Corona-Verschwörungsideologe brüllt weinenden Rentner nieder, der wirklich leidet

| Social Media | 19. Mai 2020

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Nachvollziehbares Leid wird von Verschwörungsideologen niedergebrüllt

Unter den Corona-Maßnahmen leiden viele Menschen psychisch und wirtschaftlich, das sind leider Konsequenzen der Pandemie. Umso wichtiger ist es, dass wir alle zusammen halten und auch in diesen schwierigen Zeiten füreinander da sind. Wer ausgerechnet in einer Pandemie nur unnötig Probleme macht? Corona-Verschwörungsideolog*innen, -„Skeptiker*innen“ und Verharmloser*innen des Virus, die Fake News und Verschwörungsmythen glauben und teilen und so den international gelobten Vorsprung unseres Landes in der Pandemie zu nichte machen wollen.

Die sogenannten „Corona-Demos“ oder „Hygiene-Demos“ werden zum Sammelsurium für Verschwörungsgläubige und Rechtsextreme, der neuen Corona-Querfront, die mit ihren Lügen und Verschwörungsmärchen genau jene Demokratie bedroht, die sie vorgibt, zu verteidigen. Es ist hier deutlich erkennbar, dass die Demonstrationen gezielt von Faschisten und Rechtsextremen unterwandern und mitorganisiert werden (mehr dazu).

Das sind die Menschen, die auf den Hygiene-Demos gegen eine “Diktatur” demonstrieren

Es gibt auch Teilnehmer mit menschlich überaus nachvollziehbaren Gründen

Eine wichtige Kritik, der sich auch jede*r Teilnehmer*in einer derartigen Demo stellen muss: Schützt man wirklich das Grundgesetz, wenn man mit Anti-Demokrat*innen marschiert? Natürlich gibt es auf den Demonstrationen aber auch Menschen, die unter der Pandemie arg leiden und eine Möglichkeit suchen, wieder zur Normalität zurück zu kehren. Man kann der Meinung sein, dass Demonstrationen gegen die Maßnahmen, die erst ein Zusammenbrechen unseres Gesundheitssystems vorläufig verhindert haben und die ohnehin zurückgenommen werden, eine unnütze Anstrengung sind.

Aber in einem freien Land darf jede*r demonstrieren wofür oder wogegen er oder sie möchte – auch während einer Pandemie, sofern die Auflagen eingehalten werden. Das Leid des 84-jährigen Rentners Alfons Blum ist völlig nachvollziehbar. In einem Interview mit der ARD (Ab 1:15) beklagte er sich, den Tränen nahe darüber, dass er seine Frau in einem Pflegeheim seit acht Wochen nicht sehen durfte. „Es ist eine seelische Folter, sage ich ihnen.“ Mitten im Interview platzt jedoch ein Corona-Verschwörungsgläubiger herein, der den Rentner anbrüllt, das „Lügenpresse“-Narrativ wiederholt und vom „Merkel-Regime“ spricht. Er wirft ihm scheinbar unzusammenhängend vor, sich „veralbern zu lassen“.

Wenn wirklich Betroffene sagen müssen: „Man muss doch vernünftig bleiben“

Seine Reaktion auf den Verschwörungsgläubigen: „Ich lass‘ mich doch nicht veralbern.“ Und auf den Vorwurf, die ARD und ZDF würden nur Lügen verbreiten, meinte er: „Absolut nicht, man muss doch auch vernünftig bleiben.“ Und genau das ist der Punkt: Niemand bezeichnet den armen Rentner als „Verschwörungsideologen“, weil er seine Frau wieder sehen möchte. Warum? Weil er zwar unter der Pandemie leidet und weil er gegen die Maßnahmen protestieren möchte, die natürlich auch für die Sicherheit seiner Frau sorgen sollen.

Aber deshalb fällt er nicht gleich auf Faschisten, Verschwörungsideologen und andere Betrüger*innen herein. Sie wollen sein nachvollziehbares Leid für Profit und Einfluss ausnutzen. Wir leben in keiner Diktatur. Corona ist definitiv gefährlicher als die Grippe. Impfungen sind um die Größenordnung 1000 sicherer als die Krankheiten, und es gibt keinen „Impfzwang“ und auch nicht mal eine zugelassene Corona-Impfung. Wir hatten in Deutschland einen, im internationalen Vergleich, ziemlich milden „Lockdown“. Es gibt eine nachweisbare Übersterblichkeit. Ein Mundschutz ist nicht gefährlich. Schweden ergeht es in der Pandemie viel schlechter als uns Deutschen (hier alle Faktenchecks dazu)

Dieses Glossar an Corona-Fakes solltest du teilen, um Verschwörungsgläubige zu überzeugen

Hört nicht auf die brüllenden Demagogen

Genau das ist das Problem: Die Mehrheit der Deutschen ist laut Umfragen gegen eine Lockerung der Maßnahmen (Quelle). Eine laute Minderheit, die von Verschwörungsideolog*innen und Faschist*innen angeheizt und instrumentalisiert wird, brüllt buchstäblich alles nieder, was ihrer Weltanschauung entspricht. Selbst wenn es Demonstrations-Teilnehmer sind, von welchen sie vorgeben, sich für diese einzusetzen. Und wieder wird Sendezeit für eine Stimme mit berechtigten Sorgen genommen, damit ein brüllender Mann Fake News und Propaganda streuen kann. Und das ist die große Illusion: Der Spalt verläuft nicht zwischen Maßnahmen-Befürworter*innen und -gegner*innen.

Sondern zwischen Demokrat*innen und den Feinden der offenen Gesellschaft, die sich zwar als „Widerstandskämpfer“ inszenieren, aber mit Lügen und Propaganda unsere Demokratie angreifen. Die mit ihren Demonstrationen, auf welchen regelmäßig alle Sicherheitsregeln und Auflagen ohne Konsequenzen missachtet werden, im Gegenteil die Bekämpfung der Pandemie viel schwerer machen könnten. Sollten wegen diesen „Corona-Parties“ die Infektionszahlen wieder steigen, sind es diese Personen, wegen welchen Alfons Blume seine Frau noch länger nicht sehen könnte. Und viele andere Paare sich auch nicht.

Die „Corona-Rebellen“ und die Faschist*innen sind es, die einen fruchtbaren Dialog unmöglich machen. Und die gegen unsere Anstrengungen und unsere ganzen Opfer arbeiten. Lasst uns darüber sprechen, wie wir Alfons helfen können. Wie wir Menschen in finanzieller Not helfen können. Wie wir diese Pandemie noch besser in den Griff kriegen können. Warum kein „Corona-Grundeinkommen“? Darüber kann und soll man reden. Womit keinem geholfen wird: Mit faktenfreien Verharmlosungen und böswilligen Verschwörungmythen den Dialog zu zerstören. Oder mit dem Anschreien von Rentern.

Zum Thema:

Gewaltdrohungen: So hetzen Verschwörungsideologen ihre Anhänger auf Journalisten



Artikelbild: Screenshot ard.de

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