Der endgültige Beweis, dass alle Frankfurt-Hetzer nur Rassisten sind

Kolumne Schwer verpetzt

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Ihr seid rassisten!

Gestern ist eine Tragödie in Frankfurt geschehen. Ich bin mir sicher, ich muss nicht alle traurigen Details erzählen, ihr habt es sicherlich mitbekommen. Ein Kind wurde grausam getötet. Und wäre das nicht schlimm genug, krochen sofort die ganzen Internet-Maulhelden und Rassisten aus ihren Löchern, um das Thema für ihren Hass zu instrumentalisieren, als sie erfuhren, dass der mutmaßliche Täter kein Deutscher war.

Die AfD instrumentalisierte das alles gleich für ihre Zwecke: Weidel machte sofort die „grenzenlose Willkommenskultur“ verantwortlich. AfD Droese eskalierte sogar vollends und unterstellte: „falsche Migrationspolitik tötet!“ Er gab Frau Merkel die Schuld daran und behauptete, an ihren Händen klebe „das Blut eines unschuldigen Kindes!“. Und wir haben alle ähnliche Kommentare gelesen.

„Vor 2015“ hätte es „sowas“ (Morde?) nicht gegeben. „Die“ müssten raus, „bevor noch mehr sterben“. Unzählige Gewaltfantasien gegen Menschen nicht weißer Hautfarbe, Frau Merkel, „Linke“/“Grüne“, die irgendwie alle „Mitschuld“ haben. Sie sehen darin einen Beweis, dass Deutschland „so unsicher geworden“ sei. Doch das alles ist purer Rassismus. Und ich werde es hier beweisen.



Zur instrumentalisierung

Vorher aber noch zum Vorwurf der „Instrumentalisierung“. Das ist der Vorwurf, dass jemand etwas für machtpolitische Zwecke missbraucht. Damit wird impliziert, dass eine Schlussfolgerung von Tat zu politischen Forderung nicht gerechtfertigt ist. Diesen Beweis werde ich auch erbringen. Mir wurde auch vorgeworfen, ich würde den Vorfall „instrumentalisieren“, wenn ich jetzt die Rassisten anprangere. Ernsthaft?

Erstens: Gesellschaftlich relevante, politische Themen zu analysieren und kommentieren – und Rassisten anprangern – ist mein Job. Nach der Logik „instrumentalisieren“ die Journalist*innen, die über den Vorfall in Frankfurt geschrieben haben auch den Vorfall. Eine merkwürdige Unterstellung. Zweitens hätte ich es nicht nötig, Rassismus anzuprangern, wenn keiner da wäre. Ich wünschte, ich könnte einfach für mich alleine trauern, das schrieb ich bereits gestern. Über das Opfer reden. Über die arme Mutter! Aber nein. Ich muss mich diesem Hass entgegen stellen.

Wenn ihr so viel Rassismus in die Kommentarspalten erbrecht, wenn ihr es instrumentalisiert, dann werde ich das selbstverständlich nicht unkommentiert lassen. Die Kritik an Instrumentalisierung ist nicht selbst Instrumentalisierung, das ist doch absurd. Ihr wollt nur nicht für euren Hass kritisiert werden. Denn ihr denkt, ihr habt Recht. Ihr denkt, ihr seid keine Rassisten, weil ihr mit „Fakten“ argumentiert. Aber ihr habt nicht Recht. Kein bisschen. Ihr seid astreine Rassisten, wenn ihr so argumentiert.

mutmaßlicher Täter lebt seit 2006 in der Schweiz

Hier mal zu euren „Fakten“. Ja, der mutmaßliche Täter hat einen eritreischen Pass. Aber er kam nicht als „Flüchtling“ oder kein „Migrant“ nach Deutschland. Er war erst seit kurzem (legal) in Deutschland und lebte seit 2006 in der Schweiz (Quelle). Ich weiß, wir sollten über das Opfer reden, nicht über den Täter, denn egal, woher er kommt, oder wie er aussieht, er soll für diese schreckliche Tat zur Verantwortung gezogen werden. Aber dieses Detail zeigt deutlich, wie diese ganze Hetze, der der Täter eben nicht egal ist, völlig bodenlos ist.

Wie hätte man denn „verhindern“ sollen, dass er nach Deutschland einreist? Er war nicht illegal hier, er ist hier nicht eingewandert. Frau Merkel hat damit nichts zu tun und Schutzsuchende haben damit auch nichts zu tun. Ihr, die ihr angeblich schon die Schuldigen kanntet, als ihr von seinem Pass gehört habt: Welche andere „Politik“ hätte es denn gebraucht? Selbst wenn ihr alle Flüchtenden und alle Einwanderer aus dem Land geworfen hättet, wäre dieser Mann noch da gewesen.

Und genau deshalb wartet man ab, anstatt rassistische Schnellschüsse von sich zu geben. Genau deshalb habt ihr bei ViersenMagnitz, MünchenNotre DameMünsterBottrop und vielen anderen Fällen auch zu früh gehetzt. Ihr hetzt immer gegen „Migranten“ und „Flüchtlinge“. Egal, was passiert ist. Ihr habt nicht Recht, niemals. Das ist keine Logik, das ist ein Reflex. Denn der Pass des mutmaßlichen (!) Mörders ist kein Freifahrtschein für euren Rassismus. Das ist keine Rechtfertigung. Und den Vorwurf müsst ihr euch anhören.

lückenhafte RassistenLogik

Und ich könnte noch einmal ausholen, dass Deutschland so sicher ist wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Dass auch die Straftaten von Schutzsuchenden und Nichtdeutschen zurückgegangen sind. Im Jahr 2000 gab es viel mehr Morde in Deutschland als in den letzten fünf Jahren. Das anerkannte Asylbewerber sogar unterdurchschnittlich kriminell sind. Dass die ganzen Fakten, Kriminalstatistiken einfach nicht das rassistische Narrativ bestätigen.

Aber der Rassismus hat nie mit Fakten argumentiert. Der einzige „Fakt“, der als Feigenblatt herhalten muss, ist der eritreische Pass. Und meistens wird ohnehin schon vorher gehetzt. Die einzige Logik, in der dieser Hass auf Nichtdeutsche funktioniert, ist durch Rassismus. Denn natürlich machen Deutsche Täter die absolute Mehrheit aller Täter aller Straftaten aus. Aber über die reden die Rassisten nicht. Ihre Universallösung „Abschieben“ ist einfach völliger Unsinn.

Denn anerkannte Schutzsuchende kann man genau so wenig aus dem Land werfen wie deutsche Staatsbürger. Weil „Staatsangehörigkeit“ ein sinnloses Kriterium für Kriminalitätsprävention ist. Das wissen Strafrechtsexperten:

Sprecht über toxische Männlichkeit. Studien zeigen, junge Männer in Gruppen sind (in allen Kulturen) die größten Problemherde. Und der Anteil junger, sozial unsicherer Männer ist bei Migranten und Flüchtenden einfach proportional höher. Fertig. Heiraten, einen Job bekommen und Kinder kriegen senkt statistisch die Neigung zur Kriminalität dramatisch [Pinker 2011]. Ja, die Ehe ist eines der besten Mittel, um Kriminalität zu senken. Und dann ist Familiennachzug, das Anerkennen von Asyl und eine Arbeitserlaubnis plötzlich eine Lösung für das Problem, das ihr angeblich beklagt.

toxische argumentation

Ihr hetzt gegen Merkel, Flüchtlinge und eure politischen Gegner, weil mutmaßlich ein seit 2006 in der Schweiz lebender Mann ein Kind umgebracht hat? Was hätte man denn tun sollen? Die Grenzen zur Schweiz schließen? Dann wäre aber auch die dort lebende Frau Weidel ausgesperrt worden. Eure Argumentation macht keinen logischen Sinn, weil sie rassistisch ist. Und eure „Problemlösungen“ machen keinen Sinn, weil sie rassistisch sind.

Ich verstehe eure Wut. Ich bin auch wütend. Und ich verstehe auch, dass man nicht möchte, dass so etwas wieder passiert. Aber so etwas passiert häufiger. Anfang des Jahres in Nürnberg. 2018 in Wuppertal. 2017 in Dresden. 2017 in München. Oder allein in Berlin: Januar 2016, Oktober 2015, Mai 2015, Juni 2014, zwei Mal März 2014, Mai 2013, Dezember 2011, Dezember 2007. Das gab es vor 2015 und die meisten Täter waren hier Deutsche. Oder sind Tote durch Deutsche weniger schlimm? Unbeteiligte und unschuldige Schutzsuchende abzuschieben wird das Problem nicht lösen. Denn das Problem ist meistens psychische.

Wenn du dich wirklich nur von der Wut der Massen hast mittragen lassen, dann ist das ok. Das passiert. Wir sind alles Menschen. Und der Täter aus Frankfurt hat definitiv unsere Wut verdient. Aber auch einen ordentlichen Prozess und keinen Lynchmob.  Aber mach dich nicht mit denen gemein, die deine Wut für ihre rassistische Agenda ausnutzen. Denen die Opfer egal sind. Denn sie wollen und können keine Probleme lösen. Denn es sind einfach nur Rassisten.

Artikelbild: pixabay.com, CC0

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