6.980

Nur 1000: Rechter KI-Fake über Teilnehmerzahl bei Naidoo-Demo

18. März 2026 | Faktencheck

Zu Naidoos rechter Schwurbel-Demo in Berlin kamen gerade mal 1000 Personen, aber Rechte lügen mal wieder über das Ausmaß ihrer Unterstützung und verbreiten KI-generierte Bilder – mitsamt entlarvender Wasserzeichen. Auch so war alles daran peinlich: Denn die Rechtsextremen sind es, die selbstherrlich den echten Einsatz für das Wohl der Kinder mit ihrem Verschwörungswahn behindern. Und ja, fast alle auf der Demo identifizierten sich stolz als "Rechte" - mitsamt Hitlergruß natürlich.

Das ist also "das Volk"?

Rund 1000 Menschen, darunter extrem rechtsextreme Influencer und Medien, sind am Samstag, 14. März, einem Demoaufruf von Verschwörungslügner Xavier Naidoo gefolgt. Das waren deutlich weniger, als von den Organisatoren im Vorfeld angekündigt: Angemeldet hatte Versammlungsleiter und rechter Hetzer Matthäus Westfal 10.000 Teilnehmer zur rechtsextremen Aluhut-Demo. Westfal ist rechtsradikaler Internet-Aktivist und dreht für den AfD-nahen Deutschlandkurier Videos.

Die abstrusen Verschwörungserzählungen, die sich hinter dem Motto verbargen, haben letztendlich deutlich weniger Menschen abgeholt, als von den Schwurblern erwartet. Die Polizei sprach sogar nur von lediglich 750 Personen. Zum Vergleich: An einem ganz normalen Sonntag in Düsseldorf konnten vor drei Wochen problemlos 7000 Menschen für eine Demo gegen Faschist Höcke organisiert werden.

Der Faktencheck:

Ein Ausschnitt einer Videoaufnahme von der Siegessäule zeigt, wie viele Personen wirklich da waren.

Screenshot

Selbst mit großzügiger Dichte gerechnet, kann die Anzahl kaum 1500 Personen überschreiten.

Screenshot

Dass die Demonstration so viel weniger Unterstützung bekam, als erwartet, hinderte Rechtsextreme nicht daran, das Gegenteil zu behaupten. Sie spulten das klassische Schema ab: Einfach behaupten, dass es viel mehr Demonstranten sind, wie die extrem rechte Influencerin "eingollan" auf Instagram. Wer etwas anderes behauptet, ist natürlich die "Lügenpresse", wie vor Ort laut skandiert wurde. Und wenn das Luftbild nicht die Tausenden Demonstranten zeigt, die man gerne hätte, kann man auch einfach per Künstlicher Intelligenz die Straßen füllen.

Das Fake-Bild, deutlich zu erkennen am Wasserzeichen der Google-KI Gemini, wurde von einem der reichweitenstärksten rechtsextremen X-Accounts Deutschlands verbreitet – ironischerweise als vermeintlicher Beweis, dass die von der Polizei angegebene Demo-Zahl von 750 offensichtlich falsch sei. Der offensichtliche Fake war ihm anscheinend dann doch peinlich, das Bild ist mittlerweile gelöscht.

Screenshot x.com, man kann im Screenshot rechts unten das Gemini-Wasserzeichen der KI erkennen.

Weitere Fake-Bilder mit KI erstellt

Auch der Verschwörungslügner Stefan Homburg, der in der Pandemie mit schamloser Desinformation in der rechten Szene Karriere machte, teilte ein KI-generiertes Bild der Demo. Auch er löschte es später, ohne darüber aufzuklären, dass er mal wieder einen Fake verbreitet hatte.

Screenshot x.com, Zuschnitt Volksverpetzer, das KI-Bild ist allein deshalb offensichtlich Fake, da die Bühne in die andere Richtung ausgerichtet war.

Er wurde schon oft beim dreisten Lügen erwischt, macht aber unbeirrt weiter:

Dabei gibt es durchaus auch Kritik von Rechts an der rechtsextremen Aluhut-Demo von Naidoo. Ein anderer, rechter Fake-Verbreiter kritisierte die Demo dafür, dass sie jeden Kritiker der Demo (auch von rechts) sofort als "p*dophil" beschimpfe, und die mangelnden Beweise für die haarsträubenden Unterstellungen, die auf der Bühne von Naidoo & Co. gemacht wurden.

Screenshot

Aluhut Homburg erklärte in diesem Kontext offenbar unfreiwillig ehrlich, dass er nicht einsehe, dass er irgendetwas verifizieren müsse. Und dann kann man sich besser vorstellen, wie ernst zu nehmen die Inhalte dieser Person sind.

Screenshot.com, Verdeckung von Beleidigungen durch Volksverpetzer

Warum das eine rechtsextreme und verschwörungsideologische Demo von Naidoo war

Auf der Demonstration, die die Rechtsextremen so bemüht großreden und manipulieren, sollte es angeblich um den Schutz Minderjähriger vor Missbrauch gehen. Tatsächlich waren unter den Teilnehmenden auch Menschen, die von eigenen Missbrauchserfahrungen erzählen. Das macht es besonders perfide, wie Xavier Naidoo und seine Anhänger die Bühne für ihre Verschwörungserzählungen ohne jeglichen Belege nutzen. Naidoo hielt sich diesmal etwas zurück, noch Mitte Februar fantasierte er am Rande einer Kundgebung in Berlin von "Menschenfressern" und "embryonalen Gewürzen" in Chips. Die Organisatorinnen der Veranstaltung gegen sexuellen Kindesmissbrauch, die der Verschwörungsideologe im Februar kapern wollte, distanzierten sich schon im Vorhinein von Naidoo und Mitgliedern rechter Parteien, kamen aber nicht gegen die Kaperung ihrer Veranstaltung an.

Während Naidoo diesmal hauptsächlich Andeutungen machte, formulierten andere Redner Verschwörungsmythen aus, die an antisemitische Ritualmord-Legenden erinnern: Es wurde behauptet, das Wickeln im Kindergarten bereite auf späteren Missbrauch vor, auch angeblicher Kannibalismus und Menschenfleisch in Lebensmitteln waren wieder ein Thema. Wie stark die Demonstration von Rechten und Rechtsextremen geprägt ist, zeigt sich an den Auftritten der rechtsextremen Influencerin Michelle Gollan und eines weiteren Redners.

Fast alle auf der Naidoo-Demo outeten sich stolz als rechts

Gollan ist auf YouTube mit der Diffamierung von queeren Menschen, Antifaschisten und Demonstranten, Interviews mit Querdenkern und rechtsextremem Dog Whistling (chiffrierter Sprache, Codes) erfolgreich geworden. Bei der Demo am Samstag sagte sie, es sei ihr „egal“, dass sie in den Medien als „rechtsextrem dargestellt werde“ und bekommt dafür Applaus. Ein anderer Redner fragte, wer von den Teilnehmern alles rechts eingestellt sei. Fast alle hoben den Arm. Es sind nicht wir, die der Demo dieses Label aufdrücken, das ist selbst gewählt.

Im Publikum tummelten sich dann noch deutlich unvorsichtigere Rechtsextreme: Eine Frau wurde festgenommen, nachdem sie einen Hitlergruß machte und in das Mikrofon von Content-Creator Marcant sagte, sie „liebe an Hitler, dass er mutig genug war, sich gegen Juden einzusetzen".

Und nebenbei vergessen sie, den Kindern zu helfen

Diese Mischung aus Rechtsextremen, Holocaustleugnern – offenbar auch Antisemiten – und Verschwörungserzählern kapert also erneut das wichtige Thema Kindesmissbrauch und instrumentalisiert das Leid Betroffener für ihre eigene Agenda. Und ganz nebenbei nutzt Xavier Naidoo die Veranstaltung auch noch fleißig, um sein neues Album zu bewerben.

Wer glaubt, dass es auch nur einem einzigen Kind hilft, wenn diese Leute Hitlergrüße machen, KI-Bilder von der Demo verbreiten, unbelegte Märchen von sich geben oder von verzehrtem Menschenfleisch fantasieren, der irrt. Im Gegenteil, sie lenken aktiv von echtem Kindesmissbrauch ab und behindern die echten Kinderschützer. Als im Februar echte Kinderschützer und Missbrauchsopfer demonstrierten und sich mediale Aufmerksamkeit erhofften, entzog ihnen der Verschwörungsideologe Naidoo jeglichen Sauerstoff und kaperte das Thema komplett für seinen Wahn.

Die Organisatoren kamen in den Medien lediglich mit ihrer Distanzierung vor – ihre Geschichten und Forderungen wurden nie gehört. Die Instagram-Seite ist inzwischen auch gelöscht. Auch wir reden nur wieder über den Hass und die Lügen der Rechten. Und Naidoo & Co haben die geforderte "Gerechtigkeit für Kinder" letztlich komplett verhindert. Stattdessen hat man das emotionale Thema gegen das wahnhafte politische Feindbild instrumentalisiert.

Wenn es darum geht, die Themen Epstein und Kindesmissbrauch für ihre Zwecke zu nutzen, sind Rechtsextreme und AfD schnell dabei. Manchmal sind sie dabei aber auch unfreiwillig ehrlich, wie AfD-Kandidat Julian Adrat in einem Post, über den Volksverpetzer bereits berichtete.

Die AfD-Unterstützer sind Fake oder aus Nigeria

Den Rechtsextremen ist die Wahrheit stets egal – und ihre mangelnde Unterstützung durch die Bevölkerung muss durch Lügen kaschiert werden. Vorsichtig mit Menschenmassen auf Bildern, die Rechtsextreme verbreiten, muss man nicht nur bei Großveranstaltungen sein. Auch auf lokaler Ebene basteln sich AfD-Politiker die Welt, wie sie ihnen gefällt.

Ein anderes Beispiel dafür ist Werner Schwaben, der im Januar als erster Beigeordneter im Saarbrückener Bezirksrat West abgewählt wurde. Neben offensichtlich KI-generierten Bildern postet er auf seinem Facebook-Account auch Bilder seines "AfD-Stammtischs".

Screenshot facebook.com, auch dieses Bild ist ein KI-Fake

Schaut man sich die Menschenmassen im Hintergrund der Bilder von Februar und März an, fällt schnell auf, dass die "Besucher", die "im Stehen unseren Beiträgen lauschen", nicht echt sein können: Sie stehen völlig unnatürlich im Raum und starren Plakate an, die offensichtlich auch von KI eingefügt wurden, die Fensterreste des ursprünglichen Bildes sind noch zu erkennen.

Auf einem anderen Bild sind diese Besucher eine Armee Anzugsträger, die alle in die gleiche Richtung schauen, teils nicht mehr erkennbare Gesichter haben und vor einer Fensterwand stehen, die es in dem Raum gar nicht gibt.

Aber auf den ersten Blick sieht es ebenso aus, als wäre der AfD-Stammtisch ein riesiger Erfolg gewesen. Eine Message, die auch der Account der AfD Saarland gerne weiterverbreitet und eine Methode, die die AfD im Kleinen wie im Großen immer wieder nutzt. Auch hat eine Analyse jüngst ergeben, dass die Mehrheit der Pro-Weidel-Posts aus Nigeria stammen soll.

Rechte müssen Unterstützung fälschen – denn "das Volk" ist gegen sie

Denn was ist die AfD in Wirklichkeit? Sie wird von den mächtigsten Menschen und Staaten der Welt unterstützt, von den reichsten, von vielen Milliardären. Ihr wird viel Aufmerksamkeit und Medienmacht gekauft. Wenn es drauf ankommt, in den Kommunen und Städten, hat sie enorme Probleme, Leute zu finden, die für sie antreten. Bei der Kommunalwahl in Bayern vor kurzem war das kaum anders. In nur 47 Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern stellte die AfD einen eigenen Bürgermeisterkandidaten auf. In Hessen trat sie am letzten Sonntag nur in einem Fünftel der Gemeinden an.

Das widerspricht fundamental dem Narrativ des "Wir sind das Volk". Eine Partei, die das Volk angeblich hinter sich hat, sollte keine Mühe haben, in jeder Gemeinde eine Handvoll Kandidaten zu finden. Demos, die "das Volk" hinter sich hätten, müssten nicht auf KI-Bilder zurückgreifen. Die große Mehrheit der Deutschen ist gegen die AfD und den Rechtsextremismus. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie groß die Ablehnung ist – eben weil sie nicht so in den Fokus rückt.

Zwei der größten Protestwellen in der Geschichte der Bundesrepublik richteten sich direkt gegen Rechtsextremismus. Und gegen diese Partei – die Anti-Rechts-Proteste von 2024 und 2025, wobei 2024 mit Abstand die größte Protestwelle aller Zeiten war! Diese Menschen sind nicht weg. Diese Proteste haben Wirkung gezeigt. Die Menschenmassen ersetzt auch kein Geld und kein Support von Milliardären – und keine KI.

Artikelbild: Screenshots

Passend dazu: