SKANDAL! Baerbock tut erst Milch, dann Müsli in die Schüssel!! BILD & Union empört

| Satire | 16. Mai 2021

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Genau deshalb dürft ihr nicht Grüne wählen!!

„Wer sich für sein Frühstück schämt, kann unser Land nicht führen“, schrieb Christoph de Vries (MdB, CDU), als er von der BILD-Zeitung um eine Stellungnahme gebeten wurde. Das extrem seriöse und zuverlässige Blatt hatte berichtet, dass Grünen-Kanzlerinnen-Kandidatin Annalena Baerbock laut Aussagen von Bekannten ihr Müsli erst in die Schüssel tue, nachdem sie bereits Milch hinein getan habe. Möglicherweise sogar antideutsche Sojamilch, die aus exotischen Orten her geschifft wird, wie … vom Bodensee. BILD titelte „Ärger ums Frühstück: Baerbock tut Milch zuerst ins Müsli!“

Die Empörung ist bei den Parteien, die einen äußerst faktenbasierten Wahlkampf betreiben, besonders groß. Die „Junge Union Deutschlands“ twitterte, dass „der grüne Kader“ deshalb das „Frühstück abschaffen“ wolle.

Landtagsabgeordneter Markus Blume, bekannt für seine äußerst seriöse Kritik an der grünen Partei, teilte ein Sharepic, in welchem er den Grünen deshalb ein „gestörtes Verhältnis von Milch zu Müsli“ attestierte.

AfD, rechtsextreme Accounts, BILD und Union gemeinsam für die Wahrheit

Auch die AfD schloss sich der Kritik an diesem extrem entlarvenden Fauxpas von Baerbock an, was selbstverständlich ein deutliches Zeichen ist, dass man mit der Kritik richtig liegt. Gauland schrieb „Täuschungsmanöver aufgeflogen: Die grünen Müsli-Hasser haben nichts in der Regierung verloren!“ Die Kommentarspalten in allen Medien quollen über: Baerbock stelle sich bewusst gegen die deutsche „Leitkultur“. Es zeigt sich deutlich, dass man wegen dieses kleinen, unwichtigen Details, das rein gar nichts mit politischen Positionen oder Regierungsqualifikation zu tun hat, auf gar keinen Fall die Grünen wählen dürfe, die derzeit bei der Bundestagswahl sogar stärkste Kraft werden könnten.

Baerbock selbst redete sich scheinheilig und völlig unkanzlerinnenhaft damit heraus, dass diese ihre Art und Weise zu frühstücken, die manche gar als „stalinistisch“ bezeichnen, eine frei erfundene Anschuldigung sei. Sie esse nicht mal Müsli zum Frühstück und woher habe der BILD-Reporter eigentlich diese Meldung, und woher kommen seine Likes an Tweets von rechtsradikalen Twitter-Accounts eigentlich? Damit überzeugte Baerbock natürlich niemanden, und wir sind ein seriöses Medium, weil wir schließlich beide Seiten zu diesem Skandal haben zu Wort kommen lassen. Diejenigen, die eine gigantische mediale Kampagne abseits aller Fakten fahren, um ihren politischen Gegner zu vernichten und Baerbock, die auch irgendetwas Irrelevantes sagte. Es war auf jeden Fall nicht gut.

Bitte wählt nicht die Grünen. Bitte, bitte, redet über alles andere, außer die politischen Positionen der Parteien. Auch nicht über die der Grünen, am Ende findet ihr noch was, was gar nicht so schlimm klingt. Merkt euch nur: Ganz viele Skandale bei den Grünen.

Alle zwei Tage neuer „Skandal“ bei den Grünen?

Ende der Satire! So, das war natürlich alles völliger Unsinn, den ich da verzapft habe. Die BILD-Schlagzeile hat es nicht gegeben, die Statements der Politiker:innen auch nicht, auch nicht den Vorwurf, wie Baerbock ihr Frühstück isst. Keine Ahnung, wie sie das tut. Und ich denke, die meisten werden mir hier zustimmen: Das ist doch auch alles scheißegal, oder? Wen juckt es, was Baerbock frühstückt? Sollten nicht viel eher ihre politischen Positionen, Aussagen (die sie auch wirklich getätigt hat) oder das grüne Wahlprogramm relevant sein? Wer die Grünen kritisieren will, findet sicherlich mehr als genug Punkte. Möchte man meinen.

Als Anti-Fake-News-Blog bemerken wir allerdings in den letzten Wochen regelrecht ein Bombardement an Fakes, irreführendem Framing und dreisten Lügen, die auf die Grünen und Baerbock einhageln. Das beobachten auch andere Faktencheck-Portale wie unsere Kollegen von Mimikama. Da gibt es die wirklich plumpen Lügen und Fakes: ein angebliches Nacktfoto von Baerbock, frei erfundene Zitate über die Witwenrente oder über Haustierhaltung. Alte Bilder, die hervorgeholt werden, um so zu tun, als halten die Grünen keine Abstandsregeln ein. Wir haben bereits eine längere Sammlung an Faktenchecks hier gemacht:

Bist du auf eine dieser Lügen & Verschwörungsmythen über Annalena Baerbock hereingefallen?

Schmutzkampagnen der demokratischen Rechten

Doch nicht nur extreme Rechte und Desinformationsaccounts, die reine Lügen streuen, in der Hoffnung, dass genug Leute darauf hereinfallen, fahren eine Kampagne gegen die grüne Partei. Auch von Mitte-Rechts wird derzeit wirklich transparent nach jedem Strohhalm gegriffen, um Baerbock und die Grünen in ein schlechtes Licht zu rücken. Und zwar wirklich auf eine Art und Weise, die man eher von der rechtsextremen AfD kennt. Aus einem unbedeutenden Vorschlag einer kleinen Gruppe Grüner, dem der grüne Vorstand übrigens widerspricht, einen Begriff lediglich im Titel ihres Wahlprogramms zu streichen, fantasieren BILD, Union & Co., dass die Grünen (alle) sich für „Deutschland schämen“ würden, oder ein „gestörtes Verhältnis“ dazu hätten.

Meine satirisch verfälschten Screenshots hier bezogen sich alle ursprünglich auf diese Schmutzkampagne. Fakt ist: Der grüne Vorstand möchte das Wort „Deutschland“ im Titel seines Wahlprogramms lassen. Und Konservative und Rechtsextreme wollen uns jetzt deswegen verkaufen, dass man die Grünen nicht wählen dürfe, weil sie Deutschland „abschaffen“ würden oder so. Das ist genau so relevant wie Baerbocks Frühstück. Fun fact: Die Union, die hier völlig eskaliert, hat ihr Wahlprogramm noch gar nicht vorgestellt. Wo nichts ist, kann man auch nichts kritisieren, oder wie? Das ist völlig absurd, entbehrt jeglicher Substanz und wird völlig überzogen aufgeblasen. Ausführlich:

Grüne wollen „Deutschland“ BEIBEHALTEN: Absurde Fake-Kampagne der Union

Die BILD, die bekannt für ihre anti-grünen Kampagnen ist, verdreht die Wahrheit auch gerne, um die Grünen völlig absurd in eine stalinistische Ecke zu rücken:

Plakat aus dem Jahr 2021! BILD erfindet dreist „Stalin-Plakat“ der Grünen Jugend

Ebenso absurd und substanzlos wie meine Satire ist auch die Kampagne wegen Baerbocks Abschluss. Sie hat ganz unspektakulär und legitim nach einem Vordiplom einen Master in London abgeschlossen. Kein Haken. Rechte Medien, rechtsextreme Twitter-Trolle und sogar Politiker:innen von demokratischen Parteien versuchen aber irgendwie einen Skandal zu inszenieren. Mehr dazu:

Plagiatsjäger zufrieden: Master-Abschluss von Baerbock ist völlig legitim – Faktencheck

AfD-Niveau

Wirklich auf AfD-Niveau verbreitet sogar der CSU-Generalsekretär Blume ja eigentlich glatte Falschaussagen über die Grünen. Am 11. Mai verbreiteten die Grünen und Baerbock persönlich folgende Statements zur Situation im Nahen Osten:

Drei Wochen zuvor schon äußerte sich Baerbock zu Israel entsprechend. Am Tag danach und viele Stunden darauf verbreitete Blume wahrheitswidrig, dass die Grünen zur Situation „schweigen“ würden. Die Verurteilung der Raketenangriffe durch die Grünen im Bundestag fand nur kurz nach der Verurteilung durch Blume auf Twitter statt. Bis heute steht seine Fake News da, er hat sich auch nicht entschuldigt.

Und noch vieles, vieles mehr: die Strategie hinter dieser Anti-Grünen-Propaganda

Und das ist ja noch nicht alles. Es ist so viel, man kann es gar nicht alles thematisieren. Es wurde ein jahrealtes Video ausgegraben, in welchem Baerbock einen zugegebenermaßen etwas misslungenen Witz über Habeck machte – und es ging viral, die Pseudo-Kritik des aus dem Kontext gerissenen Videoausschnitts wurde teilweise sogar von Unionsministerinnen retweetet. Auf Twitter trendete #studierenwieBaerbock, um sich über einen nicht vorhandenen Skandal lustig zu machen. Von der rechtsextremen Fake-News-Bubble, die seit Jahren mit allen schmutzigen Tricks arbeitet, kennt man das, aber die Union begibt sich derzeit in Teilen auf ein trump’sches Niveau.

Dabei laufen diese Fake News Kampagnen immer nach dem gleichen Schema ab: Rechte Hetzaccounts (oder z. B. die BILD oder WELT) suchen einen Satz, eine Forderung, ein Bild oder einen Videoausschnitt, welchen sie dekontextualisieren können. Meist sind es sogar Jahre alte Dinge. Sie verfälschen oder verkürzen diese, sodass ein Aspekt dadurch absurd oder extrem klingt und ihr gekünsteltes Infragestellen plausibel. Dabei muss man keine Fakten liefern oder Argumente – einen zweifelhaften Eindruck zu erwecken reicht. Man muss nicht mal was behaupten, man kann so tun, als würde man „unschuldig Fragen“ stellen – der Effekt ist der gleiche.

Dieser verkürzte (oder erfundene!) Abschnitt wird mit Hashtag versehen und in Umlauf gebracht. Die namenlosen Accounts formulieren die Suggestivfragen oft sogar aus und spielen Empörung. Man sucht Anschluss an den seriösen (zumindest als seriös wahrgenommenen) Mainstream konservativer Politiker:innen, die sie teilen und in den Mainstream holen. Warum? Weil es dem politischen Gegner schadet. Zeitungen schreiben über den Vorfall – übernehmen oftmals die Lügen/das irreführende Framing, allein die „Kontroverse“ oder „Diskussion“ wird berichtenswert. „Eine Debatte auf Social Media“.

Hauptsache, irgendwas bleibt hängen

Selbst wenn am Ende viele feststellen, dass hinter dem Skandal nichts steckte, dass es eine Lüge war oder der Vorfall eigentlich gar keine Rolle spielt, haben die Feinde der Grünen bereits alles erreicht, was sie wollten. Ihre Zielgruppe, diejenigen, die sich freuen, vermeintlich weitere Gründe zu sehen, warum sie die Grünen nicht mögen, erfahren die Richtigstellungen niemals. Oder wenn schon, dann ist es egal. Weil dann hat ja nur ein Anti-Fake-News-Blog darauf hingewiesen, der ein „fanatischer Grünen-Wähler“ ist. Oder die blöde linksgrünversiffte Presse. Oder dass es gelogen ist, ist auch egal, weil „es hätte ja so sein können“.

Für Außenstehende, für Leute, die es nicht so ganz mitkriegen, entsteht auch nur ein Eindruck: „Ein Skandal nach dem anderen?“. Ein Vorwurf nach dem anderen. Ständig sind die Grünen in die Ecke gedrängt, werden beschuldigt. Selbst wenn man keinen Funken Inhalt mitkriegt (und oftmals gibt es ja nicht mal einen), dann bemerken die Leute, wie es aussieht. Der Eindruck ist alles. Ständig Kritik an den Grünen. „Irgendwas muss ja dran sein.“ „Aus dem Nichts würden diese Dinge ja nicht kommen“. Denken sich viele. Obwohl genau das der Fall ist.

Eben weil auch vermeintlich seriöse Politiker:innen und Medien die Vorwürfe thematisieren. Solche schmutzigen Fake-Kampagnen werden besonders von der Union legitimiert. Vermutlich aus Verzweiflung im Angesicht der Umfragewerte. Auch Medien, die sachlich darüber aufklären, fallen auf den „false balance“-bias herein. Man klärt schon darüber auf, dass an den Vorwürfen nichts dran ist, aber man möchte „seriös“ wirken, deswegen lässt man „beide Seiten“ gleichermaßen und gleich seriös dargestellt zu Wort kommen. Das ehrlichste wäre es, diese ganzen Stories als das darzustellen, was sie meistens sind: Haltlose Kampagnen. Aber das „wirkt“ nicht seriös. Es ist ein blinder Fleck vieler Medien, den Fake-Schleudern und Kampagnen-Treiber:innen ständig ausnutzen.

Die nächste Sau wird noch durchs Dorf gejagt

Diese Kampagnen werden erstmal weitergehen. Vermutlich bis zur Bundestagswahl, mindestens aber, bis die ständigen aufgeblasenen Pseudo-Skandale dazu führen, dass die Grünen wieder hinter die Union in Umfragen rutschen. Vielleicht finden sie ja auch einmal seriöse Kritikpunkte. Klar, diese müssen auch diskutiert werden, aber sie „wirken“ umso besser, wenn es ganz viele Pseudo-Skandale dazu gab. Aber es sind immer die gleichen Accounts, Medien und Politiker:innen, die diese Anschuldigungen in Umlauf bringen. Während ich diesen Artikel schreibe, trendet der nächste Vorwurf.

Völlig egal, wie legitim er ist oder nicht – denn wie gesagt, nicht alles ist frei erfunden oder gelogen – durch Framing und allein durch das ständige Beschuldigen tun diese Kampagnen ihre Arbeit. Und auch wir als Anti-Fake-News-Blog kommen gar nicht hinterher. Und selbst wenn, beschuldigt man uns, „Wahlkampf für die Grünen“ zu betreiben. Das machen sie ja jetzt schon. Wir klären über diese Kampagnen auf und werden in die Rolle gedrängt, ständig die Grünen zu verteidigen. Unsere Feinde schlussfolgern: Wer die Grünen verteidigt, muss ideologisch voreingenommen sein. Ergo muss man sie nicht ernst nehmen. Eine schöne, in sich geschlossene Weltanschauung, genau so Fake wie die Kampagnen. Dass wir auch ständig Fakes über die Union aufgeklärt haben (und da dann als „regierungshörig“ beschimpft wurden), spielt schon lange keine Rolle mehr.

Die Halbwertzeit dieser Kampagnen ist inzwischen sehr kurz, vielleicht ein oder zwei Tage. Es trifft jetzt vor allem Baerbock und die Grünen, aber das passiert seit Jahren ständig. Es trifft sehr oft Frauen, Linke, Grüne, PoC, es sind rechte Ideologien und Bündnisse, die das nutzen.

Was dagegen tun?

Zunächst einmal macht es keinen Sinn, mit diesen Hetzaccounts zu diskutieren oder sie ernst zu nehmen. Im Gegenteil, wer das tut, wertet deren Lügen und Verdrehungen auf. Deshalb: Konsequent blocken. Sie haben kein Interesse an einer fairen politischen Auseinandersetzung. Einen Dialog zu führen, wenn eine Seite nur daran interessiert ist, diesen zu zerstören, ist sinnlos. Befreundete Accounts und Personen freundlich darauf hinweisen, wenn sie sich an der Verbreitung der Kampagnen beteiligen, aber auch notorische Täter:innen anprangern und kritisieren.

Das Narrativ muss umgedreht werden. Nicht mehr: Grüne kriegen ständig Vorwürfe ab, sondern bestimmte Gruppen verbreiten Fakes und absurde Anschuldigungen. Es sagt mehr über diese Personen aus, dass die offenbar keine handfesteren Kritikpunkte. Wer zu solchen Mitteln greift, abseits jeglicher politischer Positionen und der Wahrheit mit Schmutz zu werfen, muss – unabhängig von seiner Partei – kritisiert werden. Wenn Inhalte beliebig werden, landet unser politischer Diskurs irgendwann ganz bei US-amerikanischen Verhältnissen. Die AfD macht das seit Jahren, ist dafür aber größtenteils angemessen geächtet. Wenn demokratische Parteien wie die Union jetzt damit anfangen, zersägen sie das Fundament der Wahrheit des politischen Diskurses und damit ultimativ an der Demokratie. Wenn Wahrheit keine Rolle mehr spielt, ist das Tor offen für Hass und Gewalt.

Hier muss man abseits der Mitte-Links-Parteien besonders die FDP loben, die im Gegensatz zur Union viel fairer mit den Grünen umgeht und persönliche Angriffe und die Kampagnen verurteilt.

Niemand will Kritik verbieten, man darf die Grünen unausstehlich finden, wie man möchte. Aber es würde dem demokratischen Diskurs guttun, wenn wir alle wieder zu faktenbasierter Kritik zurückkehren und zu konkreten Inhalten. Und nicht als Nächstes noch so tun, als spiele es eine Rolle, was Frau Baerbock zum Frühstück isst.

Zum Thema:

„Witwenrente“-Zitat ist ebenfalls frei erfunden: Schmutzkampagne gegen Baerbock setzt sich fort

Artikelbild: Image Craft, Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa (Baerbock)

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