Dreiste Desinformation: Peinlicher Bauchklatscher von Reitschuster!

| Corona-Fake | 18. Januar 2022


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Propaganda-abteilung der AfD schießt Eigentor!

Der Desinformationsblog reitschuster.de vom gleichnamigen Querdenker Reitschuster fällt immer wieder mit hochgradig einseitigen Positionen in der Corona-Berichterstattung auf. Auch in der Bundespressekonferenz (Der Einspruch gegen seinen Ausschluss läuft wohl noch) waren es oftmals die Fragen des Ex-Journalisten, die nur eine Richtung kannten: Wie kann man Wissenschafler:innen und Politiker:innen Aussagen entlocken, die man verdrehen und aus dem Kontext reißen kann? Wie kann man Artikeltitel fabrizieren, die Unwahrheiten hinter rhetorischen Fragen verbergen oder irreführend framen?

Ein zuletzt bei Reitschuster erschienener Artikel wurde nun zur völligen Blamage. So verbissen klammerte sich die Seite an eine Fake News fest, warf mit absurden Anschuldigungen, Framing und Vorwürfen um sich, ohne überhaupt ordentlich recherchiert zu haben. Bis sich dann herausstellte, dass die Faktenchecker die ganze Zeit völlig Recht hatten, was bei Reitschuster bis zu Letzt geleugnet wurde. Es zeigt beispielhaft, wie bei diesem Desinformationsblog die Täuschung und das Bedienen von Narrativen von Querdenken, AfD & Co. im Vordergrund stehen. Die ganze Geschichte:

Fake News über Fake News: Nur bei Reitschuster

Wie wir bei Volksverpetzer und gemeinsam mit vielen Faktencheck-Seiten und seriösen Journalist:innen seit Jahren regelmäßig dokumentieren, handelt es sich bei Reitschuster um ein erschreckend erfolgreiches Projekt, um durch das Bedienen von Verschwörungsmythen und extremistischen Weltanschauungen mit regelmäßig irreführenden und falschen Schlagzeilen Aufmerksamkeit zu generieren und Profit über Klickzahlen und Merchandise zu machen. Wir hatten bereits ausführlich seine Manipulations-Methoden analysiert:

Der große Reitschuster-Faktencheck: Warum der Blog reitschuster.de keine seriöse Seite ist

Um zu zeigen, wie man 1:1 mit den Methoden von Reitschuster reine Fake News produzieren kann, sogar ohne je so gesehen technisch zu lügen, wie er es gern tut, haben wir diesen Artikel geschrieben, zu dem Reitschuster bis heute unseres Wissens nach kein Wort verloren hat. „Was hat er wohl zu verbergen?“, könnte man spaßeshalber fragen.

Böser Verdacht: Reitschuster heimlich von Russland finanziert?

Das hat ihn natürlich nicht daran gehindert, sein lukratives Geschäftsmodell weiter zu betreiben. Denn schließlich kann man durch negatives Framing und Anschuldigungen diejenigen einfach vor seinen leichtgläubigen Fans diskreditieren, sodass sie die Faktenchecks gar nicht mehr lesen oder einfach gleich totschweigen und ignorieren. Und so machen wir uns viele andere Faktenchecker:innen wie vom RND, Faktenfinder oder Correctiv weiter und decken seine Manipulationen weiter auf. Hier ein paar von vielen Beispielen:

Reitschuster gründlich zerstört: Geimpfte haben bestmögliche Immunität

Reitschuster-Fail: Kinder sterben natürlich nicht an „Spike-Proteinen von Geimpften“

Die falsche KSK-Oberleutnant Schneider

Normalweise schweigt sich Reitschuster darüber aus, wenn seine Desinformation von anderen wieder mal widerlegt wurde. Es sei denn, er bzw. seine Autor:innen können den Sachverhalt so verdrehen, dass es in die Narrative passt, die sie verkaufen. So war es mit dem angeblichen „KSK-Oberleutnant a.D.“ und einem Schreiben, das als Kettenbrief in den Kreisen der Querdenker:innen verbreitet wurde. Wie seriöse Medien und Faktenchecker:innen durch Recherche herausfanden, existiert kein KSK-Oberleutnant a.D. mit jener angeblichen Dienstnummer und kann deshalb diesen Text auch nicht verfasst haben (Quelle, Quelle). Die dpa schrieb: „Wie Bundeswehrkreise der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitteilten, gab es jedoch unter den angegeben Nummern nie einen KSK-Oberleutnant Schneider. Das Schreiben und der behauptete Absender seien «frei erfunden».“

Er würde ankündigen, dass die oft gewalttätigen Querdenken-Demonstrationen durch die Bundeswehr „geschützt“ werden sollten und rief dazu auf, gegen die Polizei vorzugehen. Dies ist natürlich Teil der gespielten Opferhaltung dieser Bewegung. Hier der Teile des Kettenbriefs:

Und wann immer eine Fake News oder eine einzelne Meldung in den Querdenken-Kreisen die Runde macht, die vermeintlich deren extremistische Weltanschauung bestätigt, wird es selbstverständlich von Reitschuster am  aufgegriffen, in diesem Fall am 8. Januar.

Die Behauptungen des angeblichen „KSK-Oberleutnants a.D.“, wie, dass dieser “ 68 Auszeichnungen“ erhielt, wurden offenbar ungeprüft übernommen und als Tatsachen berichtet. Außerdem wurde der „offene Brief“ – in Wahrheit einfach ein frei erfundener Kettenbrief aus dem Netz – im Volltext zitiert. Dazu muss gesagt sein, dass die Faktenchecks von z.B. RND oder der dpa offenbar bereits am 6. Januar respektive 7. Januar, also vorher, veröffentlicht waren. Bei Reitschuster werden diese Faktenchecks nicht erwähnt und wurde der Sachverhalt offenbar auch nicht einmal überprüft.

„Bauchklatscher“: Nach Hinweisen über Fake News schießt Reitschuster zuerst zurück, bevor er ordentlich recherchiert

Dieses Verhalten von Reitschuster ist alles andere als ein Einzelfall, wie oben erwähnt werden Faktenchecks (und die entsprechenden Fakten) ja regelmäßig von der Desinformations-Seite ignoriert, da man seiner Leserschaft ja nicht eine wahrheitsnahe Realität verkaufen will, sondern nur vermeintliche Bestätigung ihrer Weltbilder. Fakten und Kontext, die diesem widersprechen sind störend und müssen umständlich geleugnet oder bequem ignoriert werden. Offenbar waren diesmal die Hinweise, dass Reitschuster wieder mal Fake News verbreitete, der Redaktion zu viel.

Oder wahrscheinlicher: Da man diesmal (wie sich herausstellte zu Unrecht) sicher war, genug Ansätze zu haben, um auf die Faktenchecks ausnahmsweise zu reagieren, holte die Seite zum großmundigen Gegenschlag aus. Am 17. Januar titelte Reitschuster.de mit gewohntem, irreführenden Framing „Dreiste Desinformation: Bauchklatscher der RND- und dpa-Faktenchecker“ [sic].

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) wurde gar zur „Propagandaabteilung der SPD“ [sic] erklärt und das Titelbild ist eine Kollage aus dem SPD-Logo und dem des RND. Ein schönes Anschauungsbeispiel, wie extrem bei Reitschuster geframed wird. Dort wird die „Desinformation“ gleich „dreist“, ein Faktencheck zu „Propaganda“. Man macht sich über einen „Bauchklatscher“ lustig. Es ist klar: Die Leserschaft soll vor allem die Emotionen erkennen, Schadenfreude entwickeln über den dort wahrgenommenen Feind, der der Einfachheit halber praktischerweise zusammengefasst wird, da werden unabhängige Medien, die Partei, Faktenchecker-Seiten, die ganze Politik zu einem Gegner zusammengeschrumpft.

Reitschuster.de blamiert sich

Der Autor auf reitschuster.de schreibt – und hier kann man die Ironie dieser Sätze nicht überbetonen:

„Wir sollten ordentlich recherchieren und aufhören, Falschinformationen zu verbreiten, so der Vorwurf. Der genannte Soldat würde überhaupt nicht existieren, hieß es da immer wieder. Wir wunderten uns über das Misstrauen, da der Aufruf für authentisch gehalten wurde und dies auch im Vorfeld verifiziert worden war.“

Das Misstrauen ist die ganze Zeit da, da Reitschuster schließlich tagtäglich bestätigt, dass man eigentlich keiner Zeile dort trauen darf. Entweder ist der Sachverhalt eben nicht so, wie im Titel geframed, oder gleich völlig daneben. Schreibt Reitschuster eine Schlagzeile als rhetorische Frage, ist die Antwort meistens: „Nein“. Das gibt er oft sogar weiter unten im Artikel sogar zu, wohl wissend, dass das Framing schon ohne die Fakten die Weltbilder verstärkt. Denn wie sich in diesem Fall schön offenbarte: Verifiziert wurde der Aufruf ja eben nicht.

Zunächst wird auf Reitschuster.de impliziert, dass das RND und die dpa wohl nicht getäuscht wurden, sondern bewusst lügen würden (Man muss ja für die Feindbildbildung Absicht und Bösartigkeit unterstellen, um die Verschwörung aufzubauen). Gar wird – typisch in Form mehrerer Suggestivfragen – unterstellt, das RND und die dpa hätten ihre Quellen nur erfunden. Dann erklärt man, man könne die Existenz des erfundenen Oberleutnants a.D. mit einer einzigen Internetsuche verifizieren. Also: Er habe einen Soldaten mit so einem Namen gefunden. „Einfach mal googlen“ – ein bekanntes Credo der Querdenker:innen, um echte Expert:innen, Studien und Wissenschaft vermeintlich zu widerlegen. Das war’s, wirklich. Und für später merken: Ein angeblicher Informant aus der Bundeswehr als weitere Quelle wird an dieser Stelle nicht erwähnt.

Kaum Fakten, viel Verschwörung

Der „Gegenbeweis“ ist hier schon zu Ende. Danach werden in typischer Verschwörungserzähler-Manier Verbindungen über mehrere Ecken vom RND zur SPD beschrieben – natürlich um damit vermeintlich zu belegen, dass die angebliche Lüge einem politischen Zweck diene: „Das Medienorgan als Propaganda-Waffe. Eingesetzt zum Zwecke von Agitprop, Zersetzung und Diffamierung gegen die eigene Bevölkerung und den politischen Gegner.“

Wer nur zwei Sekunden über die Verschwörungserzählung nachdenkt, fragt sich, wieso dann auch die dpa die gleiche Meldung der gleichen Quelle gebracht hat – gehört sie jetzt auch zur… SPD? – oder wie das damit zusammenpasst, dass die Faktenchecks *VOR* dem Artikel von Reitschuster erschienen sind. Präventiver „Agitprop“? Und wieso es „Zersetzung und Diffamierung“ sein soll, wenn man einen Kettenbrief factcheckt.

Hochmut kommt vor dem Fa-äh, „Bauchklatscher“

Das Schöne an dieser Geschichte ist natürlich, dass reitschuster.de hier wieder mal den entscheidenden Fehler gemacht hat, zu versuchen, Faktenchecker mit Fakten zu schlagen. Denn dort muss er zwangsläufig den Kürzeren ziehen. Denn wie aufmerksame Leser:innen sicherlich festgestellt haben, haben wir oben eine ältere Archiv-Version des Artikels von Reitschuster verlinken müssen. Der hämische Artikel war nämlich nur wenige Stunden später wieder offline.

Denn wer hatte wohl Recht? Der Desinformationsblog oder die seriösen Faktencheck-Seiten? Dreimal dürft ihr raten. Felix Huesmann, der Autor vom RND, der immerhin bei der Bundeswehr nachgefragt hatte und tatsächlich mehr recherchiert hatte als nur eine Suchmaschinensuche – im Gegensatz zu reitschuster.de – hat einfach bei der Person nachgefragt, die der Soldat und angebliche Verfasser des Pamphlets sein soll, die auf Reitschuster als Gegenbeweis gelten soll. Huesmann schreibt:

„Ich habe gerade mit dem bei Reitschuster genannten Herrn Schneider telefoniert. Er stellt klar, er sei selbstverständlich „nicht der Verfasser dieses Pamphlets“ und hat mir das auch schriftlich bestätigt.“

Und weiter:

„Reitschusters Autor hat vor der Veröffentlichung seines Textes offenbar keinen Kontakt zu dem Mann aufgenommen. Mit journalistischer Sorgfalt hat das offenkundig nichts zu tun. Für die Behauptung, das RND sei die Propagandaabteilung der SPD gilt selbstverständlich dasselbe. „

Prompt fällt das ganze Märchen von Reitschuster in sich zusammen. Als klar wurde, dass Reitschuster damit ein gehöriges Eigentor geschossen hatte, wurde prompt der Artikel und der dazugehörige Tweet gelöscht. Lediglich der Telegram-Post ist noch zu sehen.

Das ganze Framing, die „Propaganda“ – alles fällt in sich zusammen. Der Grundbaustein für das gesäte Misstrauen und den Hass ist einfach Fake. Wie immer eigentlich. Nur hier nicht mehr zu leugnen.

Die Maske des Reitschuster abgerutscht

Der Fall ist ein Paradebeispiel der Täuschung und der haltlosen Behauptungen, die regelmäßig auf Reitschuster veröffentlicht werden. Das war kein „Ausrutscher“, hier hat Reitschuster versehentlich selbst enthüllt, wie hinter den Kulissen beim Desinformations-Blog gearbeitet wird. Im Gegensatz zu seriösen Medien besteht „Recherche“ dort oft aus Googlen und dem Teilen von Einsendungen oder viralen Fake News aus der Querdenken-Szene, die selten überprüft werden, sondern einfach nur ohne Kommentar zitiert oder mit hohlen Phrasen versehen, in der Richtung wie „Wer weiß schon, was richtig ist?“, die ihn von der Verantwortung für irreführende Schlagzeilen freikaufen sollen. Und es ist ja nicht das erste Mal.

Letzten Oktober, nach dem Rauswurf von BILD-Chef Reichelt fiel Reitschuster auch auf einen Satire-Telegram-Kanal herein und bot ihm gleich einen Job an – zusammen mit mehr Verschwörungsmythen.

Wir berichteten:

Peinlich: Reitschuster & Co fallen auf Fake-Reichelt-Kanal herein

Es passiert ja offensichtlich regelmäßig, dass Reitschuster „versehentlich“ einfach blind das teilt, was vermeintlich in sein bzw. das Weltbild seiner Leserschaft bestätigt. Klicks und Narrative vor Wahrheitsgehalt und Recherche. Allein in diesem Artikel haben wir ja unzählige dieser Täuschungen entlarvt, die Kolleg:innen von RND, dem ARD-Faktenfinder und Correctiv machen das auch dauernd. Hier noch einer:

WHO-Zitat verdreht: Fake-News-Blogger Reitschuster von Regierungssprecher Seibert zerlegt

Oder machen wir ganz aktuell spontan einen neuen Faktencheck: Das hatte Reitschuster gestern in Telegram geteilt. Tenor: „Und solchen Gestalten soll ich […] vertrauen?“ und „#FakeNews“, „#Impfpropaganda“ ist die zitierte Teilung.

Denn tatsächlich: In der Grafik vom Bundesgesundheitsministerium hat sich ein Fehler eingeschlichen, sie haben einen Zahlendreher in der Grafik (ganz klein unten) drin. Für Reitschuster – der sich mit dem Inhalt der Teilung ja gemein macht – und seine Fans ist jedoch aber klar: Das BMG hat „Fake News“ verbreitet! Der Kurzschluss: Alles ist „Impfpropaganda“, was diese teilen. Was Reitschuster (und seine Quelle) aber verschweigt – und NICHT recherchiert: Was sind denn die tatsächlichen Zahlen? Wie sehen die Fakten aus, wenn man den Zahlendreher korrigiert? Was man ebenfalls verschweigt: Dass das BMG den Fehler natürlich selbst bemerkt hat. Und die Grafik korrigiert neu hochgeladen:

Und jetzt? Jetzt werden die Grafik und die Fakten dahinter verschwiegen. Kaum kann man keinen kleinen Zahlendreher ausschlachten, wird es nicht mehr erwähnt. Darf man nicht mal Fehler machen?, frage ich, augenzwinkernd. Später dazu mehr. Reitschuster täuscht auch, indem er nur selektiv die Dinge seinen Fans zeigt, die ins gewünschte Bild passen. So auch der „Anti-Faktencheck“ mit dem „Bauchklatscher“-Artikel. Alles weitere wird stets verschwiegen oder ignoriert.

Nachtrag: Ganz fehlerfrei ist die korrigierte Fassung allerdings auch nicht. Entdeckt und kritisiert hat das aber nicht Reitschuster, denn das würde ja Recherche und genaues Analysieren der Materie bedeuten, sondern die ach so verhassten Faktenchecker:innen von Correctiv, hier.

Jede:r macht mal Fehler – Doch bei Reitschuster ist das das Geschäftsmodell

Wie die meisten sicher schon bemerkt haben, haben wir mit diesem Artikel, vor allem in der Überschrift und Titelbild Reitschusters Artikel parodiert. Der erste Absatz ist fast 1:1 kopiert. Das haben wir ja schon mal gemacht, hier. Der „Bauchklatscher“ usw. und die Verbindung zur AfD. Die kann ich mindestens genau so gut belegen wie Reitschuster die Verbindung der SPD zum RND. Hier AfD-Politiker Laatsch zu Reitschuster:

Ich habe oben spaßeshalber auch „Propaganda-Abteilung der AfD“ geschrieben, es ist genau so wahr wie die Dinge, die Reitschuster so von sich gibt. Ihr merkt, wie leicht es ist, hier Dinge zu suggerieren. Ich könnte auch schreiben: „Wird Reitschuster für seine Lügen von der AfD bezahlt?“. Die Antwort ist: Nein. So funktioniert das alles nicht. Sie geben ihm halt gerne Geld, weil er die Narrative und Fake News bedient, die die Verschwörungsmythen stärken, von denen die AfD profitiert. Spenden sind auch nicht zwangsläufig Einflussnahme. Hört auf, die Welt so simpel zu sehen!

Und ich könnte auch – ganz im Stile Reitschusters – den Artikel an dieser Stelle beenden. Und bequem verschweigen, dass Reitschuster nicht nur stillschweigend den Fake-Meta-Fake-Artikel (Öh…?) gelöscht hat, sondern auch eine Richtigstellung und sogar Entschuldigung veröffentlicht hat. Der erste Artikel zum Thema hat eine neue Überschrift und einen Absatz, der erklärt, dass man sich auf „einen bisher immer verlässlichen Informanten aus der Bundeswehr“ bezogen hatte. Ein angeblicher Informant, der seltsamerweise aber im „Bauchklatscher“-Artikel gar nicht erwähnt wird und von dem ich an dieser Stelle das erste Mal lese. Also: Es soll Recherche gegeben haben, aber jemand anderes habe sie getäuscht. Mh, komisch, als RND und dpa sich auf Informanten aus Bundeswehr-Kreisen bezogen, spekulierte Reitschuster, dass die Quelle erfunden sein müsse. Und jetzt hat er plötzlich einen eigenen „Informanten“. Hat da etwa jemand wieder mal seine eigenen Methoden den anderen vorgeworfen?

Und er veröffentlichte einen Artikel über sich selbst anstelle des zunächst gelöschten Artikels:

Und auf Instagram:

Reitschuster heuchelt Fehlerkultur

Wenn wir seine Richtigstellung verschwiegen hätten, würden wir es übrigens genau so machen, wie er es bereits mit Volksverpetzer tat. Er sagt, man dürfe Fehler machen und es sei okay, wenn man diese transparent korrigiert. Gilt natürlich nur für ihn, nicht für andere. Ratet mal, was er Ende 2020 mit einem Fehler von Volksverpetzer aus dem Januar 2020 gemacht hatte. Um uns zu diskreditieren, hat er seinerzeit einfach mal unsere zu diesem Zeitpunkt sechs Monate alte Richtigstellung vor unserem Artikel rausgeschnitten und verschwiegen.

Die „[…]“ hat Reitschuster eingefügt, der rote Pfeil ist von uns
Darauf hat er eigentlich nie reagiert. Die ganze Geschichte haben wir hier erklärt:

Skandal!! Volksverpetzer hat Corona verharmlost?!

Leider ist auch die geheuchelte Richtigstellung von Reitschuster natürlich nicht richtig: Er behauptet, er habe eine „Überschrift und Unterzeile gewählt, die für mich die verbale Maximalstrafe ist“. Aber es ist natürlich eine viel harmlosere Überschrift als die, mit der er das RND angegriffen hat. Denn er hat nicht von „Dreister Desinformation“ über sich selbst gesprochen. Oder sich selbst unterstellt, eine „Propaganda-Abteilung“ einer anderen Partei zu sein. Das haben wir für ihn übernommen, bitte schön. Er hat nirgends unterstellt, dass er von mächtigen Kräften fürs absichtliche Täuschen und Lügen bezahlt werde. Außerdem ist der Artikel (inzwischen?) nicht mehr „ganz oben, ganz groß“ auf Reitschuster.de zu finden, wie angekündigt. Sondern relativ klein, ziemlich weit unten. So viel dazu. Da ist jetzt das:

Screenshot Startseite reitschuster.de

Warum soll es für Reitschuster in Ordnung sein, auch mal ohne ordentliche Recherche vor galoppieren zu dürfen, und andere Medien zu diffamieren, aber wenn jene Medien, gegen die er so hetzt, die Wahrheit schreiben, dann werden sie zur Propaganda zu erklärt, ihnen Lügen unterstellt, sie als Teil einer imaginierten Verschwörung konstruiert. Wir haben gesehen: Wenn andere Medien die Wahrheit schreiben, sind sie für Reitschuster „Propaganda“, wenn die Seite genau mit diesen Vorwürfen aber einen „Bauchklatscher“ hinlegt, ist das entschuldbare Fehlerkultur – aber nur weil er seinen Fehler jetzt sehr transparent nicht mehr leugnen kann.

Es liegt der Verdacht nahe, dass Reitschuster einfach seinen politischen Gegner:innen nur die Dinge und Manipulationsmethoden vorwirft, die er kalkuliert selbst täglich nutzt.

Entschuldigung für Fake News… die schon vor seinem Artikel bekannt war?

Denn lasst euch nicht täuschen – wie so viele seiner treuen Fans – das ist kein großmütiges Eingeständnis, einen Fehler gemacht zu haben – etwas, was Reitschuster ja wie z.B. im Fall Reichelt ja offenbar regelmäßiger machen muss – es ist eine letzte Notbremse. Denn wie wir oben belegt haben, existierten die Faktenchecks ja noch vor diesem falschen Reitschuster-Artikel! Im Gegenteil, selbst der Hinweis der Faktenchecker hat Reitschuster zunächst nicht dazu bewegt, seine Fake News zu korrigieren. Faktenchecks, die zum Zeitpunkt des „Bauchklatscher“-Artikels bereits fast zwei Wochen öffentlich waren. Er hat Richtigstellungen seriöser Medien einfach aus Gewohnheit über eine Woche ignoriert. Anlass für Richtigstellungen hat er quasi jeden Tag.

Nein, er musste sich jetzt entschuldigen, weil er – wohl verblendet von seiner eigenen Ideologie – dachte, er könne es besser wissen als echte Journalist:innen, die ihn regelmäßig widerlegen. Die Seite ist über ihr eigenes Ego gestolpert und dachte, sie könne sich hier an seriösen Medien „rächen“, deren Faktenchecks sie sicherlich tagtäglich ärgern, die sie aber meistens verschweigen müssen, weil sie höchstens lauwarme Ausreden haben, warum sie die Fakes verbreitet haben. Wir hatten das ja ausführlich bereits erklärt.

Wer einfach davon ausgeht, dass das Gegenteil dessen wahr ist, was in einer Reitschuster-Schlagzeile steht, wird sicherlich öfters richtig liegen. Oder wenn man jede Suggestivfrage mit „Nein“ beantwortet. Oft schreibt Reitschuster wie bereits analysiert ja in seine Artikel gleich mit hinein, warum seine falsche oder irreführende Schlagzeile falsch oder irreführend ist. Reitschuster ist lediglich Querdenken-Clickbait. Oder er redet sich damit heraus, dass er ja erklärt habe, sein Artikel basiere nur auf Spekulationen auf „Fragen“ („Zufall?“) oder Einsendungen seiner Fans, die er zur Diskussion stellen möchte, anstatt diese selbst zu prüfen.

Fazit: Geschäftsmodell Reitschuster

Reitschuster.de kann nicht aus diesen „Fehlern“ lernen, denn es ist ihr Geschäftsmodell. Gab es irgendwo eine Entschuldigung beim RND für die Vorwürfe? Nein, diese als Spekulationen getarnten Vorwürfe seien ja genau das – nur Spekulationen! Man habe nur Tatsachen herausgesucht und „Fragen gestellt“. Denn die Fakten sind zweitrangig, wichtiger ist es, alle Andersdenkenden zu diffamieren und die gleichen, wahrheitsfernen Narrative zu bedienen, Gegenargumente zu verschweigen und den zahlenden Fans immer wieder zu versichern:

Ihr seid im Recht, die anderen lügen sicher nur. Egal, was ihr hört, was euch widersprecht, denkt nicht darüber nach, prüft nicht nach, sie wollen euch nur austricksen. Nicht jedoch wir von Reitschuster, wir stellen „kritische Fragen“, deren Antworten entweder nicht gegeben werden oder stets nur weiter unten im Text versteckt sind, weil die Schlagzeile eigentlich nicht stimmt und wir das sogar wissen. Vielleicht wird sich Reitschuster auch über diesen Artikel von uns ärgern. Wenn er darauf reagiert, dann schafft er das sicherlich nicht ohne Auslassungen, ohne Dinge zu verschweigen oder anders zu framen. Nicht ohne uns unabhängigen, privaten Blog auch zur großen Verschwörung dazu zu dichten. Oder lange graben, um echte oder vermeintliche Fehler von uns finden. Hoffentlich diesmal nicht, ohne unsere Richtigstellung wegzuschneiden. Wetten? Oder aber: Er wird auch diesen Artikel wieder mal ignorieren, wie die meisten Faktenchecks.

Eines glaube ich ihm allerdings sofort: Er wird aus diesem Fehler lernen. Und wahrscheinlich noch mehr Faktenchecks lieber verschweigen, als sich damit zu blamieren.

Zum Thema:

Merkel zerstört Desinformations-Blogger Reitschuster mit nur einem Satz

Artikelbild: Michael Bihlmayer / Screenshot youtube.com / Änderungshinweis 23:00: Diverse Formulierungen

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