12 Fakten: Diese Mythen und Vorurteile über Geflüchtete sind falsch

Hintergrund

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Eine Faktenübersicht Über Das Thema Asyl.

Es kursieren viele Gerüchte, Mythen und Falschmeldungen um Geflüchtete. Im Laufe jeder Diskussion kommt ein ganzes Bullshitbingo an – sich teilweise widersprechende – Vorurteilen, die man mittlerweile auswendig kennt. Damit ihr nicht jedes Mal auf’s neue recherchieren müsst, haben wir die wichtigsten Fakten und Argumente für euch zusammengefasst:



1. Geflüchtete nehmen uns keine Arbeitsplätze weg

Klingt ein wenig unglaubwürdig, wenn gerade jetzt die Bundesagentur für Arbeit erklärt, dass die Arbeitslosigkeit so niedrig ist wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Im Juni waren nur 2,276 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig sind 805.000 freie Stellen gemeldet. Zudem haben Flüchtlinge zusätzliche Hürden, wie fehlende Anerkennungen von Ausbildungen aus dem Ausland und sprachliche Hürden.

Nicht zu vergessen die reale bewusste oder unbewusste Diskriminierung durch Arbeitgeber. Bevorzugt werden Migranten oft nur dann, weil man sie schlechter bezahlen kann – Aber durch einen Mindestlohn fällt diese Gefahr weg. Tatsächlich zeigen Studien, dass Migranten sogar mehr Arbeitsplätze schaffen.

2. Geflüchtete nehmen uns auch keine Fachkräftestellen weg

Laut Bundesagentur für Arbeit gibt es fast in jeder Branche einen Fachkräftemangel, gerade in der Informations- und Kommunikationsbranche, sowie im Verarbeitenden Gewerbe und dem Handel. „Jeder Euro, den wir dafür ausgeben, um Migranten auszubilden, ist ein Euro, der dafür ausgegeben wurde, um einen Fachkräftemangel vorzubeugen.“, erklärten ein Großteil der Bundesländer letztes Jahr. Ansonsten müsste man mehr für Sozialleistungen ausgeben, da der Fachkräftemangel der Industrie schadet und somit verhindert, dass Arbeitsplätze geschaffen werden.

3. Geflüchtete zahlen mehr in die Sozialkassen, als sie bekommen

Ja, manche wechseln problemlos zwischen dem Argument, dass Flüchtlinge uns Arbeitsplätze wegnehmen und gleichzeitig nur Arbeitslosengeld kassieren. Macht zwar keinen Sinn, aber darum geht es ja auch gar nicht. Diese Behauptung stimmt natürlich auch nicht:

Am 4. September veröffentlichte die Weltbank, die International Labour Organization der UN und der OECD einen Bericht, der schließt, dass „in den meisten Ländern Migranten mehr an Steuern und Sozialleistungen zahlen als sie beziehen.“ Andere Studien zeigen, dass Immigranten weniger wahrscheinlich zum Sozialfall werden und nicht öfter in Sozialwohnungen leben. (Studie)

Das liegt zum Teil daran, dass die meisten Migranten jung sind und relativ wenig soziale Unterstützung brauchen, im Gegensatz zu alten und kranken Bevölkerungsteilen der Einheimischen – Die deutschen bestehen immerhin zu einem Fünftel aus Rentnern. Eine weitere Studie aus Oxford besagt, dass das Aufnehmen großer Zahlen an Immigranten gravierenden Einfluss darauf hat, die Schulden eines Landes abzubauen. (Studie)

Die Wirtschaft ist auch dank der Flüchtlinge gewachsen: Das BIP ist zum dritten Mal in Folge um inflationsbereinigte 1,9% gewachsen, weil der sog. „Staatskonsum“ ansteigt – Alles, was der Staat für Geflüchtete ausgibt, verdienen schließlich deutsche Unternehmer. Durch den Bevölkerungszuwachs boomt auch der Wohnungsbau.

4. Die meisten Geflüchteten befinden sich legal in Deutschland

Nach Art. 17 der Dublin-III-Verordnung kann jeder Staat vom so genannten Selbsteintrittsrecht Gebrauch machen. Deutschland kann also auch selbstständig Asylanträge prüfen, auch wenn es gar nicht zuständig wäre. Das ist kein Bruch mit Dublin, sondern die Anwendung einer Regel, die die Verordnung so vorsieht. Deutschland hat auch nicht „die Grenzen geöffnet“, denn wir haben keine innereuropäischen Grenzen im Schengenraum: Es gab keine Grenzen, die man hätte „öffnen“ können. Auch stellte der europäische Gerichtshof fest, dass es legal war, dass die Länder die Fliehenden durchreisen haben lassen.

Unser ausführlicher Artikel zu den juristischen Hintergründen findet ihr hier.

5. Die wenigsten Asylbewerber sind ausreisepflichtig

Laut der Antwort der Bundesregierung auf eine AfD-Anfrage waren zum Stichtag 31. März nur 24.212 der rund 1,68 Millionen Ausländer, die seit 2013 nach Deutschland einreisten und einen Asylantrag stellten, „vollziehbar ausreisepflichtig“. Das sind  nur 1,5 Prozent. Also lediglich 0,029% der Bevölkerung. Alle anderen haben einen genehmigten Asylantrag oder werden aufgrund humanitärer oder familiärer Gründe geduldet und sind somit ebenfalls nicht ausreisepflichtig.

Der Großteil der Menschen, die sich „illegal“ im Land aufhält, stammen aus Albanien, Serbien, dem Kosovo, Mazedonien, Russland und Bosnien-Herzegowina. Länder, die erst kürzlich zu sicheren Herkunftsländern erklärt wurden. Ein Großteil (41,9%) der antragstellenden Asylbewerber stammt nämlich aus den Kriegs- und Krisengebieten Afghanistan, Irak und Syrien, die in 99% der Fälle Asyl bekommen und wohin eine Abschiebung unmöglich oder nicht vertretbar ist.

6. Es kommen kaum noch Asylbewerber in Deutschland an

Grenzkontrollen wären weder sinnvoll, noch möglich: Zwischen Januar und April 2018 wurden lediglich 63.972 Asylanträge in Deutschland gestellt, darunter 18.000, die bereits in einem anderen EU-Land registriert wurden und deren Einreise Seehofer in Zukunft verhindern will. 2017 waren es noch 223.000 Asylanträge, 2016 476.000 und 2015 745.000.

Deutschland kann auch keine ankommenden Asylbewerber ablehnen: Es muss sich an das 2013 verabschiedete Dublin-III-Abkommen halten und ist verpflichtetjeden Asylsuchenden, der an seiner Grenze Asyl begehrt, zunächst hereinzulassen und dann zu prüfen, welches Land für das Asylverfahren zuständig ist. Möglich sind deshalb nur bilaterale Abkommen, was die Dublin-Verordnung unter Beteiligung der EU-Kommission ermöglicht. Ohne die EU-Kommission darf Deutschland also gar nichts eigenmächtig entscheiden. Alle Hintergründe hier.

7. Schreckliche Zustände in Nordafrika treiben die Menschen auf’s Mittelmeer, nicht Seenotretter

Es existiert keine handfeste Studie, die belegt, dass die Behauptung vieler Politiker der Wahrheit entspricht, dass Menschen die Überfahrt eher riskieren, wenn es Seenotretter gibt. Alexander Betts, Chef des Refugee Studies Centre von der University of Oxford: „Fast alle Flüchtlinge würden gerne nach Hause gehen.“ „Es gibt keinen Beweis für einen Pullfaktor“, stimmt auch Ian Goldin, Kopf des Oxford Martin School on global challenges, zu. „Wenn du das Todesrisiko halbieren würdest, würden dann mehr kommen? Verzweifelte Menschen machen diese Rechnung nicht.“ Niemand steckt Kinder in ein Boot, wenn das Wasser nicht sicherer ist als das Land.

Goldin merkt an, dass jeder Pullfaktor unbedeutend gegenüber den ganzen „Pushfaktoren“ sei, wie beispielsweise die überfüllten Flüchtlingscamps im Mittleren Osten, deren Zustände immer schlechter werden. Wenn man verhindern wollte, dass mehr Menschen die Reise nach Europa auf sich nehmen, sollte man die Zustände in den gigantischen Flüchtlingscamps im Libanon, in der Türkei und anderorts verbessern. Das Schleuser- und Schleppergeschäft in Libyen ist zu groß, als dass der Faktor der Seerettung ins Gewicht fällt. Die NGOs versuchen tatsächlich sogar das Schleppergeschäft der Küstenwache zu verhindern. (Mehr zum Thema)

8. Asylbewerber werden meistens fehlerhaft abgelehnt, nicht akzeptiert/ Nur ein Viertel sind junge Männer

Im sog. „BAMF“-Skandal kam es zu keinen unrechtmäßigen Asylbewilligungen, kaum ein Vorwurf hat sich erhärtet. Lediglich in 578 Fällen „sei ein Widerruf geboten“ stellten Prüfer fest – Was nur heißt, dass sich die Lage in diesen Fällen geändert hat, nicht, dass sie unrechtmäßig ausgestellt wurden. Andere Fälle sind nicht bekannt. Stattdessen gab es 2017 37.000 zu Unrecht abgelehnte Asylbescheide. Alle Hintergründe hier.

Nur etwas mehr als ein Viertel aller Asylsuchenden sind junge Männer: Laut aktuellen Zahlen des Bundesministeriums für Asyl und Flüchtlinge (Stand Mai 2018) sind 26,9% männlich und im Alter zwischen 16 und 35. Insgesamt sind nur etwas mehr als die Hälfte aller Erstantragssteller männlich, nämlich 57,9%. 41,7% sind Kinder unter 16 – allein 25% sind unter 4. Das ist zwar ein größerer Anteil der „jungen Männer“ als in der deutschen Durchschnittsbevölkerung, aber weit davon entfernt, eine Mehrheit zu sein.

9. Die meisten bestehen die Deutschkurse

Laut BAMF schließen übrigens die asylsuchenden TeilnehmerInnen der Integrationskurse den Deutschtest zu fast 90% mit Sprachniveau A2 oder B1 ab. Aber eben nur knapp die Hälfte mit B1, weshalb manche daraus den Mythos konstruieren, der Rest könne kein Deutsch. Stimmt aber nicht! Der Rest ist nun mal eben erst auf Niveau A2, also direkt darunter.

10. Kriminalität auf dem niedrigsten Stand seit 1992

Die Zahl der Straftaten ist auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Es gab 9,6% weniger Straftaten im Vergleich zu 2016. Das betrifft Diebstähle (-11,8%), Einbrüche (-23%), aber auch Gewaltkriminalität (-2,4%) wie Mord und Totschlag (-1,6%) und gefährliche und schwere Körperverletzung (-2,1%).

11. Zahl der minderjährigen, weiblichen Mordopfer seit Jahren rückläufig

Die Zahl der minderjährigen, weiblichen Mordopfer seit Jahren zum Glück rückläufig und in letzten Jahren halb so groß wie im Jahrzehnt davor. Auch die Anzahl aller Mordopfer unter 18 Jahren ist niedriger als Anfang der 2000er.

Bei Sexualdelikten haben sich Täter und Opfer in 80 Prozent der Fälle vorher gekannt. Statistisch gesehen ist die eigene Wohnung gefährlicher als ein Park bei Nacht. Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt wurden nicht importiert, so Silvia Zenzen vom Bundesverband Frauen gegen Gewalt : „Unsere Beratungsstellen gibt es seit 40 Jahren. Und das Thema war schon virulent, bevor so viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Das ist doch nicht durch andere Kulturen zu uns gebracht worden.“

Von Asylbewerbern geht keine auffällig größere Gefahr von Vergewaltigungen aus: Bei 59% aller Opfer, die Flüchtlinge waren, war der Täter ebenfalls „Zuwanderer“. Der Gefahr, ausgehend von kriminellen „Zuwanderern“, sind vor allem andere „Zuwanderer“ und anerkannte Asylbewerber ausgesetzt.

12. Kriminalität von Asylbewerbern insgesamt auch gesunken

Die Anzahl der Tatverdächtigen ist insgesmt um 10,5% gesunken, darunter diejenigen ohne Deutschen Pass sogar um -22,8%. Wenn man die ausländerrechtlichen Verstöße herausrechnet, sind 4,1% weniger so genannte „Zuwanderer“ („ Asylbewerber“, „International/national Schutzberechtigte und Asylberechtigte“, „Duldung“, „Kontingentflüchtling“ und „unerlaubt“) tatverdächtig gewesen.

Anerkannte Asylbewerber sind sogar weniger kriminell als Deutsche! (10.511 Tatverdächtige von 550.411 International/national Schutzberechtigten und Asylberechtigten, also 1,9%) Wie Kriminalität entsteht haben wir hier ausführlich erklärt. Fest steht: 90% der „Zuwanderer“ (ohne anerkannte Asylbewerber) sind rechtschaffende Bürger, bei den anerkannten Asylbewerbern sind es sogar 98%. (BKA, BMI)

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Artikelbild: pixabay.com, CC0

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% S Kommentare
  1. _Flin_ sagt

    Ihr Artikel ist weder stringent noch trifft er den Kern des Sachverhalts. Ausserdem weist er zahlreiche Ungenauigkeiten und Widersprüche auf.

    Entweder arbeiten alle, oder die Wirtschaft wächst dank Flüchtlingsbezogenen Staatsausgaben. Aber die Asylbewerber arbeiten eben nicht grossteils, sondern nur zu 25% laut Meldung neulich (siehe google).

    Da nur 25% arbeiten, würde mich mal interessieren, wie sie denn mehr in die Sozialkassen einzahlen wollen aus rausbekommen. Der Artikel über Migranten bezieht nicht auf Deutschland. Bei uns gibts ja keine Migranten, sondern Asylbewerber (was des Pudels Kern ist). Insofern ist das Paper, bei dem es um Arbeitsmugration geht, hier nullkommanull zutreffend. Das bezieht auf die Polen und Rumänen auf den Feldern und Baustellen, aber nicht auf die Jungs in den Asylbewerberheimen.

    Und wie 60.000 in 4 Monaten „kaum noch“ sein sollen, ist wohl auch eine Frage des Blickwinkels.

    Dass aber 2/3 der Erstanträge in 2018 abgelehnt wurden, ja, das wird hier wohlweislich verschwiegen.

    Insofern mein Urteil über Ihren Artikel: Sie möchten ein Narrativ befördern, aber nicht die Sachlage darstellen. Und die Sachlage ist dass Zehntausende Menschen ohne Bleibeperspektive nach Deutschland kommen, und sich um Asyl bemühen, obwohl sie sich um eine Einwanderung kümmern sollten.

    Diese gibts aber in Deutschland nicht.

    Und dieses ganze „Asyl Hurra“ Narrativ geht am Kern der Sache vorbei. Nämlich dass legale Migration nach Deutschland nur für EU Bürger möglich ist. Oder wenn man deutsche Vorfahren hat oder hier geboren ist.

    Finde ich das gut? Nein.

    Finde ich Ihren Artikel gut? Nein. Denn diese Schönrednerei des Sachverhalts führt zu einer AFD mit 15%. Weil man sich von der Realitätsverdreherei nur noch abgestossen fühlt. Und sich dauerhaft verarscht vorkommt.

  2. wahon sagt

    Ihre Antwort auf den Artikel zeugt davon, dass Ihnen die Begriffe nicht klar sind und Sie deshalb von „Sachverhalten“ ausgehen, die keine sind. Bevor Sie weiter aus halbverstandenen Grundlagen falsche „Sachverhalte“ konstruieren, sollten Sie sich erst (z.B. anhand von https://de.wikipedia.org/wiki/Zuwanderungsgesetz) in die Begrifflichkeiten einarbeiten.

  3. Kim sagt

    Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
    Art 16a
    (1) Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.
    (2) Auf Absatz 1 kann sich nicht berufen, wer aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaften oder aus einem anderen Drittstaat einreist, in dem die Anwendung des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten sichergestellt ist.

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