Migrationshintergrund: Ich bin der Beweis, dass die AfD nur rassistischen Unsinn redet

Kolumne Schwer verpetzt

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Die Ideologie der AfD ergibt keinen sinn

Die AfD sind Rassisten. Don’t @ me. Ich kann es euch beweisen. Und lassen wir mal die hunderte Kommentare und Aussagen aus Interviews, Social-Media-Posts und Parteiprogrammen weg. Dazu haben wir hier, hier oder hier oft genug Beweise gesammelt. Schauen wir uns einmal an, was denn die AfD generell unter „Ausländern“, „Deutschen“ und „Migrationshintergrund“ versteht. Und warum das völlig sinnloser Blödsinn ist und nur Sinn ergibt, wenn man ein Rassist und Faschist ist.

In der Welt der AfD gibt es nur weiße „Bio-Deutsche“ und nicht-weiße „Migranten“. „Migrationshintergrund“ ist dort synonym mit „Ausländer“, ist synonym mit „Muslim“ (ist synonym mit „Flüchtling“, aber ignorieren wir das mal). Dabei sind das völlig verschiedene Dinge. Und weil es keine einheitliche, sinnvolle Definition vom vagen Feindbild der AfD gibt, kann man es auch so schwer widerlegen.

Denn einmal beschweren sie sich über die Anzahl der Muslime (5%-6%), dann wieder über die Anzahl der Ausländer (10,6 Mio, Quelle), dann wieder über Menschen mit Migrationshintergrund (19,3 Millionen, 23,6%), die in Deutschland leben. Dabei sind das völlig unterschiedliche Gruppen, die sich dazu natürlich manchmal überschneiden. Das ergibt alles gar keinen Sinn. Es sei denn, man ist Rassist.



Kommen wir zu mir

Vorweg: Ich will mir auf gar keinen Fall anmaßen, zu wissen, wie sich rassistische Diskriminierung anfühlt oder mich zu einer Gruppe zählen, zu der ich nicht gehöre. Ich bin ein weißer, cismännlicher, heterosexueller Deutscher mit deutschem Pass, Namen und Muttersprache. Ich bin blond und blauäugig und hab einen Universitätsabschluss. Ich bin vergleichsweise sehr privilegiert. Und ich bin so ziemlich der Letzte, den die AfD mit „Migrant“ meinen würde. Und hier ist der Knackpunkt, denn technisch gesehen habe ich einen Migrationshintergrund. Und zähle so in die Statistik hinein, über die die AfD meckert.

Meine Großeltern waren Deutsche und sind in Deutschland geboren. Und ohne dass meine Großeltern ihre Heimatstadt verlassen haben („Migration“) sind meine Eltern aber als Polen geboren. Was? Wie? Für diejenigen, die eine Auffrischung in Geschichte brauchen: Meine Familie stammt aus Oberschlesien, das nach dem Zweiten Weltkrieg zu polnischem Staatsgebiet wurde. Meine deutschen Großeltern lebten plötzlich in Polen und meine Eltern wuchsen so auf.

Um den Mauerfall herum flohen meine Eltern dann nach Deutschland und beantragten die deutsche Staatsbürgerschaft, die sie natürlich problemlos bekamen. Und ich bin hier geboren und aufgewachsen und habe nichts mit Polen zu tun. Aber meine Eltern sind „Spätaussiedler“ und ich habe somit einen „Migrationshintergrund“. Genau so wie 3,2 Millionen andere, die heute in Deutschland leben.

Und vergessen wir nicht die Millionen anderen Menschen, die auch mit anderer Hautfarbe oder „anderem“ Vornamen absolut deutsch sind, perfektes Deutsch sprechen, hier geboren sind und so weiter. Sie sind teilweise deutscher und gesetzestreuer als diejenigen, die Menschen in einer #Abschiebechallenge aus dem Land werfen wollen, in welchem sie geboren wurden oder als deutsche Staatsbürger mit nicht deutschem Geburtsort leben.

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Ausländer, Migranten, Muslime

Und nein, ich identifiziere mich nicht als „Migrant“ oder möchte behaupten, dass ich die gleichen Erfahrungen gemacht habe wie andere. Dass ich Rassismus erfahre oder dergleichen. Genau im Gegenteil. Damit will ich ja zeigen, dass diese Definition und dieses Konzept nicht funktionieren. Ich habe kein Anspruch darauf, bei #vonhier oder #metwo mitzumachen. Auf gar keinen Fall.

Genau deshalb ist der Fingerzeig auf Menschen mit „Migrationshintergrund“ so ein Blödsinn. Von den 19,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund sind 9,8 Millionen Deutsche, entweder mit eigener Migrationserfahrung oder deren Nachkommen (Quelle). Es gibt sogar 1,5 Millionen Ausländer OHNE Migrationshintergrund in Deutschland. Wenn die AfD über „Migrationshintergrund“ brüllt und ein bestimmtes Bild erzeugen will, zieht sie viele Deutsche mit rein, mich eingeschlossen, die sie gar nicht meint. Und auch relativ viele AfD-Mitglieder und Wähler*innen wohlgemerkt. Der Moment, wenn man unbewusst gegen sich selbst hetzt.

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Und wenn jetzt ein AfDler einwendet, dass es gar nicht um Staatsangehörigkeit ginge, sondern zum Beispiel um Islam: Warum redet ihr dann von „Herkunft“, „Migrationshintergrund“ und „Migranten“? Ich habe gerade gezeigt, dass die Hälfte der Menschen mit Migrationshintergrund weiße Deutsche sind. Und zwar „Bio-Deutsche“, auch wenn die Unterscheidung Blödsinn ist. Wie gesagt, 5%-6% der Bevölkerung sind Muslime (und davon auch weiße Deutsche ohne Migrationshintergrund). Aber keine Kriminalstatistik weist die Religionszugehörigkeit aus. Also warum darüber reden?

Und die AfD fragt bei Straftaten nach „ausländisch klingenden“ Vornamen, nicht nach der Religion. Außerdem gibt es auch Muslime in Deutschland, die hier seit Generationen leben. Die erste Moschee in Deutschland wurde immerhin 1732 gebaut, verdammt nochmal (Quelle). Und auch die „Nicht-Deutschen“ in Deutschland sind nicht nur Muslime. von den 10 Millionen sind 4,3 Millionen EU-Ausländer, 2,8 aus dem sonstigen Europa, 2 Millionen aus Asien. Alles keine mehrheitlich muslimischen Länder oder Kontinente. Das alles ergibt keinen Sinn.

„Migrationshintergrund“ und Staatsangehörigkeit sind fiktive Kategorien

Diese ganzen Begriffe bedeuten nicht das, was die AfD denkt, was sie bedeuten. Sie wirft die Begriffe durcheinander und verwendet sie nach Gutdünken, um zu hetzen. Lernt es endlich, die Welt ist nicht so simpel, wie ihr das glaubt. Die einzige Erklärung, wie die Konzepte der AfD Sinn ergeben, ist, wenn sie rassistisch gemeint sind. Wenn damit eben Nicht-Weiße gemeint sind. Denn die AfD meint mit „Migrant“ nicht mich, nicht den französischen Touristen und nicht den Russlanddeutschen. Auch wenn sie gerne unsere Straftaten in den Statistiken hernehmen, um gegen ihr Feindbild zu hetzen.

Das ist das Problem des „Ethno-Pluralismus“ (Mehr dazu) und auch des Vorgängers davon: Der Rassenideologie. „Staatsangehörigkeit“ ist ein erdachtes Konzept, das nichts mit der Realität zu tun hat. Staaten und Grenzen haben sich immer verändert und Menschen haben diese schon immer ignoriert und überwunden. Staatsangehörigkeit ist ein notdürftiges legales Konzept, um eine funktionierende Gesellschaft zu haben. Menschengemacht. Aber letztlich ist es völlig egal, wer dazu gehört.

So sagt es auch das Grundgesetz: Deutscher ist, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Fertig. Und die Kriterien dafür sind auch relativ schnuppe, nur sollte diese Person halt das Grundgesetz und das Gesetz achten und seine Steuern zahlen. Mehr braucht man doch auch nicht, um ein funktionierender Bürger zu sein. Es gibt keine biologischen oder kulturellen oder erblichen Merkmale, die Unterschiede machen. Und wer das glaubt, der ist halt einfach ein Rassist und Faschist und Nazi. Ganz einfach. Der Christchurch-Attentäter hat genau diese Sachen geglaubt. Man sieht doch, wohin das führt.

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Die AfD ist rassistisch und Rassismus ist dumm

Genau deswegen ist das Konzept vom „Passdeutschen“ auch Schwachsinn (Mehr dazu). Oder „Migrationshintergrund“. Deutscher ist Deutscher. Bildet euch nicht so viel darauf ein. Und wer mit „Deutscher“ „Weißer“ meint,, ist halt ein Rassist. Die Hautfarbe ist eine ziemlich dämliche und willkürliche Unterscheidungsform. Ich muss glaub ich niemanden eine Biologie-Lektion erteilen, wenn ich daran erinnere, dass alle Menschen genetisch näher verwandt sind als die zwei größten Schimpansenarten Afrikas.

Nein, ich bin kein „Migrant“. Ich erlebe keinen Rassismus. Keiner fragt mich, woher ich komme. Weil „Migrationshintergrund“ Schwachsinn ist. Wie weit will man denn zurück gehen? 2 Generationen? 3? 500? Am Ende kommen wir doch alle aus Afrika. Jede Definition und Abgrenzung ist zufällig und nicht vollständig. Es geht nur um künstliche Kriterien des Aussehens.

Wir sind alles Menschen, die sich zufällig in Nationen aufteilen. Und diese Staatsangehörigkeiten sind relativ willkürlich festgelegt. Ich hoffe, ich konnte das an meiner eigenen Biografie belegen. „Ethnie“ oder „Kultur“ sind nur die neuesten, trendigen Buzzwörter der Faschisten um davon abzulenken, dass sie doch wieder Rassenreinheit und den Arierausweis haben wollen. Ignorieren wir sie, denn das Konzept haben wir schon mal ausprobiert. Wer auf dieser Grundlage argumentiert, sollte nicht mehr ernst genommen werden. Und auch nicht in Talkshows eingeladen werden. Denn es sind einfach Rassisten.

Artikelbild: Thomas Laschyk, Screenshots twitter.com

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