Querdenker Schiffmann will auch mit Rechtsextremen gemeinsame Sache machen

| Querdenker | 13. Juli 2022

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Bodo Schiffmann heißt auch Rechtsextreme willkommen

Zwei Jahre nach Gründung von „Querdenken-711“ ist es längst kein Geheimnis, dass die sogenannten Querdenker:innen Nazis und Reichsbürger in ihrer Mitte dulden (Quelle). Ihre verschwörerischen Ideologien leben von antisemitischen Chiffren (Quelle), die Übergänge in die rechtsextreme Szene sind fließend, wie auch Volksverpetzer mehrfach dokumentierte (mehr dazu). Dennoch wurde dies zunächst vehement abgestritten, Führungspersonen der Bewegung distanzierten sich nominell von rechtsextremem Gedankengut (Quelle). Doch Querdenken-Wortführer Bodo Schiffmann richtet nun ganz deutlich einladende Worte an Reichsbürger – auch sie seien im Kampf gegen „den gemeinsamen Feind“ gefragt (Quelle).

Grund für den entfachten Kampfgeist: Michael Ballwegs Verhaftung. Der Gründer von Querdenken-711 sitzt seit dem 29. Juni 2022 in Untersuchungshaft. Ihm wird Betrug und Geldwäsche vorgeworfen, wegen einer vermeintlich bestehenden Fluchtgefahr wurde er nach einer Hausdurchsuchung direkt mitgenommen (Quelle). Anstatt sich jedoch darum zu sorgen, was Ballweg mit ihren großzügigen finanziellen Zuwendungen angestellt hat, stärken ihm viele Unterstützer:innen weiter den Rücken (Quelle). Und auf den resultierenden Kundgebungen und Demonstrationen ist ganz offensichtlich jeder willkommen – zumindest, wenn es nach Mediziner Bodo Schiffmann geht.

Absurd: Querdenker solidarisieren sich mit Ballweg, der sie betrogen haben soll

Schiffmanns Einstellung zeichnet sich seit Monaten ab

In einem Video, das Schiffmann am 6. Juli auf seinem Telegram-Kanal postete, distanzierte er sich zunächst von Querdenker:innen, die Ballweg anders als er selbst kritisieren und zur Rechenschaft ziehen möchten. Dann greift er zu einem altbekannten Mittel – und übertreibt mit maßlosen Vergleichen. So wird Ballweg flugs zu Gandhi oder Martin Luther King. Schiffmann verortet den Querdenken-Gründer weiterhin in den Geschichtsbüchern der Zukunft. Unter der Gefolgschaft eines solchen Märtyrers finden laut dem Mediziner offensichtlich auch Reichsbürger einen Platz. „Wir sind gemeinsam auf einem Ziel gegen einen gemeinsamen Feind. Und mir ist das völlig Banane, ob jemand schwarz-weiß-rote Fahnen trägt. Darüber kann man diskutieren, wenn wir dahin gekommen sind, dass die verfassungsmäßigen oder grundrechtsmäßigen Grundrechte wiederhergestellt sind“, so Schiffmann.

Reichsflaggen sind inzwischen ein Symbol von Rechtsradikalen und Reichsbürgern – und regelmäßig auf Querdenken-Demos zu sehen.

Geschichtsnachhilfe: So rechtsradikal ist die schwarz-weiß-rote Reichsflagge

Frei nach dem Motto: Um Rechtsextreme können wir uns auch noch kümmern, wenn wir deren Ideologie erst durchgesetzt haben? Die Aussage des Schwindel-Arztes ist ebenso gefährlich wie vorhersehbar. Schließlich zeichnet sich Schiffmanns ideologischer Schulterschluss seit Monaten ab. So verglich er impfende Mediziner:innen mit dem KZ-Arzt Josef Mengele, Ungeimpfte mit Jüd:innen in den 1930ern und warnte vor einer erneuten Reichskristallnacht (Quelle).

Im Januar diesen Jahres wurde er aufgrund solcher Aussagen wegen Volksverhetzung in zwei Fällen angeklagt (Quelle). Als Aggressor und „gemeinsamen Feind“, gegen den Schiffmann zusammen mit Reichsbürgern kämpfen möchte, führen Querdenker:innen übrigens regelmäßig sogenannte „Globalisten“ an (Quelle). Ein näherer Blick entlarvt auch dieses rechtsextreme Narrativ schnell als antisemitische Codierung, die „den Juden“ als Feindbild nutzt (Quelle).

Quelle: Telegram

Schiffmann spricht aus, was allen längst klar war

Aufmerksame Beobachter:innen wissen bereits seit Mitte 2020, dass sich Nazis und Reichsbürger nahtlos bei Querdenken-711 eingliedern. Volksverpetzer berichtet die Radikalisierung fortlaufend. Doch Schiffmann hat nun endlich ausgesprochen, was lange abgestritten wurde: Rechtsextreme sind ein Teil der Bewegung – und sie sind obendrein ausdrücklich erwünscht. Zumindest solange es um ein gemeinsames Ziel geht. Vielleicht gibt Schiffmann dies plötzlich so schamlos und offen zu, weil es laut ihm lediglich Ballweg in die Geschichtsbücher schafft. In der Hoffnung, dass seine eigenen Fehltritte im Scheinwerferlicht des Gründers schnell in den Hintergrund geraten. Doch seine politische Einstellung hat Schiffmann mit seinen Holocaustrelativierungen der letzten Jahre und nun durch den bereitwilligen Schulterschluss mit Reichsbürgern mehr als offenbart.

Warum Querdenker offen zugeben, dass sie die ganze Zeit lügen

Artikelbild: shutterstock.com / Screenshots

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