Fliehen wegen der Flüchtlinge: Immer mehr „Patrioten“ wollen auswandern

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Fliehen wegen der Flüchtlinge

Es ist in einer absurden Weise eine gute Nachricht: Die Internet-Faschisten sind verzweifelt. Seit inzwischen Jahren hetzen sie gegen „Gutmenschen“, Flüchtlinge, die Medien, Merkel und die Realität, aber irgendwie ist die Revolution irgendwo zwischen Gelber Weste und Erzgebirge versandet. Die AfD steckt in der Krise und verliert weiter in den Umfragen (Mehr dazu). Einige denken jetzt (zum Glück) ans Aufgeben.

Denn ihr wisst ja, mit historisch niedriger Kriminalität (Quelle), nur noch wenigen Flüchtlingen, die nach Deutschland und Europa kommen (Quelle) und ganzen knapp 6% Muslimen (Quelle) ist ja offensichtlich, dass Deutschland islamisiert ist und in Verbrechen versinkt. Nicht. Dass die rechten Internet-Helden nicht in der Realität leben ist aber nichts Neues. Dass jetzt immer öfter übers Auswandern diskutiert wird, allerdings schon.



„Nazis raus“ wirkt anscheinend

Wie Mitglieder der Recherchegruppe #DieInsider berichten, wird in rechten Facebook-Gruppen und Discord-Servern das Auswandern heiß diskutiert. Und die Ironie der ganzen Debatte entgeht leider der ganzen niedlichen Truppe. Weil Menschen vor Krieg nach Deutschland geflohen sind müssen die Hetzer, die bei jedem Foto von Frau Merkel großspurig Gewaltfantasien formulieren, die Flucht ergreifen?

Mordfantasien: So widerlich reagieren Rechte auf Merkel beim Einkaufen

So sieht das dann aus, wenn die „Patrioten“ das ach so tolle Deutschland dann plötzlich nicht mehr so toll finden:

Es ist so niedlich. Mit Altersarmut und Wohnkosten sind sie schon beinahe auf dem richtigen Weg, aber dann landen sie eben ruck-zuck wieder bei Flüchtlingen und dem Islam. Schade, Potential war da. Es wäre lustig, wenn diese Leute nicht so eine Gefahr für unsere Demokratie darstellen würden. Aber was will man von einer Ideologie erwarten, die vollständig auf Gruppenzwang und Angst aufgebaut ist? Und einer gehörigen Portion Realitätsverweigerung.

Doch es kommt auch viel Gegenwind

Doch viele „Patrioten“ und Wehrmachtsnostalgiker sind gegen das Auswandern. Man soll „kämpfen!“ Äh, ja, gegen wen eigentlich?

Ah ja, „Kämpfen bis zum Tod“. Der Klassiker unter Vorpubertierenden. Ein Deutscher denkt „überhaubt“ nicht ans Auswandern. Außer auf Vox bei „Goodbye Deutschland“. Vielleicht möchten die Behörden bei einigen, die sich schon „versorgt“ haben, vorbei schauen? Und oh ho, „defätistisch“, da packen sie die ganz schweren verbalen Geschütze auf. Leute, ihr seid die einzigen, die „kämpfen“ und „sterben“ wollen. Der Rest von uns hat weder Lust dazu, noch sieht er eine Notwendigkeit. Wenn ihr so geil darauf seid, dann kämpft doch gegeneinander. Wir halten euch nicht auf.

Dann wären wir alle glücklicher. Wann schnallt ihr es endlich, dass ihr nur eine kleine Gruppe paranoider Spinner seid? Größenwahnsinnige Fantasien, die noch dazu auf absurdem Geschichtsverständnis und Fake News basieren. Ach, Hitler ging nach Argentinien? Klasse. Daran zu erinnern, als das letzte Mal so eine bescheuerte Einstellung dazu geführt hat, dass 60 Millionen Menschen gestorben sind und Deutschland in Schutt und Asche lag, tut kaum einer. Außer die hier:

„Dummes Zeug“ – bestes Argument. Fun fact: Das letzte Mal, als die Deutschen „bis zum Tod“ gekämpft haben, hatte das zur Folge, dass 14 Millionen Deutsche wirklich fliehen mussten (Quelle). Und so schließt sich der Kreis. Nehme ich an. Also wandert aus, sterbt, wenn ihr so geil darauf seid, aber wir hatten den ganzen Scheiß schon einmal. Und würden uns viel lieber um ernste Katastrophen kümmern, wie die Klimakrise. Also: Wandert aus! Wir tun das, was wir eurer Meinung nach eh am besten können: Applaudieren euch am Bahnhof.

Artikelbild: Screenshot facebook.com, ShotPrime Studio, shutterstock.com, changes were made, Screenshots #DieInsider

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