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Morddrohungen: So extrem ist der Hass in AfD-Gruppen auf Merz und Reiche

23. Apr. 2026 | Aktuelles

Content Note: Dieser Artikel behandelt Mord- und Gewaltandrohungen.

Wir haben einfach mal wahllos in die AfD-Gruppen geschaut – die, die unsere Regierung mit Rechtsruck offenbar überzeugen will. Die wollen derweil Merz erschießen und Reiche an die Wand stellen.

Rechtsextremisten leben von negativen Emotionen, von Hass und Hetze. Wie schnell diese Stimmung in AfD-nahen Gruppen zum Beispiel auf Facebook in Gewalt- und Morddrohungen eskaliert, zeigen wir bei Volksverpetzer pausenlos auf. Immer wieder Robert Habeck, Karl Lauterbach, Dunja Hayali, wirklich ganz oft Merkel, aber auch Spahn, Söder und viele, viele mehr sind pausenlos Ziel des rechten Hasses und strafrechtlich relevanter Morddrohungen. Es ist nur eine winzige Auswahl an dem täglichen, brutalen Hass, der in den AfD-Gruppen Alltag ist.

Und noch nie machte der rechte Hass natürlich Halt vor der CDU oder CSU. Schon zu Regierungszeiten von Angela Merkel nicht, und auch der aktuell deutliche Rechtskurs der Union hilft Politikern wie Bundeskanzler Friedrich Merz oder Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nicht: Auch über sie entlädt sich gerade eine Welle aus Hass, Beleidigungen weit unter der Gürtellinie, Gewalt- und Mordandrohungen.

Morddrohungen gegen Merz und Reiche

Um Morddrohungen von AfD-Mitgliedern gegen Friedrich Merz zu finden, braucht man nicht unbedingt tief zu wühlen. Frei zugänglich auf X fragt der rechtsextreme AfD-Funktionär Patrick Kolek, im Netz unter dem Usernamen "Wuppi", unter einem Post zu Merz und weiteren CDU-Politikern suggestiv: „Jeden Tag aufs Neue frage ich mich, wie es sein kann, dass so wenige Politikermorde geschehen.“ Schlau gelöst, so stellt Kolek „nur“ Fragen, um im strafrechtlich sicheren Bereich zu bleiben. CDU-Politiker Walter Lübcke wurde zum Beispiel von einem AfD-Wahlkämpfer ermordet.

Screenshot x.com

Noch weniger subtil geht es in den Facebook-Gruppen zu, in die die Recherchegruppe DieInsider Einblick hat. In Pro-AfD-Gruppen wie „Freunde der AfD“, „Stefan Brandner – wir stehen hinter dir!“, und „Ulrich Siegmund Freunde“ fühlen sich die Mitglieder sicher genug, um unter Klarnamen ihrem Hass auf Merz und Reiche freien Lauf zu lassen.

Screenshots & Collage via DieInsider

Dabei sind entmenschlichende und sexistische Beleidigungen noch das geringere Übel. Die „Freunde der AfD“ wollen die Politikerin „an die Wand stellen“, also erschießen oder wahlweise „teeren und federn“. Aussagen wie „lauf mir nicht über den Weg“ demonstrieren auch die persönliche Gewaltbereitschaft der Kommentatoren. AfD-Anhänger haben erwiesenermaßen von allen Parteien die größte Gewaltbereitschaft. Einer der Kommentatoren fantasiert davon, Frauen, "die in der Regierung sitzen und so viel Müll labern" aus dem Bundestag zu jagen. Reiche wird ganz in der NS-Tradition als "kommunistische Jüdin" bezeichnet - in AfD-Gruppen anscheinend völlig normal-

Screenshots & Collage via DieInsider
Screenshots & Collage via DieInsider

"Leute kauft Stricke!"

Auch Friedrich Merz wird bedroht – und das ganz besonders erschreckend konkret: Ein Mitglied der FB-Gruppe „Ulrich Siegmund Freunde“ postet das Bild eines Gewehrs mit Patronen und schreibt dazu „Das ist für dich Merz“. Der Gefahr einer Anzeige scheint sich „Karl“ bewusst zu sein und ergänzt: „Das ist freie Meinungsäußerung.“ Hier nur eine kleine Auswahl:

Gruppe: Ulrich Siegmund Freunde via DieInsider
Gruppe: Stefan Brandner – wir stehen hinter dir! via DieInsider
Gruppe: Stefan Brandner – wir stehen hinter dir! via DieInsider
Gruppe: Ulrich Siegmund Freunde via DieInsider
Gruppe: Freunde der AfD via DieInsider

Das ist normaler Alltag in den AfD-Gruppen

Was diese verachtendswerte Kommentare zeigen, ist nicht der wütende Ausrutscher einer Randgruppe. Es ist Alltag in diesen AfD-Gruppen. Jeden Tag, unter zehntausenden Beiträgen, entladen sich dort Fantasien von Erschießungen, von Lynchjustiz – mit Klarnamen und Profilbild. Die Enthemmung ist nicht mehr zu übersehen: Hier wird nicht aus Versehen zu weit gegangen, hier wird exakt das artikuliert, was Millionen AfD-Wähler jeden Tag zustimmend lesen, liken und kommentieren. Die „Mitte" dieser Partei sitzt in diesen Gruppen. Und in dieser „Mitte" sind konkrete Mordfantasien gegen den Kanzler und die Wirtschaftsministerin und jeden anderen Demokraten schlicht Umgangston.

Wer unter Klarnamen öffentlich Politikermorde herbeiwünscht, „freie Meinungsäußerung" unter ein Gewehrbild schreibt und Frauen in der Regierung mit NS-Vokabular belegt, ist nicht „besorgt" und nicht „abgehängt". Er ist ein Rechtsextremist. Und die AfD ist die Partei, die diesen Menschen ein politisches Zuhause bietet. Das ist keine Wählergruppe, die sich mit einem härteren Migrationskurs, mehr Abschiebungen oder schärferem Arbeitsmarktrecht besänftigen lässt. Das sind Leute, die Menschen „an die Wand stellen" wollen. Man kann mit ihnen nicht reden, man kann sie nicht überzeugen, man kann sie nicht „zurückholen". Demokratisch bleibt nur, sie zu isolieren und die Partei, die sie bündelt, politisch und zivilgesellschaftlich konsequent zu bekämpfen. Und über ein Verbot dieser Partei zu sprechen, bevor es zu spät ist.

Euer Rechtsruck befeuert diesen Hass

Dass diese Gefahr real ist, zeigen die offiziellen Zahlen. Die rechtsextremen Straftaten sind 2025 laut Bundeskriminalamt erneut angestiegen. Wir sind schon bei 1521 Fällen rechtsextremer Gewalt, ein neuer Rekord. Darunter zwei Mordversuche. Bundespräsident Steinmeier hat am Jahrestag des Mordes an Lübcke daran erinnert, dass „die Kontinuität der rechtsextremen Gewalt gegen Menschen in unserem Land lange zurückreicht – und weitergeht". Der hessische Innenminister Roman Poseck, ebenfalls CDU, hat im selben Kontext klargestellt, dass „die größte Bedrohung für unsere Demokratie vom Rechtsextremismus" ausgeht. Die Partei ist längst von den Neonazis und Faschisten übernommen worden. Wer diese Partei wählt, wählt keinen „Protest". Er wählt bewusst den Faschismus.

Und hier muss ein Missverständnis ausgeräumt werden, das in Berlin offenbar Konjunktur hat. Friedrich Merz und Katherina Reiche scheinen zu glauben, sie könnten die Wut dieses Milieus einhegen, indem sie ihm programmatisch entgegenkommen. Merz spricht inzwischen öffentlich vom „Problem im Stadtbild" und macht damit die Sprache der AfD zu seiner eigenen. Die Regierung verschärft Migrations- und Sozialpolitik im Wochentakt. Teils rechtswidrig. Die Idee dahinter ist immer dieselbe: Wenn wir das Thema „besetzen", nehmen wir der AfD den Wind aus den Segeln.

CDU zerstört sich selbst – die AfD profitiert

Diese Idee ist empirisch widerlegt. Eine vielbeachtete internationale Studie von Werner Krause, Denis Cohen und Tarik Abou-Chadi hat 50 Jahre Wahldaten aus zwölf westeuropäischen Ländern ausgewertet und kommt zum Ergebnis, dass „accommodative strategies will not pay off for mainstream parties" – das Kopieren rechter Positionen die Rechtsaußen-Parteien nichtschwächt, sondern sie stärkt. Die Universität Mannheim fasst zusammen:

„Mainstream parties that put a strong emphasis on key issues of the radical right lose particularly many votes to them." Und die Leipziger Autoritarismus-Studie 2024 kommt für Deutschland zum selben Schluss: Weil AfD-Wähler inhaltlich mit der Programmatik dieser Partei „eindeutig übereinstimmen", sei „zweifelhaft, ob sie durch Angebote in Politikfeldern, die wie das Thema Migration durch die extreme Rechte bearbeitet werden, zurückgewonnen werden können". Die Wähler wollen nicht die Kopie. Sie wollen das Original – also genau das, was sie in den AfD-Gruppen auf Facebook ganz offen als ihre Überzeugung formulieren.

Und genau dieses Original bekommen sie. Nach der Bundestagswahl im Februar 2025 lag die AfD noch bei rund 21 Prozent. Ein Jahr harten Rechtskurses und Stadtbild-Debatte später steht sie im aktuellen ZDF-Politbarometer bei 26 Prozent – vor der Union, die immer weiter an Zustimmung verliert. 65 Prozent bescheinigen Kanzler Merz schlechte Arbeit, 63 Prozent sind mit der Regierung insgesamt unzufrieden. Die harte Rechts-Strategie der Union funktioniert nicht nur nicht. Sie bewirkt empirisch exakt das Gegenteil dessen, was sie vorgibt zu erreichen. Und das nur in der vielleicht inzwischen naiven Hoffnung, dass die Rechtsbrüche und der Rassismus strategisch verwendet werden. Und wir nicht einfach schon längst eine überzeugte, rassistische Regierung haben.

Merz hilft denjenigen, die ihn totsehen wollen

Damit es kein Missverständnis gibt: Man muss die Politik von Merz und Reiche nicht gut finden, um die Morddrohungen gegen sie unmissverständlich zu verurteilen. Wir bei Volksverpetzer kritisieren und faktenchecken diese Bundesregierung regelmäßig – ihre katastrophalen Rechtsbrüche, Migrationsrhetorik, ihre Energiepolitik, ihren sozialpolitischen Kurs. Das ist die Arbeit einer demokratischen Öffentlichkeit. Zwischen dieser Kritik und Kommentaren, die Gewehrbilder mit „Das ist für dich Merz" posten, liegen aber keine Nuancen, sondern Welten. Inhaltliche Kritik ist die Grundlage einer offenen Gesellschaft. Das andere ist die Vorstufe jener rechtsextremen Gewalt, die in diesem Land bereits gemordet hat.

Und genau deshalb muss die Bundesregierung sich noch einmal sehr genau anschauen, woher die Drohungen gegen ihre eigenen Spitzen eigentlich kommen. Sie kommt nicht „von beiden Seiten". Sie kommen aus dem organisierten digitalen Rückraum einer Partei, deren Anhänger laut Mitte-Studie und Leipziger Autoritarismus-Studie das höchste rechtsextreme Einstellungs- und Gewaltpotenzial aller Parteianhänger aufweisen. Wer heute glaubt, er könne diesen Apparat durch die Übernahme seiner Themen entschärfen, hat weder das Milieu verstanden, noch die Forschung gelesen, noch die (eigenen) Facebook-Kommentarspalten. Die wahre Gefahr für diese Demokratie sitzt nicht bei denen, die Merz und Reiche sachlich kritisieren. An deren Förderung die Merz-Regierung zu großer Freude der Hetzer in den AfD-Gruppen sägt. Sie sitzt in den Gruppen, die gerade Gewehrbilder mit ihren Namen posten – und die, wenn man sie ließe, offenbar den Kanzler und seine Ministerin als Erstes an die Wand stellen würden.

Artikelbild: Kay Nietfeld/dpa, canva.com (Bundestag), Screenshots: DieInsider. Teile des Artikels wurden mit maschineller Hilfe erstellt. Wie Volksverpetzer KI verwendet.

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