Paradox: Diese 7 Flüchtlinge und Migranten sind in der AfD

Kommentar

image_print

AfD-Abgeordnete mit Migrationshintergrund

Es ist seltsam: Sie sind als Kinder selbst als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen oder sind hierher eingewandert. Jetzt sitzen sie für die AfD in den Parlamenten. Wir haben eine Liste mit sieben AfD-Abgeordneten zusammengestellt, die trotz ihres Migrationshintergrund gegen Flüchtlinge und Migration sind. Verstehen tun wir’s aber nicht.



PetR Bystron (Flüchtling aus der Tschechoslowakei)

Petr Bystron wuchs in der Tschechoslowakei auf. 1987 flohen seine Eltern mit ihm in die Bundesrepublik Deutschland und beantragten politisches Asyl. Er war Vorsitzender der AfD Bayern. Von März bis September (Einzug Bundestag, pol. Immunität) wurde er vom Bayerischen Verfassungsschutz beobachtet weil er „Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen aufzeige“.

Joana Cotar (Flüchtling aus RUMÄNIEN)

Joana Cotar floh mit ihrer Familie im Alter von fünf Jahren aus Rumänien nach Deutschland. Sie ist Ex-CDU Mitglied und war dort im Vorstand der CDU Mannheim-Schwetzingerstadt/Oststadt. 2013 Wechsel in die AfD. Dort war sie Co-Vorsitzende des hessischen Landesverbandes, aber Rücktritt im Juli 2014 wegen interner Streitigkeiten, da sie Abmahnungen ablehnte.

Anton Friesen (kasachische SSR, Spätaussiedler)

Er kam mit zehn Jahren als Spätaussiedler nach Deutschland und wuchs in Ostwestfalen auf. Er spendete unter anderem Geld an eine diakonische Tafel, die die Spende jedoch abgelehnt hat. Daraufhin beschimpfte der Rest der AfD die Sonneberger Diakonie. Des Weiteren war er u.a. Wahlbeobachter bei der russischen Präsidentenwahl, während die OSZE massive Unregelmäßigkeiten und fehlenden Wettbewerb kritisierte, habe Friesen selbst keine Unregelmäßigkeiten erkennen können.

Ebenfalls ist er Fake News affin. So berichtete er von einem Totalschaden seines Autos und postete ein fünf Jahre altes Stockphoto, obwohl sich später herausstellte, dass lediglich die Radmuttern gelöst waren. Die Einschätzung eines von der Staatsanwaltschaft beauftragten Gutachtens stellte fest, dass die Mängel für ein „selbständiges Lösen der Radbolzen“ sprechen können.

Markus Frohnmaier (aus einem rumänischen Kinderheim adoptiert)

Frohnmaier stammt aus Rumänien, nach eigenen Angaben lernte er nie seine Eltern kennen. Er wurde von einem deutschen Ehepaar adoptiert. Frohnmaier möchte gerne „bei allen Straftätern den Migrationshintergrund „bis in die dritte oder vierte Generation (…) ermitteln, damit die Kriminalstatistik die Realität wiedergibt“. Zusätzlich pflegt Frohnmaier europaweit Kontakte zu rechten Organisationen, damals noch in der Jungen Alternative, dort besonders nach Russland und zur österreichischen FPÖ-Jugend.

Marc Jongen (Mutter Italienerin, Vater Niederländer, Migrant)

Jongen wuchs in Südtirol auf und hat die italienische und niederländische Staatsbürgerschaft. 2011 wurde er in Deutschland eingebürgert. Er ist einer der zwei Landessprecher der AfD in Baden-Württemberg. Weiterhin ist er Vorstandsmitglied der rechtsnationalen Gustav-Stresemann-Stiftung. Er tritt auch gemeinsam mit Martin Sellner (Identitäre Bewegung) als Vortragender bei dem neurechten Institut für Staatspolitik auf.

Waldemar Herdt (kasachische SSR, Spätaussiedler)

Er wuchs als Angehöriger der russlanddeutschen Minderheit in der damaligen Sowjetrepublik Kasachstan auf. 1993 ist er mit seiner Familie nach Deutschland ausgewandert. Herdt begann seine politische Laufbahn in der Partei bibeltreuer Christen (u.a. als Bundesvorstand) und wechselte in die AfD. Er selbst beschäftigte im Bundestag den putintreuen Aktivisten Heinrich Grot. Dieser steht im Visier der Spionageabwehr des Bundesamts für Verfassungsschutz.

Paul Podolay (Migrant, Tschecheslowakei)

Podolay wuchs in der Tschechoslowakei auf und wanderte 1982 in die BRD aus. Außerdem war er Mitglied der CSU, ehe er 2015 zur AfD wechselte. Tritt politisch im Bundestag bislang nicht wirklich in Erscheinung.

Wie kann man als Flüchtling gegen Flüchtlinge sein?

Die AfD ist eine offen rechtsextreme Partei. Das heißt, sie will „stolz“ auf Deutschland im zweiten Weltkrieg sein, will de facto einen „Ariernachweis“ einführen und das Menschenrecht Asyl quasi wieder abschaffen. Dazu verwendet sie rassistische und fremdenfeindliche Sprache und macht pauschal Stimmung gegen Migranten jeglicher Art. Dass Menschen, die selbst Flucht- und Migrationserfahrung gemacht haben, jetzt diese Positionen vertreten ist äußerst seltsam.

Auffällig ist, dass es sich hierbei fast ausnahmslos um Menschen aus Osteuropa handelt. Wie können diese Menschen nun nicht das Leid der Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan nachvollziehen? Und wenn es keine Fluchterfahrung ist, den Wunsch nach einem besseren Leben in Deutschland? Es ist traurig und schade, dass diese PolitikerInnen hier diese Gelegenheit verpassen, Brücken zu bauen und stattdessen Mauern fordern.

Alle politischen Erfolge der AfD seit der Bundestagswahl

Text: Gordana Rammert, Thomas Laschyk. Artikelbild: pixabay.com, CC0

Da du diesen Artikel zu Ende gelesen hast: Möchtest du mehr Recherchen und Analysen zu den Hintergründen von politischen Mythen und Fake News? Oder auch Kommentare zu politischen Forderungen und aktuellen Ereignissen? Dann unterstütze unsere Arbeit mit einer kleinen Spende für einen Kaffee, dazu kannst du einfach hier entlangschauen. Vielleicht hast du auch Fragen oder Artikelwünsche? Dann schreib uns auf redaktion@volksverpetzer oder auf Facebook oder Twitter

% S Kommentare
  1. Pablo Cininc sagt

    Was soll denn der Hinweis auf die Herkunft? Was soll damit denn gesagt werden, dass es auffällig sei, dass die meisten aus dem osteuropäischen Raum kämen? Das wird einfach in den Raum gestellt und weder irgendwie erklärt noch klar gemacht, was für ein Mehrwert diese Information hat. Da ich ein solches Verhalten gegenüber Syrern etc. bei der AfD als rassistisch bezeichne, wüsste ich nicht, wieso ich hier nicht die gleiche Annahme machen sollte. Außerdem sind die meisten hier aufgeführten Personen ja bereits im Kindes- oder frühen Jugendalter nach Deutschland gekommen. Ich weiß nicht mehr, was ich mit 5 gemacht habe und könnte auch aus vermeintlichen Fluchterfahrungen relativ wenig ableiten, zumal es unzählig viele unterschiedliche Fluchtgeschichten gibt, die sich kaum vergleichen lassen. Und außerdem, wie kommt ihr denn darauf, dass nur weil jemand selber mal (als Kind) irgendwie auf der „Flucht“ war, könnte er kein Rassist oder sonstiges rechtes A-loch sein? Das ist ja fast positiv-Rassismus zu glauben, nur weil jemand nicht aus Deutschland kommt, kann er kein schlechter Mensch sein. Gerade mit solchen Hintergründen, mit solchen extrem belastenden Situationen ist es doch mehr als nachvollziehbar, wenn da der ein oder andere mit komischen Ansichten ankommt. Und da die AfD nicht nur als Anti-Flüchtlingspartei sondern viel eher als Anti-Islam-Partei auftritt, ist es ja kaum verwunderlich, dass sich da Menschen mit komischen Ansichten, unabhängig ihrer Herkunft, sammeln.

  2. parker030 sagt

    da hat wohl jmd die überschrift nicht gelesen.

    dieser artikel befasst sich explizit mit dem migrationshintergrund von afd mitgliedern. die nationalität der politiker ist ausschlaggebend, oder zumindest die info, dass die betreffenden personen aus dem ausland stammen. das hat durchaus relevanz in einer partei, die sich gegen nicht-deutsche menschen stellt.

    wenn bei straftaten die nationalität genannt werden, haben diese in der regel nichts mit der nationalität der täter zu tun, weshalb es ethisch und moralisch richtig ist, ihre nationalität nicht zu benennen.

    in einem artikel jedoch, der menschen mit migrationshintergrund in der afd beleuchten will, ist die nationalität der personen, um die es geht, essentiell. und ja, für jeden menschen mit migrationshintergrund sollte der gedanke fern liegen, mit dieser islamfeindlichen und allgemein xenophoben, faschistischen partei auch nur im geringsten etwas zu tun zu haben. die frage ist also mehr als berechtigt.

    zugegeben: das alle aus dem ostblock stammen, macht einen schiefen eindruck. andererseits ist es auch ein fakt, das christliche menschen, die aus ländern stammen, die östlich von deutschland liegen, teilweise extrem anti-islamisch sind.

    da finde ich auch, hätte der autor sich etwas distanzieren können, damit beim leser nicht der eindruck entsteht, dass alle „ausländer“ in der afd aus dem gleichen gebiet kommen.

    außerdem ist das nicht sauber recherchiert. ich persönlich weis von einem dunkel-häutigen afd politiker und auch von einer kurdischen afd politikerin bei denen ich bezweifle, das sie aus diesen ländern stammen, wie oben aufgezeigt.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.