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50 Reden analysiert: So viel Hitler steckt in Faschist Höcke

von | Jun 6, 2023 | Analyse

„K-Strategie“ gegen „Platzhaltertyp“

Ende November 2015 bei einem Kongress des Instituts für Staatspolitik auf dem Rittergut Schnellroda in Sachsen-Anhalt. Hier trifft sich die intellektuelle „Neue Rechte“. Es geht um das Thema Flüchtlinge unter dem Titel „Ansturm auf Europa“.

„Ausbreitungstyp“ gegen „Platzhaltertyp“

Als Festredner ist der Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzende Björn Höcke geladen. In seiner Rede, die am 10.12.2015 veröffentlicht wurde, propagiert er unter anderem eine Lehre von verschiedenen Menschentypen: „Die Evolution hat Afrika und Europa, vereinfacht gesagt, zwei unterschiedliche Reproduktionsstrategien beschert.“ In Afrika herrsche die „r-Strategie“ vor. Anders in Europa: hier verfolge man überwiegend die „K-Strategie“- „Ausbreitungstyp“ gegen „Platzhaltertyp“.

Mit diesen Begriffen bezeichnen Biologen normalerweise Unterschiede bei der Fortpflanzungsstrategie von Lebewesen. Als „r-Strategen“ gelten Arten, die möglichst viele Nachkommen zeugen, damit wenigsten einige überleben. Im Gegensatz dazu sprechen Biologen bei Säugetieren, insbesondere bei Menschen, von der „K-Strategie“, bei der wenige Jungen zur Welt gebracht werden, um die sich die Eltern dann aber intensiv kümmern.

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„Reproduktionsstrategien“ – Reines NS-Denken

Höcke fabulierte in wissenschaftlichem Duktus über unterschiedliche Reproduktionsstrategien, die in Europa und Afrika ausgeprägt sind. Er führte an, dass dies für jeden Biologen sehr gut nachvollziehbar sei. Dabei behauptete er, dass in Afrika die sogenannte „klein-r-Strategie“ vorherrsche, die auf ein möglichst hohes Wachstum abzielt, weshalb der „Ausbreitungstyp“ auf dem Kontinent dominiere. In Europa hingegen werde überwiegend die „Groß-K-Strategie“ verfolgt, die darauf abzielt, die Kapazität des Lebensraums optimal auszunutzen. Entsprechend lebe hier der „Platzhaltertyp“.

„Im 21. Jahrhundert“, doziert Höcke, „trifft der selbst verneinende europäische Platzhaltertyp auf den lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp“. Dies ist das, was Rechte am meisten fürchten: Vermischung.

Höcke glaubt, dass die Afrikaner aufgrund ihres fröhlichen Verhaltens einen „Reproduktionsüberschuss“ von 30 Millionen Menschen pro Jahr haben und dass all diese Menschen nach Europa kommen werden. Für ihn stellt dies ein doppeltes Problem dar: Solange Europa bereit ist, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich das Reproduktionsverhalten der Afrikaner nicht ändern.

Daher bringt er ein unwahrscheinliches Argument für geschlossene Grenzen vor: Diese seien im Interesse der Afrikaner. Denn die Länder Afrikas bräuchten die europäischen Grenzen, um eine ökologisch nachhaltige Bevölkerungspolitik zu entwickeln.

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Höcke teilt die Menschheit in drei Typen ein: Den Nordischen, den Orientalischen und den Maghrebinischen Typus. Diese Einteilung basiert auf rassistischen und biologistischen Annahmen, die Höcke damit zu legitimieren versucht.

Die „Lehre von Menschentypen“ ist eine Ideologie, die die Menschheit in verschiedene Typen einteilt, die auf rassistischen und biologistischen Annahmen basieren.

Diese Einteilung basiert auf der Annahme, dass bestimmte körperliche Merkmale und Eigenschaften der Menschen auf biologische und genetische Unterschiede zurückzuführen sind. Höcke behauptet dabei, dass der nordische Typus der höchste und wertvollste sei und die anderen Typen diesem Ideal nicht entsprechen.

Diese Ideologie ist rassistisch und diskriminierend, da sie Menschen aufgrund ihrer Herkunft und ihrer körperlichen Merkmale in eine Hierarchie einordnet. Diese Strategie ist der Versuch, nationalistische und rechte Ansichten in der Gesellschaft zu legitimieren.

Unter „r-Strategen“ versteht man Arten, die eine hohe Anzahl an Nachkommen haben, jedoch nur wenig Zeit und Energie in die Fürsorge und Aufzucht ihrer Nachkommen investieren. Diese Strategie ist typisch für Arten, die in unbeständigen und sich schnell verändernden Umgebungen leben. „K-Strategen“ hingegen haben nur wenige Nachkommen, investieren jedoch viel Zeit und Energie in deren Aufzucht und Versorgung. Diese Strategie ist typisch für Arten, die in stabilen und vorhersehbaren Umgebungen leben.

Höcke verwendet diese Begriffe, um Menschen verschiedenen Typen zuzuordnen und zu bewerten. Dabei behauptet er, dass Menschen europäischer Herkunft eher der „K-Strategie“ folgen und dadurch höherwertig seien als Menschen afrikanischer Herkunft, die eher der „r-Strategie“ folgen und dadurch minderwertiger seien. Dies ist jedoch eine rassistische und pseudowissenschaftliche Behauptung, die wissenschaftlich widerlegt ist. Die Verwendung von biologischen Konzepten wie „r-Strategie“ und „K-Strategie“ zur Rechtfertigung von rassistischen Vorstellungen ist daher als durch und durch rassistisch abzulehnen.

Im Kontext des Nationalsozialismus wurden biologische Konzepte oft falsch interpretiert und für die Durchsetzung der nationalsozialistischen Ideologie missbraucht.

Die AfD-Politiker Alexander Gauland und André Poggenburg sorgten für Aufsehen, als sie den Begriff „Volkskörper“ verwendeten. Das Wort soll die Assoziation zu einem einheitlichen, organischen und natürlichen Gebilde auslösen, das durch unpassende, fremde Teile geschädigt werden kann. Vor und während des Nationalsozialismus wurde der Volkskörper als rassische Einheit verstanden und die Juden wurden als „Schädlinge“ oder „Parasiten“ des Volkskörpers diffamiert und ermordet. André Poggenburg bezeichnete „linksextreme Lumpen“ als „Wucherungen am deutschen Volkskörper“. Andererseits taucht der Begriff „Biodeutsche“ immer häufiger auf, was einen generellen biologischen Unterschied zwischen Deutschen und Zuwanderern betont und somit problematisch ist.

Diese Aussagen sind nicht nur auf falschen, pseudowissenschaftlichen Rassevorstellungen begründet, sondern haben auch das Ziel, politische Schlussfolgerungen zu rechtfertigen. Sie können zur Rechtfertigung von Maßnahmen wie der Abwehr von Migranten und Muslimen oder der Einschränkung von Hilfe für Schwarze und Arme in den USA verwendet werden. Solche Aussagen führen auch zur Dehumanisierung missliebiger Personen, was in Biologie und Psychologie als Dehumanisierung bezeichnet wird.