„Juden haben das Böse gelernt“: „Querdenker“ & Impfgegner Bhakdi wegen Antisemitismus kritisiert

| Bericht | 14. Juli 2021

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Querdenker Bhakdi äußert Antisemitismus

Desinformationsverbreiter Dr. Sucharit Bhakdi, einst respektierter Professor für Mikrobiologie, hat sich wie so manche andere „Querdenker:innen“ seinen wissenschaftlichen Ruf im Ruhestand in der Corona-Pandemie gehörig ruiniert. Unbeirrt verbreitet er seit Monaten eine Falschinformation über Corona nach der anderen. Er macht unbelegte Behauptungen, stellt wissenschaftlich unhaltbare Thesen auf und wird wieder und wieder von Kolleg:innen – und von der Realität – widerlegt. Das hinderte ihn nicht daran, gemeinsam mit seiner Frau ein Fake-News-Buch zu schreiben, das sich unter Pandemie-Leugner:innen gut verkauft. Wie falsch und unseriös seine Thesen dort sind, haben wir schon hier analysiert. Er veröffentlicht demnächst noch ein weiteres, vermutlich ähnlich unseriöses Buch.

Die größten Fakes im Bhakdi-Buch: Wir haben “Corona Fehlalarm?” gelesen, damit ihr es nicht müsst

„Juden haben das Böse gelernt“

Jetzt geht er offenbar den Weg, den viele Verschwörungsideolog:innen gehen: den in den Antisemitismus. In einem für ihn inzwischen typischen Anti-Impf-Propaganda-Interview kam der diskreditierte Forscher und Verschwörungsideologe Bhakdi auf Israel und „die Juden“ zu sprechen. Er erklärt zuerst, dass er einst „die Juden“ verehrt habe, aber jetzt hält er die erfolgreiche Impfkampagne Israels für etwas Schlimmeres als die NS-Diktatur und offenbar auch den Holocaust. Wörtlich sagte er die offensichtlich antisemitischen Sätze:

„Die Juden haben ihr Land in etwas verwandelt, was noch schlimmer ist, als Deutschland damals war. Das ist das Schlimme an den Juden. Sie lernen gut. Aber sie haben das Böse jetzt gelernt.“

Der Antisemitismus-Beauftrage Baden-Württembergs, Michael Blume, erklärte auf Twitter, das seien „unerträgliche und den NS-relativierende Aussagen“ von Prof. Bhakdi. Er erinnerte daran: „Bereits letztes Jahr warf Herr Bhakdi einer deutschen Ministerin die »Vergiftung unserer Kinder durch CO2« vor!“ (Quelle). Auch die Politikerin und Publizistin Marina Weisband erklärte, nach Attila Hildmann sei auch Bhakdi „unter die Hardcore-Antisemiten gegangen“. „Wer solche Leute als Wissenschaftler IRGENDWOHIN einlädt, macht das Leben in diesem Land aktiv gefährlicher.“

Bhakdi kandidiert für „Querdenken“-Partei „die Basis“

Bhakdi hat sich längst bereits als Verschwörungsideologe und völlig unseriöser Desinformationsverbreiter etabliert und geschickt mit seinem eigentlich nicht wenigen Wissen über Mikrobiologie die Anhängerschaft über Corona und Impfungen getäuscht.

Die Überzeugungstricks von Sucharit Bhakdi analysiert

Längst verbreitet er auch die offenkundig unsinnige These, die typisch in der „Querdenken“-Szene und unter Rechtsextremist:innen sind, dass Deutschland eine Diktatur sei. Er hatte behauptet, er wolle deswegen auswandern.

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Als eines ihrer prominentesten Gesichter kandidiert Bhakdi für die „Querdenker:innen“-Partei „dieBasis“ auf Platz 3 in NRW (Quelle). Die verschwörungsideologische Partei, die sich aus der „Querdenken“-Bewegung entwickelt hat, hat jedoch keine Chancen auf Einzug in den Bundestag. Schauspieler und Mitinitiator von #Allesdichtmachen, Volker Bruch, hatte ebenfalls Mitgliedsantrag bei dieser Partei gestellt (mehr dazu).

Analyse von „dieBasis“: Wer und was steckt hinter der „Querdenker“-nahen Partei?

Bhakdi ist außerdem Vorstand und Gründer eines „Querdenken“-Vereins, in dem „Mediziner und Wissenschaftler“ mit größtenteils wenig bis gar keinem Fachwissen über Corona und Virologie pseudowissenschaftliche Aussagen und „Studien“ propagieren, um ihre faktenferne Weltanschauung, wie z. B., dass Corona ungefährlich, Masken aber schon gefährlich seien, vermeintlich zu untermauern. Neben Bhakdi waren Mitgründer der bereits ins Ausland geflüchtete und ebenfalls völlig radikalisierte Schwindelarzt Schiffmann und der auf Twitter Andersdenkende wüst beschimpfende Verschwörungsideologe und vorzeitig in den Ruhestand gegangene Finanzprofessor Stefan Homburg.

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Verschwörungsideologien landen oft im Antisemitismus

Der Weg vom Glauben von Fake News zu „Querdenken“ und anderen verschwörungsideologischen Strömungen landet oft in letzter Instanz beim Antisemitismus, wenn auch nicht zwangsläufig oder im gleichen Tempo. Bekanntes Beispiel ist Attila Hildmann, der von Corona-Fake-News zum „Querdenken“-Redner bis zum vollen Antisemiten radikalisiert wurde.

Jetzt offener Antisemitismus: Hildmann hängt die Hundepfeife an den Nagel

Dem Vereinskollegen Bhakdis, Homburg, wird ebenfalls das Verbreiten antisemitischer Verschwörungsmythen vorgeworfen. Mehr dazu:

Antisemitismusbeauftragter Blume: Homburg verbreitet antisemitischen Verschwörungsmythos

Wenn man einmal glaubt, dass Staat, Medien und alle Expert:innen einem nicht deshalb widersprechen, weil man offensichtlich Blödsinn redet, sondern weil diese angeblich von „geheimen Mächten“ im Hintergrund kontrolliert werden, ist der Weg nicht weit zum Antisemitismus und dass für einen „Juden“ und „das Böse“ synonym werden. Das ist der Kern, der zum Holocaust führte. Deshalb findet man bei vielen bekannten Verschwörungsideolog:innen derartige Tendenzen. Mehr dazu:

Wie Verschwörungsideologien und Antisemitismus zusammenhängen

Antisemit:innen verwenden in der Regel Codes, um nicht deutlich von „den Juden“ zu sprechen. Typische Begriffe sind zum Beispiel „Globalisten“, ein Begriff, den auch CDU-Kandidat Maaßen verwendet hatte und dafür heftig kritisiert wurde, denn gerade er als Ex-Verfassungsschutzchef muss wissen, wofür dieser Code steht.

Faktencheck Neubauer: Maaßen teilt wirklich antisemitische & rechtsextreme Inhalte

Jetzt erklärte Bhakdi, jenes „Böse“ der Nationalsozialist:innen haben „die Juden“, wie er es nennt, „gelernt“ und durch das Impfen der israelischen Bevölkerung sogar „schlimmer“ gemacht. Offenbar landet man zwangsläufig bei so einem furchtbaren Denken, wenn man wirklich die wahnhafte Propaganda über Impfungen glaubt.

Zum Thema:

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Artikelbild: Screenshot

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