alexanderplatz Reden. Hier betreute Günther auch den Lautsprecherwagen. An geschichtsträchtigen Tagen organisierte er vor dem Kanzleramt Kundgebungen, am 03. Oktober 2014 unter anderen mit dem Verschwörungstheoretiker, Reichsideologe und Sänger Xavier Naidoo. Aufgrund seines Prominentenstatus konnte Naidoo die Verschwörungstheorien der „MahnwächterInnen“ mehrfach zum Beispiel in Talk-Shows vertreten.
Die Veranstaltungen rückten immer weiter nach rechts und bildeten ein Sammelbecken für Verschwörungstheorien und Reichsbürgerideologien. Bereits hier zeigt sich, dass Günther keine Berührungsängste zu klaren Neonazis wie Sebastian Schmidtke hat. 2015 fand er dann zur AfD und nahm an der AfD Großdemonstration in Berlin teil.“
Günther betreut einen Infostand für Compact | Quelle: Facebook

Die NPD

Neben der AfD war auch die NPD vor Ort. Hier noch der Hinweis, dass der hier genannte Udo Voigt enge Kontakte zur Holocaustleugner-Szene in Guthmannshausen hat.

Auf einem Bild steht zwischen den beiden NPD-Spitzen Karl Richter und Udo Voigt Uta Nürnberger (laut Richter: „Schulterschluss unter Patrioten. Mit Uta Nürnberger (AfD) und Udo Voigt, MdEP.“). Die NPD ist begeistert von diesem „Zusammenschluss der Patrioten“.

Udo Voigt (NPD)

Voigt trat 1968 der NPD bei und war zunächst von 1970 bis 1972 im Kreisvorstand Viersen (NRW) und von 1978 bis 1992 Kreisvorsitzender in Freising.

Auch dies kann jederzeit bestätigt werden, die NPD war mit einem eigenen Banner auf der Demonstration zu sehen:

Diverse Rechtsextreme, auch bekannte „Youtuber“, waren ungehindert auf dieser Demonstration zu finden. Die Nähe zur NPD oder zu Holocaustleugner*innen störte auf der Demonstration offenbar niemanden.

Seit 1982 Mitglied des bayerischen Landesverbandes der NPD, wurde er dort 1984 Mitglied des Präsidiums der Landespartei. Von 1986 bis 1993 leitete er das „Nationaldemokratische Bildungszentrum“ in Iseo in Oberitalien.

Ebenfalls 1986 wurde er in den Bundesparteivorstand der NPD und 1992 zum Landesvorsitzenden der NPD in Bayern gewählt. Vier Jahre später kandidierte Voigt erfolgreich für den Posten des Bundesvorsitzenden seiner Partei. Beim NPD-Bundesparteitag, der im März 1996 in Bad Dürkheim stattfand, konnte er sich knapp mit 88 zu 83 Stimmen als Nachfolger des bisherigen NPD-Bundesvorsitzenden Günter Deckert durchsetzen.

Letzterer war bereits im Herbst 1995 abgesetzt worden und verbüßte zum Zeitpunkt der Wahl eine Gefängnisstrafe wegen Volksverhetzung.

Nachdem Deckert im Oktober 2000 seine Haftstrafe abgesessen hatte, versuchte er den an Voigt verlorenen Parteivorsitz wieder zurückzuerlangen. Bei einem unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagenden Parteitag der NPD im März 2002 in Königslutter musste sich Deckert jedoch Voigt mit 42 zu 155 Stimmen geschlagen geben.

UDO VOIGT UND GUTHMANNSHAUSEN

„Quelle Thüringen Rechtsaußen: Am 23. Juli 2016 fand in der geschichtsrevisionistischen Gedenkstätte Guthmannshausen im Landkreis Sömmerda erneut ein Neonazi-Treffen um den NPD-Europaabgeordneten Udo Voigt statt, wir hatten im Vorfeld darüber berichtet. Laut der Neonazi-Gruppe „Wir lieben Sachsen / Thügida“ nahmen daran u.a. „Mitglieder der NPD, der Partei DIE RECHTE, der AfD (PatriotischePlattform), der DSU und Bürgerinitiativen“ teil. Auch die Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck hielt eine Rede.

Das Treffen der extremen Rechten mit Beteiligung aus mehreren europäischen Ländern wurde als „Zeichen der Einigkeit, gegen den schon krankhaften Distanzierungswahn“ bezeichnet. Auf einem Foto im Zentrum der Gedenkstätte posiert eine Frau im schwarzen Jacket gemeinsam mit den NPD-Aktivisten Karl Richter und Udo Voigt. Bei der Frau handelt es sich um Uta Nürnberger, die für die AfD bei der Leipziger Stadtratswahl 2014 kandidierte und an der Ausarbeitung des AfD-Landtagswahlprogramms beteiligt war.“

Die Verbindungen der AfD zur Holocaustleugnerszene in Guthmannshausen haben wir in mehreren Recherchen zu Andreas Kalbitz belegt.

Die gesamte rechtsextreme Biografie von Andreas Kalbitz

Andreas Käfer (NPD)

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Udo Voigt und Andreas Käfer auf der Demo 01.08.2020 -Bild via Presseservice_RN

NPD Mann Käfer ist kein unbekannter in Szene.

„Ins Netz gestellt hat das Bild Andreas Käfer, der Mann im ­T-Shirt, seit Dezember Landesvorsitzender der Berliner NPD, der sich als NPD-Bezirkschef in den vergangenen Jahren bereits in vermeintlichen Bürgerinitiativen gegen Asylunterkünfte in Marzahn-Hellersdorf und Köpenick engagierte. Über den Beitrag schreibt er in Großbuchstaben „Schutzzonen schaffen“ – das ist der zentrale Kampagnen-Slogan, dessen Abkürzung wohl nicht nur zufällig SS lautet.“

Verbindungen zur AfD sind auch fließend.

„Im Verlauf des Abends wurde auch der Inhaber aufgefordert die Neonazis vor die Tür zu setzen. Dieser Bitte wurde jedoch nicht Folge geleistet. Im Gegenteil: Wie einem Twittereintrag des Jüdischen Forums (JDFA) zu entnehmen ist, durften selbst Pressevertreter*innen auf Nachfrage beim Wirt nicht in das Restaurant. Für uns ist damit klar, dass der Betreiber über die rechte Zusammenkunft genauestens im Bilde war und sich vollste Mühe gab, die Neonazis zu schützen.Dafür spricht auch die Tatsache, dass in den Räumlichkeiten bereits in der Vergangenheit Veranstaltungen der AfD Friedrichshain-Kreuzberg stattfanden.“

So fand dort am 22.2.19 eine Veranstaltung mit MdB Götz Frömming und am 3.6.19 eine Veranstaltung mit MdB Stephan Brandner statt. Auch im Internet behauptet der Inhaber frech, dass es sich bei den Vorwürfen eine Neonaziveranstaltung zu betreuen, um „falsche Aussagen“ handelt, was durch die TeilnehmerInnen jedoch leicht zu widerlegen ist. Aus Antifa-Recherchekreisen ist zudem bekannt, dass das „Dienstagsgespräch“ bereits zum driten Mal im Löwenbräu stattfinden konnte.

Das rechte Treffen im Inneren wurde insgesamt von 35 TeilnehmerInnen besucht. Unter anderem nahmen teil: Kay Nerstheimer (AfD), Wolfgang Gedeon (AfD BW), der ehemalige Parteivorsitzende und Ex-Europaabgeordnete Udo Voigt (NPD), der NPD-Landesvorsitzende Andreas Käfer, der ehemalige NPD-Landesvorsitzende Uwe Meenen, Holger Hahnel (NPD), 5 Personen der NPD Schutzzone, darunter Robin Oliver Band, Maurice Pollei, Enrico und zwei weitere bislang unbekannte Personen. Zwei Personen von Bärgida kassierten den Eintritt. Robin Band und Maurice Pollei posierten den ganzen Abend in Pullovern der rechtsterroristischen Gruppe „Combat 18“ (Kampftruppe Adolf Hitler).”

Stefan Jagsch (NPD)

Der NPD-Mann Stefan Jagsch ist kein Unbekannter. Den Mitleser*innen dürfte dieser Mann noch im Gedächtnis sein, denn er wurde mal zum Ortsvorsteher gewählt und zwar durch FDP, CDU und SPD gleichermaßen.

Sowohl Lachmann als auch Jagsch kennt man aber noch von einem anderen Vorfall

„Für unfreiwilliges Aufsehen um seine Person sorgten jedoch die Vorkommnisse vor gut eineinhalb Jahren, als Ulfkotte einen Vortrag bei einem „Bürgerstammtisch“ der „Alternative für Deutschland“ (AfD) im südhessischen Dietzenbach hielt. Ein paar linke Aktivist_innen mischten sich bei der besagten Veranstaltung unter die Zuhörer_innen und störten den Vortrag, indem sie „Bullshit-Bingo“ spielten: Bei bestimmten Begriffen — „Gender“, „Lügenpresse“, „Islam“ — gab es einen frenetischen Applaus, sodass Ulfkotte seinen Vortrag teilweise kurz unterbrechen musste.

Die Stimmung unter den anwesenden Sympathisanten der AfD wurde von Mal zu Mal aggressiver. Irgendwann wurde es Ulfkotte dann zu viel: Er ging auf einen 15-jährigen „Störer“ zu, es kam zum Gerangel, am Ende lag der Jugendliche auf dem Boden. Neben Ulfkotte standen während dieses Vorfalls die Neonazis Daniel Lachmann und Stefan Jagsch, die damals den Landesvorstand der hessischen NPD bildeten. Lachmann stand dicht hinter Ulfkotte, während Jagsch versuchte, die Dokumentation des Vorfalls zu verhindern, indem er in die Kamera eines Fotografen griff.“

„Der Jugendliche kündigte nach der Attacke eine Strafanzeige gegen Ulfkotte an. „Einfach geil, wenn er mich angezeigt hat, dann habe ich seine Adresse… Suuupii… Da freuen sich schon einige andere mit!“, schrieb Ulfkotte daraufhin bei Facebook. Später ruderte er zurück und versuchte, den drohenden Unterton seiner Äußerung zu verharmlosen: Über die Personalien des Jugendlichen freue er sich nur, weil er „die Störer dann von weiteren Veranstaltungen mit mir für die Zukunft ausschließen lassen“ könne.

Den Vorwurf, dass er den jungen Mann in irgendeiner Weise angegriffen habe, bestritt er vehement: Er habe lediglich „einen der Störer nach einer erfolglosen Aufforderung zum Verlassen des Saales an den Schultern gefasst, um ihn zum Verlassen des Raumes aufzufordern“. Der Teenager habe sich dann „sofort fallen gelassen“, so Ulfkotte.“

Weitere NPD Aktivitäten auf der Demonstration:

Auch die NPD Berlin war vor Ort.

Auch der „Nachwuchskader“ der NPD Hamburg ist wahrlich seit Jahren kein Unbekannter.

„Nachwuchskader Schwarzbach soll abgeschlagene Hamburger NPD „retten“

Die Hamburger NPD hat einen neuen Chef: Lennart Schwarzbach. Der 26-Jährige tritt die Nachfolge des bekannten Neonazis Thomas Wulff an, der den erfolglosen Landesverband seit 2014 geführt hatte. Vor rund acht Wochen hatte Wulff die rechtsextremistische Partei aus freien Stücken verlassen, zuvor waren die Versuche der NPD-Spitze den Neonazi loszuwerden, gescheitert.“

Reichsbürger*innen

Selbstverständlich war auch „StaatenlosInfo“ vor Ort. Reichsbürger*innen werden auch vom Verfassungsschutz als Rechtsextreme aufgelistet (Quelle).

„Die zu den „Selbstverwaltern“ zu zählende Gruppierung Staatenlos (auch STAATENLOS.INFO e.V.) behauptet basierend auf diversen Verschwörungstheorien in „Reichsbürgermanier“, das Dritte Reich würde weiter bestehen. Im Gegensatz zu anderen Reichsbürgern ist sie allerdings der Ansicht, dies sei in Form der nach nationalsozialistischen Gesetzen handelnden Bundesrepublik der Fall, die sie als selbsternannte „Antifaschisten“ ablehnen. Der Hauptsitz der Gruppe ist in Berlin.

Die Gruppe beruft sich auf die Weimarer Reichsverfassung von 1919 und propagiert die vermeintliche Pflicht der Deutschen, die Bundesrepublik vom Grundgesetz „zu befreien“. Die Gruppe bedient sich zudem antisemitischer Ideologiefragmente. Staatenlos geht von einer geheimen Weltregierung unter der Führung eines gewissen „Tothschilds“ aus, welcher den Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie mit Hilfe seiner „Marionette“ Adolf Hitler den Holocaust organisiert hätte. Überdies kontrolliere „Tothschild“ die Familie Rothschild, welche die Banken unter Kontrolle hätte.

Bei den Auftritten ihrer Mitglieder vor Gericht kommt es in der Regel zu Störungen, Gerangel und verbalen Ausfällen. Staatenlos demonstriert seit mehreren Jahren mit einem Infostand vor dem Reichstagsgebäude für die Ziele der Gruppe[und demonstriert dabei z. B. für „Heimat und Weltfrieden“, „gegen Justizwillkür […] und Einrichtung der faschistischen Diktatur in Deutschland“ oder für die „Befreiung Deutschlands vom Faschismus und Nazismus“.Der Hauptakteur von Staatenlos ist ein für einen Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim verurteilter ehemaliger NPD-Funktionär. Er wurde 2016 zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er in Briefen über eine angebliche NS-Vergangenheit der Familie eines Amtsgerichtsdirektors spekulierte.“

Das Umfeld von StaatenlosInfo

Auch hier wieder erkennbar ein Reichsbürger.

Auch hier wieder Reichsbürger*innen aus dem Umfeld von StaatenlosInfo:

Holocaustleugner*innen

Michael Ballweg, der Protestinitiator, kennt den bekannten Holocaustleugner „Volkslehrer“, der in Bildern und Videos vom Samstag sehr gut dokumentiert ist.

NIKOLAI NERLING

In diesem Video nochmal hervorgehoben:

Die Verbindungen der Holocaustleugner-Szene zu Guthmannshausen und zur AfD haben wir hier in dieser Übersicht erklärt:

Nerling gründete am 22. September 2017 den YouTube-Kanal Der Volkslehrer, auf dem er Videos mit antisemitischen und verschwörungsideologischen Positionen veröffentlichte. Neben eigenen Beiträgen veröffentlichte er unter anderem auch Interviews mit bekennenden HolocaustleugnerÜinnen wie beispielsweise Ursula Haverbeck und Gerhard Ittner sowie Personen der Reichsbürgerbewegung.

Auch berichtete er über seine Teilnahme an rechtsextremen Veranstaltungen und Demonstrationen, auf denen er mit eigenen Flugblättern und Plakaten über eine angebliche „zionistisch-jüdische Weltverschwörung aufzuklären“ versuchte.

Der Kanal wurde im April 2019 von YouTube gesperrt, doch kurz darauf waren einige seiner Videos auf einem neuen Kanal erreichbar.

Vor der Sperrung seines ersten Kanals hatte Nerling über 60.000 Abonnent*innen. Einzelne Videos wurden über 100.000 Mal abgerufen. Nerling betreibt eine eigene Internetseite sowie Kanäle auf dem Messaging-Dienst Telegram und dem Videoportal BitChute. Im März 2020 war der ursprüngliche Kanal wieder auf YouTube erreichbar.

Nach Einleitung staatlicher Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie in Deutschland veröffentlichte Nerling Mitte März 2020 ein Video mit dem Titel „Corona Conto Holocaust“, in dem er das deutsche Infektionsschutzgesetz als „Werkzeug der Bundesregierung“ darstellte, „sich unliebsamer Bürger zu entledigen“. Es sei zudem nicht sicher, ob das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 überhaupt existiere.

Referent in Guthmannshausen

Wie alle Protagonisten steht auch der „Volkslehrer“ im besten Kontakt zu den Holocaust-Leugner*innen in Guthmannshausen.

Der Vreein Gedächtnisstätte e.V. und die Gedächtnisstätte Guthmannshausen

„Der konkrete Anlaß zur Gründung des Vereines Gedächtnisstätte [1992 in Seevetal durch Ursula Haverbeck-Wetzel, Collegium Humanum] ist laut […] Eigendarstellung die Tatsache gewesen, daß es Jahrzehnte nach dem historischen Geschehen – auch nach dem Fall der Berliner Mauer und der Vereinigung von West- und Mitteldeutschland – von offizieller Seite immer noch keinen zentralen Gedenkort für die Opfer von Flucht, Vertreibung, Bombenkrieg und Kriegsgefangenschaft gebe.

Daher sei insbesondere von einem kleineren Kreis von Vertriebenen der Versuch unternommen worden, mit Hilfe einer solchen Initiative doch noch zu Lebzeiten der letzten Zeitzeugen die Errichtung einer aus rein privaten Mitteln finanzierten Gedächtnisstätte zu ermöglichen, zum anderen aber auch die Diskussion um eine offiziellen Gedenkort zu befördern.“ (Quelle)

Wodaneshusun

Der Name des Ortes Guthmannshausen geht auf den germanischen Gott Wotan zurück: Wodaneshusun

Für den 2. und 3. August 2014 kündigte der geschichtsrevisionistische und extrem rechte Verein „Gedächtnisstätte e.V.“ die Eröffnung eines „Denkmals“ auf seinem Gelände in Guthmannshausen (Kreis Sömmerda) an. Es wird ausschließlich an die „deutschen“ Opfer der Umsiedlungen am Ende des zweiten Weltkrieges aus „Pommern“, „Ostbrandenburg“ und „den Siedlungsgebieten im Osten Europas“ erinnert.

Im Jahr 2011 erwarb der „Gedächtnisstätte e.V.“ im thüringischen Guthmannshausen ein Rittergut. In dem Beitrag „Braunes Netzwerk im Thüringer Becken“ auf ZEIT ONLINE wird von dem Ruf des „Gedächtnisstätte e. V.“, ein Teil eines bundesweiten Netzwerks von Holocaustleugnerinnen und Holocaustleugnern sowie Geschichtsrevisionistinnen und Geschichtsrevisionisten zu sein, geschrieben.
Quelle Drucksache 5/3612: „Frau Bettina Maria Wild-Binsteiner hat mit notariellem Vertrag im Mai 2011 die Immobilie erworben. Das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz hat erst im Nachhinein Kenntnis über den Kauf erhalten.“

Im August 2014 wurde beim Verein „Gedächtnisstätte“ ein Denkmal eingeweiht, woran sich extreme Rechte beteiligten

Quelle Drucksache 6/4034: „Dem Vorstand des Vereins „Gedächtnisstätte e. V.“ (Sitz in Vlotho/Nordrhein-Westfalen) gehören drei Personen aus Niedersachsen, Baden-Württemberg und Thüringen mit zahlreichen Kontakten in die rechtsextremistische Szene an. Bei einem Vorstandsmitglied handelt es sich um einen rechtsextremistischen Publizisten. Er war zudem Vorstandsmitglied der „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP).In den letzten fünf Jahren ist es in Thüringen zu keiner Verurteilung der Mitglieder des Vorstands der „Gedächtnisstätte e.V.“ gekommen.
Im Übrigen wird unter Hinweis auf § 51 Bundeszentralregistergesetz und Artikel 67 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Verfassung des Freistaats Thüringen und § 477 Abs. 2 Satz 1 der Strafprozessordnung insbesondere aus Datenschutzgründen (Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung nach Artikel 2 Abs. 1 in Verbindung mit Artikel 1 Abs. 1 Grundgesetz, Artikel 6 Abs. 2 der Verfassung des Freistaats Thüringen) und vordem Hintergrund der im Strafverfahren zu beachtenden Unschuldsvermutung (Artikel 6 Abs. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten) von weiteren Angaben abgesehen (vergleiche auch Beschluss des Thüringer Oberverwaltungsgerichts vom 5. März 2014, Az.: 2 EO 386/13).“
Quelle Drucksache 6/4034: „Der Verein „Gedächtnisstätte e. V.“ führte am Wochenende vom 2. bis zum 3. August 2014 in der Kultur- und Tagungsstätte in Guthmannshausen eine zweitägige Veranstaltung durch. Anlässlich seines 22-jährigen Bestehens weihte der Verein ein sogenanntes Denkmal für die zivilen deutschen Opfer des Zweiten Weltkriegs ein. Bei dem Denkmalbereich handelt es sich um zwölf Granitsteine, die um einen Zentralstein (Obelisk) angeordnet sind.“

Die Eröffnung dieses „Denkmals“ wurde unter anderem in der Ausgabe (Nr. 3-2014) der offen antisemitischen Zeitschrift „Stimme des Reiches“ beworben (liegt Thüringen Rechtsaußen vor).

Einschätzung durch den Verfassungsschutz

Der Verfassungsschutzbericht Thüringen schreibt 2011 (Link)

Immobilienerwerb in Guthmannshausen Eine als Privatperson auftretende Käuferin erwarb im Mai 2011 eine zuvor in Landesbesitz befindliche Immobilie in Guthmannshausen/Landkreis Sömmerda (ehemaliges Rittergut). Seit August 2011 ist sie als Eigentümerin des Areals im Grundbuch eingetragen. Hinweise auf Verbindungen der Käuferin zum rechtsextremistischen Spektrum lagen zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht vor. Im Nachhinein wurde bekannt, dass sie seit 2010 dem rechtsextremistischen Verein „Gedächtnisstätte e. V.“ als Mitglied angehören soll.

Der Verein wurde im Mai 1992 in Vlotho (Nordrhein-Westfalen) gegründet. Gemäß Satzung verfolgt er das Anliegen, eine „würdige Gedächtnisstätte für die Opfer des Zweiten Weltkrieges durch Bomben, Verschleppung, Vertreibung und in Gefangenenlagern“ zu betreiben. Von Beginn an engagierten sich bekannte Rechtsextremisten und Holocaustleugner wie Ursula HAVERBECK-WETZEL59 (Nordrhein-Westfalen) in dem Verein. Sie stand ihm bis Februar 2003 vor.

Danach übernahm Klaus-Wolfram SCHIEDEWITZ (Niedersachsen) diese Funktion. Von 2007 bis 2009 lag der Wirkungsschwerpunkt des Vereins in Borna (Sachsen). Als das dort genutzte Objekt von der Eigentümerin Ende 2009 jedoch veräußert wurde, zog man sich aus der Region zurück. Der Verein „Gedächtnisstätte e. V.“ führte im September 2011 erstmals eine Veranstaltung im Objekt in Guthmannshausen durch. Dabei soll Ursula HAVERBECK-WETZEL zur Thematik „Die Vertragsbrüche der Bundesregierung“ referiert haben.

Ähnlich wie in Borna scheint eine gelegentliche Nutzungsüberlassung der Immobilie an andere rechtsextremistische Personenzusammenschlüsse nicht ausgeschlossen. So wurde bereits im Zusammenhang mit der Bekanntgabe, dass man im „Herrensitz auf dem ehemaligen Rittergut Guthmannshausen“ eine „neue Heimstatt gefunden“ habe, angekündigt, diese auch der SJ[Fußnote 60] zur Verfügung stellen zu wollen. Der Freistaat Thüringen hat den Kaufvertrag mit Schreiben vom 21. Dezember aufgrund arglistiger Täuschung angefochten. Zeitgleich wurde beim Landgericht Erfurt Klage zur Grundbuchberichtigung und Herausgabe des Grundstücks eingereicht.“

In der genannten Fußnote zur SJ (Schlesischen Jugend) wird auf Kapitel 4.4.4 desselben Berichts verwiesen.

Dort heißt es über die SJ:

„ „Schlesische Jugend – Landesgruppe Thüringen“ (SJ-Thüringen) Die SJ-Thüringen ist eigenem Bekunden nach eine „Jugendorganisation, in der sich interessierte Jugendliche mit der schlesischen Kultur, den dortigen Sitten und Gebräuchen, der Mundart, der Geschichte, dem Schicksal der aus ihrer Heimat vertriebenen Menschen und allem, was noch über Schlesien zu wissen ist, beschäftigen und auseinandersetzen.“ Unter dem Deckmantel eines Vertriebenenverbands wird die SJ-Thüringen allerdings inzwischen von aktiven Rechtsextremisten für Bestrebungen missbraucht, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung und den Gedanken der Völkerverständigung, insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der Völker, gerichtet sind. Führungsfunktionäre der SJThüringen waren vormals in dem mittlerweile verbotenen Verein „Heimattreue Deutsche Jugend e. V.“ (HDJ) aktiv. Zahlreiche andere Mitglieder stammen aus dem sonstigen rechtsextremistischen Spektrum und üben dort zum Teil auch Führungsfunktionen aus. Der Vorstand der SJ-Thüringen ist zudem in ähnlicher Funktion auch im Vorstand der „Bundesgruppe der Schlesischen Jugend“ (SJ-Bund) aktiv. So fungiert der Vorsitzende der SJ-Thüringen, Fabian RIMBACH, zugleich als Vorsitzender der SJ-Bund. Die inhaltliche Ausrichtung der SJ-Thüringen ist vor allem durch gebietsrevisionistische und revanchistische Bestrebungen geprägt. In ihren Veröffentlichungen finden sich Äußerungen wie: „[…] die Wichtigkeit unserer Arbeit und die Erhaltung des Deutschtums jenseits von Oder und Neiße, als ein unauslöschlicher Teil Deutschlands […]“. Schlesien wird als „polnisch besetztes Gebiet des alten deutschen Kulturlandes“ bezeichnet. Eigenem Bekunden nach führt die SJ-Thüringen regelmäßig Veranstaltungen mit vorgeblich traditioneller Ausrichtung (Erntedankfeste, Tanzlehrgänge), gemeinsame Wanderungen und Fahrten zur Erkundung der Heimat und der Natur durch.“

Der Verfassungsschutzbericht Niedersachsen schreibt 2013 (Link):

Seit 2011 nutzt der Verein für seine Veranstaltungen die Räumlichkeiten auf einem Rittergut im thüringischen Guthmannshausen. Regelmäßig führt der Verein dort Vortragsveranstaltungen mit Zeitzeugen und Historikern durch, darunter auch bekennende Revisionisten und Holocaustleugner wie HAVERBECK-WETZEL. Darüber hinaus bestehen Kontakte zu diversen rechtsextremistischen Organisationen, u. a. Schlesische Jugend e. V. (SJ), Freundschafts- und Hilfswerk Ost e. V. (FHwO) und Junge Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) sowie NPD und neonazistische Freie Kräfte. Diese Kontakte zeigen die Bemühungen des Vereins, ein organisationsübergreifendes Netzwerk aufzubauen.

Der rechtsextremistisch eingestufte Verein „Gedächtnisstätte e.V.“ agitiert gegen den demokratischen Verfassungsstaat und versucht, geschichtsrevisionistisches Gedankengut zu verbreiten.

Seit dem Kauf des ehemaligen Rittergutes in Guthmannshausen im Mai 2011 durch ein Vereinsmitglied fanden dort zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen statt, bei denen überregional bekannte Geschichtsrevisionist*innen und Holocaustleugner*innen  bei Vortragsveranstaltungen auftraten.

Quelle Endstation Rechts: Die Polizei stand auch vor den Türen des Alten Ritterguts in Guthmannshausen (Landkreis Sömmerda), wo der neonazistische und geschichtsrevisionistische Verein Gedächtnisstätte e.V. eine Tagungsstätte betreibt. Der Vorsitzende Wolfram Schiedewitz beklagte sich, das Haus sei von der Polizei „überfallen“ worden. Dabei habe die Razzia nicht dem Verein, sondern dem Hausmeister gegolten – der sei laut Schiedewitz Mitglied der EA. Seine Beschwerde erschien an passendem Ort, in der NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“ (Nr. 9/2017).

Ebenso zeichnet sich die „Europäische Aktion“ (EA), welche in Thüringen mit mehreren „Stützpunkten“ aktiv ist, durch eine besonders ausgeprägte antisemitische und revisionistische Agitation aus.

In die Führungsstruktur der EA sind ebenfalls überregional bekannte Rechtsextremisten eingebunden, die über weitreichende Verbindungen in alle Spektren des Rechtsextremismus verfügen. Dabei dienen Objekte wie das „Hufhaus“ in Ilfeld und die ehemalige „Erlebnisscheune“ in Kirchheim als Örtlichkeiten, um Vortragsveranstaltungen und Treffen stattfinden zu lassen.

Bei der 1960 von ehemaligen Funktionären der NSDAP und Offizieren der SS gegründeten „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP) handelt es sich um eine weitere Organisation, die regelmäßig in Thüringen ihre Jahreskongresse abhält und durch eine Art „Aufklärungsarbeit“ versucht, eine angeblich verzerrte Darstel-lung der Zeitgeschichte (NS-Diktatur) zu korrigieren.

Darüber hinaus traten in Thüringen wiederholt auch rechtsextremistische Einzelpersonen, welche den Holocaust leugnen, bei Szeneveranstaltungen als Redner in Erscheinung.

Verfassungsschutzbericht Niederachsen 2014

Im Verfassungsschutzbericht Niedersachsen heißt es 2014 (Link)

„Der Verein Gedächtnisstätte e. V. wurde 1992 gegründet. Erste Vorsitzende war die Holocaustleugnerin Ursula HAVERBECK-WETZEL. Seit 2003 leitet Wolfram SCHIEDEWITZ aus Seevetal (Landkreis Harburg) den Verein mit dem Ziel, eine würdige Gedächtnisstätte zu errichten. Gleichzeitig werden jedoch in geschichtsrevisionistischer Manier deutsche Kriegsverbrechen relativiert und die Schuld des NS-Regimes am Krieg geleugnet. Am 02. und 03.08.2014 beging der Verein im thüringischen Guthmannshausen die Feierlichkeiten zum 22jährigen Bestehen und zur Einweihung des Denkmals für „12.000.000 deutsche Opfer durch Bomben des Weltkrieges II, Verschleppung, Vertreibung und in Gefangenenlagern“.

Den beiden Veranstaltungstagen wohnten 150 bis 200 Personen bei, darunter HAVERBECK-WETZEL und der Deutschlandleiter der Europäischen Aktion (EA), Dr. Rigolf HENNIG sowie weitere nationale und internationale Gäste. In seiner Rede kritisierte der Vorsitzende SCHIEDEWITZ eine angebliche Einseitigkeit deutscher Geschichtsbetrachtung wie auch im Gedenken an die Opfer:„Wir fragen zu Recht, wieso stößt man bei der Geschichtsforschung über die Zeit der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts auf so viel Widerstand, warum werden von der verordneten Sichtweise abweichende Forschungsergebnisse teilweise sogar juristisch verfolgt?

Wieso finden viele von den Siegermächten des 2. Weltkrieges geäußerte Kriegssprüche keinen Eingang in unsere Geschichtsbücher? Warum ist man bemüht, die Opferzahlen der Unterlegenen des 2. Weltkrieges herunterzustufen, während man andererseits die Opferzahlen der Sieger nicht hoch genug ansetzen kann.“ SCHIEDEWITZ sieht dabei sich selbst und seinen Verein im Kampf gegen eine angebliche Meinungsdiktatur zur Unterdrückung der geschichtlichen Wahrheit:

„Lüge und Verleumdung haben trotz Verboten und Paragraphen keinen dauerhaften Bestand … Zur Überwindung der großen geschichtlichen Lügen, die uns durch unsere ehemaligen Gegner und die von ihnen herrschenden Massenmedien auch heute noch – fast täglich – aufgetischt werden, braucht es Mut, Wissen und einen aufrechten Charakter.“In weiterer revisionistischer Diktion stellte der Mitbegründer Paul LATUSSEK in seiner Festrede die Verantwortung Deutschlands für den Ausbruch des Ersten und des Zweiten Weltkriegs in Frage.

Die deutsche Geschichte werde andauernd falsch wiedergegeben und auf die „12 Jahre“ reduziert.Seit 2011 nutzt der Verein für seine Veranstaltungen die Räumlichkeiten auf einem Rittergut in Guthmannshausen. Regelmäßig führt der Verein dort Vortragsveranstaltungen mit Zeitzeugen und Historikern durch, darunter auch bekennende Revisionisten und Holocaustleugner wie HAVERBECK-WETZEL. Darüber hinaus bestehen Kontakte zu diversen rechtsextremistischen Organisationen, u. a. Schlesische Jugend e. V. (SJ), Freundschafts- und Hilfswerk Ost e. V. (FHwO) und Junge Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) sowie zur NPD und zu neonazistischen Freien Kräften, aber auch zur EA. Diese Kontakte zeigen die Bemühungen des Vereins, ein organisationsübergreifendes Netzwerk aufzubauen.“

Christian Bärthel

Christian Bärthel aus Ronneburg war stellvertretender Landesvorsitzender und Pressesprecher der „Deutschen Partei“ (DP) in Thüringen. Der Thüringische Verfassungsschutz bezeichnet ihn als Rechtsextremisten. Er ist einer der bekanntesten Anhänger der rechtsextremen Verschwörungstheorie der „Kommissarischen Reichsregierung“ und bezeichnet sich selbst als „Staatsbürger und Sachwalter des Deutschen Reiches“. 2007 wurde er wegen Volksverhetzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Henry Hafenmeyer

Auf diesem Bild nicht zu erkennen: Henry Hafenmeyer. Antisemit und Holocaust-Leugner, enger Vertrauter von Ursula Haverbeck.

„Ein Rechtsextremer verneint den Massenmord an den Juden, kommt vor Gericht – und macht dort einfach weiter. Das bringt ihm eine Bewährungsstrafe – und einen Ruf als Märtyrer.“

Neonazis und Rechtsextremist*innen

Gerd und Anna-Maria Ulrich

Gerd und Anna-Maria Ulrich sind schon aus der Wikingjugend und der HDJ bekannt.

Ein alter Bekannter

„Das HDJ-Verbots-Faß zum Überlaufen brachte ein ehemaliger Berlebecker: Martin Götze, der 2006 im Hahnbruchweg 24 wohnte und damals mit Gerd Ulrich und anderen das Zeltlager in Fromhausen organisierte. Götze war der Leiter des im August aufgelösten HDJ-Lager in Hohen Sprenz in Mecklenburg-Vorpommern. Dort hatten Polizeiangaben zufolge 39 Jungen und Mädchen zwischen 8 und 14 Jahren unter Anleitung von rund 50 Erwachsenen Verhaltensweisen und Lebensformen des Nationalsozialismus praktiziert.

Nach Angaben des NRW-Innenministerium finden in Berlebeck „Veranstaltungen der HDJ mit bis zu 20 Personen statt.“ Diese Veranstaltungen finden nach wie vor im Hahnbruchweg 24 ungeniert statt. Dort wurden und werden bereits Kinder im Zeichen nationalsozialistischer und antisemitischer Ideologien nach einem „Führerprinzip“ autoritär erzogen. Die braune Kampfstiefel-Truppe macht weiter – bis wir sie stoppen.

Erfahrungen mit der „Wiking-Jugend“

Die gefährlichsten deutschen Neonazi-Anführer sind durch die braune Schule der „Wiking-Jugend“ gegangen. Die sehr konkrete Erfahrung mit Gerd Ulrich, unter anderem wegen Sprengstoffbesitzes und Propaganda für eine verbotene Organisation vorbestraft, und seinen „Kameraden“ mit der „Wiking-Jugend“ hat gezeigt, dass die systematische politische Kindererziehung auch nach einem Verbot weitergehen wird.“

Person auf dem Foto rechts unten: Ordner bei „Patriotic Oppisition Europe“

(Foto @Pixel_Roulette) – zum Vergleich 2 Bilder vom 06.06. in Berlin

Neonazi im T-Shirt von Terrorsphära

Person mit IB-Shirt „Europa Nostra“, daneben Shirt „Make Europe Great Again“

Zwei Neonazis mit Lunikoff-Verschwörung- und Fight-Cult-Shirt.

Neonazi mit einschlägigen Aussagen

Neonazis von Identitärer Bewegung, III. Weg, NPD und Kameradschaften haben während der Demonstration Propaganda-Flyer verbreitet.

Weitere:

QAnon

QAnon oder kurz Q ist das Pseudonym einer mutmaßlich US-amerikanischen Person oder Personengruppe, die auf Imageboards, auf die Diskussion von Bildern ausgerichteten Internetforen, eine Verschwörungstheorie mit teilweise rechtsradikalem Hintergrund verbreitet und vorgibt, Zugang zu geheimen Informationen über Donald Trumps Präsidentschaft, dessen Kampf gegen einen vorgeblichen „Deep State“ sowie über Trumps Widersacher zu haben. QAnon ist mittlerweile auch zu einer Bezeichnung für die verbreiteten verschwörungsideologischen Ansichten selbst geworden. Mehr dazu:

Naidoo & Corona: Die Zerstörung des QAnon/Adrenochrom-Verschwörungsmythos

Q beschuldigte u.a. zahlreiche Hollywoodschauspieler*innen, Politiker*innen und hochrangige Beamte, an einem fiktiven, internationalen Kinderhändlerring zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung beteiligt zu sein.

Welche Bedrohungslage durch QAnon-Anhänger*innen ausgeht, ist im Spiegel-TV-Beitrag gut zusammengefasst:

Identitäre Bewegung

Auch die vom Verfassungsschutz überwachte rechtsextreme Gruppierung „Identitäre Bewegung“ war vor Ort. Deren Mitglied Karsten Vielhaber ist kein Unbekannter.

Karsten Vielhaber

„Laubach ist nicht nur dem rechten Parteiflügel der AfD zuzurechnen, sondern trat auch im vergangenen Jahr als einer von zwei Rednern im Mobilisierungsvideo der Identitären zu ihrer Demonstration am 17. Juni in Berlin auf. Als anderer Redner taucht auch hier wieder Karsten Vielhaber auf. Offensichtlich versucht Laubach – wie Jannik Brämer – eine Art Doppelrolle zwischen AfD und Identitären wahrzunehmen. Kalbitz‘ rechte Hand: Ein Identitärer bei der AfD im Landtag Brandenburg (12/2017).

„Identitär, schön, weiß, deutsch“ – ein Modemacher ist jetzt die rechte Hand von AfD-Fraktionschef Andreas Kalbitz im Landtag Brandenburg. (…) Auf seiner Facebookseite postet das Label, also Laubach, Videos von der Identitären-Demonstration im Juni in Berlin, dazu die Worte: „Die Reconquista hat begonnen. Gegen alle Widerstände. Verteidige dein Land.“ Oder es versah das Video eines rechten Medienkanals über die geringe Zahl von Abschiebungen im Oktober mit den Worten: „Früher sagte man in solchen Fällen: ,An die Waffen!’“ Zudem war Laubach auf einer Party der Berliner Identitären mit einigen Berliner AfD-Politikern im Mai am Burschenschaftshaus der Gothia in Berlin-Zehlendorf dabei.“

Antisemit*innen

Wir haben viele Fälle gefunden, in welchen antisemitische Aussagen getätigt wurden:

Auch hier wieder eine klar antisemitische Aussage:

Hier noch die Aussage in einer anderen Übersicht. Außerdem Aussagen zu den antisemitischen „Protokollen der Weisen von Zion“, die den ideologischen Boden für den Holocaust mit bereiteten.

Eine weitere Übersicht zum Thema Antisemitismus:

Auch diese Übersicht zeigt nochmal deutlich, welche Neonazis vor Ort waren:

Die „NWO“ darf natürlich im antisemitischen Reigen nicht fehlen:

Auch hier die antisemitischen NWOler*innen:

Geschichtsrevisionismus / Holocaustrelativierung

Neben einem „Sturm auf den Reichstag“ gab es auch klare Holocaustrelativierung, indem man Impfungen mit NS-Methoden gleichsetzte. Bild bitte in größerer Auflösung öffnen:

Ist das ein Aufruf zur Gewalt? Angebliche „Impfnötiger*innen“ sollen „entsorgt“ werden, zumindest aber vor ein „Volksgericht“ gestellt werden:

Auf diesem Bild zu sehen eine Übersicht, in der der Holocaustleugner Ernst Zündel auftaucht:

Rechte Organisationen / bekannte Rechte Blogger / Sonstiges

„Patriotic Opposition Europe“

Auch diese Gruppierung ist im rechtsextremen Sektor beheimatet. „Blick nach Rechts“ bietet eine Umfangreiche Sammlung zu den „Tätigkeiten“ dieser Gruppierung.

„Wenn wir wollen, schlagen wir euch tot“

Auf dem Lautsprecherwagen, der vom WfD-Vorsitzenden und Versammlungsleiter Enrico Stubbe gefahren wurde, gab Eric Graziani, derzeit relativ erfolglos mit seiner Kleinstgruppe „Patriotic Opposition Europe“ aktiv, die Parolen vor. Neben ihm stand mit Kamera der HoGeSa-Mitgründer, Dominik Roeseler von „Mönchengladbach steht auf“ auf dem Pritschenwagen. Er war nicht der einzige Protagonist aus Nordrhein-Westfalen, neben Stefanie van Laak aus Köln („NRW stellt sich quer“) kamen zwei Reisebusse aus der Region, in der sich auch rund 30 Anhänger der „Bruderschaft Deutschland“ um den Rechtsextremen Ralf Nieland befanden.

Diese Gruppe rechter Hooligans in einheitlicher schwarzer Kluft sorgte im hinteren Teil des Aufmarsches für aggressive Stimmung, pöbelte Journalisten und Gegendemonstranten an, denen sie unter anderem zuriefen „Wenn wir wollen, schlagen wir euch tot“. Direkt davor lief ein kleiner Block von Berliner und Brandenburger Anhängern der NPD-Jugend Junge Nationalisten mit eigenem Banner.

Auch einzelne AfD-Mitglieder wie der Neuköllner Bezirksverordnete Steffen Schröter nahmen teil. Dabei waren ebenso Anhänger der „German Defence League“ sowie der „Soldiers of Odin“. Die rechten Videoblogger Henryk Stöckl und Lisa H. („Lisa Licentia“) filmten zudem Aufmarsch und Gegendemonstranten.“

Kevin Gabbe, ehemalige Gelbweste und „Anti-Antifa“-Fotograf. Gabbe gehört zum Umfeld der Nazipartei „Die Rechte“ und der extrem rechten Mischstrukturen aus Nazis und Hooligans in Essen und Herne:

Auch Elke Maasch ist keine Unbekannte, Friedensdemo-Watch bietet hier eine gute Übersicht:

Auch hier nur wieder Antisemitismus verpackt im Mythos Bill Gates, bei dem man einen angeblichen „Genozid“ durch irgendwelche Todesspritzen befürchtet.

Übergriffe auf Journalist*innen

Es gab mehrfach Übergriffe auf Medienvertreter*innen:

Die Zusammenfassung:

Fazit

Nein, nicht alle der 20.000 Teilnehmer*innen sind Nazis oder Rechtsextreme, aber eine Bewegung, die sich einbildet, demokratisch und friedlich zu sein, greift nicht Pressevertreter*innen an und marschiert nicht mit so ziemlich dem gesamten rechtsextremen Spektrum des Landes. Von AfD, NPD, III. Weg, Antisemit*innen, Holocaustleugner*innen bis Neonazi-Kameradschaften war alles dabei. Wenn Verschwörungsideolog*innen und Pandemie-Leugner*innen wirklich friedlich und demokratisch wären, dann würden nicht so viele Feinde der Verfassung unter ihnen dulden.

Artikelbild: Fabian Sommer/dpa

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Quellenverzeichnis