So zerlegt die Polizei die Lügen von AfD-Aktivisten über Freiburg

Bericht

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Fake News:

Am Montag gab es zwei Demos in Freiburg, die beide sexualisierte Gewalt gegen Frauen anprangerten. Die der AfD instrumentalisierte die Vorfälle schadenfroh, die Gegendemo verurteilte diese Instrumentalisierung. Fake News über die Gegendemo wurden bereits im Vorfeld massiv verbreitet, wie wir hier analysiert haben.

Jetzt verbreitete ein AfD-Aktivist, welcher auch Mitglied in der „Jungen Alternative“ ist, dramatische Darstellungen: „Bürgerkriegsähnliche Zustände“ soll es gegeben haben, ein Polizist soll ein Auge verloren haben und anderes. Das Ziel: Die Gegendemonstranten diskreditieren. Die Instrumentalisierung der Tat durch Rechte soll die legitime der beiden Proteste sein.



Polizei zerlegt die Darstellungen

Auch andere rechte Blogs nutzen die Darstellungen, um nicht nur gegen Flüchtlinge zu hetzen, sondern auch gegen diejenigen, die sich gegen diese Hetze einsetzen wollen. Doch die Polizei Freiburg, die wohlgemerkt noch alle Videos und Anzeigen zu den Demos auswerten muss, kann jetzt bereits bestätigen: Das meiste davon ist gelogen.

Das hindert die Hetz-Maschinerie der Rechten nicht daran, diese Falschmeldungen zu verbreiten. Immer mehr rechte Blogbeiträge, Posts und Tweets werden verbreitet, die diese Lügen kopieren. Das können sie ohne Reue tun: Denn die meisten Anhänger ihrer Ideologie wollen das glauben und werden von den Richtigstellungen nie erreicht. Denn sie lesen klassische Medien nicht mehr.

Propagandakrieg im Netz

In Zeiten, in welche sich jede politische Gesinnung in ihrer eigenen Filterblase informiert, spielen Fakten keine Rolle mehr. So verbreiten Rechte seit Jahren Fake News und selektiver Berichterstattung (Mehr dazu) in ihrem Netzwerk, um ihre Anhänger zu radikalisieren. Die AfD pickt sich die und nur die Ereignisse heraus, die sie instrumentalisieren kann.

Und wie unsere Recherchen zeigen: Meistens stimmen nicht mal diese. Von 698 Fällen, die die AfD auf einer eigenen Website als Beispiele für „Messermigration“ aufzählt, sind in 80% (!) der Fälle die Täter schlicht unbekannt. In weiteren 8% handelt es sich nicht um Messerangriffe. Und bei den verbliebenen 85 Fällen von Messerstechereien sind 55 Migranten Opfer anderer Migranten. Wo ist die viel beschworene „Gefahr für die Deutschen“?

Man ignoriert die Realität

Die Anzahl der Tatverdächtigen in Deutschland ist so niedrig wie seit 1992 nicht mehr. Die Anzahl der tatverdächtigen „Zuwanderer“ ist ebenfalls stark gesunken. Anerkannte Asylbewerber sind sogar unterdurchschnittlich kriminell. Natürlich kann man über die Abschiebepolitik reden. Wenn jemand kein Aufenthaltsrecht hat, sollte es möglich sein, ihn abzuschieben. (Achtung: Es sind viel weniger als in rechten Kreisen behauptet)!

Oder noch besser: Durch ein Einwanderungsgesetz bietet man legale Wege mit vernünftigen KriterienKriminalität hängt nach Geschlecht (männlich) und Alter (jung) vor allem mit sozialer Lage und Sicherheit zusammen. Natürlich sind die jungen Männer, die nicht wissen, wie ihre Zukunft aussieht am kriminellsten, im Gegensatz zu den anerkannten Asylbewerbern, die eine sichere Aufenthaltsgenehmigung haben und zu hunderttausenden Arbeitsplätze.

GENERALVERDACHT UND HETZE

Doch vernünftige Politik und praktische Lösungen, darüber redet die AfD nicht. Sie redet über Ausgangssperren für Flüchtlinge! Über das Aussetzen von Menschenrechten und Rechtstaat! Kein Wunder, dass Menschen nicht-deutschen Aussehens angegriffen und verprügelt werden, wie Sonntag in Magdeburg. Weil diese ständige Hetze mit selektiver Wahrnehmung und vielen, vielen Fake News den Hass schürt, gegen eine künstlich definierte Gruppe. Nach Aussehen.

Und das ist das Problem: Die Medien machen mit. Straftaten mit Beteiligung von Migranten bringen mehr Auflage, mehr Klicks. Über Straftaten von Nicht-Deutschen wird überproportional berichtet, wie eine Studie zeigt. Warum? Weil sich die ganzen Online-Wutbürger darüber aufregen können, es teilen und ihre Vorurteile bestätigen. Vor zwei Wochen gab es drei Geiselnahmen in zwei Tagen. Die Presse berichtete nur über die des Nicht-Deutschen.

Wir müssen diesen Kreislauf des Hasses und der Desinformation durchbrechen. Wir müssen die Hetze klar benennen. Das kann so nicht weitergehen. Denn sonst verabschieden sich immer mehr Bürger in die rassistischen Echokammern in Social Media und werden nur noch von Horrormeldungen beschallt. So weit, dass sie offiziellen Statistiken über Kriminalität nicht mehr glauben (können), weil sie nicht ihrem Weltbild entsprechen. Und herauskommen keine sinnvollen Lösungsvorschläge, sondern nur noch realitätsferner Rassismus.

Artikelbild: Screenshots twitter.com, facebook.com

Zum Thema:

So feiern Rechte die Gruppenvergewaltigung in Freiburg – Euer Ernst?

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