8.330

Rechte wollen nicht, dass ihr das ganze Neubauer-Zitat hört: Das sagt sie wirklich

von | Okt 19, 2022 | Aktuelles, Analyse, Social Media

Kaum ein Auftritt von Luisa Neubauer in einer Talkshow, ohne dass im Anschluss aus dem Kontext gerissenen Videoschnipsel die Runde machen, mit denen versucht wird, die Bekämpfung der Klimakatastrophe zu diskreditieren. Jüngst bei Markus Lanz im ZDF, gestern Abend (18.10.2022). Gesprochen wird über die Klimakrise, die Frage, ob sich hier ein neuer Generationenkonflikt auftut und wie krisenfest die deutsche Demokratie ist.

Luisa Neubauer führt dabei den wichtigen und völlig unumstrittenen Punkt aus, dass akute Krisensituationen immer eine Gefahr für Demokratien darstellen. Sie sagt, die Klimakrise bedroht nicht nur unseren Planeten, sondern natürlich auch unsere Demokratie. Wörtlich sagt sie im vollständigen Zitat:

Wenn die Notstände kommen, dann werden die demokratischen Räume eingeschränkt. Denn dann haben wir nicht mehr die Zeit, noch mal rum zu reden, nochmal zu befragen, nochmal die Experten anzuhören, nochmal die Bürger:innen. Dann diktiert der Notstand. Und nicht mehr die parlamentarischen Instanzen, nicht mehr die Regierung. Das heißt: Je mehr Notstand da ist, desto weniger Demokratie haben wir. Deswegen sagen wir, wir brauchen so dringend den Schutz vor dem Notstand. Das ist ja Klimaschutz, heißt wir verhindern die schlimmsten Katastrophen, damit wir überhaupt die demokratischen Räume erhalten, die wir haben können.”

Hier der ganze Ausschnitt, von dem Rechte nicht wollen, dass ihr ihn in Gänze seht:

Worte im Mund verdreht

So weit, so gut. Wie gelingt es den Rechten dennoch, ihr die Worte im Mund umzudrehen? Nun, eingeleitet hatte Neubauer diese Erklärung mit der Aussage: 

“Die Wahl zwischen Demokratie und Zeit haben wir nicht, wenn wir die fundamentalen Krisen dieser Zeit nicht in den Griff bekommen.” Damit hatte sie, wie sich aus den folgenden Aussagen eindeutig zeigen lässt, gemeint, dass ohne raschen und effektiven Klimaschutz die Zukunft der Demokratien gefährdet ist.

Ein rechter Account hatte aber auf Twitter diesen ersten Satz aus dem Kontext gerissen: 

Und wie zu erwarten war, sprang die rechte Troll-Armee unmittelbar darauf an, natürlich ohne sich das Video angeschaut zu haben. Also ohne den relevanten Kontext und auch ohne nur einmal ganz kurz nachgedacht zu haben, ob die Aussage nicht vielleicht doch richtig und sinnvoll sein könnte. In den Kommentaren wimmelte es nur so von hasserfüllten Reaktionen: 

FDP-Politiker mit RAF-Vergleich

Ganz besonders übers Ziel hinaus schießt aber der FDP-Abgeordnete Gerald Ullrich. Der pickt das aus dem Kontext gerissene Zitat heraus und liest daraus eine Infragestellung der demokratischen Strukturen. Dabei hatte Luisa Neubauer ja gerade das Gegenteil getan: Sie hatte schnellen und effektiven Klimaschutz gefordert, eben genau um demokratische Strukturen erhalten zu können. Das juckte den FDPler freilich wenig, im Gegenteil lies er sich sogar noch zu einem RAF-Vergleich hinreisen.. 

Damit ist der FDPler in seiner Partei übrigens nicht alleine. Auch die Bonner FPD-Vorsitzende springt auf den Zug auf:

Einordnung durch weiteren Talkshow-Gast

Der Soziologe Matthias Quent, ebenfalls Gast in der Talkshow bei Lanz, bestätigt übrigens Neubauers Aussage: Dass es nämlich ohne Klimaschutz auch keinen Fortbestand der Demokratie geben werde. Er beschrieb, dass wir wachsende Kämpfe um ein schwindendes C02-Budget sehen werden, die zu einer Stärkung faschistischer und autoritärer Kräfte führen werden und so ein Ende der Demokratie herbeiführen könnten:

Auch auf Twitter springt er Luisa Neubauer noch einmal zur Seite. Er klärt das Aus-dem-Kontext-reißen zu „reinem bullshiting“ das „jeden rationalen Diskurs“ zerstöre:

Woher Luisa Neubauer die Kraft nimmt, sich immer wieder diesem Theater auszusetzen? Wir haben hier darüber geschrieben, wie die Bild über Neubauers Aussagen lügt, hier darüber, welche sexistischen Mist Rechte im Netz über Neubauer schreiben und hier darüber, wie sich über alte Handlungen von Neubauer aufgeregt wird, um die Bekämpfung der Klimakrise zu diskreditieren.

Artikelbild: Screenshot