Geständnis des Lübcke-Mörders: So absurd reagieren andere Rechtsextreme

| Social Media | 26. Juni 2019

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Lübcke-mörder hat gestanden

Geständnis: Nach Informationen von NDR, WDR und “SZ” hat Stephan E. gestanden, den Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke erschossen zu haben. Sein Motiv sei Empörung über dessen Aussagen zur Flüchtlingspolitik gewesen. Über den Hass der Rechtsextremen haben wir berichtet, auch über den Jubel in der rechtsextremen Szene über Lübckes Ermordung.

Grausam: So widerlich feiern Rechtsextreme den Mord an Lübcke

Die eigene Mitverantwortung für den Mord wird mit allen möglichen Mitteln abgestritten. Es werden Verschwörungstheorien über Medienmanipulationen verbreitet (Hier), die nachweislich falsch sind (Mehr dazu), es werden haltlose False-Flag-Vorwürfe gemacht oder mit Whataboutismen versucht, abzulenken (Mehr dazu). Auch jetzt, nach dem buchstäblichen Geständnis des mehrfach vorbestraften Neonazis, wird in den rechtsextremen Facebookgruppen und in den Kommentarspalten von AfD-Politikern geleugnet und geschwurbelt, was das Zeug hält, wie #DieInsider belegen.



“Alles lüge”

In den “Patrioten”-Facebook-Gruppen und unter den Beiträgen von AfD-Politikern sieht es fast ausschließlich so aus:

Es sind die gleichen, die sich freuten, dass Stephan E. Lübcke ermordet hat, die nach seiner Ermordung lieber über seine Aussagen reden wollten, die ihm bzw. Frau Merkel die Schuld für den Tod zuschieben (offizielle AfD-Pressemitteilung)! Ich korrigiere den einen Kommentar “Alles was [nicht in die öffentliche Darstellung meiner politischen Ideologie passt] ist gelogen. Denn die Wahrheit brauch [sic] man nicht [in diesen Kommentarspalten suchen]. Und “Kein Motiv”? Ähm… das selbe Motiv, das ihr auch alle habt? Hass?

Schrödingers Lügenpresse

Screenshot #DieInsider

Das beste ist ja das widersprüchliche Verhältnis der Kommentierenden zu den Medien. Diese Kommentare standen wirklich so hintereinander, das war keine Montage. Einerseits wird kritisiert, dass journalistische Vorsicht eingehalten wird. Die Zeitungen berichten von (un)bestätigten Meldungen im Konjunktiv, man verwendet Begriffe wie “mutmaßlich” und “vermutlich”, eben um keine Vorverurteilungen in die Welt zu setzen. Andererseits “stand immer fest das er es war” [sic].

Wenn die Medien berichten, dass es Vermutungen sind, dann nutzt man das, um alles zu leugnen und zu kritisieren, dass man Gerüchte berichtet. Was natürlich in Fällen wie ViersenMagnitz, MünchenNotre DameMünsterBottropp und vielen anderen, in welchen Unschuldige von der AfD vorverurteilt wurden keine Rolle spielte. Aber gleichzeitig hätten die Medien ständig behauptet, dass alles schon fest stünde. Was sie nicht getan haben.

Das Ironische: Dass diese widersprüchlichen Vorstellungen keinen Sinn ergeben, wird nicht der Tatsache zugeschrieben, dass man sich die Tatsachen so hindreht, wie es einem passt, sondern als “Beweis” für die Verschwörungstheorie der “Lügenpresse”. Die eigene fehlerhafte Logik ist der angebliche Beweis, dass die Medien lügen würden. Es ist widersprüchlich? Ja, weil wir manipuliert werden! So funktioniert wirklich verschwörungstheoretisches Denken.

Leugnen, abstreiten, weiter hassen

Nachdem man im gemeinsamen 2-Minuten-Hass absurderweise das Geständnis nicht zum Anlass genommen hat, den Mörder zu verurteilen, oder sich anständigerweise davon zu distanzieren, hetzt man gegen die “Altparteien” und die “Lügenpresse”. Das heißt, dass ein Neonazi einen Politiker ermordet hat, ist Anzeichen für andere Rechtsextreme, die Medien mehr zu hassen. Um das hinzukriegen sind viele Logikfehler notwendig.

Keine einzige Person sieht auch nur den Hauch einer Mitverantwortung bei sich. Und am nächsten Tag wird wieder über die nächste Falschmeldung gehetzt oder die nächsten Todeswünsche für Merkel oder Tauber ausgesprochen. Und wenn dann einer wieder diese Worte in Taten umsetzt ist der Schuldige natürlich klar: Die Lügenpresse, wer denn sonst. Schuld sind immer die anderen. Es ist ebenso traurig wie absurd.

Artikelbild: Golubovy, shutterstock.com, Screenshots: DieInsider, Grafiken: Volksverpetzer

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