Bamberg: Putin-Propagandisten erfinden Vandalismus ukrainischer Geflüchteter

| Faktencheck | 20. Juli 2022

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Prorussische Fake News: Ukrainische Geflüchtete haben kein Wohnheim in Bamberg demoliert

Eine beliebte Strategie der prorussischen Propaganda: Ukrainische Geflüchtete zu diskreditieren und in ein schlechtes Licht zu rücken – und dafür sind anscheinend alle Mittel recht. Ständig werden Geschichten erfunden, um gegen Ukrainer:innen zu hetzen. Regelmäßig zu sehen ist so eine Hetze auf einem der größten deutschsprachigen Pro-Putin-Desinformationskanäle von Alina Lipp. So findet sich erneut seit dem 29. Juni ein Video auf ihrem Telegram-Kanal, das Geflüchteten aus der Ukraine vorwirft, in einem Wohnheim im bayrischen Bamberg randaliert zu haben. Doch in der besagten Einrichtung gab es nie ukrainische Geflüchtete. Es handelt sich ganz offensichtlich wieder mal um Fake News (Quelle).

„Heute zeigen wir euch, wie ukrainische ‚Flüchtlinge‘ in Deutschland leben und was sie so treiben. Im ersten Video haben sie ein Flüchtlingswohnheim in Bamberg verwüstet. Sie stahlen auch Lebensmittel aus dem Kühlschrank und Haushaltsgeräte“, heißt es auf dem Kanal Neues aus Russland. Die Anführungszeichen um das Wort Flüchtlinge erklären sich weiter unten im Post, wo ukrainische Geflüchtete in sogenannte „Gastarbeiter“ und „echte Flüchtlinge“ eingeteilt werden. Der Zustand als hilfesuchend wird einigen Ukrainer:innen also von Grund auf abgesprochen. So auch den Menschen, die vermeintlich in Bamberg ein Flüchtlingsheim verwüstet haben.

Quelle: Screenshot Telegram

Keine Spur von ukrainischen Geflüchteten im Heim in Bamberg

Im angehängten Video sprechen zwei Menschen auf russisch miteinander und dokumentieren die Schäden in der Wohnung – Löcher in Türen, bemalte Wände, kaputte Schlösser. Aus ihrem Gespräch geht hervor, dass sich die Einrichtung in Bamberg befinden soll. Von geflüchteten Ukrainer:innen ist aber keine Rede. Das Recherchekollektiv CORRECTIV hat sich das Video näher angesehen und dabei zunächst herausgefunden, dass es sich bei den Räumlichkeiten im Video um ein Wohnheim in Bamberg handelt. Doch die Anker-Einrichtung Oberfranken stellte schnell klar: „In diesem Wohngebäude und konkret auch in diesen Räumlichkeiten waren nie ukrainische Staatsangehörige untergebracht.“ (Quelle)

Stattdessen sei die Wohnung von Mitbewohnern der filmenden Person zerstört worden, die keinerlei Verbindung zur Ukraine haben. Auch darüber hinaus wisse weder die Anker-Einrichtung noch die Polizei Bamberg von Fällen von Vandalismus oder Diebstahl durch ukrainische Staatsangehörige (Quelle).

Auf Alina Lipps Telegram-Kanal sind Lügen und Hetze gegen Ukrainer Alltag

Gleich zu Anfang des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine fiel die prorussische Desinformationsverbreiterin Alina Lipp mit Falschmeldungen auf, die von den russischen Kriegsverbrechen ablenken sollten. Regelmäßig verbreitet sie erlogene Geschichten und Hetze. So verbreitete sie schon im März ein Video, in dem vorgeblich in einem Mix Markt in Regensburg randaliert wurde. Als sich herausstellte, dass auch dieses Video völlig aus dem Kontext gerissen war und aus Russland von vor drei Jahren stammte, löschte sie es ohne ein weiteres Wort (mehr dazu). Zur selben Zeit beherbergte ihr Kanal ein Video, in dem eine Frau von einem erfundenen „Mob ukrainischer Flüchtlinge“ in Euskirchen erzählte, der einen 16-jährigen Flüchtlingshelfer umgebracht haben sollten. Auch diese Desinformation: Erstunken und erlogen (mehr dazu). In Nürnberg gab es eine ähnlich erfundene Geschichte, Alina Lipp hat die Lüge natürlich auch verbreitet (mehr dazu).

Einige Wochen darauf verbreitete sich auf Lipps Telegram-Kanal dann ein Fake, der Olaf Scholz und Christian Lindner mal eben hochrangige Nazi-Großväter andichtete (mehr dazu). Natürlich ebenfalls völlig frei erfunden. Wenn das Video aus Bamberg also eines deutlich macht, dann das: Lipp teilt auf ihrer Plattform prorussische ‚Nachrichten‘, völlig ohne zu überprüfen, ob diese den Tatsachen entsprechen. Ihrer Intention dahinter hat sich der Volksverpetzer bereits in einem ausführlichen Beitrag zu Putinfluencern gewidmet (mehr dazu) und in einem großen Faktencheck, der deutlich aufzeigt, wie sie ihre Leserschaft gezielt manipuliert.

Alina Lipp: Der größte deutsche Pro-Putin-Propaganda-Kanal auf Telegram

Artikelbild: Screenshot

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